Das soziale Web ist der natürliche Feind des Vertuschens.

Sehr gut erkannt hat die „ZEIT“ mal wieder ein Phänomen der sozialen Netze: Unter dem Titel „Vertuschen schwer gemacht“ wird aufgezeigt, dass durch die sozialen Netze und deren virale Verbreitungswege es für die Unternehmen deutlich schwerer geworden ist, Fehlverhalten und (Umwelt-)vergehen zu vertuschen. Vor dem Internet konnten Konzerne Nachrichten über sich und Informationen zu negativen Ereignissen recht gut steuern. In Zeiten des Netzes und von kritischen Bloggern ist das deutlich schwerer geworden.

Ich wage hier die Frage zu stellen: Warum bedarf es erst einer sozialen Infrastruktur, um Skandale schneller aufzudecken, die Öffentlichkeit umfassender zu informieren und auch nachhaltig bei Themen zu bleiben, die in der Tagespresse spätestens nach ein oder zwei Wochen verschwinden.

Meine Nachrichten kommen mittlerweile aus verschiedensten Quellen gesammelt und aufbereitet als elektronsiche Zeitung jeden Morgen aufs Tablet und sind meist objektiver und aktueller als die Printequivalente.

Für mich greifen hier vor allem zwei Aspekte, die von der Mehrheit der Unternehmen und Medienkonzerne meiner Ansicht nach völlig falsch eingeschätzt wurden.

a) Der Durchschnittsbürger will nicht informiert, sondern unterhalten werden. Das mag so lange stimmen, so lange der Bürger den grundlegenden Eindruck hat, die große Mehrheit in Wirtschaft und Politik arbeitet zu seinem Wohle. Das ist aber schon seit einiger Zeit ein Eindruck, den wohl nur noch die Manager in den Konzernen haben.

b) Das Netz und seine Potentiale werden nicht wirklich für ernsthafte Recherche durch Blogger genutzt. Hier ist man dem Irrtum, nur ein Profi kann handfest recherchieren aufgesessen. Längst herrscht in vielen Redaktionen weniger der Anspruch nach fundiertem Qualtitätsjournalismus als vielmehr die ewige Frage, was bringt Auflage. Und da zieht der kritische Bericht eben nur kurz, nachgehaltene Recherche langweilt den Leser (oder so meinen zumindest die Verlagsmanager).

Deshalb darf es keinen Manager eines Medienkonzerns wundern,wenn die Umsätze sinken. Sorry ihr da oben, wir haben längst begriffen, dass ihr uns nicht umfassend, sondern wirtschaftlich rentabel informiert. In früheren Zeiten pflegte ich Nachrichten aus dem Netz durch Lektüre von Zeitung oder durch Schauen von Nachrichten zu verifizieren. Nach all den Skandalen und vertuschten Katastrophen und Entscheidungen in Politik und Wirtschaft hat sich das für mich mittlerweile umgekehrt, ich validiere die Aussagen aus TV und Zeitung durch Recherche im Netz.

Wie bei so vielen Dienstleistungen hat man leider auch bei den Medien irgendwann die Aufgabe, den „Kunden“ zu informieren dem „den Shareholdervalue steigern“ geopfert.

Die Strafe dafür kassiert man jetzt durch sinkende Zuschauerzahlen oder Auflagen.

Und der eigentliche Dorn im Auge von Konzernen dürfte sein, dass sich eine vernetzte und aktive Bloggerszene nicht so leicht beeinflußen und kontrollieren lässt. Das Vertuschen fällt ungemein schwerer und der nächste Shitstorm oder Streisand-Effekt ist oft nur ein Posting entfernt. Da hilft dann meist nur noch gnadenlose Ehrlichkeit. Ein Handeln, das mit Sicherheit einigen Unternehmen extrem schwer fallen dürfte.

Der MTV Shitstorm ist symptomatisch, sterbt doch an eurer Gier

Es ist erstaunlich, dass offensichtlich in manchen Managementetagen immer noch nicht das wahre Wesen des Internets verstanden wird. Und das das ganze jetzt sogar in die „klassischen“ Medien abstrahlt, macht das ganze noch bemerkenswerter (wobei bei einem Musiksender von einem klassischen Medium zu sprechen nicht einer gewissen Ironie entbehrt). Seit Jahren wird nun versucht, mit stets nur geringem Erfolg, PayTV in Deutschland zu etablieren. Wenn man sich die Reaktionen auf den Facebook Seiten von MTV Deutschland ansieht, zeigt sich aber, daß dieser Schritt nicht wirklich so wohl überlegt zu sein scheint, wie angenommen. Oder man könnte auch sagen: Da haben Manager mal wieder entschieden, was ihrer Ansicht nach das Beste für den Kunden ist, ohne den Kunden zu fragen. Ich finde es ausgesprochen erhellend, wie sehr im Moment klassische Medien, sei es Print oder TV auf das Internet bashen, gleichzeitig aber immer wieder mit ihren verquasten Geschäftsmodellversuchen scheitern, die in den Elfenbeintürmen der Chefetagen offensichtlich von einem Management ersonnen wurden, das sein eigenes Medium nicht mal so konsumiert wie die aktuelle Kundschaft. Bzw. das so weit entfernt von Kunden und deren Wünschen in den Sphären reinen Profitdenkens lebt, dass es die Kunden auf der Strecke zurücklässt.
Die Printmedien schaffen es nicht, die neuen digitalen Verkaufspfade zu beschreiten, die öffentlich rechtlichen vergessen ihren Auftrag und daß sie eigentlich schon staatliches PayTV sind (was anderes ist die GEZ Gebühr als eine staatlich verordnete PayTV Gebühr) und die Privaten, die ja eigentlich durch Werbung finanziert sein sollten, wandern in Bezahlangebote ab, die keiner will, schon gar nicht, so lange man verpflichtend GEZ und ggf. auch Kabelgrundgebühren zahlen muß. Hallo ihr da oben. Es gibt Menschen, die können sich keine 50 Euro monatlich leisten (GEZ monatlich knapp 18 Euro, Kabel alleine etwa 17 Euro +- abhängig vom Anbieter sind schon alleine knapp 35 Euro!!, dazu z.B. das Sky Basispaket wieder 17 Euro), nur um trashiges Unterschichten TV und Endlosschleifen von Filmkanälen anzuschauen. Es gibt Menschen, die arbeiten hart für ihr Geld und deren Lohn ist nicht 5 oder 6 stellig im MONAT!
Also kommt runter von eurem hohen Ross und macht wieder Produkte für Kunden, nicht für profitgierige Anteilseigner und Aktionäre.

Soziale Medien werden glaubwürdiger als das Marketing der Unternehmen, der Fall BP

Die Zeit berichtet Vertuschen schwer gemacht. Die Nutzer suchen verlässliche Informationen. Und die suchen sie schon lange nicht mehr bei den Unternehmen, die offensichtlich lieber die Wahrheit schönreden, als offen und ehrlich zu informieren. Wie BP führen auch andere Firmen ihre Kunden oft an der Nase herum. Doch das rächt sich spätestens jetzt, in einer Zeit, in der man selbst die Fakten via Google recherchieren kann, in der sich echte Information blitzschnell über die sozialen Medien wie Facebook und Twitter weiter verbreiten.

Damit bekommt der Konsument eine ganz neue Macht und eine neue Qualität der Informationen geboten. Wo Billiganbieter genau wie hochpreisige Markenhersteller in den gleichen Billiglohnländern für Hungerlöhne produzieren lassen, wird das ECHTE soziale Engagement und die echte ethische Verantwortung der Unternehmen immer mehr hinterfragt werden. Reine Fokussierung auf den Profit wird sehr schnell von der Informationen teilenden Community abgestraft. Die Kampagnen gegen BP zeigen das aktuell. Aber so etwas kann auch jedem anderen Konzern zustossen, der Profit über Moral, Gier über ethische Verantwortung stellt. Das Web 2.0 entwickelt sich zum globalen Gewissen. Zwar nicht immer objektiv, aber zumindest ehrlicher als manch eine Presseabteilung eines Grosskonzerns.