Es gibt keinen Fachkräftemangel sondern einen Lohnsklavenmangel

Ich kann es bald nicht mehr hören, das Wehklagen über den Mangel an Fachkräften. Das ist meiner Ansicht nach völliger Quatsch. Vielmehr erleben wir nachwachsende Generationen, die am Beispiel ihrer Eltern verschiedenes gelernt haben.

Zum einen, dass viele Familien an der Tendenz alles der Arbeit unterzuordnen zugrunde gegangen sind. Da wurden Freundeskreise, Lebensumfelder dem Umzug für die Karriere geopfert und Ehepaare ließen sich scheiden, weil man sich ob der Karriere und der verschiedenen Lebensplanungen auseinandergelebt hat.

Zudem dürften immer mehr junge Menschen mitbekommen, dass viele der jetzigen Elterngeneration nahe am Burn Out sind, oder bereits einen Gutteil ihres Gehaltes für den Erhalt bzw. die Wiederherstellung ihrer Gesundheit opfern müssen.

Ich glaube, wir erleben keinen Fachkräftemangel sondern einen Mangel an Menschen, die bereit sind für die Karriere für ein Unternehmen, das sie ggf. nach ein paar Jahren sang und klanglos auf die Straße setzt ihr Leben, ihre Gesundheit, ihr Glück zu opfern. Die junge Generation ist nicht mehr bereit, sich permanent als Praktikant zum Billiglöhner machen zu lassen und für dumm verkauft zu werden.

Und sofern sie in einem extrem verschulten „Studium“ (wenn man das überhaupt noch so nennen darf) noch Zeit zum Nachdenken haben, dann wird doch immer häufiger hinterfragt, für wen man da eigentlich studiert. Für sich, oder um sich möglichst optimal in diejenigen Denkstrukturen einzupassen, die uns so schöne Dinge wie die Finanzkrise beschert haben.

Wer sich selbst schamlos hundertfache Gehälter im Vergleich zu seinen Angestellten gönnt und dann von eben diesen Lohnverzicht fordert, der braucht sich über einen Fachkräftemangel nicht zu wundern. Niemand arbeitet gerne quasi umsonst in einem Umfeld, dass einen zur Humanressource reduziert.

Und ganz ehrlich? Das ist verdammt noch mal gut so! Aber es bietet auch den Unternehmen ganz neue Chancen, die bislang auf dem Arbeitsmarkt wegen fehlender exorbitanter Gehälter Probleme hatten. Gerade auch im ländlichen Umfeld. Denn immer häufiger wird hier der Fokus auf das Gesamtpaket gelegt. Nicht nur ein gutes Gehalt, auch ein gutes Umfeld, soziale Leistungen, Sicherheit des Jobs, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wer hier mehr bietet als nur den Standard hat echte Chancen, auch High Performer zu bekommen, die bislang vor allem auf ein Top Gehalt angesprungen sind.

Bislang galt offenbar bei vielen die Strategie, Hauptsache das Gehalt stimmt. Aber genau das ändert sich, das Gehalt wird immer mehr zur Basis, und die wichtigen Faktoren werden die weichen Faktoren, wie Work Life Balance (oder Integration, wie ich bevorzugt sage), Familienfreundlichkeit, auch das Achten auf die Gesundheit der Mitarbeiter. (Ein gutes Indiz hier ist, ob das Unternehmen so etwas wie einen Betriebsarzt oder ein Gesundheitszentrum hat)

 

3 Gedanken zu „Es gibt keinen Fachkräftemangel sondern einen Lohnsklavenmangel#8220;

  1. Toller Artikel! Um dem demografisch bedingten Rückgang der Erwerbsbevölkerung entgegenzuwirken, sind mehrere Lösungsansätze denkbar: Der frühere Eintritt in das Erwerbsleben, der spätere Austritt aus der Erwerbsphase, eine Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit sowie der Zuzug von ausländischen Arbeitskräften

  2. Pingback: Gelesenes – 6. August 2014 | netzphilosophieren

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