Wir alle sind Cyborgs, tut aber gar nicht weh.

Ja, ich kenne die „harte Definition“, die davon ausgeht, dass ein Mensch mit künstlichen Körperteilen ausgestattet wird, um mehr leisten zu können.  Aber das ist für mich viel zu langfristig gedacht. Auch im Blog des ZDF scheint man das erkannt zu haben: „Wir sind heute schon Cyborg“ wird dort, meiner Ansicht nach sehr richtig getitelt.

Im Moment erleben IMG_20130916_200705wir eine sanfte Symbiose zwischen Mensch und Maschine. Wenn wir alle mal ehrlich zu uns sind, dann möchten wir doch heute schon auf diverse Technologien nicht mehr verzichten und tragen sie fast ständig mit uns herum oder nutzen sie. Nur wer meint er fühle sich dabei besser, verzichtet heute freiwillig auf ein Mobiltelefon, fällt damit aber quasi aus großen Teilen der modernen Gesellschaft und ihrer Kommunikationswege heraus. Und kann auch die Vorteile nicht für sich entdecken.

Durch das Mitführen eines Smartphones modifizere ich mein Leben und letztlich mich schon in beträchtlichem Maße. Und Dinge wie Fitnesstracker, Smartwatches oder Google Glass werden als abnehmbare „Pheripherie“ des Körpers diesen Trend noch verstärken und haben zudem eine viel höhere Akzeptanz als echte Implantate.

Wenn ich heute mit meinem Smartphone unterwegs bin, habe ich eine Navigationshilfe, einen Einkaufsberater, ein Lexikon, eine Unterhaltungsmaschine, einen Lerncomputer, eine Geldbörse, einen Schlüssel, eine Kamera, eine Videokamera, ein Diktiergerät, eine Wetterstation und noch vieles andere mit dabei. Was Ende des letzten Jahrtausends mit den PDAs begann, aber noch Jahre zu früh war (PDA stand und steht für Persönlicher Digitaler Assistent) wird mit Hilfe von always online und leistungsstarken Smartphones und Tablets langsam dorch zur Realität. Google Now, Aviate, Everything Me sind erste Ansätze für intelligente Anwendungen,die proaktiv Informationen aggregieren und an mich liefern. DAS ist es, was ich von meinem Smartphone erwarte. Keine ungefilterte Informationsflut, sondern Daten und Infos, die zu meiner aktuellen Umgebung und den Dingen, die mich dort beschäftigen passt.

Insofern beobachte ich  mit wachsender Begeisterung, dass endlich tatsächlich Erkenntnisse aus der KI in die Software einfließen, die JEDER von uns täglich verwendet. Und wir stehen hier wieder einmal erst am Anfang einer technischen Entwicklung, deren finale Ergebnisse mal mehr mal weniger positiv für uns bereits in vielen Filmen dargestellt wurden. Der Roboter mag kommen, die Implantate auch. Was für jeden erschwinglich und viel einfacher zu realisieren ist, sind digitale Geräte, die uns im Alltag helfen, ohne dass wir uns modifieren oder Unsummen für die sich bewegende „Hülle“ ausgeben müssten.

Das Smartphone war noch lange nicht smart. Es beginnt erst smart zu werden.

Wir werden natürlich auch hier viel Ablehnung und Ängste erleben, aber die Technologie wird kommen, alleine schon deshalb, weil wir sie in einer komplexen Welt brauchen, um uns sinnvoll und nachhaltig in ihr zu bewegen und zu leben.

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