Wikileaks macht sich zum Narren. Vom Aufklärer zum Troll

Es ist kein Scherz. GetDigital hat offensichtlich von einer für Wikileaks tätigen Agentur verboten bekommen, weiterhin T-Shirts mit Motiven der Organisation zu verkaufen.
War schon in der Vergangenheit nicht mehr ganz klar, wie ernst die Plattform zu nehmen ist, so dürfte jetzt wohl klar sein, dass man Wikileaks getrost abschreiben und in den Annalen der Geschichte verklappen kann.
Ich bin fassungslos wie unverfroren hier mit einer einstmals guten Idee Profit gemacht werden soll und die einstigen Ideale offensichtlich dem Kommerz geopfert werden sollen. Ich hoffe, die Medien reagieren angemessen auf diesen Skandal.

Danke Wikileaks für die Vergangenheit. Aber verpisst euch in der Gegenwart. Noch eine Kommerzplattform, die aus dem Engagement von Menschen Profit schlägt, brauchen wir nun wirklich nicht. Nur schade, dass sich Menschen wie Edward Snowden jetzt wohl wieder auf die Suche nach vertrauenswürdigen Partnern machen müssen, denn so einem Kommerztheater sollte man sich besser nicht anvertrauen. Wer weiß, wie schnell hier noch andere (Geld-)Interessen über das Wohl und Wehe von Informanten entscheiden.

Was lehren uns die Geschehnisse um Wikileaks?

Die Zeitungen titeln der Cyberwar sei eröffnet.  Auf Twitter konnte man gestern die Ankündigungen von Anonymous verfolgen,  heute wurde der Account gelöscht. Wir erleben eine Entwicklung, die in zwei Szenarien münden kann.  Entweder, wir verlieren als Nutzer die Kontrolle über das Netz oder es wird frei und offen bleiben.  Im Moment versuchen die Regierungen die Informationshoheit wiederzuerlangen. Gott sei Dank stellt sich ihnen aber die Netzcommunity entgegen und bietet Wikileaks tausende sichere Häfen. Man mag über die letzten Veröffentlichungen denken wie man will.  Aber wir alle sollten weiterhin für ein nicht von Regierungen überwachtes und reguliertes Netz kämpfen um Wahrheiten zu erfahren anstelle gewünschter Lügen oder Neusprechinformationen a la Orwell 1984.

Wikileaks ist hier nur ein Indikator für einen neuen Stil im Umgang mit Informationen. Die Veröffentlichungen der jüngsten Vergangenheit waren hier eher weniger hilfreich, nicht, weil daraus nicht aus etwas wichtiges zu lesen wäre, aber weil hier in den Medien die Irrelevanz überwog und damit Wikileaks als Plattform ins auch negative Gerede kam. Aber die Idee dahinter hat dadurch an Energie gewonnen. Und das ist die Idee, dass wir wieder mehr ehrlich, authentische Informationen brauchen. Kein Politikerschönsprech, keine platten Werbeaussagen von Konzernen sondern Fakten, ehrliche Informationen. Und zur Not liefert die neue sozialisierte Webcommunity die Informationen eben selbst.

Wikileaks: Amazon und Paypal zu boykottieren bringt nix aber…

Im Moment erbost sich die Internet Community ja massiv über die Sperrung des Spendenaccounts von Wikileaks bei Paypal und des Rauswurfs bei Amazon. Aber warum eigentlich? Hallo, das sind kommerzielle Unternehmen, bei denen unter anderem die Sicherheit der Kundendaten eine sehr grosse Rolle spielt.

Und im Moment ist in der Presse leider fast nur die Darstellung „USA und die Welt gut, Wikileaks böse“ zu sehen. Das macht auf den Durchschnittskunden, und das sind NICHT wir netzaffinen Webuser sondern der durchschnittliche ‚ich kann dieses Computerding grad mal benutzen“ User den Eindruck: Wer mit Wikileaks zusammenarbeitet ist des Teufels.  Der Normalbürger hört dauernd von Diebstahl seiner persönlichen Daten, von Trojanern, Viren und nun von einer Plattform, die vertrauliche Daten verschiedener Regierungen im Internet veröffentlicht. Hallo, da würde ich als Unternehmen mir auch überlegen, ob ich es alleine aus Marketinggesichtspunkten gut finde, wenn ich in einer meidialen Diskussion, die eindeutig unausgewogen auf Wikileaks basht, diesen Dienst bei mir haben wollte.

Wir haben hier ein ähnliches Dilemma wie bei Netzsperren und JMStV. Diejenigen, die sich intensiv mit dem Thema befassen, sehen, was falsch läuft, aber die breite Öffentlichkeit wird gezielt durch die Medien desinformiert und DAS sind die Kunden der Dienstleister.
Wir müssen, auch wenn ich weiss, dass das der schwierigere Weg ist, die Öffentlichkeit informieren, zeigen, wie wichtig Wikileaks ist, auf welcher Basis sein Gründer zur Zeit kriminalisiert werden soll (das Strafrecht von Schweden hinsichtlich Vergewaltigung ist keineswegs mit dem deutschen zu vergleichen sondern in teilen einfach hirnrissig)

Also bitte: Kein blinder und ach so einfacher Gutmenschenaktionismus. Lasst uns eher dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit beide Seiten kennenlernt. Genau diese Macht haben wir als Blogger nämlich!