Warum wir alle verrückt werden sollten.

„Bin ich etwa verrückt geworden?“, fragte der Hutmacher traurig. „Ich fürchte, ja“, sagte Alice, „du bist total durchgeknallt. Aber soll ich dir ein Geheimnis verraten? Das macht die Besten aus.“

(Alice im Wunderland von Lewis Carroll)

Normal sein. Brav sein. Gefolgsam sein. Ein guter, williger, konformistischer Angestellter, der ja keine rebellischen Gedanken hat, am besten gar nicht eigenständig denkt sondern nur zum Wolle des Unternehmens.

Braver Bürger, der sich an Regeln und Gesetze hält, ohne sie zu hinterfragen, ohne zu zweifeln.

Wir werden so häufig in ein scheinbar normales Korsett von Verhaltensweisen, Vorschriften und Drohungen  gesperrt, dass es uns oft den Atem raubt. Dabei sind diese Regeln und Normen oftmals nur für ganz bestimmte Menschen oder Instanzen normal, sinnvoll, nützlich. Für den großen Rest stellen sie eigentlich den blanken Wahnsinn dar.

Der verrückte Hutmacher aus Alice im Wunderland

Der verrückte Hutmacher aus Alice im Wunderland

Ein Banker verdient mit dem Geld hin und her schieben Unsummen, eine Krankenschwester kann froh sein, wenn sie nach vielen unbezahlten Überstunden von ihrem Gehalt überhaupt leben kann. Großkonzerne suggerieren uns, wir seien krank, hätten Defizite, bräuchten teures Functional Food oder Nahrungsergänzungsmittel.

Und erst jüngst haben mehrere Studien nachgewiesen, dass die Psychopharmaka, die auch ich gegen meine Depressionen verschrieben bekommen habe, eigentlich genau so viel Wirkung zeigen, wie Plazebos und lediglich bei ganz schweren Fällen einen gewissen Nutzen haben.

Wir schicken Kinder in Schulen, die schon wir hassten, damit sie Dinge lernen, die sie später nicht brauchen oder noch schlimmer, damit sie zu willigen Lohnsklaven für die Arbeitgeber ausgebildet werden, statt universell gebildet zu sein, um dann möglicherweise die eine oder andere Lüge oder Dummheit zu hinterfragen. Und von Afd und Pegida, dieser Ansammlung scheinbar normaler Bürger, die für mich eine Ausgeburt an Dummheit und Ignoranz sind, will ich gar nicht erst beginnen.

Das da draußen, das, was man uns als vernünftig, gut, richtig präsentiert ist zum Teil viel größerer Wahnsinn, als ich ihn jemals in der Psychiatrie erlebt habe.

Oder wie ich darüber twitterte:

Ich will gar nicht mehr normal sein. Lieber bleibe ich ver-rückt. Hinterfrage, drücke den Finger in die Wunde, zeige auf, wo der Irrsinn haust. Und bleibe dabei selbst bei klarem Verstand, denke selbst, bleibe am Leben. Denn viel zu lange habe ich mir einreden lassen, wie ich richtig zu sein habe. Von Menschen, die selbst nicht ganz richtig waren.

Bei so vielen roten Königinnen und Königen da draußen bleibe ich lieber der verrückte Hutmacher und lebe nach meinen Regeln.
Das Buch, man wollte es mir ausreden. Die TV Doku, man wollte sie mir ausreden. Du bist zu oft im Internet, du bist ja Internet, Smartphone, Literatur, Musikabhängig, name it, sie behaupteten es. Angst? Neid? Dummheit? Egal. Aber es wäre verrückt, auf sie zu hören, verrückt es nicht zu tun. Da bin ich dann ja fast schon normal. Ist das nicht verrückt?

12 Gedanken zu „Warum wir alle verrückt werden sollten.#8220;

  1. Ja, es ist verrückt… Ich hatte gerade viel Ärger mit der Renten- und Krankenversicherung. Mein Arzt meinte vor ein paar Tagen, ich sei wohl zu „fordernd“ gewesen, was er schon ironisch formulierte, da ich mich eher als fast devot erlebte, zumindest anfänglich. Nein, es reiche schon einen eigenen Willen zu zeigen, das mache Arbeit und damit Verärgerung, so mein Arzt. Hintergrund war, dass ich mein Wunsch- und Wahlrecht für eine Reha-Klinik nutzte, dieses auch fein persönlich und fachlich begründete. Nach einer anstrengenden, fast zwölf Wochen dauernden, Auseinandersetzung mit den Institutionen fahre ich nun in drei Tagen in „meine“ Wunsch-Klinik. Und ich muss dazu noch sagen, dass ich als Sozialarbeiter für erkrankte Menschen tätig bin, viel Erfahrung mit Institutionen habe. Aber diese Art des Umganges mit mir war echt schon krass. Ich kann mir gut vorstellen, wie es Menschen geht, die krank sind, dabei eigenwillig bleiben, aber keine guten Berater und fachlichen Hintergrund nutzen können. Das ist dann wirklich übel. Verrückt ist dazu schon ein recht milder Ausdruck. Bin nun gespannt, wie die Reha für mich wird. Da es dieses Leben vermutlich nur einmal gibt, bzw. wir es erst später wissen was danach ist, plädiere auch ich weiter für ein eigensinniges, verrücktes Leben, dem persönlichen Recht auf Freud und Leid, und dem Recht auf Entfaltung eigener Potentiale.

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