Zeigt Gefühle, verdammt. Woran es Social Business mangelt

Alle reden darüber. Social Business. Social Media Marketing. Aber irgendwie klappt das ganze nicht wirklich. Gerade veröffentlichte Olaf Kolbrück einen interessanten Artikel mit der Aussage: Social Müdia? Kunden interagieren bei Facebook immer seltener mit Marken

Kernaussage Zitat: Die Bereitschaft der Nutzer zur Interaktion mit Marken in dem Social Network ist auf ein Rekordtief gesunken. Die Interaktionsrate liegt nur noch bei durchschnittlich 0,6%. 2011 erreichte sie noch 1,5%, 2010 gar traumhafte 4,3%.

Noch viel interessanter, was die Nutzer wollen Zitat: Im Panel äußern die befragten Nutzer in erster Linie den Wunsch nach Informationen (84%), gefolgt von Gewinnspielen (65%) und Produktproben (47%) sowie Unterhaltung (42%).

Fällt was auf? Na? Na? Genau, die Kunden wollen keine Werbung. Denn sind wir mal ehrlich: Produktproben und Gewinnspiele bedeutet nix weiter als, der Nutzer will was umsonst. Und danach bitte nicht mehr belästigt werden.

Und wo es am meisten mangelt sind Informationen. Nein, nicht Werbetexte mit schönen Menschen in schönen Umgebungen mit schönen Produkten. Handfeste Informationen. KundenSERVICE. Aber das ist leider immer noch eher die Seltenheit. Fragt jemand nach einer spezifischen Problemlösung, wird in erster Linie nicht das Problem gelöst, sondern das eigene Produkt beworben. Kritik an den eigenen Produkten soll am besten gar nicht vorkommen, am besten deshalb, man interagiert schon  mal gar nicht.

Social Media geht nicht um „the next big thing“ um möglichst laute und die eigene Marke promotende Marktschreierei. Es geht um Emotionen jenseits von Werbung. Um das Gefühl, ernst genommen zu werden, um solche schwer zu fassenden Begriffe wie Authentizität, Ehrlichkeit, Service am Kunden. Aber das ist eben nicht, was die meisten im Fokus haben, wenn sie an Social Media und Marketing denken. Da geht es immer noch ums Abverkaufen, um Umsatz, um verkaufte Produkte. Wer aber so denkt dem kann ich nur raten, und das tue ich auch, wenn ich als Berater gefragt werde: Just forget it. Wenn ihr nicht dialogbereit seid, wenn ihr nur in jedem Gespräch darüber siniert, wie ihr diesem User wieder eines eurer Produkte andrehen könnt, dann lasst es besser.

Wenn ihr aber Interesse an echten Gesprächen habt, wenn euch wirklich an Hilfe jenseits der eigenen Produktpalette gelegen ist, UND, wenn ihr bereit seid, mindestens einen Mitarbeiter ausschließlich oder zum größten Teil im Bereich Social Media tätig werden zu lassen (besser zwei, denn Social Media kennt keinen Urlaub oder Krankheitsfall. Die Antwort wird jetzt erwartet, und zwar IMMER), dann ist Social Media nicht nur was für euch, sondern dann habt ihr die einmalige Chance, in den direkten Dialog mit euren Kunden zu kommen, sie an euch zu binden und sie zu wirklichen Markenbotschaftern zu machen.

Social Media ist keine Technologie, die man sich einkaufen kann und kein Produkt, dass durch ständige Innovation immer wieder den Kunden neu erreicht. Social Media ist ein beständiger, klassischer und emotionaler Dialog. Und ja, auch ein Dialog, in dem man mal Fehler eingesteht, Schwäche zeigt. Den Hochglanzbroschüren, die immer die heile Produktwelt darstellten glaubt in Social Media kaum einer. Dazu gibt es viel zu viele Möglichkeiten, diese angeblich heile Welt mit nur ein paar Mausklicks zu hinterfragen. Ehrlichkeit ist gefragt. Etwas völlig neues aber eigentlich das, was die Kunden und die Nutzer schon immer wollten.

(Man möge sich nur mal fragen, woher der große Erfolg der Stiftung Warentest kommt, und warum eine Auszeichnung Firmen so viel bedeutet, dass sie sie auf Verpackungen drucken lassen, auch wenn der betreffende Test bereits Jahre vorbei ist und das aktuelle Produkt meist mit dem getesteten nur noch den Namen gemein hat)

 

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