Apple Maps und das Phänomen des Entscheiderweghörens

Wie CNet berichtet, haben Entwickler Apple schon nach Erhalt erster Betas vor der erschreckend schlechten Qualität der Maps Anwendung gewarnt. Warum aber wurde sie dann dennoch auf den Markt geworfen? Man kann darüber nur spekulieren, aber ein Phänomen erlebe ich immer wieder bei IT Projekten. Die Entscheider und Planer hören viel zu wenig auf diejenigen, die ja nur das „ausführende Element“ sind. Softwareentwickler erzählen mir immer wieder von Projekten, in denen sie Aufwände schätzen müssen für eine Neuentwicklung, die sich so sicher gar nicht abschätzen lässt.
Später werden sie aber auf genau diese meist fiktiven, da nicht errechenbaren Zahlen festtgenagelt. Und da es scheinbar den immer noch großen Irrglauben gibt, Entwickler würden doch eh alles viel zu aufwändig schätzen, passieren dann eben solche Dinge. Denn der Manager will ja nicht zugeben, dass er sich da verrechnet hat, also wird die Verantwortung auf das „gemeine Fußvolk“ abgewälzt und die Ampel so lange als Grün komuniziert, bis das Fiasko nicht mehr vertuschbar ist.
Zum einen wäre hier endlich mal wieder angebracht, realistische Zeitplanungen zu machen, die nicht auf Kante gerechnet sind und die nicht dauernd den Eindruck erwecken, man wäre in einem alles entscheidenden Notfall (auch das trägt zur steigenden Zahl von Burn Outs gerade in der IT bei). Zum anderen sollte man auch akzeptieren, dass auch der „kleine Entwickler“ durchaus in größeren Dimensionen denken kann. Aber wenn BWL über technisch-fachliches Wissen siegt, darf man nicht erwarten, dass alles so glatt geht, wie es in den bunten Folien und Tabellen fürs Management dargestellt wird. Man sollte vielleicht den Planern mal die Farbe grün wegnehmen ;).

Das Leben, und selbst große Teile der Wirtschaft sind kein Notfall. Es täte Unternehmen gut, wieder etwas das Gas aus der Entwicklung rauszunehmen. Denn was ist besser? Ein marktreifes Topprodukt auf den Markt zu bringen, das auch gut funktioniert, aber leider halt 6 Monate oder ein Jahr länger braucht? Oder ein Produkt, das eigentlich nicht vernünftig nutzbar ist, aber wenigstens „mal da“ ? Also letzteres hat bei mir zumindest wiederholt dazu geführt, dass der Hersteller mich als Kunden verloren hat.

Und das ist KEIN Rant gegen Apple, denn ich bin mir sicher, dass da sehr kompetente Entwickler unterwegs sind, die mit Sicherheit selbst des öfteren kommuniziert haben, dass die Maps Anwendung noch nicht fertig ist. Aber vermutlich standen da einige Manager mit zugehaltenen Ohren und wollten es einfach nicht hören.

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