Ein Dankeschön fürs nicht vergessen werden

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Kleines Statement von mir:
Allen, die mich in meiner Krankheit positiv begleitet haben, die für mich da waren, ohne kluge Ratschläge geben zu müssen, die auch heute noch an mich denken und mich nicht vergessen haben ein ganz großes und sehr ernst gemeintes Dankeschön. Bald habe ich es geschafft, aber es war und ist für mich ein sehr hartes Jahr.

Es wurden viele Wunde geöffnet, manche auch wieder geschlossen, ich habe gelernt, zwischen echten Freunden und denen, die nur mein „bestes“ wollen zu unterscheiden und schließe dieses Kapitel meines Lebens hoffentlich spätestens im November mit einer Reha ab.

Nein, meine Depression wird nie ganz verschwinden, aber jetzt habe ich die Mittel, sie unter Kontrolle zu halten und weiß, dass es elementar ist, zwischen dem zu unterscheiden, was man für sich, und was man für andere tut. Ich lebe jetzt mit der Depression, anstatt das Problem zu verleugnen. Glaubt mir, das macht vieles leichter.
Und ich habe gelernt, dass jemand, nur weil er es behauptet nicht zwangsläufig ein Experte sein muss.

Danke vor allem all den Ärzten und dem Pflegepersonal, die mich auf meinem Weg raus aus der Dunkelheit begleiten. Ihr habt ein Leben gerettet. Wortwörtlich.

Und danke all jenen, die immer noch an mich denken. Es sind weniger geworden, aber es sind jetzt die richtigen.

Es geht aufwärts. Zwischenstand aus der Klapse

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Ich war das vergangene Wochenende daheim. Und das mit Übernachtung. In der Klapse nennt man das „Belastungsprobe“ und sie soll zeigen, ob man mittlerweile wieder mit der Welt da draußen zurecht kommt. Für mich ist die Antwort ein klares ja. Es war so schön wieder mal aktiver Bestandteil der Familie zu sein, und ganz ohne düstere Gedanken zwei Tage mit den Lieben zu verbringen. Zwar war am zweiten Tag der Spielenachmittag überraschend anstrengend. Aber mein Selbstschutzmechanismus ist tatsächlich angesprungen und ich habe mich rechtzeitig zurückgezogen.

Für mich ist das Signal meiner Therapie ein eindeutig positives. Ich gehöre zu den 30%, bei denen das erste Medikament bereits das richtige ist. Somit lässt mich mein schwarzer Hund so weit in Ruhe, dass ich nachdenken kann und Veränderungen auf den Weg bringen. Und eigentlich lassen sich die auf zwei Punkte zusammenfassen.  Schluß mit Perfektionismus und schluß mit zu allem ja sagen.

Je mehr die Depression mit erfasst hat umso mehr wollte ich es allen recht machen und umgekehrt. Das muss eine Ende haben und deshalb werde ich nochmals Verantwortungen und Rollen jenseits von Beruf und Familie reduzieren.

Aber auch mein Bild von mir selbst hatte durch die Depression gelitten. Ich muss auch lernen, mich mit meinen Fehlern und Defiziten genau so zu akzeptieren wie mit meinen Talenten und Begabungen. Das haben mir das Korbflechten und die ersten Malversuche seit Jahren wieder gezeigt. Es ist ein schmerzhafter Prozess, sich auch die eigenen Fehler einzugestehen aber unbedingt nötig, denn jeder macht Fehler, der Umgang sollte aber ein gütiger sein, wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann werde ich jetzt den Dreiklang nutzen, den mir mein Therapeut ans Herz gelegt hat. Erkennen, nicht tadeln, ändern.

Es geht aufwärts. Langsam aber stetig, aber ich muss noch einiges an neuen Verhaltensmustern lernen, bis ich auch selbst wieder das Gefühl habe, für die Welt da draußen fit zu sein.

Und nochmal der Aufruf an meine Geschlechtsgenossen. Depression ist kein Versagen sondern eine Krankheit. Also lasst euch helfen, bevor es zu spät ist.

Und zudem, danke allen meinen Followern, Friends und Lesern auf Facebook, Twitter und hier im Blog, der Zuspruch für meinen offenen Umgang mit der Depression und der Therapie ist durchweg auf positives bis sehr positives Echo gestossen. Für mich ein Signal, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Und wenn ich das ganze überstanden habe und wieder stabil bin, dann will ich dafür kämpfen, dass Depression endlich ihr Stigma verliert und gesehen wird, wie jede andere Krankheit. Ich werde meinen schwarzen Hund mein Leben lang bei mir haben. Aber bisher hat er mich dressiert, jetzt dressiere ich ihn.

 

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Der Depression eine Stimme verleihen: Die Seite Meine Depression geht an den Start

Nachdem auf Twitter ja dank Jana Seelig aka @isayshotgun und dem Hashtag #notjustsad  mit 140 Zeichen tausende von Menschen ihrer Depression einen Raum, eine Stimme verliehen ist es nur konsequent, dass jetzt eine Seite an den Start geht, auf der von Depressionen betroffene Menschen komplett anonym beschreiben können, wie sie ihre Depression erleben oder die Depression eines geliebten Menschen.
All jenen, die der Depression eine Stimme geben und sie aus der Stigma Ecke hin zu einer öffentlich anerkannten Krankheit bringen wollen, sei http://meinedepression.tumblr.com/ ans Herz gelegt, und dort auch beizutragen. Auf der Plattform kann man bereits jetzt erste Erfahrungsberichte Betroffener lesen und ich wünsche mir sehr, dass auch diese Initiative so abhebt wie es Janas #notjustsad damals tat und viele dazu beitragen!