Jetzt ist alles aus #nachderklapse

Morgen fahre ich nach hause. Dann liegen 25 Wochen in der Psychiatrie und nochmal knapp 5 Monate Wartezeit auf die Reha hinter mir.

Ich habe meine Depression immer noch. Insofern muss ich die, die erwarten, ich komme topfit nach hause enttäuschen.  Aber ich habe Mittel an die Hand bekommen, Strategien, wie ich besser mit meinen depressiven Phasen umgehen kann.

Ich habe auch jetzt noch gelegentlich Suizidgedanken. Aber weit entfernt von den dunklen, sehr realen Phantasien Anfang des Jahres. Und ich habe denen verziehen, die mich so weit führten. Denn Hass oder Wut bringen letztlich mich nicht weiter und würden von den anderen nicht verstanden.

Ich habe wieder Seiten an mir entdeckt, die ich über Jahrzehnte begraben hatte. Meine Liebe zur Kunst. Meine Freude am kreativen Schreiben. Sinn für die Familie statt nur fürs berufliche Funktionieren.

Wer mir jetzt mit Kultur der Spitzenleistung kommt, dem kann ich nur milde lächelnd abwinken. Das würde nämlich eigentlich nur heißen, mich wieder kaputt machen, irgendwann wieder da landen, wo ich Anfang des Jahres war.

Ich fühle mich stabil, kenne mein Macken und Talente, habe an meiner Hochsensibilität auch wieder ein paar schöne Aspekte erkannt und werde mich hoffentlich nicht mehr so schnell nach den Wünschen derer verbiegen, die nicht mich sehen, sondern was sie durch mich gewinnen können.

Ich bin nicht geheilt, dieser Anspruch wäre zu weitgegriffen und von der Psychiatrie zu viel erwartet. Aber ich habe noch Begleitschutz. Noch habe ich ein paar Therapiesitzungen bei meinem Verhaltenstherapeuten über, und die werde ich für die Zeit der Wiedereingliederung nutzen. Damit man nicht gleich wieder kalt erwischt.

Aber ich habe mich besser kennengelernt denn je. Und dieses neue Wissen werde ich anwenden. Damit ich nie wieder auf einer Treppe sitze mit Rasierklingen und Schlaftabletten.

NIE WIEDER!

Oder um es mit einem Tweet zu sagen, den ich während meiner Therapie abgesetzt habe:

Das Leben ist wie ein Roman, für dessen Happy End man selbst verantwortlich ist.

Die letzte Etappe meiner Reise zurück ins Leben hat begonnen

Seit dem 3. November bin ich in einer psychosomatischen Reha Klinik. Das ganze wird bis zum 8. Dezember dauern. Danach werde ich, so alles gut geht nach dem Hamburger Modell wiedereingegliedert.

Was für ein Jahr, was für eine persönliche Reise. Beinahe mit dem Leben abgeschlossen und jetzt völlig neue Chancen, völlige neue Geschichten.

Ich hoffe, die 5 Wochen werden mich so weit stärken, dass der Einstieg problemlos klappt.

Wer bis zu meiner Entlassung auf dem Laufenden bleiben will, kann mir auf Twitter unter dem Hashtag #ausderklapse folgen. Dort dokumentiere ich Anekdoten, Erlebnisse und Erfahrungen aus meiner Zeit in der Klapsen Reha.

Und danke all jenen, die mich bis hierhin und weiterhin begleiten. Ihr habt mir damit sehr viel gegeben und sehr geholfen. Ihr habt mir Mut gemacht und mir auf einen völlig neuen und sehr positiven Weg geholfen, denn ich mir jetzt nur noch erhalten muss.

Danke euch allen, ihr habt mir bewiesen, dass das Netz, gerade das Soziale doch zu mehr fähig ist als trollen und Quatsch machen. In verdammt dunklen Zeiten haben euere Tweets, eure Nachrichten mir ein wenig Licht gespendet.

Ich stehe in eurer Schuld. Wirklich.

Aus der Klapse, meine Depression und die Presse: Medienreaktionen

Heute mal nur zwei Links zu Artikeln, die DRadio Wissen und das Online Magain Vice über meine Tweets #ausderklapse brachten.

Beiden Plattformen ganz vielen Dank, auch dafür, dass sie meine Tweets wie auch die Aktion und die Motivation authentisch vermittelt haben und nicht wie heutzutage leider oft verfälscht oder polarisiert haben.

Hier gehts zum Beitrag von DRadio Wissen

Hier der Beitrag von VICE

bin bereits mit anderen Medien in Kontakt und falls wer Interesse an dem Thema Depression aus der Sicht eines Betroffenen hat, gerne bei mir melden.

 

Lagebericht vom Land der Bekloppten und Bescheuerten

stuehleMittlerweile bin ich bald die 10 Woche in der Tagesklinik und davor 8 Wochen in der stationären Klinik in Weinsberg. Allen Pflegerinnen und Pflegern, allen Therapeutinnen und Therapeuten meinen wirklich absolut zutiefst empfundenen Dank. Sie waren das kleine tapfere Licht im Dunkel, die helfende Hand, wenn man wieder mal dachte, dass die Welt ohne einen besser wäre. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ihr mir geholfen und mich gerettet habt. Ihr seid meine persönlichen Superhelden.

Weinsberg, viele verbinden damit immer noch Zwangsjacken und völlig Durchgeknallte. Sicher, den einen oder anderen gibt es dort tatsächlich. Ich würde lügen, würde ich das leugnen. Aber die erdrückend große Mehrheit ist eigentlich völlig normal. Aber sie hat seelische Wunden davon getragen. Viele landen in der Psychiatrie wegen Depressionen, Drogenmissbrauch, Alkoholmissbrauch. Dahinter stecken aber, das habe ich sehr intensiv und für mich nicht immer leicht gelernt, seelische Verletzungen die schon Jahre, meist sogar Jahrzehnte zurückliegen.

Und sie hätten verhindert werden können. Bitte, angehende oder gerade gewordene Eltern. Wenn ihr glaubt, ihr wisst nicht, wie Elternsein geht, wenn euch jede Idee fehlt. EINES ist wichtig. Alles andere könnt ihr machen wie ihr wollt, aber bitte ZEIGT EUREN KINDERN DASS IHR SIE LIEBT. Jawohl, das musste geschrien werden.

Was mir fehlte, und zwar gerade als Kind war Liebe, das Gefühl, von jemandem bedingungslos geliebt zu werden. Keine Umarmungen, kein Ich hab dich lieb. Nein, ich war allein. Auch später, bis weit in die Pubertät.

Keine  Seele steht das durch, KEINE. Alle Probleme der letzten Jahre, all die verdammt großen Ängste und verdammt schwarzen Tage hätte ein Wir haben dich lieb in der Kindheit sicher hinfort gewischt.

Also ihr Eltern da draußen, auch wenn euer Kind etwas angestellt hat, auch wenn es schlechte Noten bringt. Bestraft es NIE mit Liebesentzug. Das ist keine Strafe sondern seelische Körperverletzung.

Ich bin jetzt noch eine Woche in der Tagesklinik, danach warte ich auf die Mitteilung von Rentenversicherung und REHA und dann sind es nochmal vermutlich 6 Wochen, bis ich endlich meinen neuen Weg gefunden habe.

Im Moment sitze ich hier, mit Tränen in den Augen und höre seit mind. 1 Jahr zum ersten Mal wieder endlos die unglaublich schöne Musik von Queen, die ich mir in meiner immer dunkler werdenden Phase meiner rezidierenden Depression  nicht mehr erlaubt habe. Weil es einfach nichts glückliches mehr gab. Und das trotz wunderbarer Kinder und toller Ehefrau. Da ist das Monster Depression unerbittlich und zerstört jeden positiven Gedanken, jede glückliche Erinnerung. Nie war ich so vergesslich wie während der tiefen dunklen Phase meiner Depression.

Oh, und Ende des Jahres, wenn ich alles überstanden habe und hoffentlich wieder stabil bin, wird mein erstes Projekt nach der Klapse starten: Aus meinem Tagebuch während des Klinikaufenthalts wird ein Buch entstehen. Eine Autorenagentur wird mich dabei betreuen und ich hoffe, dass ich mit meinen Erfahrungen manche Ängste nehmen kann und wenigstens ein oder zwei Menschen dazu, statt aus dem Leben scheiden zu wollen es anzupacken und sich helfen zu lassen.

Langsam, ganz langsam tauche ich wieder auf, kann wieder lächeln, lachen.

 

Langsam, ganz langsam höre ich auf zu existieren,

 

und

 

beginne zu leben. (Tritt (glücklich) weinend ab)