Don’t feed the hype. Die „Fachpresse“ schreibt immer wirrer.

Manchmal kann ich über unsere angebliche Fachpresse nur den Kopf schütteln.

Wir erinnern uns. Die EBook Reader  kamen auf, weil man feststellte, dass die damals schon verfügbaren EBooks auf den LCD Displays oder Röhrenmonitoren einfach unangenehm zu lesen waren und die Augen anstrengten. Mit E-Ink gab es endlich eine Displaytechnologie, die an das angenehme Lesegefühl eines Buches heran kam.

Und jetzt lese ich Schlagzeilen, die behaupten, Tablets (LCD Displays) wären der Untergang der EBooks. Liebe Fachpresse, setzen 6. Entweder, ihr werdet mittlerweile für solch markige Marketingsprüche bezahlt, oder euer Gedächtnis hat eine Speicherfähigkeit, die über wenige Tage nicht hinausgeht. Wenn ich ein Buch lesen will, will ich ein Buch lesen. Ich will nicht im Hintergrund dauernd über eingehende Mails informiert werden oder permanent irgendwo hin surfen, wo im Buch verlinkt wurde. Wobei ich hier von Unterhaltungsliteratur, Belletristik spreche. Fachbücher sind ein anderes Thema, aber der Massenmarkt besteht nun mal aus Unterhaltungsliteratur. Aber da finde ich immer noch, schlägt ein günstiger (unter 50 Euro) jedes Tablet. Meines Erachtens sind nicht die EBook Reader , sondern die Tablets die Nische. Ich habe selbst einen Convertible PC. Aber eigentlich nutze ich ihn zu 95% als Netbook, weil ich einfach nicht nur konsumiere, sondern auch damit arbeite. Und dafür will ich einfach eine vernünftige Tastatur. Und fürs Lesen will ich VOR ALLEM ein gutes, angenehmes und augenfreundliches Display. Also eben KEIN LCD Display.

Amazon.de hat den Kindle im Programm. Mit deutschem Buchangebot. Eine Einschätzung

Jetzt ist es soweit. Man kann den Kindle nicht nur in Deutschland kaufen (allerdings immer noch in einer internationalen englischen Version) sondern auch deutsche Bücher. Laut Amazon im Moment ca. 650 000 Bücher (allerdings nicht ganz ehrlich, denn dabei sind auch viele kostenlose Klassiker).

Es wird also spannend, nun auch auf dem deutschen Markt. Die großen Vorteile sind Amazons etablierter Shop im Netz und ein Lesegerät, das zumindest von der Haptik viele ansprechen wird. Zugleich kann man mittels Amazons „Whispernet“ kostenlos über 3G Bücher jederzeit und überall herunterladen (für manch einen Geldbeutel nicht wirklich gut). Dinge, die mich dennoch auch an der deutschen Version stören:

Nicht der Kindle, kein Wireless,nicht mal 3G, aber nur 150 Gramm, 2GByte Speicher und sehr kompakt. Meine Frau ist begeistert.

Zum einen Amazons proprietäres Buchformat, das mich dazu zwingt, diese Bücher weiterhin auf Amazons Kindle oder auf Devices mit installiertem Kindle reader zu lesen, und das es unmöglich macht, die Bücher auf einem anderen Reader zu lesen. Zum anderen kanibalisiert sich Amazon in gewissem Sinne gerade selbst. Sie sind sehr spät dran mit dem Kindle in Deutschland, bieten ihn aber nicht mal in einer deutschen Version an und gleichzeitig gibt es erste Gerüchte über ein Amazon Tablet, das Apples Ipad Konkurrenz machen soll.

Für meinen Geschmack kommt der Schritt auf den deutschen Markt viel zu spät und das proprietäre Format wird hier eher hinderlich sein. Einziges Alleinstellungsmerkmal ist das für den Nutzer kostenlose „Whispernet“, mit dem man on the fly überall unterwegs Bücher kaufen/herunterladen kann. Aber mal ganz ehrlich. Wie oft muss ich mir unterwegs noch ein Buch kaufen und komme nicht, wenn es so dringend ist an irgendein WLan. Zum anderen sehe ich gerade einen Rückwärtstrend weg von den spezialisierten Devices zurück zu den All in One geräten. Erste Beispiele sind das HTC Flyer, das mittels ansteckbarer Tastatur sowohl Netbook als auch Tablet ist und ebenso das Motorola Atrix, das sich über eine Dockingschnittstelle an eine Bildschirm/Tastaturkombi anschliessen lässt und dann ebenfalls zum Netbook mutiert, und auch das Asus Eeepad Transformer sieht sehr vielversprechend aus. Warum soll ich also X Devices nutzen, wenn ich alles in einem Gerät haben kann. Letztlich würde mir ja ein Gerät reichen, das zumindest für 2-3 Tage durchhält, womit ich also einen ganzen Tag lang auf voller Leistung arbeiten kann, ohne es aufladen zu müssen.

Aber das scheint der Industrie nicht zu passen. Man könnte dann ja mit dem Gadgetkonsum aufhören.

Im Moment warte und beobachte ich lieber. Weil ich einfach langsam die Lust daran verliere, mich auf das nächste kurzfristig gehypte Gadget zu stürzen, das dann nur die Taschen noch schwerer, den Geldbeutel noch leerer und den Technikfuhrpark zu hause noch unübersichtlicher macht. Für mich wird die nächste Strategie sein, erst mal weglassen und erst wenn das Hauptdevice (das im Moment aus zweien besteht, meinem Notebook und meinem Smartphone) ausfällt, wird nach einer All in One Kombi a la HTC Flyer oder Asus EeePad Transformer gesucht.

 

Das Tablet ist NICHT die Lösung liebe Verleger

In der Süddeutschen war heute zu lesen: Die iPad-Illusion „Tablet-Computer sollen die Zeitungsbranche retten, weil Nutzer Geld für Nachrichten zahlen. Doch eine Zwischenbilanz zeigt: Der Traum könnte sich als Chimäre entpuppen. “

Damit meint die Süddeutsche, daß die erwarteten glorreichen Umsätze mit Zeitungsapps offensichtlich doch nicht so eintreffen wie erwartet. Nun denn. Analysieren wir die Gesamtsituation doch mal ganz ehrlich. Zum einen. Im Gegensatz zum EBook Reader ist ein IPad ein MULTIMEDIA Device. Mit herkömmlichen reinen Print- und Bildapps kommen die Verlage da nicht weit, denn es gibt ja auch noch Video, Audio UND Spiele. Und ich wage zu behaupten, daß für die meisten Käufer des IPads und ähnlicher Devices das Gerät definitiv kein Arbeitsgerät ist. (Es sei denn, es gehört hauptsächlich Konsumption zur Arbeit des Besitzers). Sobald ich selbst Texte verfassen oder aktiver auf Twitter oder Facebook unterwegs sein will, brauche ich eine Tastatur oder zumindest eine schnelle und effiziente Eingabemethode.

Zum anderen wird der Markt in diesem Jahr meiner Ansicht nach nicht so explodieren, wie manche das erwarten. Denn der erste Hype ist durch, ich kenne bereits einige Nutzer, die desillusioniert von ihren Tablets wieder zu Notebooks und Smartphones umschwenken, denn ein Tablet ist nun mal kein Arbeitsgerät, mal ein paar Nischen ausgenommen.

Außerdem, sooo günstig ist eine Zeitung auf dem App auch nicht, selbst wenn sie günstiger angeboten wird. Denn das Lesegerät ist inital sehr teuer. Und da es sich um ein technisches Gerät handelt ist die Lebenszeit begrenzt und durch den Hypefaktor limitiert, so daß in mind. 2-3 Jahren das Nachfolgegerät kommen muss. Nun hat der typische Tablet Nutzer aber auch noch Smartphone und Notebook, die auch in regelmäßigen Rhythmen ersetzt werden müssen. Alles in allem, je mehr Gadgets man besitzt ein um so teurerer Spaß.

Und einer der schönen Seiteneffekte des Webs ist ja, daß ich mir meine Nachrichten aus verschiedenen Quellen zusammenstellen kann. So lange die Verleger immer noch ganze Zeitungen im Abo anbieten, werde ich mich hüten, mich digital nur an eine Zeitung zu binden. Dann doch lieber der breiter gestreute Dienst, den ich über einen RSS Feed beziehe.

Sicher, Tablets werden weiterhin am Markt bestehen. Aber auch hier ist der Hype bald vorbei, und dann werden wir alle merken, daß ein Tablet weder ein Smartphone, noch einen Notebook ersetzt und somit als weiterer Ausgabeposten wohlüberlegt sein will. Ich nutze zur Zeit „noch“ einen gebrauchten Tablet PC, der aber bei weitem häufiger mit Tastatur, als nur als reines Tablet genutzt wird. Und er wird mit Sicherheit nicht durch einen weiteren oder gar ein Tablet ersetzt werden. Wohlgemerkt, es geht mir NICHT um die Sinnhaftigkeit von Touchscreens. Aber als alleinige Eingabemöglichkeit finde ich sie schon bei Smartphones gerade noch tolerierbar, da ich auf einem Smartphone eher keine längeren Texte schreiben werde.

Letztlich empfand und empfinde ich günstige (also ca. 50 Euro teure) EBook Reader immer noch als die bessere Alternative, da hier das Leseerlebnis angenehmer und das Budget bei weitem nicht so strapaziert ist!