Zurück auf Los. Die Klapse hat mich zeitweise wieder

Da war ich wohl zu optimistisch. Oder meine Depression und meine Angststörung gemeinsam zu stark. Ich bin seit etwas über einer Woche wieder in der Tagesklinik. Warum? Primär, weil ich nach den sechs Wochen Wiedereingliederung wohl alle Reserven aufgezehrt hatte und ein kleiner Zusammenbruch folgte. Der führte mich zu meinem Hausarzt. Dann zum Chefarzt der Tagesklinik und dann schon am nächsten Tag wieder in die Tagesklinik selbst.

Es wird kein langer Aufenthalt, aber es ist nötig, mich wieder zu stabilisieren und endlich den Fokus auf meine generelle Angststörung zu legen. Die hatte man in der Vergangenheit zu Gunsten der Depression sträflich vernachlässigt. Wohl in der nächsten Woche werde ich wieder halbtags, aber unter enger Begleitung der Tagesklinik wieder einsteigen in den Beruf. Dieses Mal behutsamer, auf mich selbst achtender. Ich dachte wohl wie mein Umfeld, jetzt ist der Uwe wieder gesund, jetzt kann er ja 100% geben, denn das muss ja sein. EINEN SCHEISS MUSS ICH. Ich muss primär nach mir sehen, um endlich stabil zu sein und nie wieder in die gefährliche Gedankenspirale zu geraten, die letztlich bei Suizidgedanken endet.

Ich habe eine schwere Krankheit, eine Krankheit, die man ernst nehmen muss und die mich mein Leben begleitet und begleiten wird. Ja, ich werde kämpfen, nein, ich will nicht mehr den finalen aber einfachen Weg gehen. Aber um das zu erreichen brauche ich wohl doch noch mehr Hilfe, als ich dachte.

Gott sei Dank stehen mir erneut sehr hilfreiche und erfahrene Menschen in meinem Kampf zur Seite. Ich werde es schaffen, und stärker daraus hervorgehen als jemals zuvor. Nur braucht es einen längeren Weg, als ich dachte.

Es geht aufwärts. Zwischenstand aus der Klapse

klapse

Ich war das vergangene Wochenende daheim. Und das mit Übernachtung. In der Klapse nennt man das „Belastungsprobe“ und sie soll zeigen, ob man mittlerweile wieder mit der Welt da draußen zurecht kommt. Für mich ist die Antwort ein klares ja. Es war so schön wieder mal aktiver Bestandteil der Familie zu sein, und ganz ohne düstere Gedanken zwei Tage mit den Lieben zu verbringen. Zwar war am zweiten Tag der Spielenachmittag überraschend anstrengend. Aber mein Selbstschutzmechanismus ist tatsächlich angesprungen und ich habe mich rechtzeitig zurückgezogen.

Für mich ist das Signal meiner Therapie ein eindeutig positives. Ich gehöre zu den 30%, bei denen das erste Medikament bereits das richtige ist. Somit lässt mich mein schwarzer Hund so weit in Ruhe, dass ich nachdenken kann und Veränderungen auf den Weg bringen. Und eigentlich lassen sich die auf zwei Punkte zusammenfassen.  Schluß mit Perfektionismus und schluß mit zu allem ja sagen.

Je mehr die Depression mit erfasst hat umso mehr wollte ich es allen recht machen und umgekehrt. Das muss eine Ende haben und deshalb werde ich nochmals Verantwortungen und Rollen jenseits von Beruf und Familie reduzieren.

Aber auch mein Bild von mir selbst hatte durch die Depression gelitten. Ich muss auch lernen, mich mit meinen Fehlern und Defiziten genau so zu akzeptieren wie mit meinen Talenten und Begabungen. Das haben mir das Korbflechten und die ersten Malversuche seit Jahren wieder gezeigt. Es ist ein schmerzhafter Prozess, sich auch die eigenen Fehler einzugestehen aber unbedingt nötig, denn jeder macht Fehler, der Umgang sollte aber ein gütiger sein, wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann werde ich jetzt den Dreiklang nutzen, den mir mein Therapeut ans Herz gelegt hat. Erkennen, nicht tadeln, ändern.

Es geht aufwärts. Langsam aber stetig, aber ich muss noch einiges an neuen Verhaltensmustern lernen, bis ich auch selbst wieder das Gefühl habe, für die Welt da draußen fit zu sein.

Und nochmal der Aufruf an meine Geschlechtsgenossen. Depression ist kein Versagen sondern eine Krankheit. Also lasst euch helfen, bevor es zu spät ist.

Und zudem, danke allen meinen Followern, Friends und Lesern auf Facebook, Twitter und hier im Blog, der Zuspruch für meinen offenen Umgang mit der Depression und der Therapie ist durchweg auf positives bis sehr positives Echo gestossen. Für mich ein Signal, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Und wenn ich das ganze überstanden habe und wieder stabil bin, dann will ich dafür kämpfen, dass Depression endlich ihr Stigma verliert und gesehen wird, wie jede andere Krankheit. Ich werde meinen schwarzen Hund mein Leben lang bei mir haben. Aber bisher hat er mich dressiert, jetzt dressiere ich ihn.

 

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