Warum Angst ein schlechter Berater ist

Ich habe eine Angststörung. Noch so eine Sache, die ich lange vor mir und der Welt verheimlicht habe. Nicht, dass ich häufiger Angst hätte, als andere Menschen. Aber wenn sie kommt, dann allumfassend. Erstickend, beängstigend. Und gefühlt lebensbedrohlich.

Die Geschichten über den Ursprung kennen wir sicher alle. Angriff oder Flucht. Vor Jahrtausenden sinnvoll behindert es heutzutage in einer Zeit, da wirklich lebensbedrohliche Angstsituationen eher selten geworden sind. Der Säbelzahntiger heißt heute Straßenverkehr und bedingt eher Aufmerksamkeit und Nachdenken als einen Fluchtinstinkt. Sicher, nachts, alleine in einer schummrigen Seitenstraße mit Schritten, die einem folgen. Da wird wohl jeder ein mulmiges Gefühl bekommen. Aber das sind eher seltene Situationen.

Der gefühlten immer größer werdenden Bedrohung stehen Zahlen, Fakten, Analysen entgegen, die darlegen, dass wir selten so sicher gelebt haben, wie heute.

Mich hat die Angst aufs Dach gejagt, wollte mir einflüstern, dass ich keinen Ausweg mehr habe, dass ich wie ein in die Enge und an eine Klippe getriebenes Tier nur noch die (tödliche) Flucht durch einen Sprung als Alternative habe. Dabei habe ich sehr schnell gelernt, dass vieles, was wir als Angst erleben, eher manipulativ als real ist. Lügen über Bedrohungen. Angst vor Arbeitsplatzverlust als Managementmethode. Umgang mit Mitarbeitern wie mit kleinen Kindern, die man angeblich kontrollieren, beurteilen und ggf. bestrafen muss. Wir denken noch in vielen Bereichen neandertalerhaft. Was mir Mitpatienten in den Kliniken berichteten, ließ mich erkennen, dass wir noch weit davon entfernt sind, so etwas wie mündige Menschen zu erziehen oder auch nur zu wollen. Nicht umsonst wird immer noch gerne der Begriff der Humanressource verwendet.

Aber eins spüre ich, eins hat sich für mich geändert. Die Angst ist nicht mehr so mächtig. Seit ich weiß, wie schwach ein Mensch ist, der Kontrolle nur durch Angst erreichen kann, können mich solche Menschen nicht mehr treffen, selbst wenn sie Anwälte und Kontaktverbote auffahren.

Denn sie zeigen vor allem, wie angstgetrieben sie sind. Und wie schwach sie sind, wenn sie durch Angstszenarien Menschen kontrollieren, zu Handlungen bewegen.

Wer mit Angst operiert, mag kurzfristige Ziele erreichen, längerfristig wird er scheitern, weil niemand, der nur aus Angst handelt, von seinem eigenen Tun überzeugt ist. Und insofern erzeugt Angst Gegenreaktionen, von Ignoranz über Rache bis hin zu Verlassen werden. Angst ist ein sehr schlechter Berater. Einer, den vor allem schwache Menschen einsetzen müssen, weil sie nicht die Größe haben, auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Natürlich habe ich auch weiterhin  Angst, aber ich kann sie erkennen und durchschauen. Und damit nehme ich ihr viel von ihrem Schrecken. Und ein bisschen Angst ist weiterhin wichtig. Aber Angst als Machtinstrument ist etwas, das nur schwache Menschen brauchen, um andere zu lenken.

„Politik machen: den Leuten so viel Angst einjagen, dass ihnen jede Lösung recht ist.“

Wolfram Weidner

 

„Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen.“

Marie Curie

 

„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“

Franklin D. Roosevelt

Du bist ersetzbar. Na und?

Neulich stolperte ich auf Twitter über folgenden Tweet: tweet

Meine direkte Antwort war:

 tweet2

Und dazu stehe ich, aber ich denke, es kann nicht schaden, nochmal genauer darzustellen, wie ich das meine. Wir leben alle in einer immer vernetzteren Welt. Und das, was ich einmal gelernt habe, ist oft schon nach einigen wenigen Jahren veraltet. Ich muss also beständig lernen, mich weiterentwickeln, und das eigenständig, nicht erst durch Anforderungen von Vorgesetzten oder Umfeld.

Aber diese Weiterbildung ist oft nicht so gut dokumentiert, oder gar jenseits von formalen Schulungen, denn vieles ist so aktuell, dass es dazu noch gar keine Schulungen gibt. Die alte Schule sagt aber, halte dein Wissen bei dir, mach dich unentbehrlich, sonst wirst du irgendwann ersetzt.

Das ist ein Denken, das vielleicht vor ca. 10 oder 20 Jahren funktioniert haben mag (mal davon abgesehen, dass es noch nie zielführend war, Wissensmonopole anzuhäufen). Doch wenn ich mein Wissen heute nicht nach außen trage, erfährt niemand davon, kann ich es nicht validieren und mache mich möglicherweise gerade dadurch ersetzbar, dass meine Skills niemand kennt. Zudem arbeiten wir mittlerweile in so komplexen Strukturen, dass der einzelne lediglich als Teil einer größeren Gruppe noch etwas bewirken kann. Wir brauchen also Menschen, die bereit sind, Wissen zu teilen, die es beherrschen, aus einzelnen Talenten und deren Wissen etwas übergeordnetes zu erstellen. Jeder ist heutzutage mit etwas Aufwand ersetzbar. Aber tut mir leid, das so schreiben zu müssen. Das war schon immer so. Auch wenn jemand dir erzählt, deine Person sei unersetzlich würde es mit Sicherheit, solltest du kündigen, ausscheiden oder Gott bewahre durch einen Unfall ums Leben kommen ziemlich schnell einen Ersatz für dich geben. Mit unseren Fähigkeiten und Begabungen sind und bleiben wir ersetzlich.

Aber der Mensch, der wir sind, der Charakter, die Persönlichkeit ist es, was uns unersetzlich macht. Es gibt jeden von uns nur genau ein Mal. Und oft ist es im Team weniger wichtig, welches Wissen ich besitze, sondern wie sehr ich zum Teamzusammenhalt, der Teammotivation beitrage. Es gab schon Teams, die haben sich von scheinbaren Minderleistern getrennt, nur um später erkennen zu müssen, dass genau diese Personen es waren, die durch ihre positive Persönlichkeit die Teammotivation gefördert und durch ihre freundliche Art die Grundstimmung oben gehalten haben.

Es gibt Werte jenseits von Tätigkeit und Wissen, die für ein Unternehmen wichtig sind. Und das sind und bleiben eben auch die Menschen, die dort arbeiten, nicht weil sie etwas bestimmtes können, sondern weil sie so sind wie sie sind.

Hurra ich kauf mir was…. Das kein Mensch braucht

Ich lese gerade das extrem empfehlenswerte Buch (ja, das Buch, nicht das eBook!) von Ben Goldacre : Die Wissenschaftslüge: Wie uns Pseudo-Wissenschaftler das Leben schwer machen. Ein interessantes Kapitel darin handelt von Antioxidantien,und wie eine ganze (Nahrungsergänzungsmittel-)industrie, oder besser gesagt, die gleichen Konzerne, die auch an vielen Medikamenten sehr gut verdienen, mit der Unwissenheit und Leichtgläubigkeit der Menschen gute Geschäfte macht. Obwohl aktuelle WISSENSCHAFTLICHE Studien längst erwiesen haben, daß hohe Dosen von Antioxidantien und Vitaminen sogar Erkrankungsquoten erhöhen wird der Müll immer noch beworben und verkauft. Unterstützt von pseudowissenschaftlichen Halbwahrheiten die auch für solche Idiotiten wie die Impfmüdigkeit oder die Angst vor Funkstrahlen veranwortlich ist.
Aber warum fällt der Mensch darauf rein. Das liegt wie so oft an einer Mischung aus Halbwissen und der Angst vor gesellschaftlichem Druck. Zum einen vertrauen immer noch viel zu viele Menschen jedem Artikel, der in der Zeitung steht. Das hat für mich als Blogger eine gewisse Ironie. Zum anderen lassen wir uns durch gesellschaftlichen Druck vieles einreden. Dass wir diese und jene Markenkleidung brauchen oder nur dieses oder jenes Auto uns glücklich macht, ist zwar dumm, aber im Verhältnis zu den Lügen um gesunde Ernährung relativ unschädlich (außer für die Umwelt und für die Menschen, die in Billiglohnländern schuften müssen, damit wir uns all den Müll möglichst billig kaufen können). Wenn aber eine Industrie nachweislich schädliche Produkte verkauft, oder Patente auf Lebensmittel anmelden will, und damit die Kontrolle über unsere Ernährung erhält, da hört für mich der Spass auf. Wir sollten uns wieder bewusst machen, dass die Natur ein herausragendes System entwickelt hat, das mit vielen Situationen zurecht kommt. Und dass wir in Europa in einer extremen Überflussgesellschaft leben, in der wir nun wirklich ALLES haben, was wir zum sehr guten Überleben brauchen). Das schlimme ist, dass die Dummheit oft in den oberen Etagen von Konzernen und Medien sitzt. Oder ist es Gier? Wir sollten uns immer klar sein. Die Wirtschaft ist nicht da, um uns das Leben zu erleichtern, dass war einmal. Heute reden wir zum grössten Teil von internationalen Aktienkonzernen. Und denen geht es um die Rendite. Wenn der Kunde ihnen Geld geben würde, ohne überhaupt ein Produkt zu bekommen, dann wären sie am glücklichsten. Warum z.B. ist ein eBook gleich teuer wie das gedruckte Buch. Ich bekomme keinen physikalischen Gegenwert, muss aber den gleichen Preis zahlen. Das ist für mich eine überkommene Vorschrift, oder schlicht, eine Frechheit. Aber letztlich nichts im Vergleich zu Unternehmen, die mir weiss machen wollen, eine gezuckerter viel zu fetter Joghurt stärke die Abwehrkräfte meiner Kinder oder um gesund zu bleiben bräuchte ich irgendwelche überflüssigen Vitaminpräparate. Und auch für die Haut braucht es wenn überhaupt eine einfache Fettcreme. Alles andere ist nach allen wissenschaftlich durchgeführten Studien Blödsinn. Die Haut ist dazu da, den Körper vor Umwelteinflüssen zu schützen. Glaubt jemand ernsthaft, dass dann Pflanzenstoffe, die ich mir auf die Haut schmiere, da etwas bewirken? Das ist reinste Propaganda und durch nichts belegt. Wer mir nicht glaubt, dem lege ich sehr Ben Goldacre Die Wissenschaftslüge: Wie uns Pseudo-Wissenschaftler das Leben schwer machen ans Herz. Hierin wird nicht beschrieben, dass die Wissenschaft lügt, sondern dass uns ein Heer unwissender Pseudowissenschaftler mit Halbwissen zum Teil in Lebensgefahr bringt. Und wer sich noch genauer informieren will, der sollte sich mal den „Skeptiker“ ansehen, die Zeitschrift der GWUP- der „Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ ansehen. Nicht immer einfach, was dort offengelegt wird aber wissenschaftlich fundierter als jeder Artikel in der Tagespresse. Und Wissenschaft aus erster Hand gibts bei „Spektrum der Wissenschaft“ und deren interessanter Homepage. Denn auch ich gebe Geld aus, aber ich investiere es gerne in Dinge, die mich auch intellektuell etwas weiter bringen als das dumme Fernsehprogramm oder die Halbwahrheiten aus der Tagespresse.

Renaissancemensch reloaded. Warum wir wieder breiteres Wissen brauchen

Wir leben, gerade auch wissenschaftlich in einer Zeit, in der die Grenzen der einzelnen Disziplinen immer mehr verwischen, Hirnforscher sich mit Physikern unterhalten, Biologen mit Ärzten usw. Und auch im privaten wird es immer wichtiger, sich breiter zu informieren, um in einer immer komplexer werdenden Welt auf dem Laufenden zu bleiben. Aber schafft man das alles überhaupt. Natürlich, denn nie hatten wir mehr Möglichkeiten und Werkzeuge an der Hand, um uns zu informieren, um Informationen zu bekommen, zu vergleichen und aufzubereiten. Wir können auf Datenbanken zugreifen, verschiedene Medien vergleichen.
Aber dafür wird unsere Jugend nicht vorbereitet. Es wird immer mehr der Fachidiot propagiert, der bereit ist für die Arbeitswelt, aber ansonsten kaum mehr Interessen hat, die nicht direkt zu Geld gemacht werden können.
Das ist gefährlich, denn singuläres, auf ein Thema bezogenes Wissen kann in unserer sich immer schneller verändernden Gesellschaft extrem schnell veralten. Und wer sich dann nicht auch auf anderen Gebieten zumindest grundlegend informiert hat, wird schnell „überflüssig“ für das System. Und nur mit einer guten Bildung, nicht Ausbildung, kann man auch einschätzen, was Wahrheiten sind und was lediglich Fehlinformation oder Propaganda.
Der gebildete Bürger kann selbstständig entscheiden. der ausgebildete kann lediglich selbstständig seine Arbeit erfüllen. Hier sehe ich die grosse Chance der Social Media. Neben der reinen Spielerei der Verbreitung von Wissen zu dienen, Menschen Informationen bereitzustellen, sich über Themen auszutauschen, über Grenzen, Länder und Kontinente hinweg. Die Wirtschaft globalisiert sich immer mehr. Höchste Zeit, dass sich auch die Bürger, die Menschen immer mehr globalisieren. Und wir müssen auch diejenigen abholen, die noch nicht im Netz angekommen sind. Denn auch und gerade in Ländern der dritten Welt oder Ländern mit unterdrückerischen Regimen ist Wissen, ist objektive, unzensierte Information das wichtigste Gut im Kampf gegen Propaganda, Unterdrückung und das absichtlich Dumm halten der Bevölkerung.
Wir können schon lange selbst im eigenen Fachgebiet nicht mehr alles erfassen. Es wird in Zukunft viel wichtiger sein, zu wissen, wo ich relevante Information finde, grössere Zusammenhänge zu sehen, auch über den Tellerrand zu schauen. Alles Talente, die auch dem Renaissancemenschen gut zu Gesichte standen.