Alleine mit meinen Gedanken

Wenn ich beantworten müsste, wo die gefährlichsten Monster lauern, wo der schwarze Hund am lautesten bellt, wäre die korrekte Antwort: Stets, wenn ich alleine bin, in der Stille und der Unbeweglichkeit des Moments gefangen. Es kann ein einsamer Abend in irgendeinem Hotel in irgendeiner Stadt sein. Ein einsamer Nachmittag zuhause, wo um mich geschäftige Hektik herrscht aber meine Seele in sich selbst gefangen die Gedanken auf Rundreise durch das schwarze Loch meiner Depression schickt. Oft werde ich gefragt, wie sich das anfühlt, ob es mit irgendwas vergleichbar ist.

Dann wird es diffiziel, zu erklären, was ich empfinde, weil ich mir selbst darüber nicht im Klaren bin. Dann tauchen alte Gedanken auf, so alt, dass ich sie bereits in den Schubladen der ganze alten Schränke ganz hinten in meinem Gedächtnis verstaut gewähnt hatte. Oder die frischen Gedanken, ein Wirbel von Angst vor Zukunft, Abstieg, Abgrund.

Zu anderer Zeit ist es wiederum ein Wort, ein Satz, unbedacht ausgesprochen, unüberlegt von jemandem, der über mein Bestes und dessen Beschaffung Bescheid zu wissen glaubt. Dann wieder ein Bild, eine Szene, ein Geräusch, die die Kaskade schlechter Gedanken triggern können, die mich anch und nach in Richtung meines inneren Abgrunds schieben, die mir die Luft zum Atmen rauben, mich auf dem Trockenen ertrinken lassen. Diese Gedanken katapultieren mich aus Zeit und Raum, lassen mich gänzlich allein unter Menschen. Sie foltern mich mit Bildern scheinbar glückliicher Menschen, lachender Seelen, während ich an meiner eigenen Dunkelheit zu Grunde zu gehen drohe.

Dann bleibt mir oft nur der komplette Rückzug, um den einsamen Kampf gegen meinen Dämonen, die Hydra aus Angst und Depression aufzunehmen. Es gibt Menschen, die außerhalb der Schwärze warten, mein Sicherungsseil halten. Aber es ist so erschreckend dünn und die Bestie so mächtig.

8 Gedanken zu „Alleine mit meinen Gedanken#8220;

  1. Hallo und vielen Dank für das Feedback. Ich denke, genau dafür ist es auch gedacht, aber auch für Patienten und deren Angehörige.
    Freut mich, dass es mich jetzt auch in einer Mediathek gibt!
    Gruß
    Uwe Hauck

  2. Ich lese das Buch gerade und sehe mich selbst in so vielen Dingen.
    Ich arbeite in einer Mediathek und wir haben das Buch aufgenommen.Das sollten auch die lesen, für die Depression ein Fremdwort ist .

    Ich werde es unbedingt weiterempfehlen !!!!

  3. Und ihnen vielen Dank für ihr Feedback, das mich bestärkt, mit der Aufklärungsarbeit weiter zu machen.

    Gruß

    Uwe Hauck

  4. Lese gerade Ihr Buch und finde mich, meine bereits erfolgten Therapien, die Sprüche der Ärzte und Therapeuten, wieder. Eigentlich können nur die Betroffenen verstehen und nachempfinden wie es in einem zugeht, der unter rezi. Depri. leidet.
    Danke für Ihr Buch und die Stärke, die Sie damit zum Ausdruck bringen. Chapeau!

  5. Aus meiner Seele gesprochen…
    Ich lese gerade Ihr Buch und finde mich an so vielen Stellen in „Depressionen Abzugeben“ wieder.

  6. Isso! Nur können sich selbst Menschen, die einen gut kennen, nicht in einen hineinversetzen. Es ist mit nichts vergleichbar, was nicht-depressive Menschen kennen.

Kommentar verfassen