Das Problem mit dem Kommerz. Warum Nutzer wirklich gehen.

Facebook verliert Nutzer, heißt es wieder mal. Ich denke, das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber man sollte sich schon fragen, warum eigentlich.

Und hier greift meiner Ansicht nach die zunehmende Kommerzialisierung des Dienstes. Nicht umsonst gewinnen Dienste wie Snapchat oder Instagram immer mehr das Interesse der jungen Nutzer, Dienste,die nicht mit immer mehr zum Teil schon fast bösartig getarnter Werbung kommen. Was viele im Fernsehen schon seit langem nervt , dass stört offensichtlich zunehmend auch auf Facebook.

Natürlich kann ein kostenloser Dienst auf Dauer ohne Werbeeinnahmen nicht überleben. Aber man sollte sich schon fragen, ob es sinnvoll ist, die Werbung so in den Nachrichtenstrom zu mischen, dass es immer schwerer wird, zwischen echter Information und gekaufter Werbung zu unterscheiden.

Zumal Social Media noch eine andere Qualität hat, die es zu beachten gilt. Social Media lebt von der Kommunikation auf Augenhöhe, und die meiste Werbung bedient diesen Wunsch leider nicht. Während einige wenige mittlerweile den direkten Kundendialog pflegen, wird auch in Social Media noch viel zu oft plump das ach so überlegene Produkt angepriesen. Das will aber keiner mehr hören, glauben auch immer weniger. Ehrliche Informationen, Hilfe bei Problemen mit dem Produkt, inhaltliche relevante Informationen, das ist es, was in den Social Media Kanälen wirklich interessiert. Aber gerade das verliert sich in Facebook immer mehr im Wust von Sponsored News, Werbepostings und überpositiven Produktinformationen.

Insofern muss sich jeder Dienst bewusst sein: Werbung ja, aber so, dass sie sich klar vom eigentlichen Dienst unterscheidet. Hier ist meiner Ansicht nach für Agenturen die größte Herausforderung. Wie biete ich meinem Marketingkunden eine Lösung, die nicht nur ihn, sondern auch den Social Media Nutzer zufriedenstellt. Denn, auch wenn das immer noch in manchen Köpfen nicht angekommen ist. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!

Sonst ist der Nutzer mittlerweile schneller weg, als es dem Dienstleister lieb sein kann. Und je häufiger der Nutzer wechseln muss, um so größer auch die Chance für Dienste wie app.net, die kostenpflichtig aber dafür werbefrei sind. So hat vor kurzem eine kostenlose Invitationkampagne sicherlich viele neue Nutzer zu app.net gebracht. Und ich wage zu behaupten, dass sicherlich einige dabei sind, die den Schritt zum Bezahlangebot wagen werden.

app.net ist erfolgreich bei kickstarter. Das Web will keine Werbung

Wenn es ein noch deutlicheres Signal für den Stellenwert von Werbung im Netz und speziell in den sozialen Medien brauchte, dann hat die  Online-Plattform App.net das Signal geliefert. Sie forderte auf, für den Start 500.000 $§ bereitzustellen, musste sich zum Schluß aber wegen des großen Interesses den Zugang sogar drosseln. 800.000$ zum Start einer Plattform, die völlig auf Werbung verzichten wird.

Das bedeutet für mich zweierlei.

Zum einen scheint es offensichtlich zu sein, dass die Internet Community von Werbung genervt ist. Insbesondere in den Social Media Plattformen kommt Werbung überhaupt nicht gut an.

Zum anderen wird offensichtlich, dass die Nutzer dem Geschäftsmodell kostenlos aber durch Werbung finanziert nicht wirklich vertrauen. Offensichtlich vermutet man hinter den Plattformen und den Werbepartnern auch Gemauschel mit Nutzerdaten.

Das heißt für mich zweierlei. Offensichtlich reicht die Geduld der User nicht unendlich. Irgendwann muss eine Plattform sich offen zu dem Level an Datenschutz bekennen, den sie bietet. Was bislang das große Problem ist. Niemand weiß WIRKLCH, wieviele Daten Google oder Facebook an die bezahlenden Unternehmen weitergeben. Und niemand kann das wirklich selbst steuern.

Zum anderen. Wenn Werbetreibende im Netz weiterhin aktiv bleiben und gesehen werden wollen, müssen sie vom hohen Ross herunter, den Internetnutzer als dummen Bannerklicker und alles glaubenden User zu sehen. Der Nutzer im Internet ist ob der ganzen Datenschutzdiskussionen deutlich kritischer geworden. Es bedarf einer Kommunikation auf Augenhöhe, bei der nicht mehr das Unternehmen und seine ach so tollen Produkte im Mittelpunkt stehen, sondern der Kunde, seine Bedürfnisse und Wünsche. Auch im Netz gilt. Nachhaltigkeit kommt weiter, reines Verkaufen ist out.

 

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