Wie schon im letzten Jahr wieder ein nicht ganz ernst gemeinter Abschlußvortrag und ein gemeinsames Singalong von Queen, Bohemian Rhapsody …..Schön wars, nächstes Jahr bin ich sicher wieder dabei.
Ein Rückblick auf die re:publica 2011 und die eigene Ignoranz
Was nehme ich mit, von der diesjährigen re:publica? Nun, das nicht funktionierende WLan und die Beengheit mancher Veranstaltung haben schon andere Blogger beklagt (die selbst vermutlich nicht mal ein kleines Barcamp organisieren könnten).
Es ist irgendwie eine Veranstaltung der Szenestars. Oder derer, die sich dafür halten.
Während in der Kalkscheune eine hochspannende Session zu Acta, Copyright und Hadopi lief, bevorzugte die breite Mehrheit es, sich von Sascha Lobo als Troll bashen zu lassen. Dabei heißt es doch so schön, don’t feed the trolls.
Auch die wirklich spannenden Sessions über die Bloggerszene im arabischen Raum und was die Revolutionen in Libyen, Tunesien, Ägypten und anderen Nahostnationen mit Facebook und Twitter zu tun haben, waren eher schwach besucht.

Gelernt habe ich einiges und auch einige sehr gute Gespräche geführt, viel meiner Follower endlich mal in real kennengelernt und neue Blogger getroffen.
Für mich spielte dieses Mal mehr der Erfahrungsaustausch und die Diskussionen am Rande der Sessions eine grosse Rolle. Von der Themenauswahl her würde ich sagen, 50% waren für mich interessant 50% eher Marketing- oder Selbstdarstellungsveranstaltungen. Was ich gemerkt habe, die Bloggerszene diversifiziert sich. Es sind schon lange nicht mehr die Geeks, es kommen immer mehr andere Themengebiete in den Fokus. Klar war diese Mal nur, dass es weniger um den Stellenwert der Blogger ging, als um die Metathemen Datenschutz, Emanizpation (ohne als Chauvi gelten zu wollen fand ich das Thema überrepräsentiert) und Open Data.
Die Gründung der Organisation „Digitale Gesellschaft“ sehe ich mit einem leicht unguten Gefühl. Gerade in einer Community, die durch Vernetzung und gemeinsames Agieren geprägt ist eine Instanz einzuziehen, die nur aus einem „geheimen“ Kreis besteht und keine neuen Mitglieder akzeptiert sehe ich eher als Hindernis. Ich hatte eigentlich fast erwartet, dass sich am zweiten Tag eine alternative Orga gründet, aber da waren alle wohl mehr damit beschäftigt, in die Workshops zu kommen, ohne niedergetrampelt zu werden.
Alles in allem hat mir die re:publica einiges gebracht, allerdings habe ich so manche Äußerung bei Interviews am Rande der re:publica kritisch verfolgt, weil oft Aussagen kamen, die ich so gar nicht oder nur sehr schwer unterschreiben würde. Vor allem im Bereich Datenschutz privater Daten neigen meiner Ansicht nach einige mittlerweile zu einer gewaltigen Paranoia. Letztlich liegt es im Ermessen jedes Einzelnen, was er auf Facebook einstellt oder wo er sich in Foursquare eincheckt. Wir brauchen Medienkompetenz, dann können es sich die Advocatii Diaboli auch sparen, immer wieder reflexartig alle Datenerfassung als ein Werk des Teufels zu sehen.
Und auch bei der Frage nach der Monetarisierung des Blogs herrscht zumindest in der deutschen Bloggerszene noch ein verzerrtes Weltbild. Nur weil jemand mit seinem Blog zumindest die Unkosten wieder reinbringen will, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass die Artikel gekauft sind.
Fazit: Zu wenig Platz, zu viel Fokus auf die „Szenestars“ aber auch einige wirklich gute Vorträge und vor allem viele gute Gespräche Face to Face haben die re:publica 2011 alles in allem für mich zu einem Erfolg gemacht. Aber es gibt große Verbesserungspotentiale für die Zukunft. Die beiden wichtigsten Wünsche wären: Mehr Platz und ein funktionierendes WLan.
Mein Kandidat für den „besten Vortrag“ der re:publica 2011, Gunter Dueck
Der Vortrag stellte das Konzept des Gesellschaftsbetriebssystems vor. Und er war wieder ein Highlight der Thumbs up big time Kategorie. Dueck habe ich noch kennengelernt, als ich als Gastwissenschaftler der IBM in der KI Forschung tätig war. Schon dort war er der Mann mit den querdenkenden Ideen. Und seitdem ist er einer der wenigen Vortragenden, dem ich quasi regelmässig lausche, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Und auch seine Bücher sind empfehlenswert. Besides, ja, ich habe seine Tests gemacht. Bin INFJ mit leichtem Hand zu Asperger. Informatiker halt, wie er sagen würde.
Und eines habe ich gelernt: Es gibt eine ganz bestimmte Bezeichnung für die Form von Beratung, die man heute am häufigsten bekommt: „Flachbildschirmrückseitenberatung“
Einfach ansehen, und mal intensiv über ein paar seiner Thesen nachdenken. Er will nämlich genau dazu anregen. Wieder selbst zu denken.
re:publica Tag 3: Informationsfreiheit, Sonne und eine Bootsfahrt
Heute der dritte Tag der re:publica, eher ein Tag, an dem das Socializing mit meinen Followern und der Blogosphäre mein Thema ist, aber die Podiumsdiskussion zum Informationsfreiheitsgesetz finde ich dann doch spannend.
Nach dem Panel dann eine ausgiebige und sehr spannende Diskussion mit @e13kiki . Toll, dich getroffen zu haben und danke für extrem viele neue Impulse und Gedanken. Da werden sicher wieder einige neue Blogbeiträg entstehen. Du hast bereits leicht gärende Ideen in meinem Kopf an die Oberfläche gebracht.
Hier erst mal meine Live Blogging Notizen:
Tag 3: Diskussion 5 Jahre Informationsfreiheit
Das Gesetz bedingt nicht zwangsweise Informationsfreiheit. Aber durch das Gesetz muss jetzt nicht mehr die Herausgabe, sondern vielmehr die Nichtherausgabe gut begründet werden.
Aber Deutschland hinkt der Entwicklung sehr hinterher. 5 Bundesländer haben aber immer noch kein Gesetz, denn das aktuelle Gesetz gilt nur für den Bund…..
Hauptkritikpunkte: Ministerien verweigen den Zugang zu Unterlagen mit der Begründung „Regierungstätigkeit“ dieser Begriff kommt aber eigentlich im Gesetz nicht vor.
Zweites Schlupfloch Betriebs- und Geschäftsgeheimnis, denn kann immer angewendet werden, wenn Firmen beteiligt. Aber es ist sehr interessant, diese Infos z.B. bei Vergabeverfahren zu bekommen.

Ausnahmetatbestand zum Schutz fiskalischer Interessen
Sponsoring von Bundesministerien. Sommerfest des Verteidigungsministeriums z.B. von EADS gesponsort. Recherchiert von einem Stern Redakteur und eine wichtige Information, die es vom Pressesprecher nicht gegeben hätte. Er forderte Akteneinsicht nach Gesetz.
Spitzenempfänger von Agrarsubventionen Cateringabnehmer der deutschen Lufthansa, wenn sie an Bord Hähnchen essen, exportieren sie Agrarprodukte, ebenso bei Kaffesahne. Solche Dinge wurden erst dank Infomationsfreiheitsgesetz bekannt. Wichtig für politische Diskussionen.
Aber die Veröffentlichung wurde erst durch eine Klage realisiert.
Ein zentrales Problem ist die lange Verfahrensdauer, es muss erst nach 1 Monat geantwortet werden. Zentrales Problem ist auch das Prozessrecht, das die ganze Informationsbeschaffung sehr verzögern kann.
Wichtig ist auch, dass die Bekanntheit des Gesetz erhöht wird, gerade in der Bürgerschaft. Es könnte auch für regionale Projekte relevant werden.
Was auch geändert werden muss sind die juristischen Hürden für Körperschaften und Personen, die nicht die finanziellen und zeitlichen Ressourcen für einen langen Klageprozess haben.
Es ist auch eine gewisse Verantwortung für Institutionen und Medien, die es sich leisten können Musterprozesse zu führen, um die Auslegung des Gesetzes zu klären und ggf. den Prozess für die Mehrheit zu vereinfachen.
Open Data ist zumindest im Bereich der einfach verarbeitbaren Daten sehr wichtig. Ein Dokument im TIF Format ist sehr schwer auszuarbeiten.
Schaar fordert sogar, dass bestimmte Realtime Werte sofort im Netz bereitgestellt werden. Auch so kann nämlich Open Data aussehen. Es ist wichtig, die Dokumente remixen zu können um ggf. auf Unregelmässigkeiten zu stossen.
Es gibt kein offensives Bekenntnis der Bundesregierung zum transparenten Umgang mit Information. Portale für Daten wäre relevant. Es muss eine zentrale Stelle geben, die Daten einfach und für alle automatisiert bereit stellt.
Open Data muss nicht zwangsläufig dem Datenschutz widersprechen.
Spannend wird sein, wie lange die grüne Regierung in BW braucht, um das Gesetz zu etablieren…
Wir brauchen ein Bürgerportal für Daten des Bundes.
Vortrag 3: Erfolgversprechende Geschäftsmodelle im Filesharing-Zeitalter
Veränderungen des technologischen Marktumfelds
Träger immaterieller Güter nicht mehr physisch.
Wirtschaft ist Management knapper Güter
Z.B. Konzerte, Lesungen
Zugang zu kreativem
Auch künftig wird sich nicht alles kopieren lasen
protection is in the business modell , not in the technology
Kevin Kelly sagt, folgende Dinge werden immer knapp sein
Auffindbarkeit
Authentizität
Geschwindigkeit
Interpretation
Patronage
Personalisierung
Verkörperung
Zugang
Beispiele:
Crowdfunding Musopen
Pay what you want
Zugang und Verkörperung: PaperC Books out of the cloud
Ein grosser Mehrwert ist Personalisierung
Dann noch die Schifffahrt auf der Spree (fff overload), die auch Dank der Mädels und Jungs der ZDF Onliner Fraktion ausgesprochen lustig war. Ein brillianter Vortrag beendete dann die re:publica 2011 und ich kann nur sagen. DANKE, danke für eine tolle Orga, nette und freundliche Helfer und dafür, daß meine Bloggerbatterien wieder kräftig für die digitale Diaspora aufgeladen wurden. Bis zur re:publica 2011, i will re:turn .
Zum Abschluss noch mit meinen wirklich genialen, brillianten, liebenswerten und einfach super Kollegen einen schönen Abend beim Italiener verbracht. Dann noch Partytime und jetzt falle ich dann gleich erschöpft, ausgebloggt, müde aber sehr sehr glücklich ins Bett. Re:publica rulez… Bloggercontent #ausgruenden
In einer Woche gehts los: die re:publica 2011 #rp11
Man könnte es auch das Klassentreffen der deutschen Blogger Community nennen. Volles Programm, interessante Abendveranstaltungen und die eine oder andere „Invite only“ Party am Rande der re:publica werden wieder für viel Kontakte, Erfahrungsaustausch und neue Ideen sorgen.


Mein Zeitplan für die drei Vortragstage ist voll gepackt, wobei die eine oder andere Session noch immer mit einem ebenso spannenden Paralleltrack konkurriert.

Werde auch dieses Jahr wieder im „damit ihr mich auch erkennt“ Outfit auftauchen. Erste Treffen sind auch schon geplant und unter anderem sind für mich die Sessions von Gunter Dueck, Sascha Pallenberg, Richard Gutjahr, Constanze Kurz, Stefan Pfeiffer, Mario Sixtus und Leander Wattig meine Highlights und persönlichen Tipps meiner drei Tage in Berlin.
Und natürlich wird auch wieder vorgeglüht am 12. ihr wisst ja schon wo.
Und danke nochmal an Sascha für die Einladung.. I will be there.
Für alle, die nicht dabei sein können, aber dennoch mitverfolgen wollen, am besten auf Twitter dem Hashtag #rp11 folgen und auf der HP vorbeischauen. Zumindest die Vorträge aus dem Friedrichstadtpalast werden live gestreamt!
Und natürlich werde ich bei interessanten Themen auch live bloggen und hier Zusammenfassungen der spannendsten Thesen und Ideen sowie meine Kommentare, Fotos und Meinungen abliefern. Wir lesen/sehen/twittern uns.
Und mit ein paar coolen, netten, bösen, lieben oder whatsoever Bloggern gehts am 14. ins NetShelterHaus zur „Tech Influencer Party“. Ich habe den dumpfen Verdacht, das könnte gut werden 😉 Robert Basic, Sascha Pallenberg, Dirk Baranek, Oliver Gassner und Johnny Haeusler sind nur einige der Anwesenden bei diesem #re:publica invite only offsite Event. Sponsor ist das Techblog-Netzwerk NetShelter Technology Media.

