Der Effizienzwahnsinn: Durchschau das bloß nicht

Als ich in die Kliniken kam, hatte ich ja eigentlich die Hoffnung, wieder gesellschaftsfähig, wieder passend für die Realität zu werden. Was mir dann aber wiederfuhr war eher ein Erwachen und Erkennen des Alltagswahnsinns. Trump, der rechte Mob, immer mehr Druck und Existenzangst beim Durchschnittsbürger, die dann zur Wahl solch abstruser Parteien wie der AfD führen. Und auch im Beruf (nein, nicht in meinem, bitte nicht schon wieder falsche Schlüsse ziehen) erhöht sich der Druck, wie erst jüngst die Süddeutsche berichtete. Ich versuche jetzt, im Kleinen und Größeren gegenzuwirken. In dem ich meine Geschichte veröffentliche, und zwar von Anfang an. Indem ich an Schulen gehe und dort meine Geschichte erzähle, vermittle, dass nicht das Tun den Wert einen Menschen ausmacht, sondern schon alleine die Existenz. Was ich im Moment auch durch meine Kinder erlebe ist ein Schulsystem, das selbst unter dem unsäglichen Einfluß der Wirtschaft und den unnötigen Experimenten weltfremder Bildungspolitiker leidet.

Und auch in die Medien werde ich weiterhin gehen, auch wenn das dem einen oder anderen ein Dorn im Auge ist. Fürs neue Jahr haben bereits weitere Medien Interesse angemeldet. Ich will gegenwirken, aufklären, den Wahnsinn bloßstellen, der immer mehr Menschen krank macht. Ich bin nicht der Meinung mancher Experten, es gäbe nicht mehr Angststörungen und Depressionen. Mein Alltagserleben vermittelt mir ein anderes Bild. Die Zahl steigt, es fällt nur nicht so auf, weil zum Vertuschen aufgefordert wird, oder weil man sich gezwungen sieht, zu schweigen, um die eigene Existenz nicht zu gefährden.

Wir müssen nicht immer effizienter werden, wir müssen endlich wieder langsamer werden. Wir sind schon zu schnell und da ich nicht erwarte, dass die Wirtschaft in Gegenwart oder digitaler Roboterzukunft an den Menschen in einer anderen Rolle als dem blöden Konsumenten denkt, dem man jeden Dreck andrehen kann, muss der Konsument, der Mensch sich emanzipieren. Es gilt, wieder andere Prioritäten zu setzen und nicht denen zu glauben, die direkt oder indirekt von unserem Konsum abhängig sind und uns Produkte einreden, die kein Mensch braucht. Functional Food, Autos mit viel Gewicht und viel PS, Private Vorsorge, die von den Gebühren und der Steuer aufgefressen wird. Nein, da will man nicht unser Bestes oder Moment, eigentlich doch, unser Geld. Wenn man das hat ist der Konsument uninteressant.

Leistungsmessung, Beurteilung, das Einreden unnötiger Fitnessprodukte oder Gesundheitsmittelchen. Nichts, was wir brauchen, aber oft etwas, das den Druck direkt oder indirekt erhöht. Wir müssen wieder langsamer, einfacher, egoistischer denken. Sonst werden noch mehr Therapeuten und Ärzte gebraucht,die dann selbst nach wenigen Jahren wegen eines auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmten Gesundheitssystems am Boden sind. Der Irrsinn hat Methode. Weil an ihm die Businesskasper verdienen. Und Menschlichkeit ist eben keine gewinnbringende Komponente im Monopolyspiel der Wirtschaft.

Und nein, auch dieses Mal ist niemand von denen gemeint, die gemeint zu sein gerne meinen dürfen.

5 Gedanken zu „Der Effizienzwahnsinn: Durchschau das bloß nicht#8220;

  1. Danke, für mich ist es eine Herzenssache, weil mich einerseits der Effizienzwahn fast in den Abgrund gestürzt hat, aber als ich davon zurücktrat ergaben sich unglaublich tolle Chancen wie das Buch und Vorträge.

  2. Hey Uwe, mit deinem Eintrag Effizienzwahnsinn sprichst du mir aus der Seele. Findest die Worte, die mir nicht über die Lippen wollten, da ich das Gefühl hatte allein mit meinen Beobachtungen zu stehen. Fühlte mich als Rebell gegen die Masse zu stehen. Deine Worte tun so gut. Respekt zu deinem Mut mit diesem Wahnsinn aufzuräumen. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft auf deinem Weg. Alles Gute für dich und hey du bist nicht allein und ich bin sooo froh es auch nicht mehr zu sein. Danke dir für diesen tollen Beitrag. Ganz liebe Grüße Nicole

  3. Nach dem ich mich so langsam aus dem letzten Loch herausrappele – auch, weil ich mir jetzt erlaube auch mal tagsüber zu schlafen – und ich nicht mehr alles perfekt machen will, geht es mir besser. 5 ist auch eine schöne Zahl und wenn sie nicht gerade ist – was solls? Meine Kinder entsprechen nicht der Norm, da wollte ich wenigstens nicht auch noch als verrückt gelten. Als ich mich getraut habe, dazu zu stehen, geht es mir besser. Als ich gesehen habe, dass es auch andere Menschen mit Depressionen gibt und diese offen dazu stehen – du bist mir in der Beziehung ein Vorbild – geht es mir besser. Ich komme mir nicht mehr wie eine Exotin vor. Es ist kein Makel krankt zu sein…

    Herzliche Grüße in die Stadt mit dem wunderbarsten Marionettentheater

  4. Danke Torsten, das ist mir Bestätigung und Ansporn gleichermaßen. Zumal es schon einige recht große Knüppel zwischen die Beine gab, aber als das spornt noch mehr an und das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien gibt mir zusätzlich recht.

  5. Danke, Uwe, recht hast Du. Mach weiter so. Mit Deinem SoSein hast Du mich über dieses Jahr begleitet und manch eigene Krise wurde für mich erträglicher. Auch dafür herzlichen Dank. Alles Gute und Schöne für Dich und Deine Familie. Liebe Grüße Torsten

Kommentar verfassen