Die sinnloseste Norm des Tages: (DIN SPEC 91253) Social Media
von @bicyclist am Mrz 25th Kategorie Gesellschaft, Medien, Technologie

Darf ich ihnen heute die Norm 0815 erklären, die festlegt, wie sie Präsentationen zu gestalten haben mit fremden Schriftzeichen, im Dunkeln, mit Microphon und vor Publikum.
Aus der beliebten Reihe. Normen, die die Welt nicht braucht.
Zuerst dachte ich ja an einen verfrühten Aprilscherz aber nein, das scheint wirklich ernst gemeint zu sein, kann ich aber leider nicht ernst nehmen.
Das Deutsche Institut für Normung hat unter der Nummer DIN SPEC 91253 eine Normierung für ….. SOCIAL MEDIA eingeführt. Bekloppt? JA. Überflüssig? JA. Ernst gemeint? Leider auch JA!
Nach Aussage des Instituts handelt es sich dabei nur um eine Entscheidungshilfe (warum muss man das ganze dann Norm nennen, was bei den meisten Entscheidern und Managern doch stets zu dem: Das müssen wir jetzt unbedingt einhalten Reflex führt) und kostet 48,10 beim Beuth Verlag zu haben. Ein Schelm, der dabei an Geldmacherei denkt.
Denn wer Social Media normieren will, kann das ganze noch nicht wirklich verstanden haben. Insofern bin ich sehr verblüfft über die Aussage in dem Artikel der Rhein-Zeitung:
Zitat: “Die Spezifikation entstand in Zusammenarbeit mit Mittelständlern, Webdesignern, Social-Media-Agenturen, der Universität Hamburg und dem Hamburger Informatik Technologie-Center (HITeC). ”
Da hätte ich doch gerne mal ein paar Namen von Social Media Agenturen und Webdesignern. Alleine schon, um zu verhindern, dass ich mal aus versehen mit denen zusammenarbeite. Denn eins zeigt mir dieser Normierungsversuch. Medium nicht verstanden, setzen, sechs.
Social Media LEBT davon, dass ich nicht alles in eine Norm presse, dass ich in einen Dialog trete, der nicht vorplanbar ist. Aber hier haben wieder mal die Technokraten über den gesunden Menschenverstand gesiegt. Eine Norm aus der Reihe, werd ich mich sicher nicht mit befassen. Will ja ernst genommen werden und meine Reputation nicht verlieren. Eine Empfehlung ohne die Normnummer hätte meiner Ansicht nach völlig ausgereicht.
Normen haben in Deutschland leider nur eine Wirkung. Es wird versucht, sich sklavenhaft daran zu halten, ob es nun Sinn macht oder nicht. Insofern freue ich mich schon auf viele Kunden, denen ich dann ihre Aktivitäten wieder geradebiegen darf, nachdem sie kaputt normiert worden sind.
Update: Erste Blogger haben die Norm, die nur eine Spec, die nur eine Empfehlung ist gelesen. Meine Vermutungen bestätigen sich, siehe z.B.: http://linkedinsiders.wordpress.com/2012/03/25/din-spec-91253/














Hallo zu Ostern……!
Darf ich auf einen aktuellen Praxis-Leitfaden anstatt der DIN SPEC hinweisen……?!
(http://www.prozeus.de/prozeus/daten/broschueren/ebusiness/prozeus_doc06611.htm)
LG
Jan
[...] Inhalt gut investiert sind, kann ich nicht beurteilen. Das Thema auf so wenig Seiten abzuhandeln, erscheint mir etwas fragwürdig. Ich habe mich daher dazu entschieden, das Geld anderweitig zu investieren, nämlich in das [...]
Hallo Jan, ganz grossen Dank für die ausführlichen Infos zu dem Dokument. Sehr wertvoll dein Kommentar und nun bin ich doppelt gespannt auf das Dokument, wenn ich fürs Herunterladen freigeschaltet worden bin. Werds ausführlich lesen und sicher hier im Blog eine faire Beurteilung von Inhalt, Zielsetzung und Umsetzung liefern.
Gruss
Uwe
Hallo Uwe,
es handelt sich um eine SPEC und keine Norm. Letztere dauert üblicherweise Jahre und beinhaltet ein Screening durch den Verbraucher-Rat und alle anderen Instanzen. Eine SPEC klärt oder definiert Begriffe, Abläufe und Handlungs-Empfehlungen. Sie ist damit vergleichbar mit dem Google Wunsch, das Wort googeln im Duden zu normieren.
Mich persönlich ärgert meine eigene Verpenntheit, nicht auf der DIN Webseite nach genau diesem SPEC Verfahren geschaut zu haben und im Gremium mitgenannt und mitgearbeitet zu haben. Das ist dann ungefähr so, als wenn man nicht Gebrauchsmuster und Patente in seinem Umfeld ge-monitort hätte.
Deshalb aber analog dazu, möglicherweise einen Patent-Krieg um Worte und freie Web2.0 Begrifflichkeiten zu vermuten ist falsch. Es geht vielmehr darum, dass jetzt ggü. dem Mittelstand ein Gütezeichen für Social Media Berater etabliert wurde, welches widerum als Auftrags-Grundlage genommen werden kann. Es wird somit etwas in Auftrag gegeben, dessen Umfeld klar umschrieben ist. Es ist keine DIN SPEC, die sich ein KMU Unternehmen jeweils kaufen wird, jedoch wird darauf referenziert.
Ich nehme daher auch an, dass Du vom Inhalt der SPEC, wenn Du sie in den nächsten Tagen in den Händen halten wirst, eher enttäuscht bist. Du wirst die Definitionen/Fachjargon kennen.
Aus meiner Sicht stärken OFFENE SPECs wie diese den Standort und das Know-how in Deutschland. Der DIN nimmt dabei eine neutrale Rolle ein, ihm ist überhaupt kein Vorwurf zu machen, wenn man selbst nicht auf die Idee kam.
Ansonsten schicke ich Dir nachher nach eine Präsentation, die das SPEC Verfahren beschreibt – für Deinen Prezi Vortrag….
Schönen Sonntag-Abend-Gruss!
Jan
Hallo,
ich gebe Dir halb und halb recht. Unternehmen Handlungsempfehlungen zu geben, kann nicht schaden. Allerdings hat das vorliegende Exemplar massiv Verbesserungspotenzial. ich habe es mal gelesen (ging ja fix, sind ja nur 44 Seiten):
http://linkedinsiders.wordpress.com/2012/03/25/din-spec-91253/
lG
Stephan