Mein Vortrag zu Work Life Integration beim Meet and Chill am 22. Sept.

Als Mitglied des Vereins Connect-IT wurde ich eingeladen, einen Vortrag beim Meet and Chill am 22. September zu halten. Die Einladung hab ich natürlich gerne angenommen und werde über mein aktuelles Hauptthema referieren: Here and There and Everywhere: Work Life Integration.

Da für mich die enge Verzahnung von beruflichem und privatem Leben gelebter Alltag ist, will ich mit dem Vortrag einen Ausblick darauf geben, wie sich diese Entwicklung für den Alltag aller auswirkt, wie Unternehmen hier agieren  und reagieren sollten und warum ich die Entwicklung, wenn vernünftig und richtig  begleitet für sehr positiv halte.

Wer am 22. September dabei sein will, sollte sich bis zum 19. September anmelden.

 

Blogparade: Arbeitsplatz der Zukunft-Es beginnt alles im Kopf

liveblogger
Als Blogger und Buchautor bin ich heute schon mobil. In Zukunft wird der Ort an dem ich arbeite noch viel irrelevanter werden.

Die Blogparade des CeBIT Blog „Arbeitsplatz der Zukunft“ greift ein Thema auf, zu dem ich nebenberuflich schon lange forsche und schreibe. In meinem Hauptberuf bin ich Softwareentwickler und zwar klassisch. Arbeitsplatz im Büro, fester Desktop PC und über die üblichen Gleitzeitmodelle hinaus im Prinzip der klassische 9-17 Uhr Job.

Das macht mir nichts, der Beruf macht mir Freude, aber als Autor und Blogger arbeite ich eben auch noch in anderen Arbeitsmodellen. Denn als Autor und Blogger bin ich mobil.  Sehr mobil. Eigentlich benötige ich nur meinen Rucksack und einen Tisch, nein, eigentlich noch nicht mal das, um zu bloggen, zu recherchieren, zu schreiben und ja, auch um KUMs bei ihren ersten Schritten in die Arbeits- und/oder Social Media Welt von Morgen zu begleiten.

Aber ich möchte hier gar nicht auf meine technischen Werkzeuge eingehen,die mir mobiles Arbeiten ermöglichen. Smartphone, Tablet und Notebook, WLan und MIFI alles bekannte Begriffe und Technologien. Aber nicht das, was die Arbeit der Zukunft für mich ausmacht. Denn für  mich gibt es zwei Prämissen, die ich für zukünftige Arbeitsplätze sehe.

Zum einen, der Ort wird irrelevant. Wir werden erleben, dass die Präsenzkultur sich immer mehr überlebt. Ich arbeite nicht, wenn ich da bin, sondern wenn ich arbeite. Heutige Unternehmen verwenden viel zu viel Energie und Kosten darauf, die Präsenzzeiten der Mitarbeiter zu erfassen. Wer aber permanent fragt, wie lange etwas dauert, der wird erleben, dass die Zeiten, die er erhält auch stets voll ausgefüllt werden. Denn es geht ja nicht um die effektive Erledigung der Aufgabe sondern um das anwesend sein, wenn es erwartet wird und idealerweise auch, wenn für den Chef sichtbar (zumindest scheinbar) gearbeitet wird.

Das ist nicht mein eigenes Erleben, das haben Studien ergeben. Schon in meinem Umfeld kann ich beobachten, wie plötzlich die Ergebnisse wichtig werden, wenn man sich von dem Denken in Stechuhrmodellen verabschiedet. Projekte erwarten nicht die Präsenz des Mitarbeiters, sondern das Ergebnis. Sie wollen vom Mitarbeiter nicht Anwesenheit, sondern gute, qualitativ hochwertige Ergebnisse. Gerade in Wissensberufen – und auch wenn das mancher so nicht sehen will, sie werden in Zukunft die überwiegende Mehrheit der Tätigkeiten darstellen – zählt das Resultat, nicht die Dauer.

Auch daraus resultiert ein weiterer Aspekt, den ich für zukünftige Arbeitsplätze sehe. Anstelle eines Fulltime Jobs wird es immer mehr Teilzeitangestellte geben, die möglicherweise für mehrere Unternehmen in einer Art serieller Festanstellung oder einem Mix aus Festanstellung und freiberuflicher Tätigkeit arbeiten. Daraus resultiert, dass sie nicht mehr zwangsweise in den Räumen des Unternehmens tätig sein müssen, dass Unternehmen vielmehr so etwas wie Coworking Spaces bereitstellen, die dann von den Mitarbeitern des Unternehmens ganz nach den aktuellen Tätigkeitsbedürfnissen genutzt werden. Da kann es Phasen mit permanenter Präsenz geben und wiederum Abschnitte, in denen der Mitarbeiter mobil, von zuhause aus oder von unterwegs tätig ist.

Es gibt das Stichwort vom „atmenden Unternehmen“. Das wird aber schwierig, so lange ich die Mitarbeiter für ihre Anwesenheit bezahle. Denn dann muss ich mir stets überlegen, wie ich die Ressource Mensch möglichst optimal auslaste, denn dann ist ja Mitarbeiterzeit Geld. Bezahle ich aber für Ergebnisse, idealerweise nicht bezogen auf den einzelnen sondern Teams oder Projekte, ist es durchaus möglich, neben hochstressigen Phasen auch Ruhezeiten zu haben, in denen manch ein Mitarbeiter nur 3 Tage arbeitet. Nicht falsch verstehen, die Bezahlung sollte sich weiterhin fix gestalten, damit Planungssicherheit für den Arbeitnehmer besteht. Aber im atmenden Unternehmen erhält man im Ideal auch die Gesundheit der Mitarbeiter, da dann wenn vernünftig und wirtschaftlich wie sozial sinnvoll geplant wird quasi die Erholungsphasen jenseits des Urlaubs mit einplant. Dann ist der Mitarbeiter nicht mehr ständig unter Stress und droht in den Burn out zu rutschen, da dann die Aufgabe des Managements plötzlich nicht mehr darin liegt, sicherzustellen, dass alle voll ausgelastet sind.

Vielmehr gilt es dann, eine Balance zwischen Arbeit und Mitarbeitern zu schaffen. Es wird immer wieder gerne vom Begriff der Work-Life Balance gesprochen.  Das ist für mich aber ein großer Irrweg. Work-Life Intergration muss das Motto lauten. Privat und Beruf mit der gleichen Wichtigkeit. Das Private nicht nur noch als Regeneration, um im Beruf wieder fit zu sein sondern als eigene wichtige Komponente für Selbstverwirklichung und eigene Interessen. Und bei einer Arbeit, die nicht mehr die Zeit misst, so haben wiederum einige Studien ergeben, ist auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter weitaus größer.

In den Details wird man sicher diskutieren müssen, wird es Auswüchse geben und Fehlentwicklungen.

Aber für mich bedeutet der Arbeitsplatz der Zukunft vor allem mehr Freiheitsgrade und wieder mehr Zeit für das Individuum jenseits der Tätigkeit im Büro, weil die Arbeit plötzlich von einem Fremdkörper im positiven Sinne zum integralen Bestandteil des Lebens wird.

 

 

Social Media im Unternehmen: Holt euch die Szene für diesen Fulltime Job

Social Media, kein Phänomen, das sich in „Social Media beruflich“ und „Social Media privat“ konsequent trennen lässt.

Nestle Australien hat gerade wieder mit einem kleinen Shitstorm zu kämpfen. Ohne es zu ahnen startete das Unternehmen eine   Facebook Page für KitKat  auf der auch ein in einem Bärenkostüm steckender Mann zu sehen ist. Was Nestle dabei nicht bedachte, der Mann im Bärenkostum hat große Ähnlichkeit mit Pedobär, einer Figur, die immer dann eingesetzt wird, wenn ein Foto gezeigt wird, bei dem der Eindruck eines pädophilen Inhaltes entstehen könnte. Entstanden ist diese Figur in 4chan.

Hier zeigt sich die Wichtigkeit, nicht nur ein Social Media Team einzusetzen, sondern bei der Auswahl der Mitarbeiter darauf zu achten, dass diese auch aktiv in Social Media unterwegs sind und auch weiterhin die Freiräume haben, Social Media auch jenseits der direkten Bezüge zum Unternehmen zu beobachten. Denn was hinter Pedobär steckt ist ein Meme, also ein begrifflicher oder semantischer Zusammenhang, der sich nur demjenigen wirklich erschließt, der sich mit den Gepflogenheiten der Community wirklich auskennt, der die Kanäle beobachtet, die Trends versteht und Teil der Social Media Sozialisierung ist. Social Media macht man nicht von 9-17 Uhr. Social Media ist Teil eines Lebensstils, der sich weniger um Hierarchien oder tradierte Gepflogenheiten kümmert als dass er neue Trends beobachtet und die Rituale und Meme der Social Media Welt selbst lebt und ein Teil davon ist.

Ich empfehle, bei jedem Mitarbeiter, der für Social Media Aufgaben gesucht wird tatsächlich auf seine Relevanz in der Szene zu achten. Erste Hinweise können Dienste wie Empireavenue, Klout, Kred oder Peerindex liefern. Ebenso ist es, zu beobachten, ob derjenige nur auf den Hauptkanälen aktiv ist bzw. diese kennt oder ob er auch mit neuen Plattformen oder Memen etwas anfangen kann. Wer Social Media beruflich ausüben will, darf nicht in den Kategorien beruflich oder privat denken. Social Media weicht genau diese Grenzen massiv auf.

Das wäre nicht passiert, wäre die Social Media Welt ernsthaft beobachtet und und „gelebt“ worden. (Quelle: gutjahr.biz)

Aktuell gibt es hierzu ein weiteres  trauriges aber leider auch gutes Beispiel dafür, wie ein Umgang mit Social Media, der mehr auf Gewinn und Kostensparen ausgelegt wurde, als auf ernsthaften Umgang mit der Community komplett nach hinten losgehen kann. Das Attentat in einem Kino in den USA während der Vorstellung des neuen Batman Filmes wurde zum Trending Topic auf Twitter unter dem Hashtag #aurora. Was dann geschah, lässt sich am besten im Blog von Richard Gutjahr verfolgen. In aller Kürze: Eine Versender von Bekleidung sprang auf das vermeintlich neutrale Hashtag an und machte Werbung für Bekleidung mit dem Namen Aurora, völlig ignorierend, dass es sich beim #aurora Hashtag um das Hashtag zum Attentat in den USA handelte. Und musste dann auch noch eingestehen, dass es sich nicht selbst um seine Social Media Kanäle kümmerte, sondern diese sogar noch outgesourct hatte. Typischer Fall von einen wichtigen Kommunikationskanal nicht ernst genommen. Hier müssen so manche Marketing und Vertriebsmenschen noch sehr umdenken. Hinaustrompeten von Werbebotschaften wird immer weniger funktionieren. Es geht vieles deutlich in Richtung bilaterale Kommunikation. Und wer dies nicht beherrscht, den wird der Markt direkt durch die Kunden abstrafen.

Es ist ratsam einen kleinen Kreis einzusetzen, der sich wirklich und ausschließlich mit allem rund um die Social Media Kanäle des Unternehmens befasst. Denn Social Media, wenn es in allen Facetten ernst genommen wird IST ein Fulltime Job.

Richard Gutjahr bringt es in seinem Blog sehr gut auf den Punkt:  Ein soziales Netzwerk ist mehr als nur ein Marketing-Werkzeug. Ähnlich wie unsere menschliche Kommunikation, transportiert es neben der reinen Sach-Information Werte, Haltungen und Beziehungsbotschaften. Ein Tweet und sein Kontext sagen mehr als 140 Zeichen.

 

 

 

Der Tod der Work-Life-Balance: Ich nenne es Work-Life-Integration

Mobile Workplace, my style.

Immer häufiger wird der meiner Ansicht nach völlig überladene Begriff der Work-Life-Balance in letzter Zeit in den Medien kritisch hinterfragt. So schrieb erst kürzlich die „Karrierebibel“:

Alles im Lot? – Work-Life-Balance ist ein Mythos

Ich verwende in meinen Vorträgen zur Arbeitswelt der Zukunft schon seit längerem den Begriff der „Work-Life-Integration“. Denn das denken in den Dimensionen Arbeit und Privat halte ich für falsch und riskant. Balance finde ich meiner Ansicht nach nur, wenn ich mich stets in beiden Feldern nach Bedarf bewege und zwischen diesen variabel jonglieren kann. Auch ein Verschwimmen ist meiner Ansicht nach durchaus akzeptabel. Der grosse Irrtum in den meisten Diskussionen ist, dass jeder, der seinen Fokus auf die Arbeit legt gleich übertreibt. Das ist wahr, es gibt solche Menschen. Aber die haben ein Defizit, das nichts mit einem Mangel an Ausgleich zu tun hat sondern mit der Charaktereigenschaft, nicht nein sagen zu können. Und da wir immer noch in einer 9-17 Uhr Kultur leben, in der nur der ein Topleister ist, der dann auch noch Überstunden anhängt, ist die Gefahr der Ausbeutung hier sehr groß.

Davon müssen wir weg kommen, es müssen wieder mehr die Resultate zählen und REALISTISCHE Zielvorgaben. Deshalb ist neben der Work-Life-Integration auch in gewissem Rahmen ein Abschied vom alternativlosen Wachstumsdenken notwendig. Denn eines muss jedem klar sein. Nur ein zufriedener AUSGEGLICHENER Mitarbeiter kann auch Top Ergebnisse liefern. Wer unter Druck steht, macht zwangsläufig Fehler.

Wir müssen ein integratives Leben führen, in dem es möglich ist, eine Familie zu gründen UND in einem interessanten Beruf zu arbeiten. Und zwar OHNE eine Auszeit nehmen zu müssen. Technologisch sind wir schon lange so weit dank mobiler Endgeräte und schneller Datenleitungen. Aber in den Köpfen arbeiten wir immer noch wie im 19. Jahrhundert nach dem Muster Arbeit=Zeit. Wichtig ist das (Team-) Ergebnis. Und dass wir ein glückliches Leben führen, sei es im Privaten wie auch im Beruflichen. Das klingt nach Träumerei aber wer nicht träumt, der will auch nichts mehr verändern…

Schaltet eure Firmenmessenger ab, die nutzt bald kein Mensch mehr

Sorry to disturb you: Aber meine wichtigen professionellen Netzwerke überschreiten die virtuelle Grenze des Unternehmens wie meine Kommunikation mit ihnen.

Welches Unternehmen hat sie nicht? Neben EMail nutzen auch viele Unternehmen für die Kommunikation ihrer Mitarbeiter Messenger wie MSN oder Sametime. Aber nur im internen Unternehmensnetz. Da sage ich, abschalten, das braucht kein Mensch. Denn wir vernetzen uns bereits heute über die Grenzen des Unternehmens weg. Wer da meint, er müsse dieses böse Netz da draußen aussperren, sorgt früher oder später dafür, dass sich ein grosser Teil seiner Kommunikation eben genau da hin verlagert, ins böse Internet. Immer mehr Menschen sind in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook oder kommunizieren auch privat über Messenger. Und warum muss ich dann noch ein zweites, getrenntes Netz nutzen. Überall spüren wir, wie Privatleben und Beruf verschmelzen, aber eine der schnellsten Kommunikationsformen wird in vielen Unternehmen am virtuellen Ausgang des Unternehmens geblockt.

Das halte ich für extrem kurzsichtig. Zumal die immer grösser Verbreitung von Smartphones schon heute zu einer „unkontrollierten“ vernetzten Kommunikation über eben jene sozialen Netze führt.

Also entweder die Mitarbeiter restlos zu unmündigen Kindern machen, und auch noch alle privaten Smartphones in der Firma verbieten, oder sich darauf einlassen, dass viele Mitarbeiter schon heute jenseits der FIrmen-IT operieren. Und das nicht aus bösem Willen. Sondern weil sie schlicht und ergreifend effizent UND effektiv arbeiten wollen und die Einschränkungen durch sicherheitsfanatische IT Security oder in Standards vernarrte Hotlines schlicht als grosse Behinderung empfinden.

Also, entweder diese überflüssigen „Nur in der Firma“ Messenger ins Netz öffnen, oder weg damit.

Wo bleibt denn da der Sinn? Arbeit ohne Sinn oder Sinn neben der Arbeit?

Die Zeit titelt aktuell: Weniger Stress, mehr Sinn.. Eine eigentlich berechtigte Frage, die man aber zumindest als Arbeitnehmer und als Konsument nicht stellen durfte. Darf man es eigentlich heute? Ich wage es zu bezweifeln.

Technik ist nicht per se schlecht. Aber sie soll das Leben leichter machen, nicht komplizierter.

Denn seien wir doch mal ehrlich. Vieles unseres Konsumentenverhaltens und vieles, was in der Wirtschaft geschieht, kann man schon seit langem nicht mehr mit einer tieferen Sinnhaftigkeit erklären.

Immer mehr Burnouts immer mehr Klagen über sinnentleerte Tätigkeiten, reines Profitstreben oder immer höheren Leistungsanspruch bringen Menschen dazu, das System als ganzes zu hinterfragen. Auch die Bankenkrise hat hier ihr Schärflein dazu beigetragen durch Banken, die Profite sofort in die eigene Tasche stecken und Verluste viel lieber vom Staat, also vom Bürger bezahlen lassen.

Eine Kultur der Spitzenleistung vergisst leider viel zu oft, dass niemand Spitzenleistung auf Dauer ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen liefern kann. Selbst Spitzensportler benötigen Ruhephasen. Und was ist so schlimm an einer konstant guten und völlig ausreichenden Leistung, wenn dadurch Gesundheit und Motivation des Einzelnen viel besser geschützt werden.

Aber erst durch die Wiederholung der Krise, durch die Offenbarmachung der Unbelehrbarkeit einer Wirtschaft, die Gewinn und Shareholder Value vor alles stellt, wagen wir es, in der Öffentlichkeit über Themen laut nachzudenken, für die wir vor kurzem noch als Kommunist abgestempelt, und mit der Frage konfrontiert worden wären, ob wir denn die DDR wieder haben wollen.

Es geht aber vielmehr darum, dass immer mehr Menschen ein System hinterfragen, das offensichtlich materielle Werte und im Moment gar immaterielle, virtuelle Werte wie Börsenkurse vor das Glück derer stellt, für die die Wirtschaft eigentlich da sein sollte. Wirtschaft zum Selbstzweck mag ja manchem Manager gefallen, der sich von Chefsessel zu Chefsessel hangelt, stehts nur bestrebt, den Gewinn zu steigern, wenig interessiert daran, wie es den Kunden, geschweige denn den Mitarbeitern dabei geht.

Das jetzt die Wirtschaft zu spüren bekommt, was für Auswirkungen es hat, wenn man eine Kultur und eine Denkweise propagiert, die den vereinzelten Humanressourcenlieferanten vor gesellschaftliche Werte wie Zusammenhalt, nachhaltiges Wirtschaften, Familie und Bildung stellt, das war zu erwarten.

Pech nur, dass gerade jetzt der Einzelne darüber nachzudenken beginnt, ob er die Prämissen der Wirtschaft nach stetigem Wachstum, nach immer mehr Besitz überhaupt mitzutragen bereit ist. Denn die Frage, wofür das ganze kann die Wirtschaft nur mit Blick auf das eigene Unternehmen, nicht aber auf die Gesellschaft beantworten, zumindest nicht mehr, seit durch Börsencrashs, Immobilienblasen und Finanzmarktkrisen offensichtlich geworden ist, dass schon seit längerem nur noch des Profits wegen gewirtschaftet wird.

Für mich werden sich in den kommenden Jahren deshalb zwei grosse Megatrends ganz deutlich etablieren. Zum einen wird, auch bedingt durch eine Verlagerung des Marktes von einem Arbeitgebermarkt hin zu einem Arbeitnehmermarkt der einzelne viel selbstbewusster fragen: Will ich den ganzen Stress, will ich eine Karriere, unter der meine Familie, mein Privatleben leidet? Brauche ich all den Plunder überhaupt?

Warum ist so etwas wie Stockbrot am Lagerfeuer so "schön". Es ist einfach.

Zum anderen wird man erleben, dass gerade die gut ausgebildeten, gefragten Bevölkerungsschichten, also gerade diejenigen, die in der kommenden Wissensgesellschaft gefragt sein werden immer mehr die eine, wirklich interessante Frage stellen werden: Was macht meine Tätigkeit für einen Sinn? Muss ich meine Existenz überhaupt aus dem Beruf definieren? Bin ich wirklich ein besserer Mensch, wenn ich täglich Überstunden schiebe und Gesundheit und Privatleben für den Beruf opfere? Wir werden etwas erleben, das die ZEIT mit dem Begriff des Downshifting bezeichnet. Nicht mehr alleine für den Beruf leben, Sinn nicht mehr aus dem Beruf definieren, sondern sich viel mehr eigene Freiräume für Projekte und Tätigkeiten schaffen, die einem wirklich am Herzen liegen oder auf der Seele brennen.

Auch das ist meiner Ansicht nach ein sehr wichtiger Aspekt des Arbeitsplatzes der Zukunft. Gute Leistung bedingt auch ein gutes, leistungsförderndes und motivierendes Umfeld. Der Mensch ist mehr als Kostenfaktor und mehr als Humanressource.
Und spätestens in der immer verwobeneren, vernetzteren Welt der sozialen Medien wird die strikte Trennung zwischen Arbeitnehmer, Kunde und Privatperson sich auflösen. Spätestens dann ist es dringend angeraten, auch die Sinnhaftigkeit und die Arbeitsmotivation in den Vordergrund zu rücken.

 

 

 

 

Der Unterschied zwischen Mitarbeiter und Mitunternehmer, Flexibilität 2.0 braucht Freiheit 2.0

Wie oft höre ich in Chats und Gesprächen über die Arbeitswelt der Zukunft die Argumentation: Wir würden ja flexiblere Modelle anbieten, aber unsere Mitarbeiter wollen das gar nicht.

Dazu fallen mir immer zwei Fragen ein. Zum ersten: Haben Sie Ihre Mitarbeiter gefragt? Und haben Sie richtig gefragt?

Wenn ich anbiete, keine Zeit mehr zu erfassen, und dann aber die gesamte restliche Arbeitsorganisation beim Alten lasse wäre jeder Mitarbeiter töricht, der sich auf dieses Spiel einlassen würde, das für sie oder ihn lediglich nach unbezahlten Überstunden schmeckt. Es muss dann auch eine andere Arbeitskultur her, die nicht mehr ortsgebunden ist. Flexibilität muss dann auch räumlich möglich sein. Viele Wissensarbeiter benötigen für ihre Arbeit lediglich einen Notebook und einen Zugang zum Firmennetz. Warum dann ins Büro fahren? Das geht auch von zu hause aus.

Zum anderen stellt sich mir oft die Frage: Wen haben Sie gefragt? So böse das klingen mag, aber gerade die High Potentials die Menschen mit Schlüsselskills wünschen sich oft eine bessere Balance zwischen Beruf und privat, und gerade dort ist der Wunsch nach der Möglichkeit, auch mal zu hause zu arbeiten gross. Ebenso die jungen Berufsanfänger mit den neuesten Skills, die aber bei weitem weniger Wert auf Karriere legen, die eine gute Balance zwischen dem privaten und dem beruflichen Leben fordern. Frage ich aber langjährige Mitarbeiter, die ihr gesamtes Lebenskonzept auf den 9-17 Uhr Job ausgerichtet haben, so werden diese solch neuen Freiheiten generell erst mal misstrauen, ebenso wie so mancher Betriebsrat. Auch bei den Mitarbeitern erfordern neue Arbeitsmodelle ein Umdenken, mehr Selbstverantwortung und die Begabung dazu, auch die eigenen Wünsche wichtig zu nehmen.

Wollen wir wirklich alle an der Arbeitszeit gemessen werden, oder lieber am Arbeitsergebnis? Und wollen wir ein getrenntes Arbeits- und Privatleben, ein Privatleben, das nur noch auf die Regenerierung für den Beruf abzielt (Work Life Balance, wobei die Balance immer die Arbeitskraft erhalten soll) oder wirkliche Work-Life Integration, bei der wir ein Mensch aus einem Guss sind, und nicht unser Wesen am Werkstor abgeben und das Privatleben der Karriere unterordnen. Also ich wünsche mir letzteres. Aber ich bin ja auch wie manche meiner Bekannten, Kollegen und Leser sagen: Komisch 😉

Und noch ein Aspekt bekommt immer mehr Gewicht. Der Trend zum „BYOD“ also Bring you own device. Da hat zum Teil die IT Abteilung gar nicht mehr viel mitzureden. Diejenigen, die es gewohnt sind, ihren Freundeskreis auf Facebook oder Google+ zu pflegen und ebenso ihre beruflichen Kontakte erwarten, dies auch am Arbeitsplatz tun zu können. Auch hier vermilzt zwangsläufig privat und Beruf. Wer hier mit strengen Verboten arbeitet, wer hier glaubt, nur ein 100% für die Firma arbeitender Mitarbeiter ist ein guter Mitarbeiter sollte sich dringenst fragen, warum Firmen wie Google, IBM, Microsoft so erfolgreich sind? Dort wird den Mitarbeitern eben nicht alles verboten, was auch  nur irgendwie nicht nach 100% Humanressourcenauslastung klingt. Wir wissen schon seit langem, dass eine produktive Tätigkeit gerade bei Wissensarbeitern maximal während 70% der Arbeitszeit möglich ist. Aber wir tun immer noch so, als müsste jeder Mensch am Eingang zur Firma zu einem Arbeitsautomaten mutieren. Get real, sage ich da nur. Smartphones, Tablets, Netbooks die auch schon mal einen ganzen Tag laufen. Wir können sie alle verbieten, den Arbeitnehmer zur Arbeitsmaschine verdammen. Aber das fördert weder Motivation noch Loyalität zum Arbeitgeber. Wer seinen Mitarbeitern vermittelt, dass man sie zur Arbeit tragen muss, dass man sie kontrollieren muss, damit die passenden Ergebnisse herauskommen, der wird auch genau solche Mitarbeiter bekommen. Wer Mitunternehmer will, muss auch Freiheiten zulassen.

Generation Y, oder die Illusion des Generationendenkens

Wieder mal wird eine neue Generation definiert, die Generation Y, der Karriere angeblich nicht mehr so wichtig ist, die nach Leistung, nicht nach Zeit bezahlt werden will und eine Balance von Arbeit und Freizeit fordert und nicht mehr bereitwillig Überstunden schiebt, nur um Karriere zu machen.

Falsch sage ich, diese Gedanken haben viele Generationen, es kommt stets aber auch darauf an, wie erpressbar die Generation durch die Arbeitgeber ist. Auf einem Arbeitgebermarkt werde ich den Teufel tun und meine eigenen Interessen offen legen. Jetzt aber gibt es den Fachkräftemangel, ein Fiasko für die Manager, denn jetzt können diese faulen bösen Arbeitnehmer ja plötzlich fordern, vernünftige Arbeitszeiten zu haben, wegen der Leistungen und nicht wegen Vitamin B und Ellenbogenmentalität gefördert zu werden.

Firmen müssen plötzlich familienfreundlich werden, auch ethisch wirtschaften und sich damit abfinden, dass ihre Humanressourcen auch noch ein Leben haben möchten, außerhalb des Jobs.

Oh wie furchtbar das doch ist, also schnell die Arbeitsministerin vor den Karren gespannt, damit man billige Arbeitnehmer aus dem Ausland anwerben kann.
Was aber die Unternehmen offensichtlich nicht bedacht haben. Auch die ausländischen Arbeitnehmer sind anspruchsvoller, wollen vernünftig bezahlt werden und ein Leben neben dem Beruf.

Ich arbeite in einem Unternehmen, das schon lange auch familienfreundliche Angebote macht, das verschiedene Arbeitszeitmodelle hat, einen Betriebskindergarten anbietet, als er in anderen Firmen noch nicht mal angedacht war und sich aktiv Gedanken macht, wie auch der demographische Wandel gemeistert werden kann.
Gerade das waren und sind für mich die Faktoren, die meinen Arbeitgeber für mich attraktiv machen. Denn spannende Aufgaben finden sich in vielen Firmen. Aber ein angenehmes, menschenfreundliches und auch familienfreundliches Umfeld, und das nicht aus der Not geboren sondern aus Überzeugung eingeführt und gelebt. DAS ist ein Marktvorteil auf dem Arbeitnehmermarkt. Und auch die Ethik und ein umweltbewusstes Denken gehören dazu.

Mein Schlagwort dafür, und ich stehe dazu: Wir brauchen nicht Work Life Balance, wir brauchen Work Life Integration.