Jetzt reicht es (selbst mir)

Lange, wirklich lange habe ich Social Media verteidigt. Hab darauf hingewiesen, dass Whatsapp und Twitter mir einst das Leben gerettet haben. Hab Trolle und Querdenker als Nische abgetan.

Aber jetzt werde wohl selbst ich für einige Zeit die sozialen Medien nur noch als Kanal zum Senden aber nicht. mehr zum Empfangen nutzen. Weil weder Diskussionskultur,  noch Anstand, noch Rücksicht auch nur leicht durchscheinen. Sei es der Weltraum, die Natur oder die Ernährung. Es wird nur noch radikal, schwarz weiß gedacht. Die wenigen gemässigten, am Diskurs interessierten Nutzer werden immer lauter und aggressiver niedergetrollt.

Das ist alles nicht mehr schön, es ist traurig und vieles, was im Moment diskutiert wird, erinnert mich fatal an Interstellar, wo Wissenschaft und Forschung sich in Bunker zurückziehen und verstecken musste, weil die Öffentlichkeit die Zusammenhänge zwischen Grundlagenforschung, dem Drang zu den Sternen und der Weiterentwicklung als Spezies nicht zu durchschauen in der Lage waren.

Nein, es geht mir im Moment nicht gut mit dem Umgangston. Twitter und Facebook sind für mich broken beyond repair und selbst Instagram wird immer mehr zur Plattform um eigene radikale Ansichten hinauszuposaunen und die eigene Dummheit hinter Schimpftiraden und Trollangriffen zu verstecken.

Sorry Leute, so nicht. Kriegt euch bitte wieder ein, bis dahin:

 

Mic Drop

Verluste, Einsamkeit und Sinnlosigkeit

Manchmal sind es persönliche Verluste, die einen nach dem Sinn des Ganzen fragen lassen. Die so schmerzen, so vieles in Frage stellen, dass man sich fragt, ob der Weg, den man eingeschlagen hat, wirklich der richtige war.
Mein persönlicher Verlust klingt immer noch nach und wird es noch lange tun. Und er hat vieles in Frage gestellt, was ich für sinnvoll, wichtig, ernst zu nehmen angesehen habe. Ich ärgere mich über Abhängigkeiten, in die ich mich teils begeben habe, die ich aber auch teils selbst verschuldet habe, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Und das härteste von allem ist die wieder auftauchende Frage, ob meine Wahl für das, mit dem ich den Tag verbringe wirklich richtig war. Die Arbeit am Buch über meine Klinikaufenthalte und die Gründe, die Auslöser dafür und jetzt die neue Arbeit am Jugendroman. Vorträge, die mir solche Freude bereiten. Alles Dinge, die ich ja nur so zum Spaß mache und bloß nicht darob meine Pflichten vergessen darf. Darauf ein gepflegtes „einen Scheiß muss ich“.
Wir alle sollten IMMER zunächst an unsere Bedürfnisse denken, dann an die derer, die wir lieben und dann darf, mit großem Abstand der ganze Rest kommen. Und vor allem finde ich es schrecklich, wenn jeder gleich glaubt, alles, was ich über ein Thema schreibe, beträfe mich auch direkt. Das zeigt, wie wenig zu abstrahieren so mancher Mensch in der Lage ist. Private Themen müssen nicht zwangsläufig meine persönlichen Themen sein, berufliche haben eigentlich NIE etwas mit MEINEM Arbeitgeber zu tun. Abstraktionsvermögen for the world.
Nein, ich bin nicht mehr zufrieden mit dem Status Quo. Nein, ich finde es nicht in Ordnung, gezwungen zu sein, über Missstände und Fehlverhalten den Mund zu halten. Aber würde ich sagen, was ich weiß, ich bin mir sicher, man würde mir gekonnt und ohne Spuren dermaßen schaden, dass es meinen Ruin bedeuten würde. Und ich weiß, dass ich überwacht werde. Das hat nichts mit Verfolgungswahn zu tun sondern mit Themen, die mir vorgehalten wurden und die man nur thematisieren konnte, wenn man in meinem Privatleben herumgeschnüffelt hat.
Ich bin in gewissen Dingen genau wieder da, wo ich vor einem Jahr stand. Aber eins ist anders. Dieses Mal will ich weiter leben. Auch, weil ich neben meiner Familie einen Teil meiner erweiterten Familie wiedergefunden habe. Unglaublich vielen Dank dafür Ines, Thomas, Barbara und Klaus. (Und nochmal einen ganz großen Dank für eine wunderbare Email Ines und Thomas)
Und noch mehr Dank meiner eigenen Familie für den Beistand, die Liebe und die Sorge um mich.

Mein Verlust verpflichtet mich aus mir selbst heraus dazu, wieder die richtigen Dinge wichtig zu nehmen, auch und gerade, um die nächsten Jahre mit meiner Depression, mit meiner Angststörung zu erleben, zu überleben. Carpe Diem ist so abgedroschen aber verdammt nochmal: Auch richtig.

Gratulation an die ESA, Rosetta ist aufgewacht

Mit einem „Hallo Welt“ hat sich die Sonde Rosetta aus ihrem zwei jährigen Schlaf zurück gemeldet. Nun kann sie im November auf einem Asteroiden landen. Was für eine Ingenieursleistung. Hier Bilder vom entscheidenden Moment:
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Instagram bekommt Video – der Vine Effekt

Wie Techcrunch verlauten lässt, wird Facebook bei seinem Event am 20. Juni eine Erweiterung von Instagram um Videofunktionen ankündigen. Vermutlich ist dies als Antwort auf den Dienst Vine gedacht, der offensichtlich ein größeres positives Echo erfahren hat, als erwartet.

Eine solche Erweiterung ist nicht überraschend, da man auch mit Blick auf den Börsengang von Facebook seinen zahlenden Kunden natürlich alles aus einer Hand bieten will und da eine Videoplattform wie Vine unliebsame Konkurrenz darstellt.

[appbox googleplay screenshots com.instagram.android]

[appbox googleplay screenshots co.vine.android]

Keine Tweetdeck App und Air Anwendung mehr. Nur noch Web?

Wie Tweetdeck angekündigt hat, will man sich in Zukunft auf die Weiterentwicklung der Webanwendung konzentrieren.

Die Anwendungen für mobile Endgeräte und for Air sollen beendet werden. Das halte ich persönlich für eine sehr seltsame Strategie. Wenn ich beobachte, wann ich wie twittere, so passiert das in der überwiegenden Zahl der Fälle mobil via Smartphone. Insofern halte ich diesen Schritt für eher kontraproduktiv.

Aber ich denke, das ist die Konsequenz daraus, dass Twitter Geld verdienen muss und damit natürlich auch gewährleisten, dass möglichst viele Kunden über das Webfrontend bzw. die eigene Twitterapp  kommen und dann mit mehr Werbung bespielt werden können. Für mich ist das aber ein NoGo, da ich weiterhin die Wahl haben möchte und immer noch mit den Möglichkeiten der mobilen Twitter App nicht so glücklich bin wie mit den Alternativen (zur Zeit nutze ich Plume).

Für mich neben all dem, was mich mittlerweile an Facebook stört noch ein weiterer Grund, mein Augenmerk als Blogger und webaffiner Mensch in Zukunft verstärkt auf Google+ zu richten.

 

 

Twittern für @I_amGermany, meine (positiven) Erfahrungen

Anfang des Jahres durfte ich als Kurator eine Woche im Namen des Accounts „@I_amGermany“ twittern. Wie ich finde eine spannende Idee, die zwar bei mir durch eine Erkrankung etwas anders verlief als gedacht, aber viele interessante Kontakte und sehr intelligente Fragen generierte.

Zunächst mal ist es kein Teufelswerk für @I_amGermany zu twittern. Es gibt ein paar Regeln, die man zu Beginn zugesandt bekommt, die sich aber eigentlich alle mit dem Begriff „gesunder Menschenverstand“ deckungsgleich bringen lassen.

Getwittert habe ich in englisch, was mir nicht wirklich schwer fällt, da ich seit Anbeginn meiner Computerfreakkarriere (anno 1983) viel  auf englisch kommuniziert habe, wenn es im Netz um Computerthemen ging. Spannender waren die Fragen, die an mich gerichtet wurden. Das konnten Banalitäten wie das Wetter sein, aber durchaus auch Fragen zur aktuellen politischen Lage, zum Schulsystem oder einfach zum üblichen Alltag in Deutschland.

Und man bekommt auch viel zurück, denn viele der Tweets beschränken sich nicht auf eine Frage und eine Antwort sondern es entspinnt sich ein Dialog. Dadurch, dass es neben @I_amGermany noch andere ähnlich Initiativen gibt, die sich meist gegenseitig folgen, war man sofort in einem Kreis von Twitterern, die einem parallel aus ihrem Land berichteten.

Es war für mich eine wirklich spannende Erfahrung, die mich einiges hat mit anderen Augen sehen lassen und die ich jedem, der Interesse daran hat, nur empfehlen kann. Nähere Infos für die, die sich bewerben wollen gibt es unter: http://iamgermany.wordpress.com/

Ich twittere für Deutschland

Na ja, klingt jetzt größer, als es ist. Aber vor etwa einem viertel Jahr las ich einen Aufruf der Webaktion: @I_amGermany, in dem nach weiteren Kuratoren für den Twitter-Account gesucht wurde. Die Idee dahinter, im Wechsel twittert ein deutscher Twitterer im Namen von @I_amGermany. Dabei geht es nicht um hochtrabendes, sondern vielmehr darum, einen Eindruck vom Leben in Deutschland aus der Sicht der einzelnen Twitterer zu vermitteln.

Diese Woche (7.-13. Januar) bin nun ich dran, und werde die Community an meinem Alltag teilhaben lassen.

Schon die ersten Tweets haben zu netten Reaktionen geführt und mir wurde, ob des hier doch eher verregneten Montag Morgens bereits etwas australische Sonne angeboten (Dank an @Smithy_kath dafür 😉 )

Die Zukunft des Fernsehens aus meiner Sicht

Heute abend ist es so weit. Die letzte Folge der Rundshow wird sich mit sich selbst befassen. Na ja, eigentlich mit sich als Medium. Es geht um die Zukunft des Fernsehens. Das ist eine Frage, die auch mich interessiert. Denn letztlich schaue ich nur noch sehr selten „klassisch“ fern.

Das meiste passiert bei mir on demand. Sei es, über YouTube oder die Media Angebote von ARD und ZDF. Die Privatsender sind für mich irrelevant, da hier weder inhaltlich Glaubwürdigkeit existiert, noch der journalistische Stil, den ich schätze.

Aber ich konsumiere auch sehr gerne Videopodcasts oder höre Audiostreams wie „Not safe for work“. Es ist ein Konglomerat aus guten Amateurarbeiten, Profijournalismus und seit neuestem so spannenden Konzepten wie der Rundshow oder ZDF Login.

Für mich ist perspektivisch zweierlei zu erwarten:

Zum einen wird es immer weniger „Liveseher“ geben, die wirklich Sendungen dann sehen, wenn sie übertragen werden. HD Recorder, Streamingangebote und Mediatheken werden viele dazu bringen, dann die Sendung ihrer Wahl zu sehen, wenn sie die Zeit dafür haben. Somit muß journalistisch zeitunabhängiger produziert werden, da ich mich z.B. nicht mehr auf eine Tageszeit beziehen darf, wenn ich Programm mache und ich auch immer davon ausgehen muß, dass zum Zeitpunkt des Konsums durch den Zuschauer möglicherweise bereits andere,neuere Informationen existieren.

Und durch die immer größere Zahl alternativer Angebote,von ambitionierten Amateuren wird sich die Rolle des Journalisten wandeln. Meiner Ansicht nach aber eher zum besseren, denn er wird sich wieder mehr aus der „schnellen Nachrichtenvermittlung“ zurückziehen um Faktenrecherche, Validierung von Informationen aus dem Netz und Aggregation von Informationen zu Featuresendungen und Artikeln zu produzieren.

Ich denke, für viele Zuschauer wird das Medium Fernsehen auch in Zukunft ein reines Konsummedium sein, aber das ist ein Phänomen, das das Internet mit ihm teilt. Lediglich ein kleiner ambitionierter Kreis wird sich interaktiv mit den Medien auseinandersetzen. Aber der Rückkanal vom Zuschauer zum Fernsehen wird in Zukunft häufiger existieren und die Idee des „Secondscreen“ hat sich ja, wie man z.B. Sonntags beim Tatort oder bei Großveranstaltungen auf Twitter immer häufiger erleben kann, wo parallel zum Fernsehen über einen zweiten „medialen Kanal“ eine rege Diskussion zum Thema herrscht. Mein Wunsch für viel mehr Sendungen, in denen es um Diskussion und Teilhabe der Bürger geht. Twitterwalls, Twitterticker, Google Hangouts. Partizipation a la Rundshow muss nicht immer sein, aber es gibt viele Formate, wo ich mir das wünschen und für eine spannende und gute Sache halten würde!

Mein Fazit: Trotz aller technischer Hürden durch mangelnde Bandbreite etc.. Die Rundshow als Konzept sehe ich als Wegweiser in neue Möglichkeiten der Partizipation und der weit offeneren Diskussion, als bislang, wo zu TV Talkshows doch eh immer nur „die üblichen Verdächtigen“ geladen wurden.