Der schwarze Hund an der langen Leine

Was viele wohl annehmen ist, dass die lange Zeit in den Kliniken mich vom schwarzen Hund Depression geheilt hat. Dem ist aber nicht so. Wenn es nur so einfach wäre, aber leider ist die Sace kompliziert.

Ich hab meinen schwarzen Hund in gewissen Grenzen abgerichtet. Ich rutsche nicht mehr so tief ab und auch die Ängste habe ich unter Kontrolle. Funktionieren im Alltag das klappt jetzt ganz gut.

Aber die Krankheit ist zumindest in meinem Fall nach wie vor ein Teil von mir. Und es gibt eben auch schlechte Tage. Nicht so schwarz wie früher. Aber die Familie merkt es mittlerweile sehr schnell, wenn ich wieder Besuch vom schwarzen Hund bekommen habe.

Zumindest für mich gilt. Ich habe in den Kliniken gelernt, meinen Hund abzurichten. Verscheuchen ist dann wohl eher ein sehr langfristiges Projekt. Und die Panikattacke, die bislang stets sofort ansprang, die steigert sich jetzt so langsam, dass ich mit meinen speziellen Tricks (schwarf, schmerzhaft, meiden) das Ganze rechtzeitig in den Griff bekomme.

Nur was ich noch gar nicht los habe ist die Wut auf diejenigen, die mich so lange getriggert haben, bis die Sache eskalierte. Die aus einer scheinbaren Expertenrolle Fehldiagnosen stellten oder mich so falsch beurteilten, dass ich das Gefühl hatte, man spräche über einen anderen Menschen.

Verzeihen mag ich früher oder später allen, vergessen wäre bei diesen Charakteren zu gefährlich.

Natürlich rät man mir dazu. Aber ich habe auch einiges über die Verhaltensmuster solch toxischer Menschen gelernt. Und dass ihre Opfer vergeben und vergessen, ist oft deren Erwartungshaltung. Ich sehe das aber nicht ein, denn Vergessen hieße, die Gefährlichkeit dieser Menschen zu vergessen. Da warne ich lieber andere. Vor Fehlbeurteilugnen, Anwaltsbriefen und Mund Verbiet Briefen. Ja, das mit den Briefen. DAS werde ich niemals vergessen. DAS war so jenseits alle Vernunft, dass ich noch heute nur den Kopf über so viel Dreistigkeit schütteln kann.

Dann beginnt mein schwarzer Hund wütend zu werden. Und dann hab ich am ehesten eine Chance, in zu zähmen.

3 Gedanken zu „Der schwarze Hund an der langen Leine#8220;

  1. Guten Morgen Uwe,

    ja, auch meine Meinung. Vergessen und verzeihen ? Schwer. Und warum auch ? Die Verwundungen, die einem geschlagen worden sind…, sind die wiedergutzumachen ? Schwer. – Ich versuche mich auf die Menschen zu focussieren die mir gut tun. Natuerlich kann man nicht allen Menschen, die einem nicht guttun immer ausweichen; im Berufsleben zum Beispiel. Aber in anderen Bereichen kann ich mir meine Menschen, die bei mir und mit mir sind aussuchen !

    An dunklen Tagen denke ich dann immer, dass „die Anderen“ eh immer recht behalten, am laengeren Hebel sitzen. Davon zeugen die gemachten Erfahrungen in all den Lebensjahren und in der Vergangenheit.

    Und an den helleren Tagen, da ziehe ich noch heute aus den Ungerechtigkeiten und vernarbten Wunden doch immer wieder Energie wieder neu anzutreten, nicht aufzugeben, es „den Anderen“ zu zeigen. Auch wenn diese Menschen garnicht mehr in meinem Leben sind. Wut und Zorn kann man nutzen. Zum Weitermachen: So „I Won’t Back Down“ und Tom Petty-maessig, falls Du weisst was ich meine.

    Aufmuntertende Gruesse vom

    Namensvetter

    Uwe

  2. Hallo Frau Pelzer,
    das freut mich ungemein, wenn meine Text solch einen Effekt erzielen, denn genau das ist damit angedacht. Und dass Sie sich auch für mein Buch interessieren, freut mich doppelt. Sollten Sie Fragen haben, gerne jederzeit.

  3. Ich bin heute auf Ihre Seite gestossen und freue mich über den damit verbundenen, ersten, positiven Gedanken heut. Es tröstet und motiviert mich ein Stück mehr, auch aktiver mit meiner Depression umzugehen. Ich arbeite als Illustratorin und habe schon lange den Gedanken, etwas zu dem Thema zu machen..mich selbst so vielleicht ein Stück zu ‚heilen‘, in dem ich offener damit agiere. Ich werde den Blog hier in jedem Fall weiter verfolgen und definitiv auch ihr Buch lesen! Danke.

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