Blogparade: Wie ist mein Arbeitsplatz der Zukunft ?

Bianca Gade plant ein Buch. Das an sich klingt schon spannend, denn es soll in dem Buch um die Arbeitswelt der Zukunft gehen. Was aber noch viel spannender ist: Ein Teil des Inhaltes soll  von den tatsächlichen Arbeitnehmern kommen, die darüber innerhalb einer Blogparade schreiben sollen.

Nun denn, da das eines meiner Hauptthemen für meinen Blog ist hier einmal meine Vision.

In der Zukunft passt alles, was ich zum Arbeiten als Wissensarbeiter brauche in einen Rucksack (gut, bei mir eigentlich rein aus technischer Sicht schon heute)

Zunächst ist mein Arbeitsplatz nicht mehr ortsgebunden. Dank mobilem schnellen Zugang zum Netz, dank Videotelefonie (Skype zeigt, dass es geht) und mobiler Endgeräte arbeite ich, wo immer ich bin und ich mich wohl fühle. Und das ist es auch, was mich motiviert. Ich organisiere meine Arbeit weitestgehend selbst, werde an der Erreichung der zuvor vereinbarten Ziele gemessen, und nicht an dem Zeitaufwand dafür. Gleichzeitig verwischt Privat- und Beruf, auch in ehrenamtlichen Tätigkeiten finde ich Erfüllung ebenso wie ich auch zu Zeiten für die Firma erreichbar bin, die es früher so nicht gab. Deshalb ist es für mich wichtig, klare Vereinbarungen zu treffen, klare Auszeiten zu planen.

Das wird realisiert über Cloud Dienste, die mir meine Daten und meine Planung online zur Verfügung stellen und diese auch für meine Auftraggeber einsehbar machen. Ein gemeinsamer beruflicher Kalender, der sich mit dem Kalender des Auftraggebers synchronisiert macht meine Verfügbarkeit transparent.

Meine Daten sind verschüsselt in der Cloud abgelegt, dank Online Storage kann ich von überall darauf zugreifen. Der Zugriff kann dabei abhängig von Aufgabe und Ort über Tablets wie IPad oder Galaxy Tab erfolgen, über einen Notebook oder Smartphone. Da wir in Zukunft vermutlich sehr viel schnellere und überall verfügbare mobile Internet Zugänge verfügen werden, wird der feste Anschluss zu hause in weiten Teilen verschwinden.

Eventuell arbeite ich in Zukunft nicht mehr 100 Prozent für einen Arbeitgeber sondern in einer Zwischenform zwischen Freiberuf und Halbtagsstelle für mehrere Arbeitgeber, da ich stets am Ergebnis gemessen werde. Damit wird es meinem Arbeitgeber möglich, zu atmen, dass heißt in Zeiten hoher Last Mitarbeiter intensiver in Arbeitsprozesse einzubinden und in Zeiten von Flauten oder Projektübergängen flexibler zu reagieren. Da Mitarbeiter nicht mehr nach Anwesenheitszeit, sondern nach Arbeitsergebnis bezahlt werden, sind solche Flautezeiten weniger dramatisch als heute und bieten gleichzeitig die Chance, dass auch gemeinnützige Institutionen und das soziale Umfeld des Unternehmens davon profitieren, dass es immer wieder Mitarbeiter gibt, die auch mal Zeit für soziales Engagement finden.

Zugleich gibt es in Zukunft Plattformen, auf denen ich meine Skills für sogenannte Microjobs anbieten kann, unabhängig von dem, was in irgendwelchen Urkunden steht. Denn in Zukunft wird sich die Technologie noch schneller weiterentwickeln, so dass die Weiterbildung in einzelnen Themengebieten dynamischer und automatischer geschieht.

Mein "mobile Office", wie ich es heute in der Rolle als Blogger nutze und morgen vielleicht als Arbeitnehmer?

Ich werde noch ein Büro haben, an dem ich mich gelegentlich mit meinem Autraggeber treffe, aber das wird nur noch als Coworking Space gehandhabt. Dieses Konzept wird sich in Zukunft auch bei Festangestellten durchsetzen, da wir immer mehr in Richtung einer Wissensarbeiterökonomie rutschen, und dort ist es nicht mehr nötig, permanent visuell präsent zu sein.

Schon heute kann ich Arbeit und Privatleben nicht mehr streng trennen und möchte es eigentlich auch nicht. Ich bin Informatiker, auch wenn ich das Büro verlasse und koordiniere schon heute dank Cloud Services Privatleben und Beruf elektronisch.

Und meine Lust am Schreiben und an neuen Technologien realisiere ich auch heute schon als Blogger „nach Feierabend“ und kooperiere hier mit anderen Blogs, mit Unternehmen, die für mich interessante Technologien anbieten oder blogge für Verlage, die mein Themenportfolio interessant und als Mehrwert für ihren Auftritt empfinden. Für mich ist insofern durchaus denkbar auch im Berufsfeld als Autor/Journalist Fuß zu fassen, aber eben nur in einem visionären und flexiblen Umfeld.

Ich denke, wenn man sich vom gewohnten Bild verabschiedet, dass Leistung = Sichtbarkeit ist und endlich in der Formel Leistung = Ergebnis denkt, wird bald klar, dass auch Familien und Privatleben gewinnen können. Dafür braucht es aber einen Cultural Change hin zu dem Bewußtsein, dass eine Balance wichtig ist, dass nicht der zu den High Performern gehört, der möglichst lange arbeitet, sondern der, der die besten Ergebnisse erzielt.

Ich erlebe oft Situationen, in denen man einfach blockiert ist und nichts gelingen will. Hier werde ich in Zukunft einfach sagen können, lass es für heute, hör auf. Dafür gibt es dann andere Tage, an denen ich einfach weil ich will, weil ich im „Flow“ bin mal 12 Stunden arbeite. Andererseits wird es in Zukunft weniger wichtige Momente geben, an denen Eltern nicht bei ihren Kindern sein können, weil es leichter sein wird, mal für ein paar Stunden frei zu nehmen, um z.B. bei der Einschulung oder einem wichtigen Sportereignis dabei zu sein, oder einfach an einem schönen Sommertag was mit den Kindern zu unternehmen. Wir leben in Zukunft nicht, um zu arbeiten und arbeiten nicht um zu leben, wir werden leben und arbeiten, oder wie ich es gerne nenne: Wir werden Work Life Integration erleben.

So, das ist meine Vision des Arbeitsplatzes der Zukunft, wie ich ihn mir vorstelle und ja, auch wünsche. Klingt vielleicht sehr optimistisch futuristisch, aber nur so entsteht Wandel zum Positiven, in dem man an seine Vision einer besseren Zukunft glaubt. In diesem Sinne, lets rock and roll.

 

 

Die kleinen Betrügereien gehen weiter: Hat Apple auch Samsung Galaxy SII Bilder „modifiziert“?

Webwereweld hat sich weitere „Beweismittel“ von Apple genauer angesehen und scheinbar wurden auch Bilder des Samsung Galaxy SII künstlich so angepasst, dass sie eine nicht vorhandene Ähnlichkeit zum IPhone suggerieren. Zudem wurden auch hier der Startbildschirm nicht dem Startbildschirm des Galaxy SII sondern dem nur durch Aufruf einer anderen Ansicht erreichbaren App Menüs gegenübergestellt. Offensichtlich hält man die Richter sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden nicht für so schlau, sich die Geräte im Original anzusehen.

Werte, wer mag. Für mich noch ein weiterer Grund gegen ein Produkt aus dem Haus des angebissenen Apfels und ein weiteres Indiz dafür, dass Apple weder elitär, noch besonders, noch besonders „gut“ ist. It is just another „Make Money Company“

Zeitung zensiert Kommentar zum Osloer Attentat, weil islamistischer Hintergrund vermutet wird.

Ganz schlechte Strategie: Die Fuldaer Nachrichten ließen offensichtlich einen Kommentar zum Osloer Attentat online gehen, in dem ein Herr Schermer gleich wieder den üblichen islamistischen Hintergrund hinter den Vorfällen vermutet. Als nun in verschiedenen Plattformen und Blogs dieser Artikel hämisch diskutiert wurde, hat die Redaktion die schlechteste aller Notbremsen gezogen, und den Artikel aus dem Auftritt entfernt: Aber das Netz vergisst nicht und so ist der Inhalt des Artikels längst in diversen Blogs und Konten gesichert. Auch der Google Cache kennt den Artikel noch: http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:http://www.fuldaerzeitung.de/nachrichten/uberregional/politik/Thema-Keine-Entwarnung;art276,430634

 

 

Tja, man sollte sich vielleicht auch mal informieren. Denn von den 249 Terroranschlägen im Jahr 2010 hatten LEDIGLICH 3 einen islamistischen Hintergrund.

Der Unterschied zwischen Mitarbeiter und Mitunternehmer, Flexibilität 2.0 braucht Freiheit 2.0

Wie oft höre ich in Chats und Gesprächen über die Arbeitswelt der Zukunft die Argumentation: Wir würden ja flexiblere Modelle anbieten, aber unsere Mitarbeiter wollen das gar nicht.

Dazu fallen mir immer zwei Fragen ein. Zum ersten: Haben Sie Ihre Mitarbeiter gefragt? Und haben Sie richtig gefragt?

Wenn ich anbiete, keine Zeit mehr zu erfassen, und dann aber die gesamte restliche Arbeitsorganisation beim Alten lasse wäre jeder Mitarbeiter töricht, der sich auf dieses Spiel einlassen würde, das für sie oder ihn lediglich nach unbezahlten Überstunden schmeckt. Es muss dann auch eine andere Arbeitskultur her, die nicht mehr ortsgebunden ist. Flexibilität muss dann auch räumlich möglich sein. Viele Wissensarbeiter benötigen für ihre Arbeit lediglich einen Notebook und einen Zugang zum Firmennetz. Warum dann ins Büro fahren? Das geht auch von zu hause aus.

Zum anderen stellt sich mir oft die Frage: Wen haben Sie gefragt? So böse das klingen mag, aber gerade die High Potentials die Menschen mit Schlüsselskills wünschen sich oft eine bessere Balance zwischen Beruf und privat, und gerade dort ist der Wunsch nach der Möglichkeit, auch mal zu hause zu arbeiten gross. Ebenso die jungen Berufsanfänger mit den neuesten Skills, die aber bei weitem weniger Wert auf Karriere legen, die eine gute Balance zwischen dem privaten und dem beruflichen Leben fordern. Frage ich aber langjährige Mitarbeiter, die ihr gesamtes Lebenskonzept auf den 9-17 Uhr Job ausgerichtet haben, so werden diese solch neuen Freiheiten generell erst mal misstrauen, ebenso wie so mancher Betriebsrat. Auch bei den Mitarbeitern erfordern neue Arbeitsmodelle ein Umdenken, mehr Selbstverantwortung und die Begabung dazu, auch die eigenen Wünsche wichtig zu nehmen.

Wollen wir wirklich alle an der Arbeitszeit gemessen werden, oder lieber am Arbeitsergebnis? Und wollen wir ein getrenntes Arbeits- und Privatleben, ein Privatleben, das nur noch auf die Regenerierung für den Beruf abzielt (Work Life Balance, wobei die Balance immer die Arbeitskraft erhalten soll) oder wirkliche Work-Life Integration, bei der wir ein Mensch aus einem Guss sind, und nicht unser Wesen am Werkstor abgeben und das Privatleben der Karriere unterordnen. Also ich wünsche mir letzteres. Aber ich bin ja auch wie manche meiner Bekannten, Kollegen und Leser sagen: Komisch 😉

Und noch ein Aspekt bekommt immer mehr Gewicht. Der Trend zum „BYOD“ also Bring you own device. Da hat zum Teil die IT Abteilung gar nicht mehr viel mitzureden. Diejenigen, die es gewohnt sind, ihren Freundeskreis auf Facebook oder Google+ zu pflegen und ebenso ihre beruflichen Kontakte erwarten, dies auch am Arbeitsplatz tun zu können. Auch hier vermilzt zwangsläufig privat und Beruf. Wer hier mit strengen Verboten arbeitet, wer hier glaubt, nur ein 100% für die Firma arbeitender Mitarbeiter ist ein guter Mitarbeiter sollte sich dringenst fragen, warum Firmen wie Google, IBM, Microsoft so erfolgreich sind? Dort wird den Mitarbeitern eben nicht alles verboten, was auch  nur irgendwie nicht nach 100% Humanressourcenauslastung klingt. Wir wissen schon seit langem, dass eine produktive Tätigkeit gerade bei Wissensarbeitern maximal während 70% der Arbeitszeit möglich ist. Aber wir tun immer noch so, als müsste jeder Mensch am Eingang zur Firma zu einem Arbeitsautomaten mutieren. Get real, sage ich da nur. Smartphones, Tablets, Netbooks die auch schon mal einen ganzen Tag laufen. Wir können sie alle verbieten, den Arbeitnehmer zur Arbeitsmaschine verdammen. Aber das fördert weder Motivation noch Loyalität zum Arbeitgeber. Wer seinen Mitarbeitern vermittelt, dass man sie zur Arbeit tragen muss, dass man sie kontrollieren muss, damit die passenden Ergebnisse herauskommen, der wird auch genau solche Mitarbeiter bekommen. Wer Mitunternehmer will, muss auch Freiheiten zulassen.

Crowdsourcing und Coworking. Vom Wandel der (Arbeits-)Welt

In einem sehr interessanten Artikel „Crowdsourcing und Coworking Arbeitsmodelle der Zukunft“ prognostiziert Claudia Pelzer einen grundlegenden Wandel der Arbeitswelt.

Dem kann ich nur zustimmen. In einer Zeit, in der immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse entstehen, und im Gegensatz einige wenige immense Summen verdienen, wird es Zeit für eine Neudefinition des Arbeitsbegriffs. Nur Lohnarbeit ist gute Arbeit gilt schon lange nicht mehr. Wir definieren uns zwar aus Arbeit, aber diese Arbeit muss auch zu uns passen, uns erfüllen, uns begeistern. Das ist heute nur noch einigen wenigen möglich. Hier entsteht für viele der Konflikt zwischen Engagement für die Arbeit und privaten Werten und Vorstellungen.

In Zukunft sehe ich wie auch einige andere Forscher einen Wandel hin zu einer Arbeitswelt in der der bezahlte Angestelltenjob nur noch einen geringen Teil des Alltags ausmacht.

Denn wir werden uns letztlich endlich mal von der Illusion der Vollbeschäftigung verabschieden müssen, in einer Zeit in der immer mehr Berufe wegrationalisiert werden, in der der Kunde immer mehr Tätigkeiten selbst erledigt und vieles über Online Dienste abgewickelt wird. Natürlich müssen sich dann auch die Lebensstile wandeln, weg von einem reinen Konsumleben hin zu mehr Nachhaltigkeit. Das muss nicht heißen, dass man neben seinem „eigentlichen Job“ nicht noch Geld verdient, aber wir werden meiner Ansicht nach immer mehr Menschen finden, die sich aus Interesse auch noch einer anderen Tätigkeit widmen. In vielen Bereichen sieht man das schon heute, vieles der Open Source Szene wäre ohne freiwilliges Engagement nie entstanden und auch Konzepte des Crowdsourcing gehen in die Richtung einer entweder nur gering bezahlten, sehr kleinen Arbeit oder einer kostenlosen Mitarbeit von der in letzter Konsequenz die Crowd profitiert.

Ich will hier keinesfalls der Lohnarbeit ein Grablied singen. Aber wir werden neue Formen, freiere Formen erleben, weg vom 9-17 Uhr Job, hin zu ergebnisorientierter Bezahlung, die durchaus auch andere Tätigkeiten oder eine Reduktion der Arbeit ermöglichen kann, ohne auf gewohnte Annehmlichkeiten zu verzichten. Alles, was es dazu braucht ist Wille zu Experimenten, Mut zur Zukunft und das Bewußtsein, dass Arbeit nicht immer gleichbedeutend sein muss mit „das, wofür ich bezahlt werde“.

Wir erleben schon heute das Heranwachsen einer Generation, (wobei diese Generation eigentlich schon immer existierte, aber durch wirtschaftliche Zwänge oft „offiziell“ anders agiert hat, als sie innerlich wollten) die nicht mehr so karrierefixiert ist, wie noch ihre Eltern. Die neben dem Beruf auch das Familien- und Privatleben für wichtig hält. Die nach einer Balance zwischen Beruf und Privat strebt (was zudem auch den Krankenkassen zu Gute kommen würde, denn wie eine aktuelle Studie zeigt, hängen solche Erkrankungen wie Burn Out auch eng mit der Arbeitszeit zusammen. Bei einer 40 Stunden Woche ist das Burn Out Risiko sechs Mal so hoch wie bei einer 35 Stunden Woche !). Es bleibt spannend, wie sich die Arbeitswelt weiter entwickeln wird.

Machen nur noch die Betrüger Karriere? Empört Euch!

Frau Koch-Mehrin hat plagiiert. Und zu Recht den Doktortitel aberkannt bekommen. Aber dann. Aufstieg zum Vollmitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie. Da wird die Geiß zur Gärtnerin gemacht und die Öffentlichkeit ignoriert dies weitestgehend, nur im Netz regt sich Widerstand.

Für mich zeigt dies sehr deutlich, dass sowohl der Doktor als auch die Wissenschaft weder in Öffentlichkeit noch in Politik ein ihrer Bedeutung angemessenes Ansehen geniesst. Wenn ein Herr Guttenberg zum Helden stilisiert wird, und die plagiierte Doktorarbeit als Bagatelle abgetan wird oder eine Frau Koch Mehrin Karriere trotz Betrug machen kann, dann dürfte es mir in Zukunft sehr schwer fallen, meinen Kindern zu vermitteln, dass man in unserer Gesellschaft mit ehrlicher Arbeit weiter kommt. Vitamin B und talentierter Betrug bringen offensichtlich sehr viel weiter. Schade eigentlich. Aber offensichtlich ein gesellschaftlicher Konsens, der den Schein vor das Sein stellt.

Und übrigens, ich halte es für extrem scheinheilig, wenn Raubkopierer mit Gefängnis bedroht werden, Plagiierer aber politische Karriere machen und/oder von der Mehrheit der Bevölkerung verehrt werden. Das ist Wasser predigen aber Wein trinken.

Oh tempora, oh mores.

Mehr hierzu: Alles nur ein Spiel oder „Wissenschaftler, ärgere dich nicht“

Empört Euch! ( Indignez-vous !) bei:

itre-secretariat@europarl.europa.eu.

FDP

silvana.koch-mehrin@europarl.europa.eu.

Unterschreibt die Petition für einen Rücktritt von Koch-Mehrin!

Offliner gegen Onliner, Dueck gegen Lobo? Oder wo Sascha Lobo irrt.

Offliner gegen Onliner ein Artikel von Sascha Lobo gegen die angebliche Arroganz der Online Community gegenüber den Offlinern schlägt im Netz hohe Wellen. Dabei sind die Aussagen so alt wie die Entwicklung des Fortschritts selbst.
Sicher gibt es den einen oder anderen Onliner, der sich arrogant gegenüber nicht so technik affinen Menschen gibt. In meinem Umfeld muss ich aber danach sehr intensiv suchen. Die meisten angeblichen Digital Natives oder auch einfach nur Technik affinen Menschen bemühen sich sogar sehr intensiv um einen Dialog mit denjenigen, die noch nicht online sind.

Arrogant ist, wer sich arrogant gibt. Und das findet sich ebenso bei den Offlinern, in diversen Artikeln der sogenannten Leitmedien, die sich mit einer gewissen Genugtuung über die angeblich so arroganten Digital Natives echauffieren oder Politiker, die zwar nicht in der Lage sind zu erklären, was ein Browser ist, voller Stolz berichten, dass sie es nicht nötig hätten ins Netz zu gehen aber gleichzeitig gegen die angeblich so tendenziell gesetzesfeindlichen urheberrechtsverletzenden Internet Aktivisten wettern, die nach der Ansicht der uninformierten Politiker im Internet als rechtsfreiem Raum agieren. Moderate Töne hört man von den Wortführern beider Lager selten.
Manchmal versteigen sich die Medienvertreter gar in geradezu irre Gedankengänge wie die angeblichen faschistoiden Tendenzen der re:publica

Wie es ein Blogger so schön formuliert: Niveau sieht nur von unten wie Arroganz aus.

Ich halte mich nicht für Teil einer Elite und ebensowenig für einen minderwertigen technophilen Faschisten. Aber ich halte auch nichts davon, wenn ihn den Medien ganze Gruppen der Bevölkerung verpauschalisiert in eine Ecke gestellt werden. Nicht diejenigen sind arrogant und selbstverliebt, die für ihre Ideale eintreten, sondern diejenigen, die sich für die Vertreter der Kultur und ihrer Ideale halten.

Etwas mehr Gelassenheit bitte, auf beiden Seiten. Dafür sind aber leider Artikel wie der von Sascha Lobo im Spiegel nicht hilfreich. Denn selbst die Darstellung der angeblichen Arroganz der Onliner ist in sich ja eigentlich schon wieder eine Überhöhung einer sehr divergenten Gruppe von Menschen, unter der die meisten einfach nur Freude an Kommunikation haben und das auch teilen. Und zwar Online UND Offline.
Und für mich ist es auch ein Gutteil Arroganz zu glauben, man könne die Internet Szene definieren und sie wäre homogen. Das ist falsch. Homogen ist möglicherweise die Szene, die sich auf bestimmten Feldern engagiert. Aber es gibt viele Blogs, viele Bloggerinnen, viele, denen die Ansichten der oft selbstdeklarierten Meinungsführer kräftig gegen den Strich gehen.

Und noch was: Wer bei Duecks Vortrag die Ironie, die satirische Überhöhung nicht versteht, der muss dessen Vortrag für arrogant halten und wer sich zu solchen Aussagen herablässt wie Zitat: „…Abgesehen von der asozialen Komponente und der grotesken Verhöhnung von Ausbildung, Professionalität und Wissenschaft kann man Günter Dueck nur bedingt einen Vorwurf machen: …“ der hat nicht wirklich zugehört und vermutlich auch keines der Bücher von Gunter Dueck gelesen. Es geht letztlich darum, gerade das Wissen die Bildung und die Professionalität in Arbeitswelt und Wissenschaft wertzuschätzen.Also das genaue Gegenteil dessen, was Sascha Lobo angeblich aus dem Vortrag herausgehört haben will. Insofern, setzen, sechs.
Lobo empfehle ich dringend sich auch mit Duecks Büchern wie „Aufbrechen„, „Topothesie“ oder „E-Man“ zu befassen.
Denn spätestens mit obigem Zitat zeigt sich. Man hat nicht zugehört und schon gar nicht nachgedacht oder sich überhaupt informiert, welche Ansichten, welche Philosophie der Vortragende vertritt…. DAS ist Arroganz.

Update: Scheinbar sind noch andere nicht der Meinung des Königs und wagen es, Kritik zu üben. Oh wir bösen Untertanen, die wir anders denken, oder soll ich sagen, besser zuhören können?

Generation Y, oder die Illusion des Generationendenkens

Wieder mal wird eine neue Generation definiert, die Generation Y, der Karriere angeblich nicht mehr so wichtig ist, die nach Leistung, nicht nach Zeit bezahlt werden will und eine Balance von Arbeit und Freizeit fordert und nicht mehr bereitwillig Überstunden schiebt, nur um Karriere zu machen.

Falsch sage ich, diese Gedanken haben viele Generationen, es kommt stets aber auch darauf an, wie erpressbar die Generation durch die Arbeitgeber ist. Auf einem Arbeitgebermarkt werde ich den Teufel tun und meine eigenen Interessen offen legen. Jetzt aber gibt es den Fachkräftemangel, ein Fiasko für die Manager, denn jetzt können diese faulen bösen Arbeitnehmer ja plötzlich fordern, vernünftige Arbeitszeiten zu haben, wegen der Leistungen und nicht wegen Vitamin B und Ellenbogenmentalität gefördert zu werden.

Firmen müssen plötzlich familienfreundlich werden, auch ethisch wirtschaften und sich damit abfinden, dass ihre Humanressourcen auch noch ein Leben haben möchten, außerhalb des Jobs.

Oh wie furchtbar das doch ist, also schnell die Arbeitsministerin vor den Karren gespannt, damit man billige Arbeitnehmer aus dem Ausland anwerben kann.
Was aber die Unternehmen offensichtlich nicht bedacht haben. Auch die ausländischen Arbeitnehmer sind anspruchsvoller, wollen vernünftig bezahlt werden und ein Leben neben dem Beruf.

Ich arbeite in einem Unternehmen, das schon lange auch familienfreundliche Angebote macht, das verschiedene Arbeitszeitmodelle hat, einen Betriebskindergarten anbietet, als er in anderen Firmen noch nicht mal angedacht war und sich aktiv Gedanken macht, wie auch der demographische Wandel gemeistert werden kann.
Gerade das waren und sind für mich die Faktoren, die meinen Arbeitgeber für mich attraktiv machen. Denn spannende Aufgaben finden sich in vielen Firmen. Aber ein angenehmes, menschenfreundliches und auch familienfreundliches Umfeld, und das nicht aus der Not geboren sondern aus Überzeugung eingeführt und gelebt. DAS ist ein Marktvorteil auf dem Arbeitnehmermarkt. Und auch die Ethik und ein umweltbewusstes Denken gehören dazu.

Mein Schlagwort dafür, und ich stehe dazu: Wir brauchen nicht Work Life Balance, wir brauchen Work Life Integration.