Depressiv? Hätte ich mir doch nur ein Bein gebrochen

Ja, auch wenn ich mich wiederhole, ich bin offiziell diagnostiziert depressiv. Endlich haben meine tieftraurigen Phasen, meine Sorgen und Ängste und dieses Gefühl, nie ganz dazu zu gehören eine Definition.

Das macht es aber keineswegs leichter. Wir stigmatisieren und verstecken psychische Krankheiten immer noch, als wäre es etwas bedrohliches und gefährliches. Und die angeblichen Qualitätsmedien schreiben zum Teil einen Bullshit, dass es schon fast körperlich weh tut. Deshalb hier ein paar Fakten zur Aufklärung.

Nein, die aller allergrößte Zahl der psychisch Kranken ist keine Gefahr für ihre Umwelt. Maximal für sich selbst, wenn sie beschließt, da niemand hilft und es offensichtlich auch niemanden interessiert, selbst Schluß damit zu machen. Erweiterte Suizide wie der des Piloten der Germanwings Maschine haben auch noch andere Gründe, wir, die wir Suizid versuchen tun dies, weil wir euch von uns erlösen wollen, nicht weil wir euch Leid zufügen wollen. Das mag hart klingen, aber genau so empfindet das ein tief depressiver Mensch.

Und ja, wir können lachen, unterhaltsam sein, sehr gut arbeiten, aber wir verstecken uns dabei immer hinter einer Maske, und wenn wir diese zu lange aufrecht halten müssen, dann kann es durchaus sein, dass wir darunter zusammenbrechen. Dann müsst ihr uns aber nicht helfen oder uns retten, wir sind schon dankbar für die Menschen, die dann einfach da sind, für eine Umarmung, für ein Gespräch.

Und Depression bedeutet nicht, dass wir nicht auch ein eigenes Leben haben. Es bedeutet aber, dass wir mehr als andere auf unsere Gefühle, unsere Stimmung achten. Und oft auch empfindsamer für die Stimmungen anderer sind.  Stimmt, wir nehmen Beleidigungen oder Vorwürfe persönlicher, können mit Anschuldigungen oft nicht so gut umgehen, weil wir tendenziell allem erst mal glauben, schliesslich sehen wir die Welt ja nicht durch die Rosa, sondern die graue Brille.

Ihr wollt für uns etwas tun? Ihr wollt uns helfen?

Seid da für uns, steht für die Interessen psychisch kranker Menschen ein, statt sie verstecken oder ignorieren zu wollen.

Es gibt sehr viele psychisch kranke Menschen, mittlerweile ist Depression fast eine Volkskrankheit. Aber eine, die verheimlicht wird, vor allem wenn sie im beruflichen Umfeld auftritt. Dort herrscht immer noch die geleckte verlogene Positivwelt vor, in der alles prima, Spitzenleistung, Topperformer ist, auch wenn die Realität längst das Gegenteil zeigt.

Ihr wollt Depressionen nicht selbst bekommen?

Dann sorgt für euch, glaubt nicht dem immer besser, immer mehr der Werbung und der Ratgeber. Versucht, euch geistige Freiräume  und Ruhezonen zu schaffen. Seid euch selbst genug. Und macht euch unabhängig von den Meinungen anderer.

Es kann jeden treffen, also verdammt nochmal, reden wir drüber.

Oh, und noch was. Glaubt bezüglich Depressionen nicht alles, was in der Zeitung steht. Am besten garnichts. Selten habe ich so viel Müll und Blödsinn gelesen, wie zu psychischen Krankheiten. Und das Drecksblatt mit den vier Buchstaben ist da ganz vorne mit dabei. Redet mit Menschen, die drin stecken, redet mit uns. Wir sind dankbar, wenn sich jemand wirklich für unsere Krankheit interessiert.

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