Schon mal einen psychisch Kranken kennengelernt? Eben!

Burn Out ist in aller Munde, es gab diverse Fälle auch prominenter, die unter Depressionen litten und auch Magersucht wird immer wieder thematisiert. Und dennoch frage ich mich immer wieder, wo sind sie, wo sind diese ganzen Erkrankungen? Versteht mich nicht falsch, ich glaube sicher, dass es noch eine weit höhere Zahl von Menschen gibt, die psychologische Hilfe benötigen.

Aber leider sind wir noch lange nicht so weit, psychische Erkrankungen auch allgemein anzuerkennen.

Ja, auch ich hatte vor ein paar Jahren einen Burn Out, zum großen Teil durch zu hohe Ansprüche an mich selbst verschuldet und vom Umfeld mit Freuden (aus-) genutzt. Spannend fand ich aber, wie viele ähnliche Fälle plötzlich in meinem Umfeld zu Tage kamen, nur dadurch, dass der oder diejenige wusste, dass ich ja „ein Leidensgenosse sei“. Und das waren zum Teil weit zurückliegende Fälle, von denen man nie etwas erfahren hatte. Deshalb gehe ich bis heute mit dem Thema sehr offen um, achte auf mich und spreche auch mit anderen direkt über Burn Out (der übrigens oft in Wahrheit eine ausgewachsene Depression sein kann und dann erst recht mit ärztlicher Begleitung „geheilt“ werden kann). Wir müssen auch die psychischen Belastungen und Erkrankungen endlich in die öffentliche Wahrnehmung bringen, ohne gleich mit dem Irrenhausvergleich zu kommen. (Jüngst gab es in meinem Umfeld eine Veranstaltung zum Thema Burn Out, die wiederholt werden müsste, weil der Andrang so extrem groß war, dass man den Saal hätte 3-4 mal füllen können.)

Eins sei hier deshalb einmal klar gesagt. Psychische Erkrankungen sind nicht gleichbedeutend mit „verrückt sein“. Es sind genau so körperliche Erkrankungen wie Schnupfen, Husten oder schwerer Krankheiten wie Krebs. Und man kann sie ebenso behandeln und in vielen Fällen auch heilen.

Wir müssen weg von der Gedankenwelt, die uns vorgaukelt, dass jede Erkrankung des Geistes gleichbedeutend mit Irrsinn, Unberechenbarkeit etc. ist. SAP sucht gerade Autisten als Programmierer. Da hat man wohl erkannt, dass in vielen psychischen Defiziten auch Begabungen stecken können.

Ich bin für einen gelasseneren Umgang mit psychischen Erkrankungen. Denn Abstempeln und in eine Ecke stellen hat noch nie jemandem geholfen. Und viele psychische Behinderungen sind nur dann eine Behinderung, wenn man sich nicht auf den „Patienten“ einlässt. Und manches, was unsere Gesellschaft für krankhaft hält, ist manchmal einfach eine im Moment nicht gefragte Charaktereigenschaft. So hat man jüngst festgestellt, dass in Frankreich deutlich weniger Kinder an ADHS „erkranken“. Nicht, weil es nicht auch dort „auffällige“ Kinder gibt aber weil die Ärzte dort längst nicht so häufig eine Verhaltensstörung dahinter vermuten. Seltsam, wie das Leben in einem Land eine Krankheit eindämmen kann ;). Eine Behinderung ist nur dann eine Behinderung, wenn sie mich im Alltag behindert. Aber leider behindern oft nicht die „körperlichen oder geistigen“ Defizite, sondern die Umwelt.

 

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