Warum Kontrolle krank macht und unsere Kultur eine (noch?) kranke ist

Kontrolle statt Vertrauen: Schlechte Führung macht Mitarbeiter krank. So zu lesen in der Computerwoche. Aber ist das wirklich eine neue Erkenntnis? Schon Gunter Dueck wies in seinen Büchern über „Lean Brain Management“ und „E-Man“ darauf hin.
Sobald ich Menschen ob ihrer Leistung überwache tun sie genau, was von ihnen verlangt wird. Aber auch nicht mehr, da sie ja nicht einschätzen können, ob das gewollt ist. Und in Berufen, die von Kreativität und Innovation leben, speziell auch in der IT ist solch eine Kontrolle tödlich für die Motivation der Mitarbeiter. Sobald ich keine Freiheitsgrade mehr habe, werde ich unkreativ, da ich mehr damit befasst bin, mich entweder den Kontrollen zu entziehen oder sie bis aufs letzte BIT einzuhalten. Das zielt in die Richtung, die ich schon seit längerem vorhersage, dass in ganzen Berufsgruppen das Arbeiten nach einem festen Zeitschema für das auch bezahlt wird eine Ende haben wird. Es wird abgelöst durch eine zielorientierte Bezahlung, bei der die auf das Ergebnis verwendete Zeit irrelevant wird. Und ich halte dieses Vorgehen für gerechter. Schon deshalb, weil dann nicht mehr die Geschwindigkeit oder die „Auslastung“ der Ressource Mensch zählt, sondern das erzielte Ergebnis: Oder wie Gunter Dueck es formulierte. „Irgendwann hat man in der Autoindustrie aufgehört, dafür zu sorgen, dass die Maschinen ausgelastet waren und sich darum gekümmert, dass hinten auch gute Autos rauskommen.“

Neue Techniken, dafür fehlt mir die Zeit! Oder etwa doch das Interesse?

Immer wieder höre ich diesen Satz. Woher nimmst du nur all die Zeit, dich mit all den neuen „Spielereien“ (AAARGG) zu befassen, die hab ich garnicht. Lasst uns das mal analysieren. Ich verfolge ja immer die Gespräche in Kantine, im Büro und in der Freizeit. Erstaunlich ist oft, wofür Menschen dann doch Freizeit haben. Z.B. für den jahrelangen Umbau eines Hauses. Oder für die Hege und Pflege des eigenen Autos, Gartens, Hobbies. Viele erzählen mir auch stolz, wie oft sie schon wieder abends in einer Kneipe oder Disco waren. Und meist erfahre ich unter der Woche ausführlichst, was abends so alles im Fernsehen lief.
Ich will niemandem diese Aktivitäten verleiden. Ich gönne sie jedem. Aber manchmal sollte einem die Freizeit auch etwas Weiterbildung wehrt sein. Und es macht ja auch Spass. Aber ich lese halt lieber die ZEIT als Bild, oder Spektrum der Wissenschaft als Stern. Man muss auswählen und die Auswahl entscheidet darüber, worüber man informiert ist. Ich bin abends lieber online und recherchiere oder tausche mich mit andern aus, als fernzusehen. Ich befasse mich lieber mit Astronomie oder Wetterkunde, als mit den PS des neuesten Trendautos oder mit Fussball. Sorry, dass ich nicht ins Schema passe. Aber erzählt mir nicht mehr, ihr hättet keine Zeit für Technik. Ihr habt schlichtweg kein Interesse.

UPDATE: Manch eine Koinzidenz finde ich doch ausgeprochen interessant. Im aktuellen Daily Dueck Nr 117 behandelt Gunter Dueck eine ähnliche Fragestellung. Unbedingt lesenswert und findet meine vollste Zustimmung, obwohl ich da etwas pessimistischer bin als der Autor

Die Rückkehr des Information-Brokers?

Wissen ist Macht. Diese Erkenntnis ist schon sehr alt (genau genommen knapp 500 Jahre, ursprünglich geprägt durch den englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626)).
Und in Zeiten von Social Media, Multikanalinformationen, Blogs, Wikis und Online Streaming ist nicht mehr nur Wissen Macht, sondern auch das richtige, das sinnvoll gefilterte Wissen.
Als technophiler Mensch, der ich nun mal sehr zum leidwesen mancher Technophobiker in meinem Umfeld, muss ich ja nicht mehr erwähnen, dass ich nicht den ganzen Tag online bin, wohl aber meine Computer sehr oft. Sie suchen für mich Informationen aus Streams, Tweets, Blogs und fassen zusammen, sortieren, strukturieren. Gute Tools die ich dafür habe sind unter anderem TwitterTim.es, Feedly in Kombination mit Google Reader, Newsmap, Tabbloid (letzteres lass ich mir jeweils einmal am Tag generieren und lasse es automatisch auf meinen eBookReader als PDF aktualisieren, das ist wirklich eine Tageszeitung, die aus Quellen wie ZEIT, Spiegel, Sueddeutsche und einigen Technikmagazinen beliefert wird) . Damit erzeuge ich mir quasi allmorgendlich meine ganz spezielle, sehr eigene Tageszeitung.

Aber was mache ich, wenn ich nicht technikaffin bin. Wenn ich die vielen Filter und Tools nicht kenne.
Ich sehe die Chance einer Wiederbelebung des schon in den neunzigern propagierten Information Brokers, also eines Menschen, der für die Filterung, Strukturierung, Aufbereitung von Informationen zu relevanten Themen bezahlt wird. Denn wir haben immer mehr Kanäle zur Verfügung, die auch durch immer mehr Alltagsmüll geflutet werden (insofern gebe ich dir recht Heiko 😉 aber wir werden auch immer mehr Informationen direkt aus dem Medium Internet beziehen, denn dort sind die Quellen weiter gestreut, dort ist auch der Vergleich einfacher und es gibt die Chance eines Crowdsourcing. Wie ich schon in meinem Blogbeitrag „Das Ende der Experten“ geschildert habe, sehe ich ein Ende des Hoheitswissens kommen. Es wird viele Quellen geben, die ihren Informationsanteil dazu beitragen, und die Bewertung, Sortierung und Filterung geschieht immer mehr durch das Netz.

Und hier kann auch der Informationbroker neu belebt werden. Als Kontrollinstanz, als Online Redakteur für Unternehmen, Abteilungen, die Politik und die Wirtschaft. Spezifisch mit einer Fragestellung beauftragt wird er alle Kanäle nutzen, um dezidierte Exposes für bestimmte Fragestellungen aufzubereiten. Ob er Informationbroker heissen wird? Ich weiss es nicht, aber er wird wiederkommen. Schon heute kenne ich in vielen Unternehmen Persönlichkeiten, die sich aktiver als andere mit dem Filtern von Informationen und der Aufbereitung befassen. Bislang quasi noch für sich und ihr Team, aber dies könnte ein Talent werden, das in Zukunft von viel mehr Menschen gebraucht wird.

Und wieder ein unbedingt ansehenswerter TED Vortrag: Michael Shermer about The pattern behind self-deception

Dieser Film ist wieder mal eine wunderbare Mischung aus Ironie, purem Unverständnis für die Dummheit mancher auch hochrangiger Menschen und dem Wunsch, Pseudowissenschaft durch Wissenschaft zu ersetzen:

Das Ansehen lohnt sich in jedem Fall und wer mehr wissen will, dem kann ich auf jeden Fall die GWUP und deren deutsche Ausgabe des Skeptikers ans Herz legen. Extrem gut recherchiert und spannend zu lesen.

Willkommen zu hause Hayabusa! Was für eine flammende Heimkehr!

Die Raumsonde Hayabusa ist heute mit Material eines Asteroiden „nach hause“ gekommen und das nach siebenjähriger Mission. Planmässig verglühte sie in der Atmosphäre über der australischen Wüste, nach dem sie die Proben des Asteroiden abgeworfen hatte. Gratulation zu dieser gelungenen Mission, die zwar länger dauerte als geplant und zum Schluss nur noch mit einem von vier Triebwerken durchgeführt wurde, aber letztlich die Proben sicher nach hause brachte. Jetzt sind wir gespannt, was die Analyse der Proben ergibt.

Im Scienceblog „Astrodictium Simplex“ werden die Hintergründe der Mission noch etwas genauer beleuchtet.
Ein wahres Highlight für jeden Wissenschaftsinteressierten.. Hier die Aufnahmen der NASA vom Wiedereintritt der Sonde.

Hurra, wir Twitterer verblöden nicht, im Gegenteil

Carta vermeldet heute: Digitale Medientechnik macht schlau!
Und ich gehe sogar noch weiter, es benötigt eine gewisse Intelligenz, digitale Medientechnik für sich gekonnt zu nutzen. Schon das Fernsehen ist für den Durchschnittsbürger eher ein Ruhigstellinstrument, das meist mit seichten bis dummen Talkshows und merkwürdigen Castingsshows bedient. Wer aber genauer hinsieht, findet spannende Wissenschaft (Quarks&Co) sehr gute Talkshows (Scobel) und Dokumentationen (National Geographic). Und das gleiche Phänomen gilt auch für das (soziale) Web. Ich kann nur die „dummen Seiten“ ansurfen, und mich zum Hundersten Mal über den nächsten XY Sportwagen oder die Fussballergebnisse vom Wochenende auslassen, oder ich bilde mich, folge der Arbeit der Nasa (NASA TV), höre spannende Blogs (CCzwei, SWR2 Aula, SWR2 Impulse) und recherchiere, forsche und engagiere mich im Netz. Es ist nicht das Netz, das verdummt, es sind die Menschen, die schon dumm ins Netz einsteigen und dann auch nur dummes herausbekommen.
Ich lese z.B. seit ich die Möglichkeit dazu habe, ausser der ZEIT nur noch auszugsweise Tageszeitungen, dafür aber mehrere um mir ein objektiveres Bild zu machen. Wenn ich etwas kaufe, informiere ich mich zuvor um auch gut beraten zu werden und gerade was klassische Literatur angeht, habe ich so manche Perle im Netz gefunden, die jetzt stehts auf meinem EBook Reader dabei ist (The complete Shakespeare, alle Sherlock Holmes Romane, Immanuel Kant und Nietzsche, das Gesamtwerk, Goethes Faust I und II und vieles mehr)

Die Frage: „Oh, hast du ein neues Spielzeug“ ist nicht witzig, sondern dumm.

Denn wer sie mir stellt, zeigt mir mehreres. Zum einen, er hat sich nicht informiert, denn ein Spielzeug ist etwas, das nur zum Spass genutzt wird, und obwohl ich sicher mehr Gadget als der Durchschnittsmichel habe, besitze ich nur Geräte, die mir auch aktiv helfen, die ich wirklich verwende. Zum anderen, er ist intolerant, denn meist muss ich deren Fussbalgefasele, Gespräche über deren eigene, meist stümperhafte Handwerkerversuche ertragen und beschwere mich darüber keineswegs, zum anderen akzeptieren diese Menschen offensichtlich nicht , das es Personen gibt, die Technik nicht nur beherrschen, sondern auch positiv nutzen können.
Und sie sind oft einfach dumm. Da sie weder darüber nachdenken, dass ihre Ignoranz jemanden verletzen könnte, zum anderen, weil sie mir damit vor Augen führen, wie uninformiert und technophob sie sind.
Lieber suchen sie stundenlang den Weg zu einem unbekannten Ort, als sich von einem Navi helfen zu lassen. Das extremste, was ich vor kurzem erlebt hatte: Ein Mitarbeiter einer IT Technik Abteilung, der mir während der Reparatur eines PCs erklärte, er möge dieses ganze neumodische Zeug gar nicht, zu Hause brauche er das alles nicht. Gut, mag ja sein, aber was machst du dann in deinem Beruf. Aber da ich nicht auf dieselbe Art bashen will, hab ich nix gesagt. Ist nur bedenklich, dass so jemand als „Experte für IT“ gilt…

Radio 2.0 ByteFM, Quu.fm und Co. und die Kulturflatrate

Wer kennt „ByteFM„? Oder „Quu.fm„? Daran unterscheide ich im Moment auch, wie webaffin meine Gesprächspartner sind. Denn dank Internet Radio und Standalone Geräten, die über WLan diese Radiosender empfangen können, höhre ich, was ich mag und stelle mir dank Diensten wie blip.fm oder aupeo mein eigenes Musikprogramm zusammen.
Das heisst nicht, dass ich weniger Radio höre oder nur noch bestimmte Musik, sondern vielmehr, dass ich dank eigenständiger Redaktionen und Moderatoren, die das präsentieren, was ihnen gefällt und nicht ungedingt der Masse ich ein Programm erhalte, das gleichzeitig interessant und neu ist.
Und dank Internet kann ich weltweit nach guter Musik suchen, kann auch mal einen amerikanischen, indischen, australischen Regionalsender hören, wenn dort gute Musik läuft. Insofern finde ich die neue „Kulturflatrate“, die von unseren Politikern nur noch auf dem Papier „Rundfunkgebühr“ genannt wird, ganz in Ordnung. Ich nutze Medien mittlerweile zu über 60 Prozent im Internet.
Die verschiedenen Medienströme werden sich in Zukunft noch mehr auf den Multimedia Devices vermischen. In Zukunft kann ich auf dem Fernseher die Internet Links, die eingeblendet werden, direkt ank