Dein Gedanke ist meine Realität

Wir leben im Autopilotmodus. Und die meiste Zeit ist er uns überhaupt nicht bewußt. Es gibt kleine, lichte Momente wie Brüche in der Zeit. Diese Momente fördern versteckte Wünsche, Träume, Ziele hervor. Aber leider tritt sehr schnell unser innerer Richter auf den Plan, erklärt uns die Unsinnigkeit unserer Fantasien, die Unmöglichkeit unserer Träume.

Ich rede hier nicht von den Dingen, die uns eine scheinbare Zufriedenheit bieten wie das neueste Smartphone, das SUV, das größer, schimmernder, glänzender ist als das des Nachbarn. Elementarere Träume sind es, nach Selbstverwirklichung, Freiheit, Unabhängigkeit, die wir alle in uns tragen, manche nahe an der Oberfläche unserer Seele, andere tief verborgen unter den Trümmern der bisherigen Existenz.

Und wir alle vergraben immer mehr unseres Wesens mit jedem Lebensjahr. Wir unterwerfen uns Menschen, die angeblich über uns stehen, das meist aber qua Definition anstelle Begabung. Wir folgen Vorschriften, Regeln, Vorgaben, die teilweise so dumm sind, dass wir bei ihrer Befolgung körperliche Schmerzen spüren.

Aber hier kommt die Überraschung. Den Käfig haben wir uns in sehr großen Teilen selbst geschaffen. Indem wir schon früh den falschen Richtern gefolgt sind, die falschen Werte unreflektiert für richtig hielten. Ja, man hat uns gesagt, das muss so sein, wir werden Vorgesetzte haben, Lebensregeln. Aber man hat uns belogen mit dem Eindruck, das müsse immer so sein. Unsere Gesellschaft, in manchem eine gute aber lange keine perfekte Gesellschaft basiert immer noch auf dem Oben/Unten Modell. Augenhöhe ist ein beliebtes Wort uns zu blenden, zu suggerieren, wir würden als Mensch auf gleicher Ebene behandelt.

Dabei lebt ein großer Teil unseres Wirtschaftsgefüges immer noch von der Unterwerfung der Masse. Wir werden mit Konsum, mit immer neuen falschen Träumen eingeschläfert, deren Erreichung uns keinen Deut glücklicher macht. Wir mögen uns materialistische Gefängnisse aus Besitztümern errichtet haben. Aber wie wir von Generationen von Philosophen gelernt haben. In Gedanken sind wir frei. Wenn wir uns vom Glauben der einen für alle geltenden Wahrheit lösen. Ich meine hier nicht Wahrheiten wie die Gleichberechtigung der Geschlechter, Toleranz oder fundiertes Wissen. Ich meine Wahrheiten, die uns den Lebensweg vorschreiben, die uns im Denken einschränken.

Wir lassen uns unsere Träume stehlen, unsere Menschlichkeit, unsere ureigene Seele. Dabei ist es eine jeden Tag aufs neue mögliche Entscheidung zwischen dem Autopiloten und dem Befolgen der eigenen Träume und Ziele. Denn mit uns ist es wie mit den Igeln. So lange wir anderen ihre Freiräume lassen, sie nicht bedrängen und mit unseren geistigen Stacheln verletzen, so lange hat jeder von uns die Wahl, was er denkt, was seine Werte sind, wem er erlaubt, das eigene Leben zu bestimmen.

Freiheit ist keine Möglichkeit, Freiheit ist ein Fakt, das jene uns ausgetrieben haben, die von unserer gedanklichen Unfreiheit, der Unterwerfung in Hierarchien ihre Lebenskraft ziehen.

Es wird Zeit, uns diese Kraft wiederzuholen, sie wiederzuentdecken.

Jeden

einzelnen

Tag.

 

Es gibt keine Grenzen.

Weder für Gedanken, noch für Gefühle.

Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.

Ingmar Bergman

5 Gedanken zu „Dein Gedanke ist meine Realität#8220;

  1. Hallo Uwe.Dein Buch hat mich total begeistert.Hab es zum Geburtstag von meiner Frau bekommen.Die Ähnlichkeit deiner und meiner Erlebnisse auf Station und bei der Wiedereingliederung sind schon verblüffend.Ich musste meiner Frau oft verschiedene Passagen vorlesen.Ich kenne meine Frau jetzt über 20 Jahre.Ihre Einstellung zu mir ist wie Sybilles zu dir.Ohne Ihr Vertrauen hätte ich es sehr sehr viel schwerer diese , ich sag mal so, extrem beschissene, belastende Zeit durchzustehen.Ich war auch 2016 über 4 Monate in der Klinik wegen schwerer Depressionen. War schon mal 1992 Stationär.Mir ging es viele Jahre psychisch gut. Wollte nie wieder Stationär rein.Letzten Endes bin ich dankbar für die Einweisung.Ich hätte es niemals allein geschafft mich wieder aus dem tiefen Tief herauszuholen.
    Habe nun schon drei gute Bücher über dieses Thema gelesen.Das vierte, deines,war besser. Auch mein Anliegen an alle Betroffenen:
    Es ist sehr schwer wenn Ihr extrem verzweifelt seid,
    ABER HOLT EUCH HIFE
    Die wenigsten schaffen es allein
    WIR HABEN NUR EIN LEBEN
    Bis bald Thomas

  2. Habe gerade das Buch zu Ende gelesen und bin nun auf den Blog gestoßen. Freu mich auf die interessanten Einträge eines ähnlich Gebeutelten. 🙂 Erkenne nämlich vieles wieder, Depression, Ängste, Hochsensibilität, ein echtes Projekt…

  3. Ich habe mich immer und von allem unterkriegen lassen. Von meinen Eltern, einigen meiner früheren Klassenkameraden, sämtlichen Arbeitgebern (obwohl ich beste Zeugnisse habe), meinem Ex-Mann. Depressionen sensibilisieren, aber auch eine Hochsensibilität spielt dabei eine Rolle. Irgendwann habe ich aufgegeben, nachdem ich oft versucht habe, zu rebellieren. Da ich aufgrund der Depressionen, Panikattacken und einer Rückengeschichte seit 2013 berentet bin, versuche ich mir das Leben so einzurichten, dass ich zurechtkomme. Möglichst das, was ich möchte und was ich kann und wenig von dem, was Pflicht ist und mich furchtbar aus der Reihe wirft. Dennoch habe ich mich fortgebildet im psychologischen Bereich und weiß, dass ich immer wieder schlechte Phasen habe und haben werde, aus denen ich aber auch wieder rauskomme. Ich lasse die Depriphasen Depriphasen sein und akzeptiere sie als das, was sie sind, sobald ich aber einen besseren Tag habe und sehe, dass es aufwärts geht, kann ich auch wieder aktiv sein. Der Druck ist weg. Das hilft viel. Mir fehlt noch ganz ganz viel an Selbstbewusstsein, aber ich habe das große Glück, seit 17 Jahren mit einem Mann zusammen zu sein, der mich in schlechten Phasen nicht drängt und keinen Druck auf mich ausübt, der mich nimmt und akzeptiert, wie ich bin, auch wenn es ihm in dieser Situation sicher nicht immer leicht fällt. Ich schreibe mein Leben auf. Seit Jahren. Ich kann es nicht immer. Aber somit reflektiere ich mich selbst und das, was von außen auf mich zukommt. Die Erlebnisse der Klinik von Uwe kann ich durch einmal 10 Wochen und einmal 8 Wochen Tagesklinik sehr gut nachvollziehen, auch, dass einem die Mitpatienten in den vielen Freizeitphasen wesentlichen mehr geben als die ganzen Therapien. Ich habe mit einigen Erlebnissen bereits Frieden geschlossen. Aber es steht noch viel offen. Ich wünsche Uwe und allen anderen Betroffenen, dass WIR es schaffen, aus dem Teufelskreis rauszukommen!!!

  4. Weise Worte, Uwe. Ich frage mich, was passieren wird, wenn immer mehr Menschen das erkennen und nicht mehr mitspielen. Ich selbst bin ja auch auf dem Pfad der Erkenntnis unterwegs… Eine der Fesseln ist m.E. unsere Gier: Wir müssen unbedingt noch dies und das anschaffen, um uns endlich wohlzufühlen. (Ich rede nicht mal von Glück.) Oft beobachte ich bei Babys oder meinem Kater, dass sie sich einfach so wohlfühlen in ihrer Haut. Sie brauchen fast nichts. Sie sind einfach. Auch auf meinen Reisen durch Asien und Afrika merke ich, wie wenig der Mensch eigentlich wirklicg braucht. Sich darauf zu besinnen, macht frei. Frei von dem Druck, immer mehr Geld heranschaffen und sich dafür unterwerfen zu müssen.

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