Ich bin Autor, und das ist gut so. Aber auch gefährlich

20151212_202748Spätestens seit dem ersten Verlagsvertrag mit Bastei Lübbe darf ich mich offiziell Autor nennen, zahle, wenn auch noch wehr wenig in die Künstler-Sozial Kasse und werde im Januar 2017 mit „Depression abzugeben“ mein erstes umfassendes Sachbuch über meine Erfahrungen in den psychiatrischen Kliniken nach meinem Suizidversuch. Über 420 Seiten. Beginnend mit dem Versuch und endend mit dem Wiedereingliederungsversuch. Und Band zwei ist bereits im Entstehen, weil die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.

Es ist anstrengend, Autor eines solchen Buches zu sein. Dinge nochmal erleben, die man längst vergraben hatte. Die eigene Geschichte möglichst ehrlich aufarbeiten und zum Teil Zusammenhänge entdecken, derer man sich so gar nicht bewußt war.  Man zieht sich literarisch aus, steht nackt da, offenbart all die Wunden und Schmerzen, die man erlitten hat, die img_20160930_122711Ungerechtigkeiten, die sich im Lauf der Jahre gesammelt haben. Und sie alle wurden durch die Angststörung und die Depression, die ich ja nie wahr haben wollte, noch potenziert, als jage man sie durch einen voll aufgedrehten Verstärker. Fatale Ereignisse, Schlüselerlebnisse die zu meiner exotischen spezifischen Phobie gegen jede Form von Gesprächen mit Vorgesetzten führte und die mich heute in einer dunklen Phase wieder tief in die Depression jagen können. All das versammelt mit den Erkenntnissen aus einem halben Jahr Psychiatrie, aus viel Lektüre und vielen Gesprächen.

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Niedergeschrieben wird es nicht besser ertragbar oder leichter verstehbar. Aber ich kann es jetzt schwarz auf weiß vor mir sehen, meine Wunden, meine Verletzungen, neu wie alt, tief und oberflächlich. Diejenigen, die mich begleitet haben und mir geholfen und diejenigen, die mir schaden wollten, ob bewußt oder unbewußt.  Der weitere Weg wird mühsam bleiben. Nichts mehr so nah an sich herankommen lassen. Prioritäten neu setzen. Altes vergessen und  nach vorne sehen. Das schreiben der eigenen Geschichte ist auch immer ein Protokoll, eine Dokumentation all dessen, was einen auf dem Weg geformt oder verletzt hat.

Eins ist sicher. Ich bleibe Autor, werde weiter schreiben. Für mich, und für diejenigen, die mir wichtig sind. Meine Geschichte erhält einen zweiten Band. Und auch für meine Kinder wird es ein Jugendbuch geben. Das ist vielleicht die erfüllenste Wende von allen. Ich bin Autor. Und habe mit der Feder eine neue Waffe gegen meine Feinde wie meine Krankheit entdeckt.

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