Das neunte Barcamp Stuttgart. Wenn die eigene Schwäche zur Stärke wird.

20160917_115119Das Barcamp Stuttgart war für mich eines der ersten, die ich besuchte. Und es wurde für mich zur Instanz. Hier treffe ich viele meiner Follower. Hier habe ich mich als depressiver Mensch geoutet, der einen Suizidversuch hinter sich hat.

Dieses Jahr, auch wenn das wie eine Floskel klingt, war ein ganz besonderes Barcamp Jahr für mich. Seit Juli wieder vollständig zurück im (Arbeits-)Leben. Seit Juli wieder auf der Suche, sich im „normalen“ Alltag zurecht zu finden. Dabei hatte und hat mir meine Twitter Timeline immens geholfen. Um so mehr freute ich mich darauf, einige davon auf dem Barcamp meines Herzens wiederzusehen (jap, auch die emotionalere Seite von mir ist seitdem ich Frieden geschlossen habe mit meinem Einhorn Depression ein Teil von mir).

Schon vor dem Barcamp wurde immer wieder gefragt: „Sieht man dich in Stuttgart?“. „Aber natürlich“ war die stets folgende Antwort, schon, weil es massivster Naturereignisse bedurft hätte, mich vom Besuch abzuhalten.

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Man(n) konnte auch in Bällen baden. Bazingah!

Dann der Tag der Anreise, im Zug kann man beobachten, wie sich die Teilnehmer per Zug, Fahrrad, Auto, Flugzeug und gar zu Fuß auf den Weg machen in den Hospitalhof. #bcs9 sammelt als Hashtag der Wahl die Schäfchen und auch so manchen (Wer-)wolf unter sich.

Dass du aber wirklich „zuhause“ angekommen bist, merkst du am besten, wenn die ersten Begrüssungen und strahlenden Gesichter dich bereits vor dem Eingang zum Barcamp erwarten.  Selten wurde ich so positiv empfangen wie durch die strahlenden Augen, das Lächeln und die Umarmung von Nicole Gugger. Ja. Ich bin daheim. Kaum hatte ich mich am Empfang angemeldet, begann der nicht enden wollende Strom von Hallos, von „Danke, für das, was du machst!“ (Nichts besonderes, ja nur konsequent für mich aber schön, den Wert für andere zu erfahren). Und irgendwie überkam mich das Gefühl, mittlerweile zum bunten Hund avanciert zu sein. Prominent vielleicht nicht, aber weit bekannter als ich dachte.

Dann die Sessionplanung und für mich eine unglaublich schöne Überraschung. Bereits am ersten Tag befassen sich insgesamt 5 Sessions mit psychischen Krankheiten/Problemen/Herausforderungen. War das Barcamp Stuttgart jemals ein Technikcamp? Wenn dem so ist, dann hat sich das 2016 radikal geändert. Eine unglaubliche Vielfalt, hochspannende Menschen. Danke Dana, dass ich deine Geschichte kennenlernen durfte und dass du mich so sehr inspiriert hast, meinen Weg weiter zu gehen. Und übrigens. Du klingst wie eine Frau, du siehst aus wie eine Frau und vor allem. Du bist eine Frau. Jetzt, heute, egal wie steinig der Weg noch sein mag!

Meine Session, erneut gut besucht, obwohl ich dieses Jahr eigentlich nur einen Update meines Outings von 2015 anbot. Erneut hochintelligente Fragen, interessiert Zuhörer und ich weiß nicht, ob meine Lesung wirklich gut ankam, die Gesichter zumindest sprachen dafür. Es ist unglaublich ermutigend wenn man spürt, wie viele Menschen es gibt, die Interesse an meinem Schicksal haben, die daraus etwas für sich oder einen Freund/eine Freundin ziehen wollen. Das ist es, wofür ich mich exponiere, wofür ich in die Öffentlichkeit gehe.

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Muss man das hervorragende Essen des Barcamp Stuttgart noch erwähnen? Ich glaube ja, man kann den Caterer für Qualität und Geschmack nicht genug loben.

@windfeder war für mich der nächste Grund, sich überwältigt zu fühlen. Nicht die Eloquenz, nicht die sympathische Ausstrahlung der jungen Barcamperin, es war die Offenheit, mit der sie über ihre Probleme mit ihrer psychischen Erkrankung sprach, die klugen Erkennntnisse, die ehrlich Unsicherheit und der Wille, sich verletzlich zu machen um dann von der Barcamper Gemeinschaft mit offenen Armen aufgefangen zu werden. @windfeder DANKE! Ich habe mich so oft an mich vor einem Jahr erinnert gefühlt. Du gehts den richtigen Weg, und du hast einen Vater, auf den du wirklich stolz sein kannst. Es wird gut gehen, ich fühle das. Warum, frag mich nicht. Aber ich habe in der Zeit seit dem Suizidversuch gelernt: Verlass dich endlich wieder auf deine Gefühle, lass den Kopf nicht alles entscheiden.20160917_115744

Selten habe ich auf einem Barcamp so viele Sessions besucht, aber es war einfach immer etwas dabei, jeder Zeitslot hatte mindestens ein interessantes Thema.

Auch die Session über den Umgang mit der eigenen chronischen Krankheit brachte mich positiv an meine Grenzen. Ich kann mich nicht erinnern, in einer Session aus einem Übermaß an Empathie heraus mitweinen zu wollen, aber bei den offenen, ehrlichen und sehr berührenden Aussagen von Charlie aka @charlilottelise erreichten mehr, als nur Tränen in meinen Augenwinkeln. Ja, ich konnte mich da sehr gut wiederfinden, vieles davon hatte ich selbst so gehandhabt, bis es nicht mehr ging.

20160917_140224Es war eine emotionale Achterbahn, aber immer mit positiven Gefühlen. Selten habe ich mich so verstanden, aufgenommen, daheim gefühlt. Meine Familie vielleicht, meine unglaublich schöne, liebevolle, verständige Frau. Dann aber die Community aus Barcampern und Followern. Danach lange nichts.

In meinem Buch, das 2017 bei Bastei Lübbe erscheinen wird, ist das Barcamp 2015 in Stuttgart ein wichtiger Wendepunkt der Geschichte zum Positiven. Sollte es, und die Möglichkeit besteht, einen zweiten Band geben, dann wird das Barcamp 2016 auf jeden Fall einen Abschnitt bekommen, wenn nicht gar ein ganzes Kapitel.

Danke Jan Theofel, für die Orga, danke fürs möglich machen. Danke für eine Plattform, die mein Leben nachhaltig verändert und zum Besseren gewendet hat. Und danke ALLEN Teilnehmern, die mir Feedback gegeben haben, mich begrüsst oder einfach still umarmt haben. Ich war zuhause und bin es in Gedanken immer noch.

Bis bald, bis zum Barcamp 2017, auf dem ich sicherlich wieder dabei sein werde. Und es dürfte sehr spannend sein, wie mein Lebensweg sich bis dahin verändert hat. Neue Abzweigungen tun sich im Moment fast täglich auf.

Das Barcamp Stuttgart. Der Beweis, dass etwas, das man für eine Schwäche hält, unter den richtigen Menschen zu einer Stärke werden kann.

Und was wäre ein Barcamp ohne seine Sponsoren. Deshalb ein ganz besonderer und von Herzen kommender Dank allen, die das Barcamp möglich gemacht haben.

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Mein Samsung Galaxy S7 Edge. Erfahrungen, Tipps und Tricks

Nachdem ich in letzter Zeit eher über meine Depression oder mein Buchprojekt berichtet hatte, jetzt mal wieder einer der Artikel, deretwegen das Blog eigentlich entstanden ist. Seit über 3 Monaten ist mein Daily Driver das Samsung Galaxy S7 Edge. Wer mich kennt, wird sich jetzt wundern, warum es nicht das Note7 wird. Zwei Gründe. Zum einen die bessere Akkulaufzeit, die jetzt nicht so intensiv ins Gewicht fällt, für mich aber immer noch ein relevanter Faktor ist. Zum anderen meine Erfahrungen mit meinem persönlichen  Nutzungsverhalten bei den bisherigen Note Devices, die ich besessen habe.

Tough Case von der Seite
Man sieht sehr deutlich, dass wegen der abgerundeten Kanten das Case nicht alles Kanten schützen kann. Hier ist eine etwas stabilere Folie angeraten

Ja, zu Beginn fand ich die  Note und insbesondere Note Stift spezifischen Feature toll, hab sie auch hin und wieder genutzt. Das hielt aber jedes Mal maximal 2-3 Wochen an. Danach blieb der Stift in seinem Fach und auch die „speziellen“ Features habe ich kaum mehr genutzt. Um wirklich gut Notizen machen zu können, ist selbst der Bildschirm eines Note7 noch zu klein, gerade bei meiner Sauklaue. Zudem dauerte mir die Umsetzung von schnellen Notizen in Druckschrift dann doch immer zu lang. Da war ich mit dem Tippen auf der virtuellen Tastatur wesentlich schneller.

Als also das S7 Edge auf den Markt kam, und die Specs eigentlich eher an ein etwas geschrumpftes Note ohne Stift denken ließen, war mein Beschluß gefasst. Weg vom Stift, hin zu einem reinen Touchscreen Smartphone. Und mit all den Sensoren und der möglichen Zusatzhardware hab ich schnell erkannt, dass die Kombi mir auch im Umgang mit Depressionen und der Angststörung helfen kann. Sag noch mal einer, Technik sei nur Spielerei.

Und ich habe es nicht nur nicht bereut, ich bin auch nach einigen Monaten noch schwer begeistert. Die Größe ist ideal, die Schnelligkeit herausragend und auch in der Handhabung liegt es sehr gut in der Hand. Ich werde mir das Note 7 mal ansehen (an ein Testgerät bin ich bislang noch nicht gekommen, da sollte sich aber was machen lassen), sollte ich es in die Finger bekommen. Aber für mich das nächste spannende Device wird mit Sicherheit das S8Edge sein.

Jpeg
Das Tough Case von Spigen hat auch einen Kickstand und schützt zudem die Kamera stärker. An den Pulssensor kommt man dennoch gut ran.

Was gibt es nun für Tipps. Zum ersten, Cases und Displayfolien. Solltet ihr euch für eine Panzerglasfolie entscheiden, achtet auf zweierlei. Erstens werden auch Folien verkauft, die die Edges aussparen. Die kann man gleich wieder liegen lassen, da sie genau an der entscheidenden Stelle keinen Schutz bieten.

Zweitens. Wenn es eines mit Schutz auch für die Edges ist, folgt sehr genau der Anleitung. Dann funktioniert das auch bestens. Zudem solltet ihr dann bei einem etwaigen Case sehr genau darauf achten, wie stramm es sitzt und wie hoch der Schutzrahmen an den Edges gezogen wird. Denn sitzt es zu stramm oder geht der Rand zu hoch, dann hebt das Case das Panzerglas wieder ab und somit ist zwar der Schutz noch gegeben, aber die Bedienung klappt nur noch eingeschränkt.

S7 Edge
Mein persönlicher Daily Driver mit meinem ganz speziellen Setup

Wer also ein stark schützendes Case verwendet, sollte auf eine klassische Bildschirmfolie setzen, auch hier gibt es bereits dickere Versionen, die einen höheren Schutz auch bei Stürzen bieten. Und testet auch immer, wie gut sich die Kante noch nutzen lässt, wenn sowohl Folie (Panzerglas) als auch Case montiert sind, auch hier kann es zu Problemen kommen.

Ich verwende das Spigen Tough Armor Case in Verbindung mit dem Urcover Nano Crystal 6H Anti Shock Screenprotector. Der wird zwar von manchen Käufern kritisiert, weil er angeblich nicht so gut hält. Wenn man sich aber genau an die Anleitung hält, sollte das kein Problem sein. Bei mir zumindest sitzt es bombenfest. Wenn es mal etwas eleganter sein soll, wechselt das Case zum Tech21 Evo Wallet, das für meinen Geschmack ideal den verstärkten Schutz eines Tough Cases mit dem Look and Feel eines Wallet Cases verbindet.

Auch wenn es einige Kritiker des Edge Displays gibt, ich verwende es ausgiebig. Nachrichtenticker laufen nach mehrfachem Wischen über die Kante des öfteren ab und sparen mir das anschalten des

Gear S2
Mein persönlicher Gesundheitscoach. So behalte ich Puls, Schritte, Wasseraufnahme im Blick und werde auch immer mal wieder gewarnt, wenn ich zu faul rumhänge

Smartphones. Für die Nacht habe ich die Einstellung für Uhrzeit und Weckzeit auf dem Edge aktiviert und anders als manche Kritiker nutze ich auch die Seitenleiste des öfteren, um schnellen Zugriff auf wichtige Informationen zu bekommen. Für mich ist das Edge Display klar ein Mehrwert, den ich nicht mehr missen möchte, und den ich vor allem deutlich häufiger verwende, als noch zu Note Zeiten den Stift.

Was ich als weiteres Zubehör empfehlen kann, ist die induktive Ladestation. Eleganter und einfacher lässt sich das S7 Edge nicht aufladen.

Das ganze ist bei mir mit der Galaxy Gear S2 verbunden, die ich, jetzt kommen wir doch wieder auf meinen schwarzen Hund, für mich wichtig geworden ist, um in Bewegung zu bleiben, und auch um gerade wegen meiner Angststörung meinen Puls zu überwachen als Indikator, was mich wann in „Aufruhr“ versetzt. Auch hier bin ich froh, mit der Gear S2 und dem S7 Edge Hardware an der Hand zu haben, die mich hier unterstützt.

Und zusätzlich habe ich auch die Gear VR. Ob ihr es glaubt, oder nicht, die hat mir in Verbindung mit der Software „Be Fearless“ schon

Gear VR
Eigentlich alles ganz simpel, der Effekt ist dennoch enorm. Die Gear VR

deutlich dabei geholfen, meine Höhenangst zu bekämpfen. Es gibt dafür eine Software, die einen mittels VR von einem Glasaufzug bis hin zum Helikopterflug oder dem gehen auf dem Dach eines Wolkenkratzers alles erleben lässt. Als ich davon hörte, habe ich noch gespottet. Wenn man es aber mit dem S7 Edge in der Gear VR selbst erlebt, dann kriegt man sehr schnell weiche Knie.

 

 

 

Verschont mich mit eurem Digital Detox

Die Idee an sich alleine schon ist genauso dumm, wie all die anderen „Detox“ Ideen, die nachweislich nur denen helfen, die sie verkaufen. 

Urlaubszeit. Lass dein Smartphone/Notebook/Tablet doch daheim. Warum?  Um mir das Leben schwer zu machen? Gerade im Urlaub hilft mir das Smartphone, Dinge einfacher zu machen. Navigation, gute Restaurants, Übersetzungen, die Kamera und der MP3 Player. Soll ich das alles extra mitnehmen? Macht ihr das ruhig. Und erst die Bücher. Aber es gibt sie jedes Jahr, die Klugscheisser, die wieder von der bösen digitalen Technik salbardern, die sie offensichtlich schlicht nicht beherrschen. Mein Smartphone ist genau dafür da, damit ich NICHT immer erreichbar bin. Wer meint, er müsse jeden Telefonanruf beantworten, jeden Tweet, jede SMS, der hat mit Verlaub ein ganz anderes Problem. Denn das ist kein Problem des Smartphones, sondern des Nutzers, der sich offensichtlich zu wichtig nimmt.

Aber ihr hört ja lieber auf die digital dementen Cyberkranken, die aus eurer Leichtgläubigkeit mit immer neuen Büchern voller Halbwahrheiten oder schlichter Lügen ihr Geld an euch verdienen, obwohl die Fachwelt längst über sie lacht.

Leute, kommt mal runter. Das Smartphone ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug bedarf es einiger Übung, um richtig damit umzugehen. Die erlangt man aber nicht, indem man meint, man müsse es so oft es geht daheim lassen, das konterkariert nämlich die Idee eines Smartphones. Und wenn wir nicht endlich anfangen, in Schulen Medienkompetenz zu lehren, werden wir auch weiterhin technophobe Panikmacher haben, die ohne dass sie wirklich wissen, wovon sie reden Ängste schüren, statt die Zukunft bauen zu helfen.

Mein Smartphone ist im Urlaub dabei. Und ich würde euch auch dringend dazu raten. Wenn ihr es denn wirklich bedienen könnt.

Oh, und wenn ihr dennoch ein Digital Detox machen wollt, gut. Dann ignoriert bitte auch Ampeln, schaut kein Fernsehen mehr, hebt kein Geld ab, kauft nicht im Supermarkt ein und so weiter. Denn all das ist auch längst digital…Und damit dement, krank und böse………..

Horrorlehrer von Vorgestern senden Rauchzeichen

Der Spiegel, mittlerweile für mich die BILD Zeitung als Zeitschrift lässt einen Lehrer über die bösen Smartphones herziehen und den Untergang der Bildung herbeisalbadern.

Ein typisches Phänomen des Technophobdeutschen, der am liebsten noch mit der Dampflok ins Büro fahren würde, wo er dann 10 Stunden arbeiten muss, an einer Schreibmaschine. Wie, nein? Keine Dampflok?

Hallo, aufwachen bitte, solche Lehrer, die einer Vergangenheit nachtrauern, die es in der erinnerten Schönheit nie gab, solche Lehrer schaden meinem Kind. Denn sie bereiten nicht auf die Gegenwart vor, sondern auf eine Vergangenheit, die nicht mehr wieder kommt.

Sie versäumen es, einen intelligenten Umgang mit neuen Medien zu lehren, zu denen eben auch das Smartphone gehört. Meine Kinder haben Smartphones und Computer, weil ich mir der Verantwortung bewußt bin, eben nicht wegzuschließen sondern aufzuklären.

Gerade heute, in einer Gesellschaft, die immer digitaler wird, und das vor allem, weil es das berufliche Umfeld, die Unternehmen so wollen halte ich es für fatal, eben diese Themen auszublenden. Wobei, auch meine Lehrer waren zum Teil ewig gestrig. Das nötige Wissen für das echte  Leben hab ich mir damals jenseits der verbohrten Schule geholt. Und das ist, oh Schreck schon über 30 Jahre her. Und ein Großteil diesen Wissens war schon damals Computerwissen. Immerhin bin ich auf der Straße gelandet. Ne, Moment. Ich hab studiert und bin Informatiker und Autor geworden.

Gestern noch habe ich „Club der toten Dichter“ gesehen. Die dortigen Lehrer, mit Ausnahme von Mr. Keating alias RobinWilliams verkörpern genau das, was wir immer wiedergekäut kriegen. Und was dann noch von“Wissenschaftlern“ wie Dr. Spitzer mit teils falschen, teils halbwahren Aussagen bekräftigt wird, und mit gefilterten Studien untermauert.

Solche Gegner verdummen uns. Nicht die Smartphones.

Und zudem entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn diejenigen, die uns Wissen vermitteln sollen, selbst Wissen verweigern.

Depression heißt auch, mit Schönrednern zu leben

Die Dreharbeiten neigen sich dem Ende. Es hätte noch ein paar wichtige, völlig unbedenkliche Aufnahmen gegeben, die wichtig für die Dramaturgie sind. Aber man verbietet sie. Schade. Aber abzusehen.

Man ist als depressiver Mensch halt immer auch eine Image Gefahr. Bloß alles totschweigen, bloß nicht darüber reden oder damit in Verbindung gebracht werden. Es könnte ja negativ auf einen zurückfallen.  Dass es das durch ein völlig unbegründetes Verweigern erst recht passiert, da denken Menschen halt nicht dran. Oder dass man als toleranter und für depressive Menschen offener Charakter vielleicht weit mehr positive Publicity erreicht, als durch den Versuch, sich komplett raus zu halten. Was sowieso nicht funktioniert, weil dann niemand jemals Google nutzen dürfte, keiner nachdenken, keiner mich kennen.

Ärgerlich nur, wenn gleichzeitig gegenüber dem Umfeld ein weltoffenes, tolerantes Bild präsentiert wird. Ein Phänomen, dass es nicht nur im Privaten, sondern durchaus auch in Politik und Wirtschaft gibt. (Oder vielleicht da erst recht, oder gab es schon mal eine Pressekonferenz in der nicht alles „wir haben uns alle lieb und sind so toll“ Stimmung versprühte?

Dass Menschen sich auf diese Art abwenden ist nicht überraschend für mich. Das ist ja der Grund, warum ich erst recht laut bin, darüber rede, erkläre, was wo wie passiert ist. Damit diese dumme, gefährliche Stigmatisierung aufhört. Damit sich depressive Menschen nicht weiterhin verstecken und Freunde, Bekannte, Kollegen, das Umfeld eben anlügen aus Angst, man könne sie fallenlassen.

Was viele mit genau oben beschriebenem Verhalten tun.

Wir werden für die TV Doku einen anderen Weg finden, aber traurig, dass manche Menschen nicht bereit sind, mich auf meinem Weg zu begleiten.

Und auch auf ein oder zwei Entschuldigungen warte ich immer noch von Menschen, die mitgeschubst haben, manchmal sogar eine eindeutige Mitschuld an dem Fiasko tragen. Aber nein, bin ja nur ich ganz alleine, der das alles gemacht hat. Ja von wegen. Und nein: „Aus diesem Internet löschen.“ werde ich mich ganz bestimmt nicht. Eher das Gegenteil.

Nun denn. Ein Gutes hat das Ganze. Es gibt mir schon weiteren Stoff für ein vielleicht entstehendes zweites Buch über meine Krankheit. Material sammle ich dazu bereits und das ist als Inhaltssequenz Gold wert.

Ich bin Bastei-Lübbe  dankbar für die Chance, mein Thema an die Öffentlichkeit zu tragen. Dankbar für den Mut, ein nicht ganz einfaches Thema, das dann auch noch ein Mischung aus ernsten Passagen und viel Humor darstellt, ins Portfolio aufzunehmen. Aber ich habe auch ein gutes Gefühl, dass die Geschichte, die ich erzähle, gut ankommt. Denn es ist eine wahre Geschichte, mit den üblichen Veränderungen von Personen und Orten um Unbeteiligte zu schützen. Es ist meine Geschichte. Und im Gegensatz zu so manch anderen ehrlich und auch mit meinen Tiefpunkten.

 

Meine Depression und ich. Ein Nicht-Angriffspakt

Mittlerweile sind schon nahezu 1 1/2 Jahre vergangen seit meinem Suizidversuch. Seit dem finalen Einbruch der Depression in mein Leben. Das letzte Jahr war geprägt von Klinikaufenthalten und Selbstzweifeln, von wundervollen Begegnungen und tiefschwarzen, einsamen Tagen.

Anfang diesen Jahres dann der erste Versuch, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen, motiviert begonnen, gnadenlos gescheitert. Weil ich annahm, ich sei völlig gesund. Weil ich auch annahm, mein Umfeld wisse um die Trigger, um das, was an jenem 5. Februar 2015 wirklich mit mir passierte. Völlig falsch, niemand ahnte auch nur das geringste. Also alles wieder auf Los, neues Spiel, neues Glück. Erneut die Klinik, diesmal nur temporär.
Ein zweiter Anlauf, dieses Mal nicht 6 Wochen sondern ganze 12. Behutsam, vorantastend, immer darüber klar, ich bin NICHT gesund, ich habe nur mehr Mittel, meinen Dämon Depression und den wie sich herausstellte viel bedeutsameren Dämon generelle Angststörung im Griff zu behalten. Unterstützung erfuhr ich oft aus Quellen, an die ich nie gedacht hätte. Meine Twitter Follower haben mir so unendlich viel gegeben, geholfen, Zuneigung und Verständnis gezeigt. In meinem privaten Umfeld outeten sich wegen meines offenen Umgangs mit meiner Erkrankung immer mehr Menschen.

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die re:publica 2016. Für mich Teil der Rückkehr in mein Leben, und zwar die schönen Teile.

Die re:publica schliesslich war der Höhepunkt. Eine Session über Depression und Social Media. Viele Menschen, die mir die Hand geben wollten, sich für meine Aufklärungsarbeit bedankten, die mir doch eigentlich nichts weiter als inneres Bedürfnis und Teil meiner Heilung ist. Gespräche auf Augenhöhe, beiderseitige Offenheit. Die re:publica war für mich ein ungeheurer Motivator, offen und ehrlich über meine Geschichte zu kommunizieren, jenseits all der dummen Sprüche „ob der Herr Hauck schon stabil genug ist“ oder „Wir müssen den Herrn Hauck schützen“. Einen SCHEISS müsst ihr, ich habe depressive Episoden. Ich bin nicht entmündigt!
Und das zweite Projekt, mein Buch über mich und meine Zeit in den Kliniken und mit meiner Krankheit. Nicht nur vollendet, nicht nur von meiner Innenlektorin gelobt. Auch die Außenlektorin, die es unbefangen überarbeiten und lesbarer machen soll, ist begeistert, wie ich es nicht erwartet hätte.
Alles Gründe zufrieden zu sein. Glücklich zu schreiben, wage ich noch nicht. Und dennoch ist da immer noch mein kleiner Teufel Angststörung auf meiner Schulter, der mir von Versagen, Verarmen, Verwahrlosen, Verschwinden erzählt. Ich kriege ihn zwar leiser, aber verstummen will er partout nicht. Vermutlich wird er das nie und ich werde mich auch mit ihm arrangieren müssen. Aber eines ist geschehen und das macht mich im Moment ruhiger und gelassener. Die Suizidgedanken, sie sind sehr, sehr leise geworden.
Ich lebe wieder, statt nur zu funktionieren. Zwar nur in zarten Ansätzen, aber mit dem Blick auf eine angenehmere Zukunft, auf ein vom Urteil anderer unabhängigeres Leben.

Ich lebe wieder. Muss ich überhaupt mehr erreichen?

Nur eins, das werde ich nie heilen, nie vergessen, nie ganz wegstecken können.

Nur eins.

Hannes, du fehlst.

Johannes

Frankfurt. Ein Barcamp einer Bankengruppe. Und Johannes stach mir sofort in die Augen. Er war wie ein Leuchten, voller Energie, voller Dynamik. Wir präsentierten beide Themen rund um Social Media und erkannten schnell, dass wir gleich ticken. Nicht nur was unsere Affinität zum Netz anging, die damals niemand teilte und die wohl heute den meisten noch in der Intensität abgeht, die für Johannes typisch war. Auch unsere Sicht auf die Welt war so ähnlich, das wir uns stundenlang verquatschen konnten. Johannes war ein Mensch voller sprühender Ideen. Die er vermutlich auch als Tarnung seines brüchigen, traurigen Inneren nutzte. Aber damals hatte ich ja keine Ahnung, wie es um ihn stand, ich wusste ja selbst nicht, was mich noch mit ihm verbünden sollte.
Als sein Freund Kai schwer erkrankte und die Familie in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten drohte, startete Johannes #einbuchfuerkai, das ein ungeahnter Erfolg werden sollte.
Wieder so eine typische „Johannes“ Idee. Nutze was dir geboten ist, um Gutes zu wirken. Überhaupt, Johannes war einer der wenigen Menschen, dem ich immer abgekauft habe, dass es ihm um mehr als Reichweite, mehr als beruflichen Erfolg geht.
Was letztlich zu seinem finalen Schritt geführt hat, ich weiß es nicht. Aber auch mein eigener Versuch ist mir ein Rätsel. Wir sollten nicht spekulieren, niemand hat in ihn geblickt und ich weiß, wie dunkel es dort werden kann. Nur was für Konsequenzen sich daraus ergeben, das schreibt der individuelle Lebensweg. Dass seine Familie trauert, dass es Fragen gibt, es ist unumgänglich. Aber es wird keine Antworten geben, denn die hat Johannes mitgenommen.
Was uns bleibt ist, seine Ideale, seine Projekte fortzuführen. Denn er wollte das Netz zu einem guten Ort machen.
Die Anteilnahme heute Morgen, die vielen Wünsche und Initiativen, um Johannes doch noch lebend zu finden und vor allem #wirfuerhannes. Ein gutes Netz. So stelle ich es mir vor. Und es gibt Anzeichen, dass Johannes Vermächtnis nicht ganz ungehört verhallt. #offenetuer in München, ein weiteres Auftauchen des guten Netzes. Lasst uns Johannes so in Erinnerung behalten. Als einen der Guten, der auch anderswo Gutes wirken wollte.
Ich bin unendlich traurig. Aber wenn die Trauer vergeht, habe ich ein schönes Bild in mir von Johannes, das mir Ansporn sein wird, weiterhin wo es geht den Mund aufzumachen, um über Depression und Suizidprävention aufzuklären.

Johannes, du fehlst mir

Der elektrische Reporter, Depressionen und ich

Auf der re:publica hatten Kati Krause und ich ja eine Session zu dem Zusammenhang von Depressionen und Social Media bzw. zu Strategien gehalten, wie man in einer Depression mit Social Media umgehen sollte.

Das hat die Redaktion des Elektrischen Reporter wohl so interessant gefunden, dass Kati und ich Teil eines Beitrags des Elektrischen Reporters zu ebendiesem Thema geworden sind. Aber seht selbst: