Vernunft ist eine Illusion

Schon als Kinder kriegen wir doch alle gesagt, sei vernünftig, sei klug, sei strebsam.

Nur, was uns da an Vorstellungen zu dem vermittelt wird, was klug, vernünftig, strebsam sein soll; ganz ehrlich, bei wirklich vernünftigem, hellem Licht der Erkenntnis betrachtet, ist vieles davon mit Verlaub grandioser Bullshit.

Warum ich so denke? Weil ich mit Menschen spreche, weil andere Menschen miteinander sprechen. Und immer wieder gerate ich an Menschen, an Meinungen, an Wertesysteme bei denen ich lauthals „hör auf zu reden und fang zu denken an. “ rufen möchte. Und nein, ich nehme mich da nicht aus. Auch heute noch folge ich vielen Dogmen, Vorstellungen, Werten, die eigentlich Bullshit sind, aber leider hab ich mich entweder freiwillig drauf eingelassen, oder es ist so sehr gesellschaftlicher Konsens, dass ein Aussteigen so gut wie unmöglich ist. (Und kommt mir  nicht mit dem, wenn du willst, geht alles Bullshit. Habs versucht, stimmt einfach nicht.)

Wir alle kennen doch diesen inhärenten Irrsinn, dass so manche von uns in einem Job (ich spreche nicht von Beruf, der kann einem immense Freude bereiten) arbeiten, den sie hassen, den sie aber auch nicht kündigen wollen. Witzigerweise gibt es dann aber auch wieder Umfragen, so und so viele wären mit ihrem Job zufrieden. Ja was denn nun? Oft ist es die Diskrepanz zwischen dem, was man vernünfitgerweise tun möchte im Beruf und dem, was erwartet wird. Oder auch, die Arbeit an sich würde ja Spass machen, hätte man genug Zeit, weniger Druck und weniger Überwachung. Oder anders herum, Stress kann selbst einen Bürojob zur Gesundheitsgefährdung werden lassen.

Gerade Menschen mit kreativen Berufen finden in ihrer Jobbbeschreibung oft die kreativen Entfaltungsmöglichkeiten, die dann von der Realität auf ein Minimum an Freiheit eingestampft werden (sie dürfen gerne wählen, welche von zwei Farben, welche von zwei Schriftarten sie für das Design verwenden dürfen, aber wie sie zu arbeiten haben, dass bestimme ich, ich bin ihr Chef)

Wir leben in so vielen Korsetts, was Job, was Konsum, was soziale Interaktion, ja sogar was Sex angeht.

Leistung ist wichtig, es gesellschaftlich konform zu tun. Ich war und bin auch heute noch in meinem Umfeld Außenseiter, weil ich weder ein gesteigertes Interesse an Autos, an Besäufnissen oder Fussball hatte und habe. Wir mögen uns so aufgeklärt geben, gendergerechte Sprache, keine Diskriminierung von Minderheiten fordern aber im kleinen, im privaten, im persönlichen Umfeld jenseits derer, die für political correctness kämpfen, läuft der Wahnsinn weiter wie bisher.

Da wird nach wie vor konsumiert, als gäbe es kein Morgen. Kaum, dass nach Corona Lockdown wieder Geschäfte öffnen durften, die nicht für den alltäglichen Bedarf zuständig sind, wurde wieder konsumiert, als gäbe es kein Morgen (nun gut, wenn wir so weiterleben, ist dass in nicht allzuferner Zukunft für viele richtig).

Wenn ich reflektiere, was ich seit Beginn meines Homeoffice wirklich vermisse, dann ist das eigentlich ziemlich wenig. Soziale Kontakte reichen mir bei vielen Menschen virtuell, alleine bin ich dank Familie nicht und unser Haus bietet genug Platz, um sich auch zurückziehen zu können.

Was aber viel mehr zählt: Mir wurde und wird vor Augen geführt, wie viel unnötiges ich bislang freiwillig mitgemacht habe, nur weil man das halt so macht. Wie viele Manager haben in der Vergangenheit behauptet: „Also bei uns geht kein Homeoffice“ und dann festgestellt, dass das wenn alternativlos doch plötzlich binnen Tagen, manchmal Stunden geht. Microsoft hat die 4 Tage Woche in Japan testweise eingeführt, weil erkannt wurde, dass Produktivität eben nicht das Ausdehnen von Arbeit in den zeitlichen Rahmen bedeutet.  Und oh Überraschung, die Effekte waren überwiegende positiv.

 

Im Home Office ist es plötzlich nicht mehr möglich, die Untergebenen wie kleine Kinder zu überwachen, damit sie überhaupt arbeiten, und siehe da, die Arbeit wird erledigt (wobei es ja an sich ein krankes Menschenbild ist, wenn jemand glaubt, Mitarbeiter würden nur arbeiten, wenn das auch überwacht wird)

Wir stehen vor großen Herausforderungen. Klimawandel, Gender Paygap. Ein immer höheres Rentenalter obwohl die Unternehmen ältere nach wie vor eher feuern als einstellen. Machtgier bei Staatsoberhäuptern, gepaart mit Dummheit und manchmal auch noch einer besch…eidenen Frisur. (Person, Man, Woman, Camera, TV, Yellow Hair). Wir müssten eigentlich vieles, das unser aktuelles Wirtschafts- und Sozialsystem zusammenhält hinterfragen, ändern, beenden oder gänzlich neu gestalten. Das wäre vernünftig. Aber Vernunft ist nichts, an dem man wirklich viel Geld verdienen kann. Schaut euch mal bei euch um, was ihr an Dingen besitzt, die vernünftig sind, was ihr an Verhaltensmustern lebt, die vernünftig sind. Und wenn bei euch alles vernünftig ist, seid ihr dann auch wirklich ehrlich?

Und wenn ich mir die Bezahlung und dazu die Relevanz der betroffenen Berufe ansehe (dank Corona sehr schön mit „systemrelevante Berufe“ bezeichnet) dann wird nicht der gut bezahlt, der wichtige Arbeit leistet, wie Pfleger*innen, Ärzt*innen oder Mitarbeiter in Supermärkten oder diejenigen, die die Versorgung mit WESENTLICHEM aufrechterhalten. Investmentbroker, Menschen, die mit Geld spielen, Berufe, die niemand vermissen würde, gäbe es sie plötzlich nicht mehr, die werden teuer bezahlt. Erinnert mich an die Golgafrincham Arche aus Anhalter durch die Galaxis.

Wo die Gesundheit des Menschen nur noch als ökonomischer Wert betrachtet wird, wo Krankenhäuser wirtschaftlich sein müssen, statt erfolgreich in der Heilung von kranken Menschen, da läuft was extrem falsch.

Wo Verschwörungstheoretikern geglaubt wird, statt der Vernunft, wo man persönliche Interessen und Freiheiten vor vernünftigem Handeln für eine Gemeinschaft stellt, da sehe ich nicht wirklich die Vernunft am Ruder. Gier, Dummheit, Machtstreben, Faulheit, Ignoranz. Alles Eigenarten, die ich gefühlt heute viel häufiger erlebe, als Vernunft.

Und, Spoileralert. Da schließe ich mich beileibe nicht aus.

Was die Lösung ist? Bildung. Nicht Ausbildung, Bildung. Und eine Wertegemeinschaft, die Streben nach Besitz ersetzt durch Streben nach Gemeinschaft, Toleranz, Freiheit und vor allem, die es Menschen ermöglicht, unabhängig von Sorgen um Geld und das Überleben durch Geld  zu existieren. Wer gleichzeitig Arbeitsplätze wegrationalisiert und diejenigen bestraft, die dadurch keine Stelle mehr finden, wer digitalisiert und ignoriert, dass damit immer. mehr einst sichere Jobs wegfallen, der hat noch nicht gemerkt, wie sehr sich die Gesellschaft wandeln muss, wollen wir auch in Zukunft einigermaßen friedlich zusammenleben.

Rente mit 70 ist genauso ignorant wie die Annahme man könne einen Banker einfach mal zum Altenpfleger machen, wenn seine Stelle wegfällt oder ein über 50 jähriger, der entlassen wird, weil jüngeres Material zu verbrennen vorhanden ist, würde so einfach eine neue Stelle für die Zeit bis zur Rente finden.

Wir brauchen einen Diskurs der Vernunft. Ich sehe aber noch nicht mal ansatzweise, dass der irgendwo begonnen hat. Der Finger in der Wunde ist da, aber statt die Wunde zu behandeln, wird sie noch größer gemacht. Hey, Klimawandel, das erleb ich ja eh nicht mehr. Vernünftig ist so eine Haltung nicht, maximal fatalistisch und ignorant.

Und wenn ich an die Corona Krise, die plötzlich mögliche Digitalisierung und das schlagartig funktionierende Home Office denke. Warum nicht beibehalten?  Warum nicht endlich mal begreifen, dass immer mehr und immer schneller nicht der Weg sein kann. Und warum nicht da wo möglich weiterhin auf Wunsch Home Office. Und die, die vor Ort sein müssen, dann evtl. dafür wertschätzen (und das darf durchaus monetär sein, in dem man zum Beispiel eine Vor Ort Pauschale zahlt. Schliesslich sparen viele Arbeitgeber ja wiederum bei denen, die zuhause arbeiten können zumindest den Büroplatz in der Firma).

 

Wenn gut gemeintes dich ins Loch stösst

Schlimmer noch als böse Menschen, toxische Typen, giftige Gestalten sind all die, die es doch nur gut mit dir meinen.

Da hast du es gerade einigermaßen auf einen stabilen Stand geschafft, fühlst dich gefestigt, denkst, du kannst auch den Arbeitsalltag wieder stemmen, dann mischen sich Klugscheißer ein, die über deinen Kopf hinweg entscheiden, dass du wohl nicht stabil genug bist. Die haben die unverschämte Arroganz, die Überheblichkeit, zu entscheiden, wie ich zu sein habe.

Oder noch schlimmer, die begreifen einfach nicht, dass nur weil ich jetzt aus den Kliniken und der Wiedereingliederung raus bin, das noch lange nicht heißt, dass ich gesund bin. Ich bin stabil, ich hab meinen schwarzen Hund gerade unter Kontrolle, da kommt eine gute gemeinte aber für mich fürchterliche Breitseite, die mich wieder tief ins Loch der Depression stößt. Die eine Panikattacke auslöst, Selbstverletzung und depressive Gedanken in Reinkultur.

Sensibilität, das ist etwas, das viele von sich zu haben behaupten, aber ganz wenigen gegeben ist.

Und ich darf die Trümmer meines gerade geklebten Seelenkruges wieder mühsam zusammenflicken, denn man damals vermutlich nicht mal absichtlich zerbrochen hat und mich damit fast umgebracht.

Bitte, meint es nicht gut mit mir, wenn euch nicht wirklich interessiert, wie es mir geht, wenn ihr nicht begreift, dass ich Depressionen auch weiterhin haben werde, und auch gerade deshalb ernst genommen, gefragt werden will. Arroganz und Ignoranz. Ich kann sie nicht mehr ertragen. Lasst ich lieber in Ruhe, bevor ihr gänzlich unbedarft in meiner Seel herumstochert und mich mehr verletzt, als ihr es vielleicht ahnt.

Die „neue“ ARD und der Kuschelkurs mit den Verlegern

Zur Zeit echauffiert sich das Netz über ein Interview der neuen ARD Vorsitzenden Piel:

ARD-Vorsitzende Piel: „Die ARD steht für eine Allianz gegen Google bereit“ – Medien – Tagesspiegel.

Ganz ehrlich, ich halte die Aussagen zwar für sehr wirr, wittere dahinter aber ein großes Maß an Kalkül. Gerade hat die ARD mit der Tagesschau App bei den Verlegern für Aufruhr gesorgt. Da wird natürlich diese Äußerung auch deshalb kommen, weil man es sich nicht gänzlich mit den Verlegern verscherzen will. Aber wie kommt Frau Piel auf diese wirre Annahme, Google stelle eine Gefahr für Verleger und Sender dar? Im  Gegenteil, durch Google werden manch junge Digital Natives überhaupt noch an Zeitungsinhalte und Medien herangeführt. Und warum eigentlich Google? Im Moment finde ich die meisten interessanten Links über Facebook oder Twitter! Also besteht eine Allianz gegen das Internet? Im Zusammenhang damit von einem Geburtsfehler des Internet zu reden, weil dort eine Gratiskultur bestehe, halte ich für eine absolute Frechheit. (Zitat: „Wie schnell könnten Sie ihre Apps denn überhaupt kostenpflichtig machen?“
Es gibt ja schon heute kostenpflichtige Apps der ARD, beispielsweise die Loriot-App. Den Geburtsfehler des Internets – kostenlose Inhalte – zu beseitigen ist aber schwierig und langwierig.
„) Nicht das Internet hat einen Geburts- sondern die althergebrachten Denkweisen der Digital Visitors in den Chefetagen der Medienkonzerne haben einen ganz gewaltigen Denkfehler. Anstelle sich Gedanken um neue Geschäftsmodelle zu machen wird undifferenziert das Internet als das globale Böse dargestellt, dessen integrativer, freier Ansatz wohl unbedingt unter die Kommerzknute gebracht werden muss.

Mal sehen, wann die Tagesschau app Geld kosten wird? Und wie schnell dann keiner mehr diese Anwendung nutzen wird.

Interessant auch die wie ich finde Drohung: Zitat „Was tun Sie, um den Zeitungen zu helfen?
Wir bieten Kooperationen an. Mathias Döpfner, der Springer-Chef, denkt bei diesem Thema in die richtige Richtung. Er will eine Allianz der Qualitätsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen Google, Apple und Vodafone. Die ARD steht dafür bereit.

Also will man exakt mit jenen Medien operieren, die den Qualitätsjournalismus dem Profit opfern? Will also auch die ARD zum Unterschichtenfernsehen mutieren? Dann wäre für mich der letzte Grund passe, noch gelegentlich mal das Fernsehen einzuschalten.
Erste Bewegung in diese Richtung lässt sich durch die neue Programmplanung der ARD erkennen, wo kritischen Information verblödenden Unterhaltungsformaten geopfert werden soll.
Und danke an @mahrko für den Link zum Interview mit ZDF Chefredakteur Frey, der zu dem neuen Programmkonzept der ARD ein paar treffende Sätze parat hat.
Es gibt diverse Beispiele, warum gerade die Kostenloskultur funktioniert aber man kann das einfach ignorant abtun. Das Ansehen der alten Holz- und Flimmermedien wird das nicht verbessern, aber es wird die Gegenbewegung im Netz verstärken. Denn je mehr der Konflikt in die Öffentlichkeit getragen wird, um so schneller wird offenbar, dass der Kaiser in Wirklichkeit tatsächlich nackt ist!

Wir brauchen Medienkompetenz statt Medienignoranz!

Der Spiegel berichtet: Deutsche Jugendliche hinken in Europa hinterher. Das wundert mich nicht.

In Deutschland, dem scheinbaren Land der Dichter und Denker wird über die Medien noch viel zu negativ nachgedacht. Wo die Presse lieber über Cyberbullying und Egoshooter berichtet als über die Bildungsmöglichkeiten und die Demokratisierungspotentiale des Internets kann ich den Jugendlichen keinen Vorwurf machen, wenn sie nicht so kompetent sind wie ihre Altersgenossen in aufgeschlosseneren Ländern.
So lange Rektoren noch solchen Schwachsinn verzapfen wie „Der Computer verdummt unsere Schüler“ und „keinen Computer bis zur achten Klasse“ da wundert mich nix.(und ich habe das live erlebt und war fassungslos ob solch mittelalterlicher Gedankenwelten) Wir müssen endlich begreifen, dass auch Computersachverstand wichtig ist. Dass wir Medienkompetenz brauchen. Und zwar und gerade bei den Eltern. Die lassen ihre Kinder meist entweder unkontrolliert auf den Rechner los oder verbieten ihn ganz. Beides zeugt von entsetzlicher Ignoranz und ist gefährlich.
Wir dürfen die Kinder nicht mit dem Netz alleine lassen. So weit richtig. Aber das Netz ist nicht gefährlich und nicht schädlich, wenn es kompetent genutzt wird.

So lange aber Lehrer, Politiker und die Medien noch solchen Blödsinn verzapfen und das Internet und Computer als verdummende Technologien verdammen, denen man angeblich nur mit dem Lesen von Büchern und dem Denken in Gedankenwelten von Vorgestern begegnen kann, werden wir noch weiter zurückfallen. Nicht die Computer, das Internet und Computerspiele sind am schlechten Abschneiden bei PISA schuld. Es liegt an einer nur am Sparen orientierten Bildungspolitik, an überforderten Lehrern und einer Presse, die lieber spektakuläre Halbwahrheiten verbreitet, anstelle richtig nachzurecherchieren.

Wir brauchen eine neue Erziehung, die wieder bildet, anstatt nur auszubilden. Auch wenn das solche Herren wie ein Herr Hundt nicht gerne hören. Die Unternehmen kommen erst an zweiter Stelle. Wir müssen den MENSCHEN bilden, nicht den Arbeitnehmer. Wir haben schon zu viele dumpfe Abnicker und Karrieristen in den Unternehmen. Auch die Finanzkrise war mit ein Resultat eines Denkens, das nur noch auf den Profit und nicht mehr auf den Menschen schaut. Ein bisschen mehr humanistische Bildung, etwas mehr Ethik und Moral wäre manchen „da oben“ nicht abkömmlich!

Deutschland heute, das ist vor allem eins: Ein bildungsfernes Ausbildungsland mit akuter Technophobie.