Neues AOK Angebot: Familiencoach Depression

Bei all dem Fokus auf Depressionen werden oft die Angehörigen vergessen und was sie durchmachen. Sie sind oft alleine mit der Situation und könnten dringend Hilfe brauchen. Darauf hat die AOK mit einem neuen Angebot reagiert, das sich auch an nicht AOK Mitglieder wendet.

Der Familiencoach Depression soll auch die Angehörigen in einer psychischen Krise unterstützen, ihnen im Alltag helfen und bei aller Sorge um den Betroffenen auch einen Blick auf die Bedürfnisse der Angehörigen lenken.

Eine gute Sache, wie ich finde, mehr findet ihr unter:

https://depression.aok.de/

und hier noch die Pressemitteilung der AOK dazu:

(19.09.18)  Um Angehörige im Umgang mit depressiv erkrankten Familienmitgliedern oder Freunden zu unterstützen, startet die AOK jetzt ein neues Online-Programm: Der „Familiencoach Depression“ hilft den Angehörigen der Betroffenen, mit häufigen Symptomen wie Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit gut umzugehen. Das Programm basiert auf den Inhalten von Psychoedukationskursen, die die Belastung der Angehörigen nachweislich senken können. „In vier Trainingsbereichen erfährt man, wie man seinen erkrankten Angehörigen, Freund oder Bekannten unterstützen und sich selbst vor Überlastung schützen kann“, sagt Prof. Elisabeth Schramm vom Universitätsklinikum Freiburg, die das Programm in Zusammenarbeit mit der AOK entwickelt hat. Das interaktive Online-Programm ist für jeden Interessierten unter der Adresse www.familiencoach-depression.de kostenfrei verfügbar.

„Der Umgang mit einem depressiv erkrankten nahestehenden Menschen kann mit großen Sorgen verbunden sein und die Angehörigen mitunter an ihre Belastungsgrenzen bringen“, so Schramm. Das wissenschaftlich fundierte Online-Programm zeigt unter anderem in 14 Videos, wie es gelingt, die Beziehung zum erkrankten Angehörigen wieder zu stärken, mit Krisensituationen umzugehen, den Erkrankten zu unterstützen und sich selbst in dieser schwierigen Situation nicht zu überfordern. Zudem vermittelt das Programm Wissen über die Erkrankung. „Experten geben in kurzen Interviews wichtige Hinweise – zum Beispiel zu der Frage, wie man sich verhalten sollte, wenn man bei einem Familienmitglied oder Freund Suizid-Gedanken vermutet“, erläutert Schramm. Der Familiencoach Depression ist mit Fokusgruppen von Angehörigen und betroffenen Patienten entwickelt worden.

Verluste, Einsamkeit und Sinnlosigkeit

Manchmal sind es persönliche Verluste, die einen nach dem Sinn des Ganzen fragen lassen. Die so schmerzen, so vieles in Frage stellen, dass man sich fragt, ob der Weg, den man eingeschlagen hat, wirklich der richtige war.
Mein persönlicher Verlust klingt immer noch nach und wird es noch lange tun. Und er hat vieles in Frage gestellt, was ich für sinnvoll, wichtig, ernst zu nehmen angesehen habe. Ich ärgere mich über Abhängigkeiten, in die ich mich teils begeben habe, die ich aber auch teils selbst verschuldet habe, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Und das härteste von allem ist die wieder auftauchende Frage, ob meine Wahl für das, mit dem ich den Tag verbringe wirklich richtig war. Die Arbeit am Buch über meine Klinikaufenthalte und die Gründe, die Auslöser dafür und jetzt die neue Arbeit am Jugendroman. Vorträge, die mir solche Freude bereiten. Alles Dinge, die ich ja nur so zum Spaß mache und bloß nicht darob meine Pflichten vergessen darf. Darauf ein gepflegtes „einen Scheiß muss ich“.
Wir alle sollten IMMER zunächst an unsere Bedürfnisse denken, dann an die derer, die wir lieben und dann darf, mit großem Abstand der ganze Rest kommen. Und vor allem finde ich es schrecklich, wenn jeder gleich glaubt, alles, was ich über ein Thema schreibe, beträfe mich auch direkt. Das zeigt, wie wenig zu abstrahieren so mancher Mensch in der Lage ist. Private Themen müssen nicht zwangsläufig meine persönlichen Themen sein, berufliche haben eigentlich NIE etwas mit MEINEM Arbeitgeber zu tun. Abstraktionsvermögen for the world.
Nein, ich bin nicht mehr zufrieden mit dem Status Quo. Nein, ich finde es nicht in Ordnung, gezwungen zu sein, über Missstände und Fehlverhalten den Mund zu halten. Aber würde ich sagen, was ich weiß, ich bin mir sicher, man würde mir gekonnt und ohne Spuren dermaßen schaden, dass es meinen Ruin bedeuten würde. Und ich weiß, dass ich überwacht werde. Das hat nichts mit Verfolgungswahn zu tun sondern mit Themen, die mir vorgehalten wurden und die man nur thematisieren konnte, wenn man in meinem Privatleben herumgeschnüffelt hat.
Ich bin in gewissen Dingen genau wieder da, wo ich vor einem Jahr stand. Aber eins ist anders. Dieses Mal will ich weiter leben. Auch, weil ich neben meiner Familie einen Teil meiner erweiterten Familie wiedergefunden habe. Unglaublich vielen Dank dafür Ines, Thomas, Barbara und Klaus. (Und nochmal einen ganz großen Dank für eine wunderbare Email Ines und Thomas)
Und noch mehr Dank meiner eigenen Familie für den Beistand, die Liebe und die Sorge um mich.

Mein Verlust verpflichtet mich aus mir selbst heraus dazu, wieder die richtigen Dinge wichtig zu nehmen, auch und gerade, um die nächsten Jahre mit meiner Depression, mit meiner Angststörung zu erleben, zu überleben. Carpe Diem ist so abgedroschen aber verdammt nochmal: Auch richtig.

Wer Kinder will, kann die Karriere vergessen.

Nachdem vor einiger Zeit ein ähnlicher Artikel in der „ZEIT“ Furore machte, in dem der Autor die Behauptung aufstellte, Kind und Karriere wäre ein Ding der Unmöglichkeit, stösst nun Tobias Haberl von der Süddeutschen ins gleiche Horn.

Schreiben da ewig gestrige? Ich denke nein, sondern es schreiben Realisten, die dem Wunschdenken unserer heutigen Zeit schonungslos den Spiegel vor halten.

Denn noch immer ist es fast unmöglich, ernsthaft an einer Karriere zu arbeiten und auch noch ein echter Familienmensch und Vater zu sein bzw. Mutter. (Wobei ich hier leider auch feststellen muss, dass selbst dieses Rollenbild noch sehr weit verbreitet ist und oftmals schon durch sehr unterschiedliche Einkommen quasi von Beginn an zementiert)

Mal ehrlich, sobald man in die Führungsebenen will, ist (Zeit) Einsatz weit jenseits des normalen gefordert.  Und ebenso soll man möglichst flexibel agieren, auch mal ganz schnell für mehrere Tage auf Dienstreise gehen.

Da es noch immer das Naturgesetz ist (und wohl so schnell auch nicht anders werden wird) , dass zwar beide Partner das Kind zeugen, die Frau es aber austrägt, ist es sie, die zwangsweise zumindest einige Monate bis ein oder zwei Jahre ausfällt für den Arbeitsmarkt (oder um es in Managementsprech zu formulieren, die als Humanressource wegbricht). Wenn dann der Mann gnädigerweise seine „Vaterspielzeit“ bekommt, dann ist das ein sehr begrenzter Zeitraum und danach wird wieder der gleiche volle Einsatz von ihm gefordert (und leider denken auch viele Männer immer noch in genau diesen Klischees, auch und gerade in vielen Führungsetagen).

Von der Frau auch,  aber da meist sie ja zu Beginn auf den Beruf verzichtet, um die ersten Jahre für das Kind da zu sein, bricht sie eine bedeutsame Zeit für den Aufstieg auf der Karriereleiter (oder besser im Karrierehamsterrad) weg. Zudem wäre es zwar wünschenswert, könnten beide Partner gleichberechtigt die Erziehung der Kinder teilen, aber bei vielen ist das schon finanziell nicht möglich. Kosten für Tagesmütter, Kindergärten (nicht überall ist der Kindergarten kostenlos und gerade Kindergärten, die Service jenseits von 8-12 anbieten können verdammt teuer sein). Da kommt schnell eine Summe zusammen, die mit nur einem hohen Einkommen nicht zu stemmen ist.

Wenn wir das ganze Fiasko mal genau betrachten, muss man, um wirklich entspannt und gleichberechtigt Kinder groß zu ziehen ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum einen sollten beide Partner Berufe ergreifen, die nicht nur sehr gut bezahlt werden, sondern überhaupt schon mal die Möglichkeit zur Teilzeit bieten.

Mehr als ein Kind sollte man sowieso nicht bekommen, da mit verschiedenen Schulen, verschiedenen Klassen und ggf. auch noch verschiedenen außerschulischen Aktivitäten ein Elternteil logistisch stärker gefordert ist als so mancher Manager.

Und natürlich sollte man sich eine ganze Liste von Babysittern anlegen, wenn mal wieder beide Partner ganz dringend weil sonst die Firma untergeht irgendwo hin müssen oder unbedingt, weil sonst Morgen die Welt untergeht spontan Überstunden schieben sollen (auf Großeltern kann man meist nicht bauen, da bedingt durch die geforderte Mobilität diese mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso nicht in sinnvoller Nähe wohnen).

Oder, man verabschiedet sich von jedwedem modernen Denken und kehrt zurück zum Klassiker. Immerhin theoretisch mittlerweile in der Variante, der Vater bleibt daheim, die Mutter arbeitet weiter (so sie gut und gleichberechtigt bezahlt wird, was ja bekanntermaßen ebenfalls oft nur Wunschdenken ist.)

Nur wenn beide bereit sind, die Karriere hinten an zu stellen, kann man sich wirklich guten Gewissens gemeinsam um die Erziehung mehrerer Kinder kümmern und auch dann bereit stehen, wenn man gebraucht wird, nicht, wenn das Unternehmen einen ausnahmsweise mal nicht braucht.

Wir brauchen keine Fördergelder und Quotenregelungen. Was wir brauchen ist eine  Gesellschaft, die mal ganz ehrlich darüber nachdenkt, wie man die Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft so umbauen kann, dass ernsthaft Beruf und Familie für ALLE in Einklang zu bringen sind, nicht nur für die Besserverdiener. Wer ehrlich und „ergebnisoffen“ die aktuelle Situation beobachtet, der wird zu der Erkenntnis kommen, dass  viele der Maßnahmen von Politik und Wirtschaft letztlich nur darüber hinwegtäuschen sollen, dass es beiden herzlich egal ist, wie der Bürger das mit dem Kinder kriegen hinbekommt, Hauptsache, man steht als Politiker/Manager gut da. Mit Familienfreundlichkeit schmückt man sich gern. Ernst nehmen und wirklich konsequent darauf hinarbeiten tun aber wenige. Und interessanterweise sind die wenigen, die es tun, oft kleine und mittelständische Unternehmen auf dem Land, die in der Familienfreundlichkeit auch das Potential sehen, dass sie nämlich effektiv hat. Einen nicht zu unterschätzenden Marktvorteil auf dem Arbeitsmarkt, wenn es um die Bindung hochqualifizierter Mitarbeiter an ein Unternehmen geht, das geographisch nicht in einer Region angesiedelt ist, wo sich sehr leicht „Humanressourcenersatz“ finden lässt.

Dass ernsthafte Familienfreundlichkeit in einem Unternehmen funktioniert, erlebe ich jeden Tag bei meinem Arbeitgeber, der schon sehr viel früher die Chancen einer familienfreundlichen Unternehmensführung erkannt hat. Denn wer auf dem zunehmenden Arbeitnehmermarkt mit Mangel an Fachkräften und demografischem Wandel bestehen will, und das vielleicht sogar noch nicht in den Ballungszentren, der muss sich schon was gutes einfallen lassen. Und dann in Familienfreundlichkeit zu investieren zahlt sich sehr aus. Vom Betriebskindergarten, der schon lange vor der aktuellen Diskussion existierte, über manigfaltige Teilzeitmodelle, die nicht nur vom „kleinen Angestellten“ sondern auch in den Führungsetagen genutzt und gelebt werden bis hin zu Pflegezeit für Angehörige oder den besprechungsfreien Tagen nach bestimmten Feiertagen werden viele Mittel genutzt, die es sowohl dem Vater als auch der Mutter erlauben, auch mit mehreren Kindern noch Beruf und Familie in Einklang zu bringen.

Aber leider sind solche unternehmerischen Denkweisen immer noch die Ausnahme in einer hauptsächlich männlichen auf Kampf und Konkurrenz ausgelegten Arbeitswelt. Es wird Zeit, die vielen schönen Reden einzufordern und statt Worten endlich Taten folgen zu lassen.

Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass Familienleben und Beruf in weiten Teilen der Gesellschaft endlich nicht mehr in Konkurrenz stünden. Aber leider sehe ich das nicht, und auch in zumindest naher Zukunft nicht, so lange wir immer noch eine Präsenzkultur haben und viele Manager alles für wichtiger halten, als die Familie. Zwar hört man schöne Reden zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber meist hört man diese Reden genau da, wo hinterher in kleiner Runde gelacht und weitergemacht wird, wie bisher. Geht ja, es gibt ja (noch) genug verfügbare Humanressourcen.

Interessant übrigens in diesem Zusammenhang, dass es mittlerweile schon, leider wie üblich nur in anderen Ländern wie Schweden Konzepte gibt, die zum Beispiel von einem 6 Stunden Tag bei gleichem Lohn ausgehen. Das überraschende, die Produktivität sinkt dort nicht sondern steigt sogar. Und mit 6 Arbeitsstunden pro Tag ist auch für Familien mit Kindern, wenn sie dadurch nicht wieder auf Einkommen verzichten müssen beides für beide Partner möglich. Aber dazu müsste man anders, moderner denken. Und irgendwie klappt das offensichtlich in Deutschland nicht wirklich.

Und übrigens, wer mal Top Management, hervorragende logistische Planung und Organisation erleben will, der sollte sich vielleicht einfach mal ansehen, was Mütter so jeden Tag leisten (ja, Väter auch, aber leider noch viel, viel zu wenige).

Und dann sollte jeder sich ehrlich mal Gedanken machen, ob er den folgenden Job haben möchte.

Update: unabhängig von meinem Beitrag befassen sich auch andere mit dem Thema Familienfreundlichkeit und so ist bei .comspace eine Blogparade gestartet, die sich mit der Frage befasst, was eigentlich genau Familienfreundlichkeit bedeutet. Dem schließe ich mich an und rufe ebenfalls dazu auf, bei deren interessanter Themenstellung mitzumachen.

Und wer Interesse hat, es existiert mittlerweile ein Etherpad, auf dem wir Materialien zu einer Podiumsdiskussion sammeln, die wir dann bei der nächsten re-publica starten wollen. Einfach eine kurze Nachricht an mich.

 

 

 

 

Deutscher Familienverband und gleichgeschlechtliche Partnerschaften, der Beginn eines Shitstorms

familie
Fürs Protokoll, falls diese Ausgeburten an Toleranz auch noch auf die Idee kommen, diese Peinlichkeit zu löschen.

Es gibt sie immer noch, die ewig gestrigen. So wollte wohl der deutsche Familienverband seine Mitglieder dazu bringen, gegen ein Plakat zu protestieren, dass neben der „klassischen“ Familie auch andere Formen propagiert.

Was mich diebisch freut, der Schuss geht auf Facebook gerade tierisch nach hinten los und der Protest der Facebook Nutzer überschwemmt die Kommentare.

Hallo Familienverband. Wie wäre es mal, aus dem Mittelalter in die Gegenwart zu kommen?

Ricarda Riechert bringt das ganze auf Google+ auf den Punkt:


Amazon App Store bietet heute 7 Apps für Kinder gratis!

Heute wieder mal ein Schnäppchen, dieses Mal insbesondere für Eltern. Amazon bietet heute in seinem App Store die Spiele: Dr. Pandas Supermarkt, Kinder-Tiere-Piano Pro, FaceGoo,  Drop the Cake, Cutie Mini Monsters, Fun English Course und Word Rush! gratis an. Also alle Android User, heute lohnt der Besuch gerade für Eltern kleinerer Kinder ganz besonders!

 

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Blogparade: Vater sein das ist doch schwer

familie
Was mit der Familie unternehmen,für mich sehr wichtig. (Ja, wir klopfen hier Steine, aber Schiefersteine, um Fossilien zu finden. Auch so ein Punkt, selbst auch zur Bildung der Kinder beitragen)

Aus gegebenem Anlass will ich jetzt  mal eine Blogparade starten, die sich darum drehen soll, wie „wir Männer und Väter“ im Alltag mit der Rolle umgehen.

Die Idee ist mir gekommen, weil ich feststellen muss, dass aus bestimmten Zwängen heraus wir uns für eine sehr traditionelle Form der Familie mit dem Vater als alleinigem „Ernährer“ entschieden haben, ich aber gleichzeitig die Familie sehr wichtig finde und eigentlich mit traditionellen Rollenmodellen so meine Schwierigkeiten habe. Ernäher oder Ernäherin, beide im Beruf oder nur einer, schwule Partner mit Kindern, alles für mich nicht diskutierbar sondern selbstverständlich möglich. Aber ist das auch in der Allgemeinheit so?

 

Folgende Fragen stelle ich mir und euch:

a) Ganz ehrlich,was hat oberste Priorität: Beruf oder Familie

Bei mir ganz klar die Familie, da ich immer für meine Kinder da sein will, wenn sie mich brauchen

b) Wie kriegt ihr das im Alltag geregelt?

Bei mir sehr gut, da ich bei meinem Arbeitgeber ein gutes Gleitzeitmodell habe

c) Glaubt ihr, ein sichtbares hohes Engagement für die Familie kann die Karrierechancen reduzieren?

Glaube ich für mich zwar nicht, wäre aber auch für mich kein Grund, den Fokus anders zu setzen. Bin da ebenfalls Gott sei Dank bei einem familienfreundlichen Arbeitgeber unterwegs, sollte sich da aber was ändern, würde ich dennoch die Familie an erste Stelle setzen.

d) Glaubt ihr, dass die junge Generation umdenkt? Was müsste sich gesellschaftlich verändern, damit hier niemand mehr „Sorge um die Karriere“ haben muss?

Es müsste meiner Ansicht nach viel Druck aus der aktuellen Wirtschaft rausgenommen werden. Mehr Freiräume, weniger Leistungsdruck.

e) Seht ihr einen Zusammenhang zwischen Branche, Karriere und Familienvater sein können? Oder hängt es an der Größe des Unternehmens? 

Ich persönlich denke, es liegt vor allem daran, wie schierig die Arbeitskraft zu finden ist. Wer Probleme hat, neue Mitarbeiter zu gewinnen, denkt mehr darüber nach, was neben der Arbeitsstelle noch wichtig sein könnte.

f) Wo lebt ihr? Auf dem Land oder in der Stadt? Und macht das eurer Meinung nach einen Unterschied?

Ich denke, gerade auf dem Land werden immer noch sehr viele alte Klischees bedient.

g) Wie läuft es für eure Partnerin? Hat sie die gleichen Probleme oder ist das doch eher ein „Männerding“?

Die Frage stellt sich bei uns leider nicht, da meine Frau in ihrem erlernten Beruf niemals genug Geld verdient hätte, um eine Familie mit 3 Kindern zu ernähren. Insofern entschieden wir uns gemeinsam für die klassische „Der Vater ist der Ernährer“ Rolle. Wobei sie schon darüber nachdenkt, wieder in das Berufsleben einzusteigen, wenn es die Situation erlaubt und es sich für die Familie auch rechnet.

 

Ich würde mich sehr über eure Ansichten zu dem Thema freuen. Und darüber, dass ihr diesen Aufruf weiter streut.

Und nein, ich will hier nicht die erwerbstätigen Frauen diskriminieren. Ggf. wird es hier auch eine zweite Blogparade geben. Es geht mir erst mal darum zu sehen, ob die Männer immer noch in Klischees gefangen sind  oder sich immer noch überkommene Rollenbilder vorgaukeln.

 

Ist die strenge Trennung von Arbeit und Privatleben doch richtig?

RIM kündigt bei seinen neuen Blackberry Modellen eine Funktion an, die streng zwischen privater Nutzung und geschäftlicher Nutzung unterscheidet. Nicht einmal das Kopieren von Daten zwischen privat und geschäftlich ist möglich.

Zunächst hielt ich diese Idee für völligen Blödsinn, propagiere ich doch anstelle der so fast nie realisierbaren Work-Life Balance, also einer ausgewogenen Trennung von Privat und Beruf die Work-Life Integration, bei der ich zwischen beruflicher und privater Aktivität nicht mehr wirklich unterscheide. Aber als ich etwas genauer darüber nachdachte, warum RIM gerade jetzt mit so etwas auf den Markt kommt, vielen mir doch einige Punkte ein, die womöglich auch mein Gedankenmodell der Work-Life Integration im Moment noch konterkarieren.

Letztlich halte ich Work-Life Integration für erstrebenswert, aber offensichtlich in den nächsten 2-5 Jahren kaum für realisierbar. Zu viele in alten Mustern verhaftete Führungskräfte in den Unternehmen schätzen den Wert einer Humanressource (vormals Mensch und Mitarbeiter) eher nach ihrer physischen Präsenz, der Bereitschaft zu oftmals unsinnigen Überstunden und der Priorisierung des Berufs vor dem Privatleben ein. Aber auch zu viele hochgradig misstrauisch gewordene Arbeitnehmer vertrauen nichts mehr, was als innovatives neues Arbeitsmodell eingeführt wird, aus den Erfahrungen diverser Personalabbaumaßnahmen, Unternehmensfusionen und anderer Managemententscheidungen, die entweder Personal kosteten oder die Arbeitsbelastung erhöhten.

Die junge Generation hat hier ganz andere Prioritäten, die aber eben in den Etagen, die für die Strukturierung der Arbeit und Vorgaben so nicht gesehen oder oft gar nicht gewünscht wird. Es benötigt vermutlich mindestens eine ganze Generation, bis wir uns wirklich neu orientieren können und andere Denkmodelle realisieren. So wird die Familie wieder wichtiger und gerät oft in härteren Konflikt mit beruflicher Karriere, als bei früheren Generationen.

Die Veränderung kommt schleichend, oft durch Startups, die eben nicht mehr das Arbeiten bis zum Ausbrennen propagieren, sondern eine Balance leben. Die sich auch um junge Familien jenseits der Kita Öffnungszeiten kümmern. Und vermutlich benötigen wir auch ein anderes Denken, das den Wert eines Menschen nicht mehr direkt an bezahlte Arbeit koppelt. Letztlich streben wir mit aller Rationalisierung und Technologisierung die Reduktion der Arbeit an, aber erwarten dann immer noch eine Gesamtbevölkerung, die in einer 40 Stundenwoche in Jobs arbeitet, die wir zuvor wegrationalisiert haben. Vermutlich stimmt es, was mir so manch einer als Bremse für meinen Enthusiasmus bezüglich der Arbeitswelt der Zukunft mit auf den Weg gibt.

Die Idee und die Vision, wie so eine Arbeitswelt aussehen kann, mag richtig und gesünder sein, als das, was wir heute als Präsenzkultur erleben. Aber dafür braucht es vor allem ganz andere Entscheider, die ihre Wertigkeit nicht aus langen Arbeitstagen und möglichst vielen Mitarbeitern um sich beziehen, sondern eine wirkliche Balance für alle wollen, in der auch mal etwas nicht gemacht wird und nicht eine Kultur des „alles und zwar sofort“ herrscht.

Und schließlich braucht es auch auf Seiten der Arbeitnehmer, seien es die Vertreter wie Gewerkschafter oder Betriebsräte oder die Mitarbeiter selbst das Vertrauen, dass neue, alternative Arbeitszeitmodelle, mehr Freiheiten, Vertrauensarbeitszeit nicht nur dafür eingeführt werden, um die Arbeitskraft noch besser auszunutzen. Da ist es nicht ausreichend, wenn von oben signalisiert wird, das dem nicht so ist, da benötigt es vielmehr Regelungen, die in der Einführung die Grenzen klar aufzeigen aber nur so lange aktiv kontrolliert werden sollten, bis das ganze in die Belegschaft „gesickert“ ist. Erst wer merkt, dass er nicht mehr mit dummen Sprüchen belästigt wird, wenn er bereits um 13 oder 14 Uhr das Haus verlässt um z.B. im Home Office weiterzuarbeiten, wird der gesamten Maßnahme auch vertrauen.

Hier empfehle ich das Buch „Why work sucks and how to fix it“ das auf sehr schöne Art das ergebnisorientierte Arbeiten darstellt. Und ganz neu „Why managing sucks and how to fix it„, in dem auch die Seite der Führungskräfte beleuchtet wird, die hier natürlich auch einem massiven Wandel unterzogen ist.

 

Sind junge Informatiker Weicheier? Ich sage NEIN! Aber menschlicher.

IT-Nachwuchs taugt nicht für Führungsjobs: Titelt die Computerwoche und zitiert eine eine Langzeitstudie der Eligo GmbH.
Angeblich wären die Informatiker eher extrinsisch motiviert durch ein gutes Gehalt und scheuten Macht oder Konflikte.

Das kann sein, ich vermute aber eher, dass die jungen Informatiker einfach die Schnauze voll davon haben, Familie und Freunde für eine unsichere Karriere zu opfern, die weniger auf fachlichem Wissen als auf Küngeleien und Grabenkämpfen zwischen Managern beruht. Könnte es nicht auch einfach sein, dass die junge Generation erkannt hat, dass das Management der Vergangenheit viele zu opportunistischen Karrieristen gemacht hat, die ihre Freizeit und ihr Familienleben für die Karriere opfern um dann doch irgendwann durch einen neidischen oder konkurrierenden Managementkollegen rausintrigiert zu werden?

Wir haben doch alle gesehen, wohin uns die bisherigen Managements gebracht haben: In eine große Finanz- und Wirtschaftskrise, die uns alle fast ruiniert hätte. Und da sollen die jungen Hochschulabsolventen bereit sein, gerade so weiterzumachen wie bisher? Schlau sind sie sage ich, dass sie Familie vor Karriere, soziales Verhalten vor Konkurrenzkampf stellen. Nicht die jungen Informatiker sind das Problem sondern die alten Betonköpfe in den oberen Etagen, die auf ihresgleichen warten, obwohl gerade ihr System gnadenlos versagt hat!

Ich wage zu behaupten, dass wir endlich wieder eine Generation haben, die nicht ein Leben auf Kosten anderer führen will, der soziales Verhalten wieder wichtiger ist als Karriere um jeden Preis. Sie haben schliesslich selbst erlebt, welchen Mist die Generation vor ihnen gebaut hat. Selbst die Computerwoche vermutet anderes, als die Studie suggerieren will: Zitat “ Dazu gehört, dass Macht als Anreiz immer unwichtiger wird. Vor allem junge IT-Frauen legen darauf kaum Wert (33 Prozent), während Familie immer wichtiger wird (64 Prozent). Auch unter IT-Männern rangiert die Familie vor der Macht.“ Jap, genau, denn die Familie IST wichtiger. Und das eigene Leben, und zwar hier und heute, nicht erst wenn die Karriere abgeschlossen und die Gesundheit ruiniert ist.

Ich merke das bei mir bei meinem Arbeitgeber sehr gut. Dank flexibler Arbeitszeitmodelle, Pflegezeit für pflegebedürftige Angehörige, einer zielorientierten Vergütung, die aber über alle Arbeitnehmer errechnet wird herrscht bei uns eine hohe Zufriedenheit und eine geringe Fluktuation. Gerade im angeblich kommenden „War for Talents“ kann auch so etwas der entscheidende Faktor werden.