Von Generationen, Klischees und dem Individuum

Generation X, Y, bald wohl Z. Alles schöne Gedankenmodelle um den Menschen in ein Korsett zu pressen. Auch Jan Grossarth mockiert sich in der FAZ wie ich finde zurecht über diese Einteilung. Ich sehe hier einige Denkfehler.

Fehler Nummer eins. Die Abgrenzung: Ab wann fängt die Generation an, wann hört sie auf? Letztlich werden Charaktereigenschaften und Einstellungen einer Generation, einem Alter zugeschrieben. Dabei ist es doch stets von der einzelnen Person, ihrem Erleben, ihre Geschichte abhängig, wie sie sich verhält, was sie für Werte hat. Man mag Tendenzen sehen, aber diese sind über eine so große Gruppe von Menschen verteilt, dass hier ein generelles Muster so gut wie niemanden wirklich trifft. Zudem sind viele Denkweisen, Haltungen weniger vom Geburtsjahr als vom erlebten Leben und erreichten Alter, sowie von persönlichen Charaktereigenschaften abhängig. Wer sich mit 20 schon stets für neues interessierte, wird dies auch noch mit 50 tun. Wer mit 20 eher konservativ und rückwärts gewandt war, wird dies weitestgehend auch noch mit 50 sein.

Und was ich ebenso für sehr bedenklich halte ist die statische Sichtweise solcher Aussagen. Menschen entwickeln sich, ändern ihre Vorlieben, ihre Werte. Dies einer ganzen Generation zuzuschreiben wird quasi niemandem wirklich gerecht. Bin ich jung und habe noch nicht festgelegt, welchen Beruf, welchen Lebensweg ich ergreifen will, habe ich die Ausbildung gerade abgeschlossen oder den Partner fürs Leben gefunden. Stets gibt es neue Sichten auf die aktuelle Lebenswelt. Und auch diese sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Natürlich verstehe ich, warum diese Einteilungen manchen so wichtig sind. Jeder, der uns als Individuum, sei es durch politische Aussagen, durch Werbung für sich gewinnen will, braucht Anhaltspunkte. Nur muss ich leider postulieren. Oft scheren diese Anhaltspunkte über einen Kamm und treffen eigentlich niemanden wirklich. Und vor allem entstehen daraus Entscheidungen, die möglicherweise der betrachteten „Generation“ in ihrer Gesamtheit überhaupt nicht gerecht werden. Nicht umsonst entstehen, auch begünstigt durch die zunehmend vernetzte Gesellschaft immer häufiger Protestbewegungen zu Themen, die angeblich zuvor klar auf ihre Akzeptanz untersucht wurden.

Generation Y, oder die Illusion des Generationendenkens

Wieder mal wird eine neue Generation definiert, die Generation Y, der Karriere angeblich nicht mehr so wichtig ist, die nach Leistung, nicht nach Zeit bezahlt werden will und eine Balance von Arbeit und Freizeit fordert und nicht mehr bereitwillig Überstunden schiebt, nur um Karriere zu machen.

Falsch sage ich, diese Gedanken haben viele Generationen, es kommt stets aber auch darauf an, wie erpressbar die Generation durch die Arbeitgeber ist. Auf einem Arbeitgebermarkt werde ich den Teufel tun und meine eigenen Interessen offen legen. Jetzt aber gibt es den Fachkräftemangel, ein Fiasko für die Manager, denn jetzt können diese faulen bösen Arbeitnehmer ja plötzlich fordern, vernünftige Arbeitszeiten zu haben, wegen der Leistungen und nicht wegen Vitamin B und Ellenbogenmentalität gefördert zu werden.

Firmen müssen plötzlich familienfreundlich werden, auch ethisch wirtschaften und sich damit abfinden, dass ihre Humanressourcen auch noch ein Leben haben möchten, außerhalb des Jobs.

Oh wie furchtbar das doch ist, also schnell die Arbeitsministerin vor den Karren gespannt, damit man billige Arbeitnehmer aus dem Ausland anwerben kann.
Was aber die Unternehmen offensichtlich nicht bedacht haben. Auch die ausländischen Arbeitnehmer sind anspruchsvoller, wollen vernünftig bezahlt werden und ein Leben neben dem Beruf.

Ich arbeite in einem Unternehmen, das schon lange auch familienfreundliche Angebote macht, das verschiedene Arbeitszeitmodelle hat, einen Betriebskindergarten anbietet, als er in anderen Firmen noch nicht mal angedacht war und sich aktiv Gedanken macht, wie auch der demographische Wandel gemeistert werden kann.
Gerade das waren und sind für mich die Faktoren, die meinen Arbeitgeber für mich attraktiv machen. Denn spannende Aufgaben finden sich in vielen Firmen. Aber ein angenehmes, menschenfreundliches und auch familienfreundliches Umfeld, und das nicht aus der Not geboren sondern aus Überzeugung eingeführt und gelebt. DAS ist ein Marktvorteil auf dem Arbeitnehmermarkt. Und auch die Ethik und ein umweltbewusstes Denken gehören dazu.

Mein Schlagwort dafür, und ich stehe dazu: Wir brauchen nicht Work Life Balance, wir brauchen Work Life Integration.