Wir brauchen Medienkompetenz statt Medienignoranz!

Der Spiegel berichtet: Deutsche Jugendliche hinken in Europa hinterher. Das wundert mich nicht.

In Deutschland, dem scheinbaren Land der Dichter und Denker wird über die Medien noch viel zu negativ nachgedacht. Wo die Presse lieber über Cyberbullying und Egoshooter berichtet als über die Bildungsmöglichkeiten und die Demokratisierungspotentiale des Internets kann ich den Jugendlichen keinen Vorwurf machen, wenn sie nicht so kompetent sind wie ihre Altersgenossen in aufgeschlosseneren Ländern.
So lange Rektoren noch solchen Schwachsinn verzapfen wie „Der Computer verdummt unsere Schüler“ und „keinen Computer bis zur achten Klasse“ da wundert mich nix.(und ich habe das live erlebt und war fassungslos ob solch mittelalterlicher Gedankenwelten) Wir müssen endlich begreifen, dass auch Computersachverstand wichtig ist. Dass wir Medienkompetenz brauchen. Und zwar und gerade bei den Eltern. Die lassen ihre Kinder meist entweder unkontrolliert auf den Rechner los oder verbieten ihn ganz. Beides zeugt von entsetzlicher Ignoranz und ist gefährlich.
Wir dürfen die Kinder nicht mit dem Netz alleine lassen. So weit richtig. Aber das Netz ist nicht gefährlich und nicht schädlich, wenn es kompetent genutzt wird.

So lange aber Lehrer, Politiker und die Medien noch solchen Blödsinn verzapfen und das Internet und Computer als verdummende Technologien verdammen, denen man angeblich nur mit dem Lesen von Büchern und dem Denken in Gedankenwelten von Vorgestern begegnen kann, werden wir noch weiter zurückfallen. Nicht die Computer, das Internet und Computerspiele sind am schlechten Abschneiden bei PISA schuld. Es liegt an einer nur am Sparen orientierten Bildungspolitik, an überforderten Lehrern und einer Presse, die lieber spektakuläre Halbwahrheiten verbreitet, anstelle richtig nachzurecherchieren.

Wir brauchen eine neue Erziehung, die wieder bildet, anstatt nur auszubilden. Auch wenn das solche Herren wie ein Herr Hundt nicht gerne hören. Die Unternehmen kommen erst an zweiter Stelle. Wir müssen den MENSCHEN bilden, nicht den Arbeitnehmer. Wir haben schon zu viele dumpfe Abnicker und Karrieristen in den Unternehmen. Auch die Finanzkrise war mit ein Resultat eines Denkens, das nur noch auf den Profit und nicht mehr auf den Menschen schaut. Ein bisschen mehr humanistische Bildung, etwas mehr Ethik und Moral wäre manchen „da oben“ nicht abkömmlich!

Deutschland heute, das ist vor allem eins: Ein bildungsfernes Ausbildungsland mit akuter Technophobie.

GEMA freie Weihnachtsliednoten, danke Musikpiraten!

Dank der Initiative der Musikpiraten e.V. gibt es in diesem Jahr die Möglichkeit, auch im Kindergarten mit den Kindern Weihnachtslieder zu singen, ohne gleich wieder in die gierigen Fänge der GEMA zu geraten: Gemeinfreie Notenblätter für Advents- und Weihnachtslieder von musik.klarmachen-zum-aendern.de

Tolle Sache, vielen Dank dafür, das werde ich ausdrucken und verbreiten, so weit es geht. Wäre ja toll, wenn in meinem Umfeld alle diese Noten verwenden würden. Denn hier gilt: Kopieren ausdrücklich erlaubt!

Das EBook ist keine Konkurrenz zum Buch, eine Streitschrift

Zunächst. Ich nutze einen EBook Reader. Und ich habe es genossen, im Urlaub 7 Bücher dabei zu haben, die ich auch alle gelesen habe (nein, ich schaue abends in der Regel kein Fernsehen, sondern lese lieber).

ABER: Es gibt immer noch Aspekte, die ich am klassischen Buch schätze und Defizite vor deren Klärung ich mich nicht wirklich auf eBooks einlassen werde. Grösstes, elementarstes Manko. So lange EBooks noch mit DRM verkauft werden, kommen sie für mich als primäre Lesequelle einfach nicht in Frage. Ich kann sie nicht verleihen, wenn ich sie in der Familie weitergeben will, braucht jeder einen EBook Reader, was mir, zumal die EBooks gleich teuer wie ihre sehr einfach verleihbaren, und ohne Strom nutzbaren papierenen Vorfahren sind. Zudem scheint die ganze EBook Szene sich wieder von den gut lesbaren und mit langer Batterielebensdauer zu den schlecht lesbaren TFTs und leuchtenden Bildschirmen zu wandeln, deren Batterielaufzeit für die Lektüre eines Buches ebenfalls eher schlecht ist.

Zum anderen muss selbst ich gestehen, dass ich auch bibliophil im Sinne eines Bücherfreundes bin. Gerade bei besonderen Editionen, greife ich manchmal zu, weil ich gerade das mir so ans Herz gewachsene Buch in einer edlen Form haben möchte.

Und da ich auch ein Bücherwurm mit manchmal etwas besonderen Interessen bin (siehe das Gesamtwerk von Pepys) gibts es für meinen literarischen Geschmack noch viel zu grosse Lücken. Ach ja, und  nochmal. Mit DRM werde ich nie ganz auf eBooks umsteigen. Vielmehr erwarte ich von der Buchbranche eine Lösung, die es mir erlaubt, ein Buch sowohl in Papierform als auch als EBook zu lesen, ohne gleich zweimal für das gleiche Werk zahlen zu müssen. Und dann ist da noch das Problem des gebrauchten Buches, des Weitergebens eines gelesenen Buches und besonders für mich als bibliophilen Menschen und das mag jetzt old school oder rückschrittlich klingen. Mir fehlt auch die physische Präsenz eines schön gebundenen Buches mit Leineneinband im Regal.

Wie seht ihr das werte Leser? Selbst ich als early adopter bin im Moment hin- und hergerissen und habe zum Beispiel bereits festgestellt, dass die wenigen mit DRM verhunzten Bücher, die ich mir bislang bei Online Buchhändlern gekauft habe nicht wirklich in meinem Besitz sind, daß ich sie z.B. nicht so einfach an meine Frau weitergeben kann, die zwar auch einen EBook Reader hat, aber auf dem die DRM Bücher extrem langsam geöffnet werden und die Kapitelwechsel extrem lange dauern.

Für mich gibt es drei Knackpunkte, die für mich den Hype um EBooks wieder stark dämpfen könnten.

a) Die sehr gut und angenehm lesbaren und zudem sehr energiesparenden EInk Displays weichen wieder den leuchtenden mit kurzer Laufzeit behafteten Displays solcher Devices wie dem IPad, das definitiv kein guter EBook Reader ist. Für mich ist die Aufgabe eines EBook Readers, ein möglichst optimales Leseerlebnis zu bieten. Dazu brauch ich weder WLan Anschluss, noch EMail Abfrage, Kalender oder gar Textverarbeitung. Dazu brauche ich ein auch in der Sonne sehr gut lesbares Display, einen EBook Reader unter 50 Euro und eine möglichst lange Batterielaufzeit

b) Es bleibt weiterhin beim DRM, was das Weitergeben eines ausgelesenen Buches sehr schwer macht, wohingegen ich einen Roman in Papierform sehr einfach einem Freund geben kann. Zumal ich auch nie weiß, ob der andere mein EBook Format überhaupt auf seinem Reader lesen könnte? So lange es hier noch mehrere Formate gibt, ist auch das eine elementare Hürde.

c) Ich muss mir ein Buch in Papierform als EBook nochmal kaufen. Solange das noch der Fall ist, werde ich mir jedes Buch, das  mir für längere Zeit zur Verfügung stehen soll, lieber in Papierform kaufen, denn was passiert, wenn mein EBook Reader kaputt geht? Dann ist dank idiotischem DRM das EBook ggf. weg oder es kostet mich indirekt nochmal was, da ich mir ja einen neuen EBook Reader anschaffen muss, der an sich ja nur sehr teure Hülle für ein Buch ist. Das Buch aber, wenn es auf dem Reader gespeichert ist, hat keinen wirklichen Wiederverkaufswert, zumindest nicht in einer von DRM verseuchten unterschiedlichen Formaten von EBooks und einer im Gegensatz zum Buch unklaren Rechtslage, was das Buch angeht.

EBooks sind an sich eine geniale Idee. Aber auch hier haben sich die Anbieter wieder zu sehr in verschiedenen Formaten und in einer viel zu schnellen Modellwechselquote verheddert, anstelle sich auf das EBook an sich zu konzentrieren. Es wäre so einfach. Jedes papierene Buch, z.B. jedes Hardcover hat als Beigabe einen speziellen Code, mit dem man sich die DRM freie EBook Version herunterladen kann.

Jetzt bitte ich um Kommentare, oder sollte ich hier etwa recht haben?

Das Literaturcafe über die Tagebücher des Samuel Pepys

Bin gerade krank im Bett, deshalb zur Zeit keine neuen Artikel: Daher in der Zwischenzeit ein Link zu einer Rezension meiner aktuellen Lieblingslektüre, den Tagebüchern des Samuel Pepys in der vollständigen Übersetzung von Haffmanns/Tolkemit,
mein Fazit vorneweg. Absolut gelungen, bin jetzt im Juni 1661 angekommen. Es ist, als wäre man direkt dabei, Charles der II würde gerade zum König von England gekrönt, Pepys beginnt, sich in seinem Leben einzurichten und auch der Lebemann blitzt langsam durch. Die Übersetzung ist sehr gut gelungen, das ganze lässt sich erstaunlich flüssig lesen und ist wie ich finde ein einmaliges literarisches Zeugnis der damaligen Zeit und einfach ein grosser Lesespaß für jeden, der sich auch nur ein wenig für authentische Geschichte aus erster Hand begeistern kann.