Baden Württemberg verbietet Lehrern Facebook nicht so richtig aber dann doch

Oh je, da hat wohl jemand Angst vor diesem Neuland, zu dem alle Internet sagen. Wie der Spiegel berichtet untersagt das Baden Württembergische Kultusministerium Lehrern jegliche dienstliche Kommunikation in den Sozialen Netzen. (Wer es nicht glaubt, hier gibts das Machwerk zum Nachlesen)

Statt ins Kurrikulum Social Media und Medienkompetenz aufzunehmen, verbietet man den Lehrern mal lieber gleich jede dienstliche Kommunikation. Ganz großes Kino. So etwas nenne ich ewig gestrig. In Zeiten, in denen sich so ziemlich jeder einigermaßen affine Mensch über Facebook austauscht, verabredet und chattet, sollen gerade diejenigen, die unsere Kinder zu mündigen Bürgern erziehen sollen in dem Netz, das Lebensraum der Jugend geworden ist, nicht agieren dürfen, außer auf privater Basis. Ach. Und wie sieht da bitte schön die Trennung aus? Muss ich dann jegliche Anfragen von Schülern ignorieren? Die Augen zu machen, wenn ein Schüler etwas entsprechendes postet, denn auf die etwaige Untauglichkeit des Posts darf ich als Lehrer ja nicht hinweisen, nur als Privatperson. Aber wenn es sich um ein schulisches Thema… Ach lassen wir das. Bescheinigen wir unseren Politikern einfach wieder ein Mal, was wir schon lange wissen. Von der digitalen Welt haben sie aber auch wirklich so gar keine Ahnung.

Dazu fällt mir nur noch ein: Kultusministerium, setzen, sechs. Und das poste ich auch auf Facebook. Und ich hoffe, dass die Schule meiner Kinder diesen Blödsinn einfach als das nimmt, was er ist. Ein weiteres weltfremdes Verbot ewig gestriger, das mit der Realität nichts, aber auch gar nichts zu tun hat.

7 Gedanken zu „Baden Württemberg verbietet Lehrern Facebook nicht so richtig aber dann doch#8220;

  1. Das „Machwerk“ hätten die plötzlich so zahlreich aus dem Boden sprießenden „Kritiker“ aber mal lesen sollen, bevor Sie verbal draufhauen. Es verbietet nämlich lediglich die „Verarbeitung von personenbezogenen Daten auf Sozialen Netzwerken“ und nicht jegliche Kommunikation. Auch nicht „jegliche“ dienstliche Kommunikation, sondern dann und nur dann, wenn die Server des Netzwerkes (1) „außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes betrieben werden“ , (2) „es sich um US-Amerikanische Unternehmen handelt“ ODER (3) „ein Zugriff [des Anbieters auf die Server] von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes möglich ist.“ Deutsche Anbieter von sozialen Netzwerken wäre also schonmal kein Problem, wenn diese die deutschen Datenschutzbestimmungen einhalten.

    Ach ja, das ist das eigentliche Problem, wir wollen immer alles aus den USA nutzen, und das bitte nach unseren eigenen Regeln, denen sich Facebook, Google & Co. gefälligst zu beugen haben, aber bekommen vergleichbare Angebote selber nicht wirklich auf die Reihe. Wie auch, wenn es bereits an so elementaren Fähigkeiten wie Lesekompetenz magelt und man lieber einfach blind draufhaut, weil es gerade alle anderen auch tun? Man muss nicht jeder Schmierenkampagne hinterherlaufen.

  2. Dem muss ich widersprechen. Wer noch auf Facebook herumtingelt, dem ist Datenschutz offensichtlich egal (nicht erst seit PRISM). Lehrer sollten ein Vorbild sein, daher ist es wichtig, dass schulische Kommunikation eben nicht über Facebook läuft. Alles andere ist unverantwortlich.

    Und: Schon in der Zusammenfassung steht: „Im Rahmen des Unterrichts dürfen Soziale Netzwerke jedoch dazu genutzt werden, um Funktionsweise, Vorteile, Nachteile, Risiken
    usw. pädagogisch aufzuarbeiten.“ Die Medienkompetenz bleibt also nicht außen vor.

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