Warum ich nicht mehr leben wollte

Triggerwarnung: Solltest du dich im Moment emotional nicht stabil fühlen, lies diesen folgenden Text bitte nicht, sondern hol dir Hilfe. Versprich es mir.

sonne

Ja, ich wollte Suizid begehen. Ich habe es tatsächlich real versucht. Gott sei Dank ging das schief, wobei ich unglaublich viel Glück hatte, im Nachhinein betrachtet.

Aber warum tut man so etwas überhaupt, ist die Frage, die ich am häufigsten zu hören bekomme. Warst du den irre? Nein, war ich nicht. Vielmehr so klar im Kopf, so erschreckend sicher, dass ich im Nachhinein noch immer erschrecke, wenn ich an jenen Tag, den 5. Februar denke. Ich bin nicht stolz auf das, was ich getan habe. Ich bin sogar entsetzt über die Angst, die ich ausgelöst habe.

Aber in diesem Moment, als alles damals begann, war mir nur eines klar. Man hatte mir mein Leben weggenommen. Und das, was jetzt drohen würde, das wollte ich nicht, konnte ich nicht ertragen. Ich wollte nicht sterben. Aber dieses Leben wollte ich auch nicht mehr und es gab in diesem Moment keinen Ausweg mehr, keine Alternative. Mein Leben war am Ende. Es war nicht ohne Fremdbeteiligung aber ich will niemandem Vorwürfe machen. Man hätte manches nicht sagen, manche Regel nicht mir aufbürden sollen. Aber im nachhinein ist man immer klüger. Man hat mich nicht verängstigt, ich wurde in pure, blanke Panik versetzt.

Eines wusste ich in diesem schrecklichen, panischen, vor Angst starren Moment. Ich bin eine Last. Für alle, insbesondere für meine Familie. Klar, es würde Trauer geben, aber dann würde es weiter gehen.

Erst durch den Verlust eines wirklich guten Freundes, Johannes Korten ist mir vor Augen geführt worden, dass dann nichts besser wird. Es gibt immer Menschen, denen man fehlt, deren Leben danach nie wieder ganz heil wird.

Ich werde hier kein Wort über das Wie und das Wo verlieren. Würde mir sowieso nur Ärger einbringen.

Ich bin zurück im Leben, will es nicht mehr tun, auch wenn der Gedanke an sich etwas tröstliches hat. Nein, wer einen Suizid begehen will, ist deshalb kein Monster, nicht gefühllos oder egoistisch. Er ist zutiefst verzweifelt und sieht im eigenen Leben keinen Wert mehr. Dass diese Sichtweise falsch ist, oft sorgt eine Depression oder eine Panikattacke dafür, dass dieser Blick nicht mehr existiert.

Solltet ihr jemanden kennen, der sich schon verdächtig in dieser Richtung geäußert hat, versucht mit allen Mitteln, ihn wenigstens zum Hausarzt oder ans Telefon der Telefonseelsorge zu bringen. Hört zu, helft wenn es geht, schon das kann ein Leben retten.

Solltest du, lieber und gebrauchter Leser selbst suizidale Gedanken haben, bitte, such dir AUF JEDEN FALL Hilfe. Es gibt einen Ausweg. Immer. Ich habe genug Menschen und deren neues, besseres Leben kennengelernt um sagen zu können: Ich weiß, dass es so ist.

Oh und eines noch. Ich bin immer noch zu finden, in diesem Internet. Ich habe mich daraus nicht gelöscht, schon gar nicht schnell.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

Muslimisches Seelsorgetelefon

Das muslimische Seelsorgetelefon ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 030 / 44 35 09 821 erreichbar.

Hilfe im Chat

Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge.

Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

Hilfe per E-Mail

Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorgemelden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

8 Gedanken zu „Warum ich nicht mehr leben wollte#8220;

  1. Schwierig zu erklären. Vieles hängt damit zusammen, dass Menschen mich nicht so akzeptierten, wie ich bin, dass ich lange Außenseiter war und mehr nach meinem Wert als jemand, der etwas leistet gesehen wird als nach jemandem, der einfach ist.

  2. Sehr richtig. Es geht um das Retten eines Menschenlebens. Da darf auch so etwas keine Hürde sein. Bei mir stand schon mal die Polizei weil ein besorgter Follower dachte, ich wäre wieder in Gefahr. Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die auf mich achten.

  3. Und ganz klar und deutlich: Sollte jemand akut davon sprechen sich umbringen zu wollen, sich nicht davon abbringen lassen die Polizei zu verständigen. Ja, dass ist krass, rettet aber möglicherweise Leben. Wenn jemand aufgrund einer psychischen Krise nicht auf Hilfeangebote reagiert, aber immer wieder verdeutlicht, dass er nicht mehr leben möchte, gibt es in jeder Stadt oder Gemeinde einen sozialpsychiatrischen Dienst, deren MitarbeiterInnen Beratung anbieten und die auch Hausbesuche machen. Ich weis, dass die Schwelle hier hoch ist, weil man niemanden irgendwo „melden“ möchte. Aber, tot ist am Ende tot… Die meisten Menschen möchten aber nicht wirklich tot sein, sondern SO wie es ihnen gerade geht nicht mehr leben. Das ist ein Unterschied, weil dieses SO mit hoher Wahrscheinlichkeit, mit professioneller Hilfe, veränderbar ist.

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