re:publica: Falsche Narrative, richtige Visionen und was uns allen fehlt

wpid-20140507_110355.jpgDie Republik trifft sich. Nein, falsche Formulierung, die res-publica trifft sich auf der re-publica. Wer im Jahre 2014 auf die re:publica kommt, weil er ein Treffen von Nerds mit Nerds, von Bloggern mit Bloggern erwartet, dürfte enttäuscht worden sein.

Selten war die re:publica so sehr auch Spiegel der Gesellschaft, wie dieses Jahr. Das mag auch der schieren Menge an Besuchern und der immer weiter ausfächernden Vielfalt der Themen für die Sessions geschuldet sein. Und dennoch zieht sich auch weiterhin ein digitaler roter Faden durch die, ja was ist die re:publica eigentlich? Konferenz, ne, dazu kann man zu sehr auf Augenhöhe kommunizieren. Barcamp? Zu vorausgeplant. Sagen wir es so, die re:publica ist die Quintessenz dessen, was als immerwährender Diskurs das Jahr über durch die wie wir gelernt haben eigentlich gar nicht vorhandene Netzgemeinde wabert. Sparen wir uns das erste Wort Netz und ersetzen das zweite durch Gesellschaft, kommen wir der Sache schon näher. Die re:publica 2014 ist auch Schmelztiegel von Vorreitern, Mahnern, Vor- und Querdenkern der ganzen Republik (sic). Wenn ein Raul Krauthausen Car Sharing für Menschen mit Behinderung fordert, hören ebenso alle zu, wie wenn ein „einfacher Blogger“ eine Session hält. Es geht nicht um Rollen, um Titel oder Reichweite. Es geht um den offenen Austausch.

Und es geht auch darum, aushalten zu können, wenn Sascha Lobo die Saalgemeinde beschimpt, weil wir doch alle den Worten keine Taten folgen lassen, weil wir alle immer dann laut werden, wenn wir dafür nicht von der Tastatur weg müssen.

Was ich für mich von der re:publica mitnehme ist, dass wir alle verdammt nochmal endlich unseren Hintern hoch kriegen müssen und den Marsch durch Insitutionen, seien das nun Schulen, Vereine, Behörden,Medien gehen müssen um das mal zu tun, was wir seid Jahren immer fordern….. Aber halt nur von „den anderen da“. Wir müssen das Digitale ins Analoge tragen. Wir müssen Menschen die Potentiale aufzeigen und die Gefahren.

Und zwar in deren Narrativen. Auch das ist ein Auftrag an uns alle. Macht die Botschaft sexy. Zeigt, dass es wichtig, relevant und wertvoll ist, sich Gedanken zu dem zu machen, was unsere Regierung im Fall Snowden tut, und noch viel wichtiger, was sie nicht tut. Wir brauchen klarere Botschaften, wir müssen die Aushorchverbrecher vorführen. Der Protest muss laut, muss öffentlich und muss penetrant sein und bleiben.

Und was ich auch gelernt habe. Wir sollten verdammt nochmal aufhören, unserer Jugend das Engagement, die Innovationsfreude, die Fähigkeit zwischen gut und schlecht zu unterscheiden abzusprechen.

Die Jugend kann sehr wohl zwischen gut und böse, zwischen gut und schlecht unterscheiden. Aber für sie gehören die „alten Medien“ und ja, dazu BnBtqVkCAAAOR1egehören auch bereits die ersten Blogs bereits zum Bereich schlecht. Wenn ich erlebe, wie indifferent meine Kinder dem Thema Datenschutz gegenüber standen, wie oft ich mit ihnen sprechen musste, bis sie verstanden, was gut und was schlecht ist wenn online gestellt, das waren viele Gespräche. Bis zu dem Tag, an dem sie bei ihrem heißverehrten Youtuber @lefloid plötzlich etwas über PRISM und Snowden hörten.

Nun bin ich es, der hinterher hecheln muss um all ihre Fragen sinnvoll,ehrlich und auch vernünftig jenseits meiner Filterblase als „fucking old digital native“ zu erklären.

Ich glaube, wir sind bereits so sehr zum digitalen Establishment mutiert, dass wir uns in den nächsten Monaten ganz schön lang machen müssen, um von unserem hohen „Wir wissen doch alles besser als ihr“ Ross runterzukommen.

Die re:publica im Jahre 2014 und im Jahre 1 nach Snowden der digitalen Zeitrechnung ist tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nun müssen ihr die Telnehmer in Kopf, Herz und Blog folgen.

We are living the future ist wohl wahr. Aber für 2015 ist mein persönliches re:publica Motto: Out of the wild, into the public.

Und für uns alle, für jeden Tag, für jeden Ort: Kriegen wir endlich unseren Arsch hoch und machen wir unseren Mund auf. Und seien wir penetrant. Erst wenn wir diejenigen, die sich ignorant über den Willen der Bürger und der digitalen wie analogen Gesellschaft hinwegsetzen so richtig nerven können wir sagen: „Now we are talking public“

Wer Kinder will, kann die Karriere vergessen.

Nachdem vor einiger Zeit ein ähnlicher Artikel in der „ZEIT“ Furore machte, in dem der Autor die Behauptung aufstellte, Kind und Karriere wäre ein Ding der Unmöglichkeit, stösst nun Tobias Haberl von der Süddeutschen ins gleiche Horn.

Schreiben da ewig gestrige? Ich denke nein, sondern es schreiben Realisten, die dem Wunschdenken unserer heutigen Zeit schonungslos den Spiegel vor halten.

Denn noch immer ist es fast unmöglich, ernsthaft an einer Karriere zu arbeiten und auch noch ein echter Familienmensch und Vater zu sein bzw. Mutter. (Wobei ich hier leider auch feststellen muss, dass selbst dieses Rollenbild noch sehr weit verbreitet ist und oftmals schon durch sehr unterschiedliche Einkommen quasi von Beginn an zementiert)

Mal ehrlich, sobald man in die Führungsebenen will, ist (Zeit) Einsatz weit jenseits des normalen gefordert.  Und ebenso soll man möglichst flexibel agieren, auch mal ganz schnell für mehrere Tage auf Dienstreise gehen.

Da es noch immer das Naturgesetz ist (und wohl so schnell auch nicht anders werden wird) , dass zwar beide Partner das Kind zeugen, die Frau es aber austrägt, ist es sie, die zwangsweise zumindest einige Monate bis ein oder zwei Jahre ausfällt für den Arbeitsmarkt (oder um es in Managementsprech zu formulieren, die als Humanressource wegbricht). Wenn dann der Mann gnädigerweise seine „Vaterspielzeit“ bekommt, dann ist das ein sehr begrenzter Zeitraum und danach wird wieder der gleiche volle Einsatz von ihm gefordert (und leider denken auch viele Männer immer noch in genau diesen Klischees, auch und gerade in vielen Führungsetagen).

Von der Frau auch,  aber da meist sie ja zu Beginn auf den Beruf verzichtet, um die ersten Jahre für das Kind da zu sein, bricht sie eine bedeutsame Zeit für den Aufstieg auf der Karriereleiter (oder besser im Karrierehamsterrad) weg. Zudem wäre es zwar wünschenswert, könnten beide Partner gleichberechtigt die Erziehung der Kinder teilen, aber bei vielen ist das schon finanziell nicht möglich. Kosten für Tagesmütter, Kindergärten (nicht überall ist der Kindergarten kostenlos und gerade Kindergärten, die Service jenseits von 8-12 anbieten können verdammt teuer sein). Da kommt schnell eine Summe zusammen, die mit nur einem hohen Einkommen nicht zu stemmen ist.

Wenn wir das ganze Fiasko mal genau betrachten, muss man, um wirklich entspannt und gleichberechtigt Kinder groß zu ziehen ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum einen sollten beide Partner Berufe ergreifen, die nicht nur sehr gut bezahlt werden, sondern überhaupt schon mal die Möglichkeit zur Teilzeit bieten.

Mehr als ein Kind sollte man sowieso nicht bekommen, da mit verschiedenen Schulen, verschiedenen Klassen und ggf. auch noch verschiedenen außerschulischen Aktivitäten ein Elternteil logistisch stärker gefordert ist als so mancher Manager.

Und natürlich sollte man sich eine ganze Liste von Babysittern anlegen, wenn mal wieder beide Partner ganz dringend weil sonst die Firma untergeht irgendwo hin müssen oder unbedingt, weil sonst Morgen die Welt untergeht spontan Überstunden schieben sollen (auf Großeltern kann man meist nicht bauen, da bedingt durch die geforderte Mobilität diese mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso nicht in sinnvoller Nähe wohnen).

Oder, man verabschiedet sich von jedwedem modernen Denken und kehrt zurück zum Klassiker. Immerhin theoretisch mittlerweile in der Variante, der Vater bleibt daheim, die Mutter arbeitet weiter (so sie gut und gleichberechtigt bezahlt wird, was ja bekanntermaßen ebenfalls oft nur Wunschdenken ist.)

Nur wenn beide bereit sind, die Karriere hinten an zu stellen, kann man sich wirklich guten Gewissens gemeinsam um die Erziehung mehrerer Kinder kümmern und auch dann bereit stehen, wenn man gebraucht wird, nicht, wenn das Unternehmen einen ausnahmsweise mal nicht braucht.

Wir brauchen keine Fördergelder und Quotenregelungen. Was wir brauchen ist eine  Gesellschaft, die mal ganz ehrlich darüber nachdenkt, wie man die Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft so umbauen kann, dass ernsthaft Beruf und Familie für ALLE in Einklang zu bringen sind, nicht nur für die Besserverdiener. Wer ehrlich und „ergebnisoffen“ die aktuelle Situation beobachtet, der wird zu der Erkenntnis kommen, dass  viele der Maßnahmen von Politik und Wirtschaft letztlich nur darüber hinwegtäuschen sollen, dass es beiden herzlich egal ist, wie der Bürger das mit dem Kinder kriegen hinbekommt, Hauptsache, man steht als Politiker/Manager gut da. Mit Familienfreundlichkeit schmückt man sich gern. Ernst nehmen und wirklich konsequent darauf hinarbeiten tun aber wenige. Und interessanterweise sind die wenigen, die es tun, oft kleine und mittelständische Unternehmen auf dem Land, die in der Familienfreundlichkeit auch das Potential sehen, dass sie nämlich effektiv hat. Einen nicht zu unterschätzenden Marktvorteil auf dem Arbeitsmarkt, wenn es um die Bindung hochqualifizierter Mitarbeiter an ein Unternehmen geht, das geographisch nicht in einer Region angesiedelt ist, wo sich sehr leicht „Humanressourcenersatz“ finden lässt.

Dass ernsthafte Familienfreundlichkeit in einem Unternehmen funktioniert, erlebe ich jeden Tag bei meinem Arbeitgeber, der schon sehr viel früher die Chancen einer familienfreundlichen Unternehmensführung erkannt hat. Denn wer auf dem zunehmenden Arbeitnehmermarkt mit Mangel an Fachkräften und demografischem Wandel bestehen will, und das vielleicht sogar noch nicht in den Ballungszentren, der muss sich schon was gutes einfallen lassen. Und dann in Familienfreundlichkeit zu investieren zahlt sich sehr aus. Vom Betriebskindergarten, der schon lange vor der aktuellen Diskussion existierte, über manigfaltige Teilzeitmodelle, die nicht nur vom „kleinen Angestellten“ sondern auch in den Führungsetagen genutzt und gelebt werden bis hin zu Pflegezeit für Angehörige oder den besprechungsfreien Tagen nach bestimmten Feiertagen werden viele Mittel genutzt, die es sowohl dem Vater als auch der Mutter erlauben, auch mit mehreren Kindern noch Beruf und Familie in Einklang zu bringen.

Aber leider sind solche unternehmerischen Denkweisen immer noch die Ausnahme in einer hauptsächlich männlichen auf Kampf und Konkurrenz ausgelegten Arbeitswelt. Es wird Zeit, die vielen schönen Reden einzufordern und statt Worten endlich Taten folgen zu lassen.

Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass Familienleben und Beruf in weiten Teilen der Gesellschaft endlich nicht mehr in Konkurrenz stünden. Aber leider sehe ich das nicht, und auch in zumindest naher Zukunft nicht, so lange wir immer noch eine Präsenzkultur haben und viele Manager alles für wichtiger halten, als die Familie. Zwar hört man schöne Reden zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber meist hört man diese Reden genau da, wo hinterher in kleiner Runde gelacht und weitergemacht wird, wie bisher. Geht ja, es gibt ja (noch) genug verfügbare Humanressourcen.

Interessant übrigens in diesem Zusammenhang, dass es mittlerweile schon, leider wie üblich nur in anderen Ländern wie Schweden Konzepte gibt, die zum Beispiel von einem 6 Stunden Tag bei gleichem Lohn ausgehen. Das überraschende, die Produktivität sinkt dort nicht sondern steigt sogar. Und mit 6 Arbeitsstunden pro Tag ist auch für Familien mit Kindern, wenn sie dadurch nicht wieder auf Einkommen verzichten müssen beides für beide Partner möglich. Aber dazu müsste man anders, moderner denken. Und irgendwie klappt das offensichtlich in Deutschland nicht wirklich.

Und übrigens, wer mal Top Management, hervorragende logistische Planung und Organisation erleben will, der sollte sich vielleicht einfach mal ansehen, was Mütter so jeden Tag leisten (ja, Väter auch, aber leider noch viel, viel zu wenige).

Und dann sollte jeder sich ehrlich mal Gedanken machen, ob er den folgenden Job haben möchte.

Update: unabhängig von meinem Beitrag befassen sich auch andere mit dem Thema Familienfreundlichkeit und so ist bei .comspace eine Blogparade gestartet, die sich mit der Frage befasst, was eigentlich genau Familienfreundlichkeit bedeutet. Dem schließe ich mich an und rufe ebenfalls dazu auf, bei deren interessanter Themenstellung mitzumachen.

Und wer Interesse hat, es existiert mittlerweile ein Etherpad, auf dem wir Materialien zu einer Podiumsdiskussion sammeln, die wir dann bei der nächsten re-publica starten wollen. Einfach eine kurze Nachricht an mich.

 

 

 

 

Wir leben, um zu arbeiten, um zu leben, um zu…

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Es gibt noch Dinge, für die man kein Geld braucht. Die Natur zum Beispiel. Aber keine Angst, auch das werden uns Konzerne sicher bald gegen Geld verkaufen.

Wir alle wollen Freude im Leben, Gesundheit, Wohlbefinden, Menschen um uns herum. Aber das ist leider nicht wirklich ökonomisierbar. Wer mit sich und seiner Umwelt zufrieden ist, der kauft nicht, der konsumiert nicht, der lebt.

Also leben wir in einer Welt, die uns immer mehr und immer häufiger unsere Defizit vor Augen führt. Nur mit diesem Auto, diesem Gadget, diesen Lebensmitteln sind wir hip, angesagt, in unserer Peergroup akzeptiert.

Und mit den zunehmenden Konsumanforderungen steigen auch unsere beruflichen Anforderungen. Mehr Konsum bedingt mehr Geld, bedingt mehr Konsum.

Es gibt diesen schönen Spruch: Viele von uns arbeiten für eine Wohnung, die sie den ganzen Tag nicht sehen, für ein Auto, das fast den ganzen Tag nur herumsteht und für das Essen, das sie sich teuer kaufen müssen, weil sie nichts selbst zubereiten können.

Erst wenn wir wieder lernen, von den Medien, den Politikern und den Unternehmen definierte Wertansprüche zu hinterfragenund nichts mehr nur hinzunehmen, weil die Gesellschaft das halt so macht, haben wir auch die Chance, unser Leben zu entschleunigen, wieder mehr Zeit für uns zu haben und Leben und Arbeiten als das zu sehen, was es ist, integraler Bestandteil unserer selbst, nicht Mittel, um von außen auf uns oktruierten Ansprüchen zu entsprechen.

Unsere beschleunigte Gesellschaft will uns mit allerlei Firlefanz versorgen, damit wir noch schneller mit dem fertig werden, was uns daran hindert, zu arbeiten oder zu konsumieren. Und wir werden dazu erzogen, zu konsumieren, immer effizienter zu sein, schneller zu sein, nicht zu trödeln oder gar zu faulenzen. Dabei entsteht Kreativität, Freude, Zufriedenheit auch aus Momenten der Ruhe.

Auto statt Fahrrad, Flugzeug statt Zug, elektrische Küchenhelfer statt gute Küchenutensillien, Fertigessen, Kantine oder Restaurant, statt selbst zuzubereiten. Die Liste lässt sich beliebig verlängern, alles Optimierungen, die uns als Mensch nicht voran bringen, die aber wirtschaftlich sinnvoll sind. Längst lassen wir uns vorschreiben, wie wir zu planen haben, wie wir noch effektiver unsere Aufgaben erledigen, um noch mehr in weniger Zeit zu schaffen.

Dabei wird dann gar nicht mehr hinterfragt, WAS man eigentlich noch mehr schaffen will und WARUM? Tun wir wirklich alles für uns, oder werden wir nicht vielmehr durch aufgesetzte Fremdbildvorstellungen zu Getriebenen, die immer häufiger versuchen, äußeren Ansprüchen zu genügen, anstelle das zu tun, was persönlich Freude bereitet.

Welcher Erwachsene spricht den wirklich offen und gerne darüber, dass er gerne spielt, faulenzt, mal nichts tut? Das ist heutzutage schon fast ein Makel, der bedeutet, man sei nicht wichtig genug.

Ich denke, wir haben es dringend nötig, unser gesamtes Wertegefüge unserer Gesellschaft zu überdenken. Zumal wir, auch wenn uns das Politik und Wirtschaft einreden wollen, schon längst nicht mehr beständiges Wachstum anstreben sollten, sondern um ganz ehrlich mit uns zu sein, unsere Ansprüche zurückschrauben sollten, damit auch die nachfolgenden Generationen noch in einer gesunden intakten Umwelt leben können. Aber das bringt ja dummerweise keinen Profit. Oder hat jemand eine gute Idee, wie man Verzicht verkaufen kann? Halt, doch. ein Ratgeber. Denn nichts ist in sich ein größerer Widerspruch als immer neue Ratgeber über das einfache Leben und den Konsumverzicht.

Und zum Abschluß, damit ich hier nicht gleich wieder als Gutmensch gebasht werde. Ich habe nichts gegen Konsum. Aber nicht um seiner selbst willen oder um die Wirtschaft anzukurbeln. Konsumieren sollte im sinnvollen Rahmen passieren und da sind wir heutzutage gerade mit all diesen Luxusartikeln wirklich weit jenseits von gut und böse.

 

Unbequeme Wahrheiten des Alltags, die beliebtesten Lebenslügen

Ich hab hier mal damit angefangen, ein paar unbequeme Wahrheiten zu sammeln, die viele gerne leugnen würden, die aber oft (nicht immer) so sind.

1) Wir alle finden Kinder toll. Bis der Kindergarten direkt neben unserem Wohnblock gebaut werden soll

2) Wir alle fahren unglaublich gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad. Bis wir merken, dass wir dann deutlich länger brauchen, als mit dem Auto

3) Wir alle schätzen offene Kommunikation und praktizieren sie auch Bis der Chef vor uns steht.

4) Wir alle wollen eine saubere Umwelt und gesundes Essen. Bis wir abends feststellen, dass das ganze bedeutet, weniger Müll zu machen und selbst etwas für uns zu kochen.

5) Wir alle schätzen Satire und Ironie. Bis wir selbst davon betroffen sind.

6) Wir alle sind selbstbewußt und unabhängig. Bis der Nachbar mit seinem neuen Sportwagen in die Einfahrt einbiegt.

7) Wir alle lieben es, uns zu bilden und zu lernen. Bis wir abends im Programm die nächste Casting Show sehen.

8) Wir alle schimpfen über die Politik und die Politiker. Bis wir dazu aufgefordert werden, dann für unsere Meinung auch auf die Straße zu gehen.

9) Wir alle behandeln Behinderte wie Nichtbehinderte. Bis wir mit einem behinderten Menschen konfrontiert werden, der unsere Hilfe braucht aber schwierig im Umgang ist.

10) Wir alle haben nichts gegen Ausländer. Bis der Ausländer uns für weniger Geld unseren Arbeitsplatz scheinbar wegnimmt.

11) Wir alle lesen nur gute Literatur und guten Journalismus. Bis wir am Kiosk die nächste BILD Schlagzeile lesen.

12) Wir alle ernähren uns gesund und treiben viel Sport. Bis wir nach Feierabend zu hause angekommen sind, und damit loslegen könnten.

13) Wir alle sind für Solarstrom oder Windenergie. Bis das Solarkraftwerk auf der Wiese vor unserem Haus oder das Windrad direkt neben unserem Wohngebiet gebaut werden soll.

14) Wir alle machen uns nichts aus Marken und Trends. Bis der Freund/Nachbar/Kollege uns seinen neuesten heißen Shice präsentiert.

Wem noch eine schöne Lebenslüge einfällt, gerne in den Kommentaren ergänzen.

Braindrain, die guten (Wissenschaftler) wandern ab

Der Spiegel berichtete vor kurzem über den Braindrain deutscher Wissenschaftler. Grundaussage war, dass mehr Wissenschaftler ins Ausland abwandern, als nach Deutschland kommen.

Das würde ich noch etwas weiter fassen. Immer mehr Menschen in meinem Umfeld denken darüber nach, nicht nur den Job, sondern gleich das Land zu wechseln. So habe ich schon diverse Freunde im Ausland und das sind nicht nur Wissenschaftler. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang vor allem, welch große Diskrepanz offensichtlich zwischen der Wahrnehmung unserer Politiker und der Realität besteht. Ja, wir haben eine florierende Wirtschaft und eine niedrige Arbeitslosigkeit. Aber das geht vor allem auf dem Rücken der Arbeitnehmer. Während die Politik sich die Diäten erhöht, fordert sie von den Gewerkschaften Lohnverzicht. Arbeitslose werden in den Jobcentern behandelt wie kleine Kinder, denen man nicht vertrauen darf, weil sie ja alle betrügen (Moment, wer hat die Finanzkrise zu verantworten? Richtig)

Es wird den Arbeitnehmern die Rente gekürzt und gleichzeitig als Maßnahme gegen den demografischen Wandel verkauft, wohl wissend, dass in vielen Berufen Arbeiten bis 67 schon aus gesundheitlichen Gründen nicht denkbar ist. Aber wenn dann der Bürger die Konsequenz zieht und ins Ausland geht, sofern er diese Möglichkeit überhaupt hat, dann wundert man sich und zeigt sich besorgt.

Wir sollten bei solchen Debatten nicht vergessen, wenn wir alles an „Durchschnitt“ auf der Strecke lassen, den wir auch brauchen. Es bringt einer Wirtschaft überhaupt nichts, nur die Spitzenleister zu betreuen, nur die Großverdiener gnädig zu stimmen. Es braucht einen gesunden und motivierten Unterbau an Menschen, die die EIGENTLICHE Arbeit tun. Und hier sorgt man immer mehr dafür, dass innerlich gekündigt wird, dass Dienst nach Vorschrift erfolgt. Das wird sich nicht sofort niederschlagen, aber es wird irgendwann und dann vermutlich scheinbar ebenso überraschend wie die Flucht der Wissenschaftler auf die Wirtschaft zurückfallen, wenn uns andere Nationen rechts überholen, bei denen der „normale Angestellte“ auch be- und geachtet wird.

Und die innere Kündigung wird mittlerweile zum Massenphänomen in einer Gesellschaft, die zwar die Freizügigkeit fordert, sie aber eigentlich gar nicht ermöglicht, ohne wirtschaftlich und sozial ein hohes Risiko einzugehen. Man soll sich niederlassen, ein Haus erwerben, eine Familie gründen, wenn dann aber der Job ruft, soll man/frau alles stehen und liegen lassen und dorthin gehen, wo die Arbeit ruft?

Man soll zwar einen Ausgleich zwischen Privat und Beruf schaffen, wenn man aber mit Blick aufs Privatleben nicht zu jeder Überstunde und jeder Arbeitszeit bereit ist, dann gilt man als unflexibel und wird, so man arbeitslos ist, wie ein Schwerverbrecher mit Sanktionen belegt.

Und da wundert sich unsere Medienlandschaft und die Politik über die Menschen, die gut ausgebildet ins Ausland gehen? Ich ganz ehrlich nicht.

 

Play to Cure – Genes in Space: Spielen und der Krebsforschung helfen

PlaytoCureMit Play to Cure: Genes in Space ist jetzt ein Spiel erschienen, das auf den ersten Blick wie ein einfacher Weltraumflug Simulator aussieht. Das Spiel hat aber einen ernsten Hintergrund und fällt in die Kategorie der „Serious Games“.

Während man selbst ein Raumschiff steuert und durch verschiedene Möglichkeiten, Punkte zu sammeln immer bessere Ausrüstung erhält, werden Daten, die von Cancer Research UK bereitgestellt werden analysiert, und die Ergebnisse wieder zurückgesendet. Zu Beginn werden hierzu durch die App genetische Daten heruntergeladen, die während der Spieler das Spiel spielt verarbeitet werden. Wird das Spiel beendet, werden die Ergebnisse dann wieder hochgeladen.

Man muss sich quasi einen möglichst „dichten Pfad“ durch die Daten suchen, die im Spiel eine wertvolle Materie sind, die der Spieler aufsammeln muss.

Das ganze Spielprinzip mag nicht all zu aufregend erscheinen, für ein Casual Game macht das ganze doch hinreichend Spaß und wenn man die sinnvolle Sache im Hinterkopf behält, versucht man erst recht, die optimalen Pfade zu finden.

Also wenn ihr das nächste Mal etwas Wartezeit totschlagt, warum dann nicht mit einem Spiel, das auch noch gutes tut?

 

Erhältlich ist Play to Cure: Genes in Space für Android und IPhone.

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IFS-Studie: Führungskräfte von morgen setzen „Mobility“ voraus

Mobilgeraete privat und beruflich
Welche mobilen Endgeräte Nachwuchskräfte privat im Einsatz haben und welche sie künftig im Beruf nutzen wollen. (Quelle: IFS, Januar 2014)

Nachwuchskräfte erwarten von ihrem künftigen Arbeitgeber nicht nur, dass er mobiles Arbeiten unterstützt, sie möchten auch bei der Auswahl der mobilen Endgeräte ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des weltweit agierenden Anbieters von ERP-Lösungen IFS unter Business-School-Studenten.

Erlangen, 15. Januar 2014 – Wie wichtig ist Nachwuchs-Führungskräften das Thema Mobility? Dieser Frage ist die Münchner Kommunikationsagentur PR-COM im Rahmen einer von IFS beauftragten Umfrage nachgegangen. Im Herbst 2013 wurden dazu mehr als 150 Interviews mit Studenten an Münchner Business Schools und Universitäten durchgeführt. Die Befragten kamen vornehmlich aus den Studienrichtungen Wirtschaft und Management sowie Kommunikations- und Politikwissenschaften.

Die Studie bestätigt, dass die überwältigende Mehrheit der angehenden Führungskräfte in ihrem Privatleben ausgiebig mobile Endgeräte nutzt. So besitzen mit 92 % fast alle von ihnen ein Smartphone. Gut drei Viertel von ihnen (76 %) nutzen außerdem ein Notebook, ein Drittel der Befragten (33 %) gab zudem an, ein Tablet zu haben.

Der selbstverständliche Umgang mit mobilen Endgeräten in ihrem Privatleben prägt die Erwartungshaltung der Nachwuchskräfte an ihre künftigen Arbeitgeber. 85 % der befragten Studenten gaben an, Smartphones später auch beruflich verwenden zu wollen. Ähnlich wie im Privatleben möchten sie künftig auch auf Notebooks im Beruf nicht verzichten: 64 % der Befragten wollen damit arbeiten. Auf Platz drei folgen Tablets, die gut die Hälfte (52 %) der Studenten auch am Arbeitsplatz einsetzen will.

Bei der Entscheidung, welche Mobilgeräte sie beruflich nutzen können, wollen die angehenden Führungskräfte ein gewichtiges Wörtchen mitreden, so die Untersuchung. Stellt der Arbeitgeber die Geräte, ist für die überwältigende Mehrheit (82 %) ein Mitspracherecht bei der Auswahl sehr wichtig, wichtig oder eher wichtig.

Interessant: Sollte der künftige Arbeitgeber keine Mobilgeräte stellen, will die Mehrheit ihre Privatgeräte am Arbeitsplatz verwenden. Für insgesamt 56 % der befragten Studenten ist es entweder sehr wichtig oder wichtig, ihre privaten Mobilgeräte auch im Beruf einsetzen zu dürfen, wenn der Arbeitgeber nicht das gewünschte Gerät stellt. Für die Unternehmen bedeutet das: sie müssen eine Bring-your-own-Device-Strategie (BYOD) unterstützen, wenn sie junge Nachwuchsführungskräfte gewinnen wollen.

Die Bedeutung dieses Themas für die angehenden Führungskräfte wird sich auch bei ihrer Suche nach einem Arbeitgeber niederschlagen. Auf die Frage, welche Aspekte ihnen bei der Bewerbung oder der Entscheidung für ein Unternehmen wichtig sein werden, antwortete ein Viertel der Studenten, es sei für sie entweder ein K.O.-Kriterium oder sehr wichtig, dass ihr künftiger Arbeitgeber ein Mobilgerät zur Verfügung stellt.

„Das Thema Mobility wird für die Firmen durch die nächste Generation an jungen Mitarbeitern entscheidend geprägt werden und daher an Bedeutung gewinnen“, sagt Wilfried Gschneidinger, CEO von IFS Europe Central in Erlangen. „So selbstverständlich die jungen Menschen heute Mobilgeräte in ihrem Privatleben nutzen, so selbstverständlich möchten sie dies später auch an ihrem Arbeitsplatz tun. Darauf müssen sich die Unternehmen in ihren Prozessen und Ausstattungen einstellen, wenn sie beim Wettbewerb um die besten Köpfe punkten wollen. Entweder sie stellen entsprechend innovative Geräte zur Verfügung und integrieren diese bestmöglich in die innerbetrieblichen Abläufe, oder sie unterstützen zumindest einen Bring-your-own-Device-Ansatz. Unabhängig davon, für welches Vorgehen sich die Arbeitgeber entscheiden – IFS unterstützt sie mit innovativen mobilen Lösungen, welche sicher, anwenderfreundlich und plattformunabhängig sind und daher ein Höchstmaß an Nutzen bringen.“

Es ist nicht das Internet kaputt, sondern der Mensch: Eine Replik auf Sascha Lobo

„Das Internet ist kaputt“ postuliert Sascha Lobo jüngst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Dem mag ich nun so gar nicht zustimmen.

Zumal hier wieder einmal Technologie, deren Verwendung und die ethisch moralischen Grundwerte einer Gesellschaft in einen Topf geworfen werden.

Aber von Anfang an. Zunächst, wäre das Internet kaputt, so könnten wir keine EMails mehr abrufen, nicht mehr surfen oder unsere Geschäfte tätigen. Das alles aber geht. Was ist denn dann nun kaputt? Es ist die Sicht der Menschen, zum einen auf ethisch moralische Werte, auf die Welt allgemein und die digitale Welt im Besonderen.

Es ist quasi der Sündenfall des digitalen Zeitalters. Als das Internet noch „jungfräulich“ war und nur Experten es zu nutzen wussten, da war das Paradies noch für alle zum Greifen nah. Zugriff auf Daten weltweit, das Wissen der Menschheit nur einen Klick entfernt.

Doch dann kam der Sündenfall. Das ehemals kostenlose und elfenbeinturmartig geschützte Netz trat hinaus in die Öffentlichkeit. Und jetzt auch ins Angesicht des Durchschnittsmenschen. Der natürlich sofort fragte: Was bringt es mir (finanziell)? Und schneller als der Wissenschaftler die Sündenfallfrucht zu verhindern versuchte traten erste Unternehmen auf den Plan. Es begann die Kommerzialisierung des Netzes und damit der breite Zugriff für alle. Nun aber wurde das Netz nicht nur für Unternehmen interessant sondern auch für die eher halbseidenen oder auch illegalen Organisationen, die natürlich ein gleich großes Interesse daran hatten. Und in Folge auch für die Staatsorgane, wobei hier nicht der durchschnittliche Politiker gemeint ist, der das Internet immer noch in der Nähe der Bundesautobahnen verortet sehen will sondern diejenigen, deren ureigenstes Ziel immer schon das Beschaffen möglichst lückenloser Informationen war und ist. Die Geheimdienste.

Und während die Mehrheit der Bevölkerung sich nur widerwillig ins Netz begab, empfingen die dunkleren Organisationen vom Stile einer #NSA das Netz mit offenen Armen, bot es ihnen doch ein Füllhorn an Informationen und dank des Desinteresses der breiten Masse auch zunehmend Informationen, die sie so noch nie zuvor erlangt hatten. Bewegungsprofile, Personenprofile, eine unabsehbare Zahl von  Datenquellen.

Aber es gab sie, die Mahner, diejenigen, die bereits zu Beginn erfasst hatten, was das Problem, was die Gefahr dieser Datenfülle war. Seien es EFF oder CCC (wer diese Begriffe nicht kennt, interessiert sich sicherlich noch heute kein Jota für Datenschutz in der wirklich relevanten digitalen Form)

Doch die Mehrheit der Bürger glaubten und glauben immer noch jenen, die ein großes Interesse haben, den Bürger möglichst gläsern zu gestalten. Unternehmen, die das Kaufverhalten kennen wollen, Regierungen und Geheimdienste, die wissen wollen, wie der Bürger tickt.

Es war das Denken, das Interesse des Bürgers, oder besser sein Desinteresse, das kaputt war und ist. Wo Sender wie RTL und Pro 7 Erfolge feiern, wo die BILD Zeitung als glaubwürdiges Nachrichtenorgan gehandelt wird und die Mehrheit immer noch glaubt, dass Wahlversprechen auch gehalten werden, da ist es kein Wunder, wenn auch das Internet zunehmend aus seinen unschuldigen Anfängen immer mehr in einen Sumpf von Missbrauch und Datendiebstahl gerät. Es ist der mangelnde Ernst im Umgang mit dem Internet, das Verkennen seiner Bedeutung und der Gefahren, wenn es in die falschen Hände gerät. Das Internet an sich ist immer noch das ideale Medium für Demokratie und ihre Prozesse. Und mehr als ein Mal konnten wir es dabei schon im realen Einsatz erleben.

Aber solange die Mehrheit der Bevölkerung das Internet immer noch als eine technologische Spielerei betrachtet und „auch gut ohne“ auskommen kann bzw. dieses „Internetz“ am liebsten ganz abschaffen möchte, so lange werden diejenigen, die einen halbseidenen Nutzen daraus ziehen weiterhin unbehelligt die Grundlagen des Internets unterminieren können. Und wer uns erzählen möchte, das Internet zerstöre die Demokratie, der verkennt, dass das Internet kein Lebewesen ist, kein selbst entscheidendes System. Wir sind es, wir alle, die wir uns durch Lethargie und Ignoranz, durch Technophobie und weltfremdes zurückblicken auf die angeblich so viel bessere Vergangenheit davon abhalten lassen, das Internet positiv zu nutzen und uns gegen die zu stellen, die es missbrauchen.

Was Snowden aufgedeckt hat, war nicht die Zerstörung des Internets. Es war und ist die Zerstörung der Freiheit von uns allen, der eigentlichen demokratischen Idee und der unbändige Wunsch der Regierenden, uns lückenlos überwachen zu können. Das Internet ist ein neutrales Instrument. Wir sind es, die durch unser Nichtstun einer Minderheit erlauben, es negativ zu missbrauchen.

Wir brauchen kein Lamentieren über ein kaputtes Netz. Wir brauchen einen Aufstand gegen eine kaputte Gesellschaft.