Wenn Werbung für dumm verkauft. Ein Rant aus aktuellem Anlass.

Manchmal  scheint es mir, die Unternehmen leben in einer alternativen Realität. Jüngstes Beispiel Warsteiner (Dank an Henrik Greger für den Tipp) , die in ihrer Kampagne ein IPhone 5 verlosen, dumm nur, dass auf dem Bild kein IPhone sondern offensichtlich ein Android Gerät zu sehen ist.
Ihr haltet mich für pingelig?
Nicht ganz, denn das ist doch symptomatisch für eine Industrie, die uns immer noch mit plumper Werbung veräppeln will. Die uns vorgaukeln will, wenn wir nur genug Bier saufen würden, würden wir die Natur retten, die uns irgendwelche mit probiotischen (der Begriff liegt nicht umsonst sehr nah an idiotisch) Kulturen angereicherten Drinks andrehen will, die angeblich uns alle schneller, schöner, fitter machen.

Ganz frech wirds aber, wenn Kinder irgendwelche merkwürdigen Zuckerkuchen essen, die angeblich sogar in Milch schwimmen oder die ideale Zwischenmahlzeit sind. Süßigkeiten als Zwischenmahlzeit? Gehts noch?
Sacht mal ihr Agenturfuzzis? Haltet ihr uns eigentlich für völlig blöd? (Den letzten Satz bitte im Tonfall von Gernot Hassknecht schreien). Wir wissen doch wirklich alle, na ja, anscheinend außer euch, dass Werbung per Definitionem zumindest die Wahrheit stark verbiegt, um nicht von Lügen zu sprechen.

Ich seh schon, wie über dieses Plakat entschieden wurde. Mist, da darf kein IPhone drauf, weil Apple das nicht erlaubt… Ach komm, die blöden Kunden merken das doch eh nicht, wenn wir nur etwas von unserer Plörre drauf abbilden, sabbern die doch schon beim Anblick von Bier.

Nein, tut mir leid, solche unbedachten Marketingaktionen sorgen bei mir eher dafür, dass ich das Produkt ablehne und auch anderen davon abrate. (Ok, ich trinke tendenziell eher Rotwein, aber das ist eine andere Thematik).

Wir leben in den Zeiten von Social Media. Da kann auch derjenige, der nicht so genau Bescheid weiß, sehr schnell darauf gestossen werden, dass ein Unternehmen in gerade verarschen will.

Aber eines scheinen die meisten Unternehmen immer noch zu vergessen. In Zeiten von Social Media fällt so was auf.

Oh, und übrigens hat man angeblich ein anderes Telefon genommen, weil Apple Gewinnspiele mit dem IPhone nicht zulässt. Warum hat man dann nicht GLEICH ein anderes Smartphone verlost, zumal es mittlerweile diverse viel begehrtere Geräte als gerade das arrogante Ei aus Cupertino gibt. Dann hätte man sich diese Peinlichkeit mit dem falschen Bild auch erspart.

Und damit ich hier nicht nur rante: Wenn die Produkte, die ihr bewerben sollt, tatsächlich so gut sind, dass ich gar nicht anders kann, als sie zu kaufen. Wie wäre es denn dann mal mit der WAHRHEIT? Denn wenn ihr die nicht verwenden könnt……. aehem.. warum soll ich das Zeug denn dann überhaupt kaufen, wenn man es nur mit Lügen an den Mann oder die Frau bringt?

Bevor ihr das mit dem Internet macht, erst mal Bürokratie nicht mehr machen

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Die Fußmatte für Bürokraten:

Social Media ist ein schnelllebiges Thema. Das hat auch Sascha Lobo in seiner Kolumne bei SPON dargelegt.

Und hier stößt oft der Wunsch nach Teilnahme und Teilhabe am Internet auf die harte Realität von Unternehmen. Denn wer für Aktivitäten im Netz erst lange Entscheidungsprozesse benötigt, der wird vermutlich erst dann mit einem Produkt an den Markt kommen, wenn der Trend bereits wieder vorbei und der „Rest“ des Netzes sich ganz anderen Themen zuwendet.

Das Netz ist spontan, selbstorganisierend und oft nicht so vorhersehbar, wie sich das die Planer und Tabellenzeichner wünschen.

Google zeigt es sehr schön mit seinen oft vielen parallelen Projekten, die dann auch mal wieder eingestampft werden. Es geht im Netz oft auch um Versuch, Irrtum, Aufstehen und Weitermachen.
Das ist aber Teil einer Fehlerkultur, die uns Deutschen in weiten Bereichen noch abgeht. Da sind wir offensichtlich viel zu stark der korrekte Ingenieur.

Hier gilt es, mehr Kreativität zu wagen und dazu gehört auch, Fehler zuzulassen. Denn niemand wird deshalb mehr Fehler machen, nur weil er dafür nicht abgestraft wird. Im Gegenteil, wer weiß, dass auch mal was schiefgehen darf, wird viel mutiger an neue Konzepte herangehen und viel innovativer operieren, als derjenige, der sich permanent vor jedem und allem rechtfertigen und nach allen Seiten absichern muss.

Daher: Bevor wirklich über eine aktive und ernst zu nehmende Teilhabe gerade auch an Social Media nachgedacht werden kann gilt es, die bisherigen Prozesse zu hinterfragen und kurze Wege, schnelle Entscheidungen zu ermöglichen. Sonst scheitert die beste Social Media Strategie, noch bevor sie wirklich begonnen hat.

Tolino gegen Kindle, der neue gegen den Platzhirsch

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Der Tolino Shine. Seine Vorteile, offene Formate und die Telekom Cloud als virtueller Buchspeicher.

Es kommt Bewegung in die EBook Reader Szene. Nachdem die Verlage meiner Ansicht nach viel zu lange nur über Amazon und dessen Vertriebsmodell mit Kindle und einem proprietären EBook Format geklagt hatten, haben jetzt verschiedene Buchversender, wie z.B. auch Weltbild, die ja schon lange eigene EBook Reader anbieten mit dem Tolino die Herausforderung endlich angenommen. Und einiges spricht dafür, dass der Tolino durchaus konkurrenzfähig sein könnte. Technologisch spielt er in einer ähnlichen Liga wie der Kindle paperwhite aber das ist es gar nicht, was das Gerät für mich interessant macht.
Da ist zum einen das für mich schlagenste Argument. Ich kann verschiedene Formate auf das Gerät laden. So gehen epub, txt, pdf. Ich bin außerdem nicht an einen Händler gebunden und kann von diversen Anbietern eBooks auf das Gerät laden, ebenso von offenen Bibliotheken DRM freie Bücher. Im Gegensatz zum Kindle besitze ich also eine weitaus größere Wahlfreiheit.
Ein weiteres Argument, mit dem Tolino habe ich vergleichbar Amazons Whispersync über WLan oder auch und das ist neu über die Hotspots der Telekom kostenlosen Zugriff auf die Telekom Cloud, von der ich nicht nur meine Bücher herunterladen, sondern auch eigene hochladen kann. Damit präsentiert sich die Telekom quasi als Cloudstorage für Bücher. Ein interessantes Konzept allemal. Allerdings bleibt abzuwarten, inwieweit der Kunde überhaupt noch auf einen eInkReader anspringt. Mittlerweile scheint ein immer größerer Teil der EBooks auf Tablets gelesen zu werden, die sich als Universal-Entertainmentgeräte gerade einen großen Teil des Ebook Markts zu holen scheinen.

Möglicherweise müssen hier die entsprechenden Händler schnell nachlegen, so denkt man, aber auch dieser Trend ist durch entsprechende Leseapps für Android und iOS abgedeckt. Also auch hier weit mehr Offenheit als beim Kindle.
Vielleicht ist es jetzt gar nicht so wichtig, welches Gerät im Angebot ist. Vielmehr muss der Fokus darauf liegen, ein umfassendes Ebook Programm bereitzustellen und auch bei Verwaltung und Ablage in der Cloud den vergleichbaren einfachen Service zu bieten, wie dies Amazon schon tut.

Dann hat der deutsche Buchhandel durchaus eine Chance, sich als empfehlenswerte Konkurrenz zu Amazon zu etablieren. Zumindest im EBook Bereich. Und zwei Aspekte sollten hierbei im Vordergrund stehen. Die Wahlfreiheit was Formate und Händler angeht und das Angebot. Hier muss ein breitgefächertes Angebot an Büchern verfügbar sein. ALLE Neuerscheinungen und möglichst viel aus dem aktuellen Programm. Nur bei einer großen Abdeckung ist das Gerät konkurrenzfähig. Denn Preis und Leistung, so erste Testberichte, stimmen.

Social Media und Marketing. Es muss anders werden.

Marketing in sozialen Netzwerken lohnt nicht, so vermeldet CIO über den Eindruck den der Handel vom Marketing Engagement in sozialen Netzwerken hat.

Und ja, wenn damit das übliche Top-Down Marketing gemeint ist, das vorstellen der eigenen Produkte und Dienste als „Alleine glücklich machend, das beste vom besten, unschlagbar etc.“ dann ja. Das wollen viele schon im Fernsehen nicht mehr hören und in den sozialen Medien, die ja auch eine Plattform für privaten Austausch sind erst recht nicht.

Es bedarf hier einer komplett anderen Denke. Einer Kommunikation auf Augenhöhe. Erst, wenn ich nicht mehr Produkte vermarkte, sondern Bedürfnisse meiner Kunden befriedigen möchte, ihnen helfen möchte jenseits von Waren und Umsatz, dann fühlen sich Kunden im Netz auch ernst genommen. Weil sie dann nicht mehr als Kunden sondern als Menschen behandelt werden. Der große Irrtum vieler ist, dass sie Social Media nur als Verlängerung der „normalen Marketing Maßnahmen“ sehen.

Als einen weiteren zu bespielenden Kanal und dabei vergessen, dass es dort auch ums zuhören geht. Nur wer auf Augenhöhe kommuniziert, wird dort auch ernst genommen. Und dazu gehört es auch, Fehler zuzugeben, Hilfe ohne direkten dahinterliegenden Lead zu bieten, einfach auf den Menschen einzugehen. Dann werden Kunden zu Menschen und Menschen zu Markenbotschaftern.

Wer aber klassische Werbung raushaut, ja der investiert besser woanders.

Amazon und der Skandal der Scheinheiligkeit

Hallo ihr da draußen, die ihr euch so herzlich über die ARD Doku zu den Zuständen bei Amazon aufregt.

Mal wieder runter kommen. Vor allem all jene, die jetzt zum Boykott von Amazon aufrufen. Wie wäre es dann damit, auch mal über einen Boykott der Post (miese Bedingungen bei Zulieferern), vieler Smartphone Hersteller (Stichwort Foxconn) oder auch bei Discountern (Preisdruck auf Produzenten) nachzudenken? Am besten wäre es ja, den Konsum ganz einzustellen. Damit ist dann zwar auch keinem einzigen Mitarbeiter geholfen, dem es dort dreckig geht, aber man hat halt für sich ein Zeichen gesetzt und sein Gewissen beruhigt. Und mal ganz ehrlich. Ich bin mir sicher, auch wenn alle, die in den sozialen Medien jetzt „Boykott“ brüllen, nicht mehr bei Amazon einkaufen würden, spürbar wäre das für einen global agierenden Konzern wie Amazon kaum.

Für mich sind Boykotts so ähnlich wie die von der Leyenschen Stoppschilder. Ich kauf da nicht mehr also passiert da auch nix mehr, weil jetzt ja deren Umsatz zusammenbricht.

Just my two cents.

Und ich werde weiterhin bei Amazon bestellen, aber auch weiterhin ein Auge drauf haben, wie sich deren Bedingungen entwickeln. Denn das ist etwas, das wir Blogger tun können, um etwas zu bewegen. Den Finger länger auf der Wunde halten, als es die öffentlich rechtlichen unter dem Druck der Quote tun. Denn bei einem könnt ihr sicher sein. In einem Monat ist das Thema allerspätestens aus den Medien verschwunden.

 

Community Management like a boss: Wie die deutsche Bahn eine Beziehung rettet

Das verdient allergrößtes Lob: Eine Kundin beschwerte sich auf durchaus literarisch wertvolle Weise über das Ende ihrer „langjährigen Beziehung zur Deutschen Bahn“.
So weit so interessant. Wie dann aber die Deutsche Bahn darauf antwortet, das zeugt von höchstem Verständnis für die Kommunikationsanforderungen in Social Media.

Die Kundin:

dbbahn1

 

Die Bahn:

Bahn2
Hier hört das ganze natürlich nicht auf, sondern es entspinnt sich ein Gespräch „auf Augenhöhe“ das ich in dieser Qualität selten erlebe. Als jemand, der auch beruflich im Bereich Social Media aktiv ist meine tiefste Verbeugung vor diesesm Kommunikationsmeisterstück: Der gesamte Dialog.

Roli, der Premierenroboter. Ein Crowdfunding Projekt der anderen Art

Wer möchte nicht mal bei einer Filmpremiere hautnah dabei sein. Nun, hier denkt wohl die Plattform flimmer.de über eine etwas andere Lösung nach, nämlich einen Roboter, der alle großen Premieren begleiten und via Livestream ins Netz übertragen soll.
Eine interessante Idee, zumal man sonst ja meist nur einen groben Zusammenschnitt der Premiere bekommt, hier könnte man tatsächlich live dabei sein.
Wer das unkonventionelle Projekt unterstützen will, kann auf startnext.de einen Beitrag seiner Wahl leisten.


Konsum für einen guten Zweck: Fraisr

Es gibt sie noch, die neuen Ideen. Wenn man sich erst mal damit abgefunden hat, dass gänzlicher Konsumverzicht mehr Träumerei als realistisches Konzept ist, sucht man nach Wegen, gerade damit dennoch etwas gutes zu tun.

Und hier startet die Idee von fraisr. Auf Fraisr (Ein Kunstwort aus Friends und Fundraising)  werden Produkte angeboten, bei denen ein vom Verkäufer selbst festgelegter Anteil an eine ehrenamtliche Organisation/einen guten Zweck geht. Damit lässt sich etwas verkaufen und etwas gutes tun. Wie ich finde, kein schlechtes Konzept und es scheint schon einige Nutzer zu geben, die der gleichen Meinung sind.