Qualität, Handarbeit und …. Das Internet ! @manomama und roterfaden

Ökologisch und sozial verantwortlich produziert manomama

Neue Wege bieten neue Chancen. Genau das hat sich wohl Sina Trinkwalder gedacht, als sie ihr Label manomama ( so findet man sie auch auf  Twitter unter dem Nick @manomama) gründete.

Der Herren Rollkragenpulli in der Farbgebung Vampire, andere Farben sind ebenso möglich wie Sondergrössen.

Ziel: 100% ökologisch 100% sozial 100% transparent zu produzieren. Und die Idee schlug ein wie eine Bombe. Durch geschickte Nutzung der Möglichkeiten des Social Web verbreitete sich die Kunde von hochwertiger Kleidung, die sowohl ökologisch als auch sozialverträglich produziert wird. Echte deutsche Handarbeit. Nicht Gewinn, sondern Kundenorientierung als oberste Priorität, gleichwohl aber auch ein soziales Arbeitsumfeld mit gerechter Bezahlung. Geht nicht? Blödsinn.

Der Erfolg gibt ihr recht. Selbst Prominenz wie Thomas D. zählt zu ihren Kunden.

Und ich auch. Weil es einfach ein gutes Gefühl ist, qualitätiv hochwertige, gesunde Kleidung zu tragen, die auch noch fair produziert ist.

Wer mehr wissen will von diesem tollen Label, gehe einfach auf www.manomama.de oder folge Sina auf Twitter unter ihrem Pseudonym @manomama. Natürlich ist manomama auch auf Facebook vertreten.

Wer sagt, papierne Ordnung wäre out, hat roterfaden noch nicht kennengelernt

Aber noch ein zweites Label hat meine Aufmerksamkeit erregt. www.roterfaden.com, die Produzenten eines genialen Organisationssystems, des sogenannten Taschenbegleiters. Eigentlich nur eine Außenhülle mit 6 oder acht Klammern innen kann der Taschenbegleiter neben Notizheften auch alle Arten von Zetteln sicher aufnehmen.

Und auch hier ist der Kunde König. Es ist möglich, sich auf der Seite www.roterfaden.com seinen ganz persönlichen Taschenbegleiter zusammenzustellen, inklusive persönlicher Stickerei. Und auch hier gilt: 100% deutsche Handarbeit, fair produziert. Noch eine klare Empfehlung für alle, die auf hohe Qualität wert legen.

Ich bin begeistert darüber, daß es offensichtlich nicht nur einen Markt für hochwertige, fair und bei manomama auch so weit irgend möglich ökologisch produzierte Produkte gibt. Nein, zudem bietet das Internet durch die soziale Vernetzung via Twitter, Facebook und co. ungeahnte Möglichkeiten, Kunden auf sich aufmerksam zu machen und stellt eine neue und viel effizentere Form von Mundpropaganda dar.

Hier die Tanzbodenversion des Taschenbegleiters. Diese Hülle ist sehr strapazierfähig.

Zufriedene Kunden, die bloggen, twittern oder auf Facebook kommentieren bieten eine direkte Informationsquelle. Und Sina hat darauf sogar noch eins draufgesetzt. Es gibt die manomama Treffs, bei denen ähnlich dem Tupperprinzip, ausgebildete manomamas oder auch manopapas direkt die Produkte vorführen, Maß nehmen und individuell beraten.

Faszinierend, welch neue Geschäftmodelle sich im Netz plötzlich realisieren lassen. Und extrem beruhigend zu wissen, daß es noch Unternehmer(Innen) gibt, die nicht nur nach dem Gewinn gieren, sondern sich auch ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung bewußt sind. Weiter so. Mehr davon!

Verdi und die Zensur: Sie haben NICHTS gelernt Update

Noch bin ich Mitglied bei Verdi, doch je mehr ich darüber lese, wie Verdi mit Urheberrechten und Zensurinfrastrukturen umgeht packt mich die kalte Wut. Wie dumm kann man eigentlich sein, genau die Zensurinfrastrukturen zu fordern, die dann ggf. auf einen selbst zurückfallen können: Aber lest selbst: ver.di will (irgendwie) Stoppschilder gegen Urheberrechtsverletzungen und auch „Gewerkschaft Verdi fordert Netzüberwachung gegen Urheberrechtsverletzungen„.

Für mich nicht verstehbar, wie eine Gewerkschaft so etwas tatsächlich fordern kann.

Sollte das wirklich die offizielle Linie von Verdi werden, werde ich meine Mitgliedschaft nochmal ernsthaft überdenken müssen. Denn dann fühle ich mich als Digital Native und Informatiker nicht nur nicht mehr vertreten, sondern sogar bekämpft.

Update: hier das aus meiner Sicht unsägliche Papier: https://medien-kunst-industrie.verdi.de/medien/data/ver.di-Bundesvorstand-Positionspapier-zum-Urheberrecht-7-Seiten.pdf

Besonders traurig stimmt mich der Absatz:
„ver.di zollt Künstler/innen und Publizist/innen Respekt, die sich im Rahmen des Urheberpersönlichkeitsrechtes für das Modell kostenloser Lizenzen (Open Source oder Creative Commons) entscheiden. Für ver.di kann aber unentgeltliches ge-meinwohlorientiertes Arbeiten, das nur in Ausnahmefällen neue existenzsichernde Einnahmequellen erschließt, keine Richtschnur für gewerkschaftliches Handeln in der Tarif-, Vergütungs- und Netzpolitik sein.“

Und hier ist in typischem Verdi Deutsch die verklausulierte Aufforderung zur Einrichtung einer Zensurinfrastruktur: “

„Ziel ist technische Instrumente zu finden, die es ermöglichen, dass beim Aufruf einer Seite mit illegalen Angeboten ohne Re-gistrierung der Nutzer/innen-IP auf dem Monitor eine – von dazu legitimierten In-stitutionen vorgeschalteter – Information über die Rechtswidrigkeit des Angebots und dessen Nutzung erscheint. Der Anbieter illegaler Angebote muss im Vorfeld über das Vorhaben informiert und ihm ein Widerspruchsrecht eingeräumt werden. Ein entsprechender Regelungsrahmen und auch auf Verlangen der Urheberinnen und Urheber zur Kennzeichnung legitimierte Institutionen sind zu schaffen.“

Update: Sie blamieren sich immer mehr: Jetzt warnt Verdi vor „irreführender Berichterstattung von netzpolitik.org„.. Sagt mal ihr da in Berlin . GEHTS NOCH? Wer hat euch den ins… .nnnee ganz ruhig bleiben. ICh besorg mir erst mal ein Austrittsformular und beobachte, ob die noch zu Verstand kommen….

Vernetztes Denken wird der Schlüsselskill der Zukunft

Wir leben in interessanten Zeiten. In Zeiten, wo sich Kontakte immer häufiger zunächst virtuell anbahnen. Und wo es oft wichtiger wird, zu wissen, wer die benötigte Information bereitstellen kann, als das notwendige Wissen selbst zu haben.
Schon seit längerem sehe ich eine Renaissance eben jenes Renaissancemenschen, der vielfältig gebildet und interessiert, von Thema zu Thema wechseln kann. Nur nicht zwangsweise, weil er alles bis in die tiefsten Tiefen des Faches durchschaut, vielmehr, weil er die Zusammenhänge erkennt. Wir bauen eine immer komplexere, divergentere multimediale Zukunft auf und nur wer den kommenden Trend erkennt, wer auch mit neuen Denkmustern und Technologien zu Rande kommt wird in der Zukunft bestehen können.

Insofern ist auch in der Bildung ein Umdenken von Nöten. Es gilt, die vielen verschiedenen Begabungen zu fordern aber auch zu fördern. Niemand muss heute mehr alles wissen, ja kann das zum Teil gar nicht. Aber man muss die Grundfähigkeiten haben und dann die Werkzeuge erlernen, die den Umgang mit unserem „zweiten Hirn“ dem Internet ermöglichen. Denn das Netz wird zu einer immer grösseren Wissensressource, in der sich Experten und Informationssuchende informell und unabhängig von Rang, Berufsbild und kulturellem Background austauschen und Wissen teilen können.
Wissen ist die Währung des 21. Jahrhunderts, wir verändern uns mittlerweile von einer Dienstleistungsgesellschaft zu einer Wissensgesellschaft. Aber wir bereiten unsere folgende Generation, die Arbeitnehmer von morgen nur unzureichend darauf vor. Wir denken in der Ausbildung in den Schemata von vorgestern, wir müssen dringend zumindest im vernetzten Heute ankommen.

Wir müssen flexibler werden. Auch wen es in manches Menschen Ohr wie ein abgedroschenes Schlagwort klingen mag. Wir leben in einer Zeit beschleunigten Wandels, in der Kreativität, Innovation und Flexibilität mehr den je gebraucht werden. Und wir müssen uns über Wissens- Rollen- und evtl. auch über Unternehmensgrenzen hinweg vernetzen.

Interessant hierzu ist auch folgender Artikel: Wer braucht HEROs ?, denn die dort beschriebenen Mitarbeiter entsprechen ziemlich genau dem, was ich als den Mitarbeiter der Zukunft sehe!

Bin ich Mensch, zwischen 9 und 17 Uhr ? Über Lippenbekenntnisse und die Realität

Heute mal ein paar Gedanken, die mich schon länger beschäftigen. Viele Menschen behaupten, sie würden ganz klar zwischen privat und Beruf trennen. Ich glaube dem nicht so ganz. Letztlich bin ich doch auch zwischen 9 und 17 Uhr (mal so als exemplarische Zeit am Arbeitsplatz) nicht nur Mitarbeiter, der eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen habe.
Auch am Arbeitsplatz bin ich noch der Vater, der Ehemann, der Freund. Und parallel kann ich zumindest, wenn ich die Arbeit verlasse, nicht einfach abschalten. Ich bin Informatiker, lese auch privat etwas zur EDV, komme dabei vielleicht auf die eine oder andere Idee im Beruf.

Parallel befasse ich mich als Blogger mit der Zukunft (auch der Arbeit). Und heutzutage wird allenthalben von den Mitarbeitern hohe Kreativität, hohes Engagement gefordert, gepaart mit unternehmerischem Denken.
Alles schön und gut, aber als Unternehmer kann ich nur denken, wenn ich auch die Freiheitsgrade habe, etwas zu unternehmen. Wenn ich selbstbestimmt arbeite und nicht wie ein kleiner Junge durch Zeiterfassung, Anwesenheitspflichten kontrolliert werde.
Für viele trennt sich Arbeit und Privatleben vor allem dadurch, dass sie im Beruf lediglich „Humankapital“ sind und zu funktionieren haben, und das immer effizienter. Im Privatleben versuchen sie dann als Mensch das nachzuholen, was ihnen im Beruf ggf. sogar verboten ist.
Ich weiss, dass ich mich in meinem Arbeitsumfeld glücklich schätzen kann über die Freiheitsgrade, die ich durch Gleitzeit, verschiedene Arbeitszeitmodelle und solche Dinge wie Heimarbeitsplätze zumindest theoretisch habe. Aber bis solche Möglichkeiten in der breiten „arbeitenden Masse“ angekommen sind, wird es noch dauern.
Und wir brauchen mehr, wir brauchen eine integrierte Arbeits- und Privatwelt, in der Kinder nicht mehr nur abgegeben werden müssen, und die Pflege alter Menschen auch mit einem Beruf ohne Probleme möglich ist.

Erst, wenn wir alle effektiv arbeiten, haben wir die Chance, Beruf und Privates zu integrieren.

Und leider muss ich, zum Abschluss noch eins anmerken. Es wird nicht leicht. Denn nicht nur so mancher Arbeitgeber oder Vorgesetzter kann mit solch veränderten Arbeitsmodellen wenig anfangen. Es werden auch die Gewerkschaften, die ewigen Bedenkenträger sein, die hier gleich wieder eine Ausbeutung des Arbeitnehmers vermuten werden.
Das mag stimmen, wenn es falsch gemacht wird. Aber es deswegen gar nicht zu tun, wäre fatal für unsere Zukunft, fatal für die immer grössere Schar der Wissensarbeiter, die genau dann wirklich effektiv arbeiten und gute Ergebnisse liefern, wenn sie mehr Freiheitsgrade haben, wenn eine Kultur des Vertrauens endlich überall die Kultur der Überwachung ablöst. Es kommt nicht drauf an, wie lange ich im Büro sitze. Es kommt drauf an, ob ich meine Ziele erreiche!

Wir werden es uns in Zukunft nicht mehr leisten können, versteckte Talente einfach brach liegen zu lassen. Die finden sich aber nur, wenn auch der Tellerrand als Gedankengrenze endlich fällt.

Und für alle, die jetzt wieder voller Misstrauen fragen: Na? Hast da mal wieder viel Zeit dafür investiert? Schaff was?
Dieser Text ist abends entstanden. Nicht beim, sondern anstelle des Fernsehens, des meines erachtens nach oft grössten Zeitverschwenders, den wir haben. Und dank WordPress ist er publiziert, wenn hoffentlich der eine oder andere den Freiraum über den eigenen Tellerrand hinaus hat, tagsüber. Auch so ein „Zwei Welten“ Ding 😉

Gartner prophezeit 10 Veränderungen der Arbeitswelt. Ein kritischer Kommentar

Interessant, wie sich manche Themen zu gewissen Zeiten geradezu aufdrängen. Da lese ich aktuell gerade „Morgen komm ich später rein“ von Markus Albers (dessen Buch „Meconomy“ auch ein klarer Lesetipp ist). Und jetzt vermeldet Gartner 10 Veränderungen für die Arbeitswelt binnen der nächsten 10 Jahre.

Vieles, was Gartner prognostiziert, wünsche ich mir selbst, bzw. erwarte ich selbst für die Zukunft. Aber leider sind auch viele Aspekte dabei, die zwar wünschenswert sind, aber sicherlich speziell von denen, die Arbeit controllen, so nicht mal gedacht werden können.

Die Thesen mit einem Kommentar von mir:

1. De-routinization of Work

Gartner sieht hier weiterhin Aufgaben für die Angestellten, die sich aber wegbewegen von einfachen Routineaufgaben, hin zu den Aufgaben, die speziell nur der Mensch bearbeiten kann. Das ist eine positive Entwicklung, verschärft meiner Ansicht nach aber zum einen das Fachkräfteproblem, da ich jetzt sehr spezifische Skills brauche und lässt das Heer der schlecht ausgebildeten Langzeitarbeitslosen wachsen. Und es gibt durchaus auch einfache Tätigkeiten, die zwar ein Computer leisten kann, die ich aber immer noch am liebsten von einem Menschen erledigt haben möchte (Stichwort Telefonservices)

2. Work Swarms
Gartner identifiziert hier Teams anstelle von Einzelleistungen und den Schwarm, der sich nur kurzfristig aus Mitarbeitern bildet, die z.B sonst in verschiedenen Teams arbeiten aber jetzt für eine spezielle Aufgabe schnell zusammen agieren, evtl. auch nur virtuell um sich danach sofort wieder anderen Themen zu widmen. Hier wird stark die Rolle des mittleren Managements in Frage gestellt, da solch schnelle Selbstorganisation nur durch unmittelbares Agieren ohne Kontrolle von oben gut funktioniert.

3. Weak Links
Diese Verbindungen existieren schon heute, wenn man stark in sozialen Netzwerken agiert, wo man schnell und unbürokratischen Austausch pflegt. Problem wird hier wiederum der Verlust der Hierarchien sein, da hier keine Manager den Austausch kontrollieren, anfordern oder lenken können. Er entwickelt sich dynamisch aus Aufgaben und Interessen der Beteiligten.

4. Working With the Collective

Hier sind Gruppierungen gemeint, seien sie unter Kontrolle des Unternehmens oder außerhalb, die über Wohl oder Wehe eines Unternehmenserfolges mitbestimmen. Ganz klar eine solche Gruppe sind natürlich die Kunden. Aber das geht noch weiter, auch NGOs oder Meinungsbildner im Netz oder den Medien können beeinflussend wirken. Ebenso kann hier die Dynamik der sozialen Netze schnell für ein Unternehmen zum Erfolgsfaktor oder auch zum Misserfolg führen (Streisand Effekt). Ein richtiger, ehrlicher Umgang ist hier von Nöten und es gilt neue Wege zu finden, offener und ehrlicher mit Kunden wie mit Partnern zu kommunizieren, denn die Zeiten eines Unternehmens „da oben“ und der Kunden „da unten“ sind bald vorbei. Dann heisst es, die Rolle des gleichberechtigten Partners zu akzeptieren und zu verinnerlichen, will man nicht vom „Kollektiv“ ab gestraft werden.

5. Work Sketch-Ups
Gartner meint hier, dass gerade die Nicht-Routine Tätigkeiten nicht mehr nach vorgegebenen Standardabläufen bearbeitet werden. Das ist insofern nur logisch, da mich die Verwaltung und Kontrolle der Einhaltung solcher Standardverfahren viel zu viel Zeit kostet und letztlich durch den informellen Kreis das in dieser speziellen Situation optimale Verfahren angewendet wird, das durchaus auch erst im Prozess der Tätigkeit entstehen kann.

6. Spontanous work
Hier beschreibt Gartner den Horror eines jeden Controllers, da hier pro-aktive Tätigkeiten, Ideenfindung, arbeiten ohne direkten Auftrag gemeint ist. Wenn ich frei bin von Routinetätigkeiten kann ich meine kreativen Potentiale nutzen. Aber wie soll hier der direkte Nutzen gemessen werden, wer bestimmt eine „freie Tätigkeit“. Und auf welchen Posten buche ich Arbeiten, die jetzt noch gar keinen Auftraggeber haben. Andererseits stecken gerade hier, wie Unternehmen wie Google zeigen die Potentiale für neue marktfähige Ideen, die das Unternehmen wirklich voranbringen, die aber im „Alltagsgeschäft“ untergehen. Leider wird hier auch ein großes Problem sein, dass sich schnell eine Neidkultur entwickelt. Denn so hart das klingen mag. Wer sich nicht selbst organisieren kann, wer nicht die nötige Selbstdisziplin und vielleicht auch nicht das nötige Können hat, der wird neidisch auf diejenigen blicken, die frei, die kreativ arbeiten. Schon heute gibt es zwischen Kreativen und den „Echten Schaffern“ eine Neiddebatte. Die ist zwar dumm aber wird leider geführt.

7. Simulation and Experimentation
Hier kann man ganz klar sagen, ja, das passiert schon heute schon. Viele Prozesse werden heute nicht mehr im Realen durchgeführt, sondern virtuell. Eines der schönsten Beispiele sind Crashtests. Der kritische Aspekt ist, wie erhalte ich Gewissheit, dass die Simulation auch die Realität abbildet, wie schütze ich mich vor Fehlinterpretationen oder vergessenen Rahmenparametern. Und wer bezahlt mir das ganze? Auch hier wieder zeigt sich, daß die Zeit der Erbsenzähler, der Human Ressource Denker vorbei ist, will ein Unternehmen auch für die Zukunft gut aufgestellt sein.

8. Pattern Sensitivity
Wichtig. Und ein Trend in sich. Bestes Beispiel hierfür die Entwicklung zuerst der Netbooks, die von vielen belächelt sowohl den eigenen Markt gefunden haben, als auch den Markt für Notebooks zu einer Umorientierung in der Preispolitik gezwungen haben. Ähnliches geschieht bei den EBooks Readern und bei den Tablet PCs. Es wird immer wichtiger, Muster zu erkennen, die sich im Geschäftsumfeld entwickeln, und die ggf. Einfluss auf die eigene Geschäftspolitik haben können.

9. Hyperconnected
Wir sind immer vernetzter. Gartner sieht hierin heute das Problem und morgen die Lösung in dem sich Firmen ihrer starken Vernetzung innerhalb und mit den Kunden bewusst sind und diese Vernetzung fördern, statt sie unter Kontrolle halten zu wollen. Hier sehe ich zum Beispiel die sozialen Netze und die Business Netzwerke als gute Beispiele für die Richtigkeit der These. Viele meiner Tipps für Problemlösungen erlange ich durch Crowdsourcing, durch die Frage, die ich an die Netzcommunity stelle und die mir sehr oft durch jemanden beantwortet wird, der entweder selbst die Lösung kennt, oder jemanden kennt, der sie kennt, oder jemanden….

10. My Place
Mit Sicherheit für mich das Schlüsselthema der Zukunft. Die Arbeitszeitmodelle des 9-17 Uhr Jobs gelten für immer weniger Bereiche. Wissensarbeiter, gerade im internationalen Kontext können theoretisch immer und überall arbeiten. Das bedingt zum einen die Disziplin, auch nicht erreichbar, privat zu sein. Zum anderen eröffnet es aber auch ganz andere Möglichkeiten, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, dann zu arbeiten, wenn man kreativ ist, wenn die Arbeit auch leicht gelingt, anstelle im Büro sitzen zu müssen, nur weil man nicht für das Ergebnis sondern für die geleistete Arbeitszeit bezahlt wird. Als Wissensarbeiter ist es eigentlich irrelevant, wo ich arbeite, solange ich einen Netzzugang habe, kann das auch von zu hause aus, auf Dienstreise oder im Cafe um die Ecke sein. Aber auch dies bedeutet einen Kontrollverlust für meine direkten Vorgesetzten. Sie müssen sich mehr darauf fokussieren, ob meine Aufgabe in Time erledigt wird und nicht, ob ich die vorgeschrieben Zeit gearbeitet habe. Sie müssen damit leben, dass ich beginne, effektiv zu arbeiten und aufhöre, effizient zu sein.
Ich lebe schon längst nach diesem Modell. Meinen Beruf gebe ich nicht einfach am Ausgang ab, ich recherchiere, forsche, schlicht arbeite auch, wenn ich zu hause am Rechner bin. Leider noch nicht so flexibel, wie ich es mir wünschen würde aber ich bin da zuversichtlich. Oder um es mit Markus Albers zu sagen: „Morgen komm ich später rein“, diesen Satz hoffe ich, in Zukunft wirklich mal auch bei mir im Büro sagen zu können 😉

Alles in allem ein paar gute Punkte, ich zweifle jedoch, ob alle so einfach umsetzbar sind und daher wirklich in 9-17 Uhr Unternehmen ankommen werden. Denn bei all diesen Punkten muss eins am Anfang stehen. Ein Umdenken im Umgang mit den Mitarbeitern, ein Umdenken im Umfang des Kontrollwahns und das Bewusstsein, dass man auch in der Arbeitswelt loslassen muss, um wirklich gutes zu leisten. Der Flow ist auch für den Angestellten ein Gewinn. Wenn er zugelassen wird.

Letztlich trifft es das Bild, das Albers in seinem Buch „Meconomy“ zeichnet doch meiner Ansicht sehr gut. Auch wenn ich Angestellter bin, werde ich in Zukunft immer mehr wie ein Freiberufler arbeiten, mit flexibleren Arbeitsorten und Zeiten, mit neuen Arbeitsmodellen und ggf. auch mit anderen Denkmustern, was die Trennung von Privat und Beruf angeht. Ob wir das wollen, kann ich nicht sagen, ich will es, wenn es von beiden Seiten gelebt wird. Denn für mich stellt all dies einen klaren Schritt hin zu einer erfüllenderen, und auch zu einer familienfreundlicheren Arbeitswelt dar. Wenn auch ich als Arbeitnehmer mehr Verantwortung übernehme. Auch und gerade beim Planen von Auszeiten, bei Quality Time und beim beachten meiner „Work Life Balance“.

Update: Auch Stefan Pfeiffer bespricht in seinem Blog die Studie von Gartner und zeigt, dass in innovativen Unternehmen wie der IBM vieles davon schon längst gelebt wird.

Warum die Arbeitsmarktdiskussion am Problem vorbei geht

Toll, die einen fordern „Begrüssungsgeld“ für Einwanderer, die anderen, dass erst auf das „heimische Potential zurückgegriffen wird“. Für mich gehen beide Diskussionen an der Realität vorbei. Wir leben längst in einer Wissensgesellschaft, wir sollten längst über andere Arbeitsmodelle nachdenken. Und wir müssen zwingend die Bildung, nicht die Ausbildung wieder in den Vordergrund stellen. Wer nur für den Arbeitsmarkt ausbildet, erzeugt Fachidioten mit Tunnelblick, die so lange gefragt sind, so lange ihr Spezialistenwissen gefragt ist. Was aber, wenn sich die Technik, die Aufgabe ändert, wenn sie gar abgelöst wird. Dann haben es solche ausgebildeten Arbeitskräfte sehr schwer, da für sie eine neue Ausbildung quasi einen Beginn bei Null bedeutet. Schliesslich haben sie kaum über den Tellerrand hinausgeblickt. Insofern begrüsse ich sehr den Entschluss führender deutscher Universitäten, wieder zum Diplom, dem nach meinem Eindruck breiter gefassten und mehr an Bildungszielen orientierten Abschluss zurückzukehren, statt den verschulten Arbeitsmarktbachelor anzubieten. Beim Diplom werden die Einser Kandidaten aus den Gymnasien zwar wieder rudern müssen, weil ihnen nicht bis in die letzte Buchbesprechung gesagt wird, was sie lernen sollen, aber es wird wieder ein breiteres, flexibleres Wissen angeboten.

Gute Bildung BRAUCHT Zeit und in einer alternden Gesellschaft, in der man auch im „höheren“ Alter durchaus noch als Wissensarbeiter voll leistungsfähig sein kann, ist eine Diskussion um 1 Jahr früher oder später auf dem Arbeitsmarkt geradezu lächerlich.
(Außerdem leben ja ganze Medienzweige von ihren Praktikanten 😉

Wir sollten von einigen überkommenen Denkmodellen wegkommen, wir mussen uns wieder verstärkt um Bildung, statt nur um Ausbildung kümmern (wenn auch für den einfach denkenden Arbeitgeber der stille, brave, nicht querdenkende Arbeitnehmer die bessere Humanressource sein mag), in Zeiten des Wandels müssen wir alle flexibler agieren können, das gilt sowohl für die Arbeitszeit, als auch für die Art der Arbeit. So lange ich noch mit Begriffen wie überqualifiziert, oder 9-17 Uhr Bürojob um mich werfe, haben wir nix begriffen.
Meine Vision, Arbeit und Privat werden im positiven immer mehr verschmelzen, ich biete mich mit meinen Talenten, auch denen, die ich mir später selbst angeeignet habe meinen Auftraggebern an, auch wenn ich festangestellt arbeite. Und Arbeit ist nicht mehr an Zeiten oder Arbeitsplätze gefesselt, sondern orientiert sich an dem zu ereichenden Ziel. Wir arbeiten schon heute in Teams, die ein gemeinsames Ziel erreichen müssen. Und dieser Trend wird sich noch verschärfen, wenn er letztlich auch globalisiert wird. Spätestens dann wird es zwingend nötig, überkommene Arbeitsmodelle neu zu denken. Ich habe eine ehemalige Studienkollegin, die bei Microsoft in Seattle im mittleren Management arbeitet. Als ich sie gefragt habe, wie ihr Arbeitszeitmodell aussieht, war ihre lakonische Antwort. Die Firma ist immer offen. Und das ist ja klar, wenn ich international arbeite. Die Welt schläft nie.
Was wichtig wird ist immer mehr. Ich muss Herr über meine Zeiteinteilung werden. Und ich muss auch bereit sein, die Verantwortung für ein Nein zu übernehmen oder aktiv offline sein. Es ist ein Geben und Nehmen. Auf beiden Seiten.
Kurzupdate: Es scheinen noch andere zu merken, dass wir hier Spiegelfechtereien beobachten. „Arbeitsmarktexperte Gerhard Bosch im Interview mit tagesschau.de

Meine pers. Nachricht des Jahres: Das Diplom kommt zurück, Bye, bye Bachelor!

Die Welt schreibt: Technische Hochschulen kehren zurück zum Diplom! STRIIIIKE! Ja! Endlich! Warum um alles in der Welt hat man überhaupt einen weltweit hoch geachteten Abschluss wie das deutsche Diplom gegen einen nichtsagenden, nur halbherzig umgesetzten und völlig verschulten Bachelor geopfert? Warum hat man aus Hochschulen, die wissenschaftliches Arbeiten lehren sollten, Lehranstalten gemacht, die die Schule nur mit anderen Mitteln fortgesetzt haben? Für mich war das wichtigste, das ich während meines NICHT Bachelor Studiums gelernt habe, selbst zu denken, selbst zu recherchieren, einfach eigenständig wissenschaftlich und professionell zu arbeiten. Wissenschaftliches Arbeiten bedingt auch Freiräume, bedingt, die Zeit zu haben, sich auch inhaltlich zu orientieren.
Danke all jenen, die diese Entscheidung tragen. Ich finde, ein sehr richtiger und wichtiger Schritt. Und ich bin begeistert. Das ist für mich die Nachricht des Jahres. Und ich hoffe, sie zieht weitere Konsequenzen nach sich. Ich halte gerade die umgekehrte Strategie für richtig. Warum muss sich die international anerkannte deutsche Wissenschaftslandschaft eigentlich dauernd internationalen Standards anpassen? Machen wir denn so viele so schlecht? Dagegen spricht das Ansehen der deutschen Forscher. Es wäre vielmehr zu wünschen, daß endlich wieder mehr Wissenschaft gefördert wird, mehr Grundlagenforschung anstelle von Pseudoexperten und Pseudowissenschaften. Wer immer noch richtig findet, dass unwirksame Alternativmedizin von meinen Kassenbeiträgen bezahlt wird, aber nicht bereit ist, in fundierte Grundlagenforschung mehr Geld zu stecken, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die besten (Wissenschaftler-) Köpfe ins Ausland abwandern.
Wir werden immer mehr zu einer Wissensgesellschaft. Das wird unser Wirtschaftsgut des 21 Jahrunderts. Wer das nicht begreift, lässt sich international abhängen. Und das wäre das letzte, was wir jetzt brauchen können.