Google+ und der „könnte“ Journalismus

Google verliert einen der Köpfe, die hinter Google+ steckten und strukturiert intern um. Und schon schießen die spekulativen Artikel ins Kraut, die das Ende von Google+ sehen. Wie eigentlich immer mal wieder. Ich nenne es den „Könnte“ Journalismus.

Eigentlich braucht es einen Filter a la Adblock, der Artikel mit zu vielen könnte/würde/möglicherweise/Gerüchte sagen einfach ungelesen löscht.

Wer meint, ein Artikel, der vor allem mit vielen Konjunktiven arbeitet KÖNNTE relevant sein, dem kann ich nur sagen, er IST es nicht.

Das ist kein Qualitätsjournalismus, sondern Klickbaiting, Sensationsjournalismus oder einfach nur ein Artikel, der mit heißer Luft eine Lücke füllt. Aber wir Blogger sind hier auch nicht frei von Schuld. Wie oft lese ich Spekulationen um das „nächste“ Produkt, die eigentlich nur aus wildesten Spekulationen, Gerüchten und teilweise völlig sinnfreien Annahmen bestehen.

Wir müssen uns endlich wieder mehr auf die Fakten konzentrieren. Wir interpretieren viel zu viel in nichts. Aber das haben wir vermutlich von den Finanzanalysten und Börsenbrokern gelernt. Die leben ja auch davon, dass sie irgendwelche meist ziemlich hirnrissigen Vorstellungen über Umsatz oder Verkaufszahlen von Unternehmen aufstellen und wenn sie dann nicht recht behalten gleich panisch verkaufen oder kaufen. Wir leben in einer Welt des möglicherweise. Wir sollten wieder in eine Welt des faktischen zurückkehren. Nicht völlig, aber in vielen Bereichen. Sonst könnte…. aber lassen wir das.

Update: Hat die ARD bei der Amazon Reportage nicht ganz die Wahrheit gesagt?

Die hessisch-niedersächsiche Allgemeine berichtet, dass eine der Hauptfiguren in der ARD Reportage über die Zustände bei Amazon sich offensichtlich falsch dargestellt fühlt.

Das heißt jetzt nicht, dass Amazon von jeder Schuld freigesprochen ist, aber gerade bei einem so wichtigen Thema es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen ist fatal. Denn es macht die gesamte Doku unglaubwürdig. Was war denn sonst noch nicht so, was wurde denn sonst noch so hininterpretiert, dass es ins Bild vom bösen Konzern Amazon passt? Wusste denn Amazon wirklich, wer da in dem Sicherheitsdienst beschäftigt war und wie dort die Umgangsformen waren?  Fragen über Fragen werfen sich plötzlich auf.

Gerade bei einer Doku im öffentlich rechtlichen erwarte ich 100% wahre Aussagen, denn dort ist jegliche Falschaussage noch viel schlimmer. Denn eigentlich erwarte ich Qualitätsjournalismus für meine Rundfunkgebühren. Sonst kann ich ja gleich die privaten schauen und genau so wenig Wahrheit erleben.

Update: 22.02.2013

Mittlerweile tauchen weitere Berichte auf, dass bei der Recherche rund um Bedingungen bei Amazon wohl leicht tendenziös recherchiert wird und positive Relativierungen einfach weggelassen wurden: