Meine Depression und ich. Ein Nicht-Angriffspakt

Mittlerweile sind schon nahezu 1 1/2 Jahre vergangen seit meinem Suizidversuch. Seit dem finalen Einbruch der Depression in mein Leben. Das letzte Jahr war geprägt von Klinikaufenthalten und Selbstzweifeln, von wundervollen Begegnungen und tiefschwarzen, einsamen Tagen.

Anfang diesen Jahres dann der erste Versuch, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen, motiviert begonnen, gnadenlos gescheitert. Weil ich annahm, ich sei völlig gesund. Weil ich auch annahm, mein Umfeld wisse um die Trigger, um das, was an jenem 5. Februar 2015 wirklich mit mir passierte. Völlig falsch, niemand ahnte auch nur das geringste. Also alles wieder auf Los, neues Spiel, neues Glück. Erneut die Klinik, diesmal nur temporär.
Ein zweiter Anlauf, dieses Mal nicht 6 Wochen sondern ganze 12. Behutsam, vorantastend, immer darüber klar, ich bin NICHT gesund, ich habe nur mehr Mittel, meinen Dämon Depression und den wie sich herausstellte viel bedeutsameren Dämon generelle Angststörung im Griff zu behalten. Unterstützung erfuhr ich oft aus Quellen, an die ich nie gedacht hätte. Meine Twitter Follower haben mir so unendlich viel gegeben, geholfen, Zuneigung und Verständnis gezeigt. In meinem privaten Umfeld outeten sich wegen meines offenen Umgangs mit meiner Erkrankung immer mehr Menschen.

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die re:publica 2016. Für mich Teil der Rückkehr in mein Leben, und zwar die schönen Teile.

Die re:publica schliesslich war der Höhepunkt. Eine Session über Depression und Social Media. Viele Menschen, die mir die Hand geben wollten, sich für meine Aufklärungsarbeit bedankten, die mir doch eigentlich nichts weiter als inneres Bedürfnis und Teil meiner Heilung ist. Gespräche auf Augenhöhe, beiderseitige Offenheit. Die re:publica war für mich ein ungeheurer Motivator, offen und ehrlich über meine Geschichte zu kommunizieren, jenseits all der dummen Sprüche „ob der Herr Hauck schon stabil genug ist“ oder „Wir müssen den Herrn Hauck schützen“. Einen SCHEISS müsst ihr, ich habe depressive Episoden. Ich bin nicht entmündigt!
Und das zweite Projekt, mein Buch über mich und meine Zeit in den Kliniken und mit meiner Krankheit. Nicht nur vollendet, nicht nur von meiner Innenlektorin gelobt. Auch die Außenlektorin, die es unbefangen überarbeiten und lesbarer machen soll, ist begeistert, wie ich es nicht erwartet hätte.
Alles Gründe zufrieden zu sein. Glücklich zu schreiben, wage ich noch nicht. Und dennoch ist da immer noch mein kleiner Teufel Angststörung auf meiner Schulter, der mir von Versagen, Verarmen, Verwahrlosen, Verschwinden erzählt. Ich kriege ihn zwar leiser, aber verstummen will er partout nicht. Vermutlich wird er das nie und ich werde mich auch mit ihm arrangieren müssen. Aber eines ist geschehen und das macht mich im Moment ruhiger und gelassener. Die Suizidgedanken, sie sind sehr, sehr leise geworden.
Ich lebe wieder, statt nur zu funktionieren. Zwar nur in zarten Ansätzen, aber mit dem Blick auf eine angenehmere Zukunft, auf ein vom Urteil anderer unabhängigeres Leben.

Ich lebe wieder. Muss ich überhaupt mehr erreichen?

Nur eins, das werde ich nie heilen, nie vergessen, nie ganz wegstecken können.

Nur eins.

Hannes, du fehlst.

Ein Gedanke zu „Meine Depression und ich. Ein Nicht-Angriffspakt

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