Die Jugendgefährdung aus dem Freundeskreis

„Gut, dass unsere Kinder so einen Papa haben.“ Was als Kompliment meiner Frau an mich wirken könnte ist für mich eher erschütternd. Denn der Hintergrund des ganzen: Unser Ältester besitzt einen Notebook. Mit Linux, damit sind schon mal einige Probleme außen vor. Und ich habe auf unserem Hausrouter entsprechende Filter eingerichtet, die einschlägige Themengebiete blockieren.

Nun bin ich nicht so dumm, zu glauben, damit sei es schon getan. Ich kontrolliere auch regelmässig, was die Filter wann so an Themen abgefangen haben. Und immer wieder stelle ich mit Entsetzen fest, was im Freundeskreis meines Sohns wohl so alles üblich sein muss. Auffallend genau zu den Zeitpunkten, an dem mein Sohn mit einem Freund auf seinem Zimmer ist und sie online gegangen sind, sind dem Filtersystem doch ein paar Webseiten ins Filternetz gegangen. Man kann die Zeitfenster deckungsgleich bekommen. Interessant wirds dann, wenn man sich ansieht, was kurz zuvor gesucht wurde. Meist wurden Suchanfragen durchgeführt, die in sich völlig harmlos sind aber dann über etwas missglückte Suchergebnisse bei Google auf inakzeptable Angebote führen. Und bevor jetzt gleich wieder der Ruf nach Sperrung laut wird. Es handelt sich um nichts illegales, aber eben um Angebote, die schon auf den Startseiten Material darstellen, dass ich keinem Kind zumuten würde.

Das heißt jetzt nicht, dass alle Freunde meines Sohnes verdorben und mein Sohn ein Engel ist, aber gerade das Zusammensein mit Freunden fördert natürlich auch den „Forscherdrang“ die von den Eltern aufgestellten Grenzen auszuloten und zu zeigen, wie cool man darüber hinweg kann.

Der Filter greift. Jeder, der seine Kinder ins Netz lässt, sollte solche Filter einstellen. JEDER!


Und es heißt auch nicht, dass ich glaube, mein Sohn interessiere sich nicht auch für Müll im Netz. Wer mir gegenüber behaupet: Mein Kind macht so etwas nicht, dem kann ich nur abgrundtiefe Blauäugigkeit bescheinigen.Aber meine Kinder haben zumindest, so weit ich die technische Kontrolle über die Endgeräte habe,
bei uns zu hause keine Möglichkeit, darauf zuzugreifen. Und mit allen spreche ich über diese Themen und versuche ihnen zu erklären, warum ich diese Angebote für nicht akzeptabel halte und ihnen entsprechende ethische und moralische Werte zu vermitteln.
Extrapoliere ich aber die Suchbegriffe, die im Filter unseres Systems auftauchen, sobald ein Freund mit ihm auf dem Zimmer ist, dann muss ich sagen, da kann es in manchen Familien wohl kaum irgendeine Form von Jugendschutz fürs Internet geben, da scheinen manche Kinder offensichtlich freien Zugriff auf pornographische, ja manchmal schon illegale Inhalte zu haben.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Eltern dieser Kinder wissen, in welche psychologische wie rechtliche Gefahr sie sich und ihre Kinder bringen. Und dass der Filter wirkt, erkenne ich schon daran, dass die Menge an Anfragen, die gefiltert werden müssen, deutlich zurückgegangen ist. Es wird wohl gelegentlich noch versucht, aber sobald die Sperrmeldung kommt, merkt man schnell, dass die Jungs sich anderen Themen zuwenden.

Auf jeden Fall muss es jedem Elter klar sein. Nur, weil man sein Kind bei sich zu hause beschützt, heißt das noch lange nicht, dass es nicht Zugriff auf Müll zum Teil der perversesten Sorte erlangen könnte.

Bei uns im Hausnetz ist Gott sei Dank die Attraktivität des Internets recht gering. Zumal auch Chatforen und Social Media Plattformen NOCH gesperrt sind. Denn jetzt ist unser Ältester in einem Alter, in dem ich mit ihm über diverse Themen sprechen werde, und dann das Netz FÜR IHN und NUR FÜR IHN etwas freier gestalten werde und nur noch illegale Inhalte im Filter aktiv entfernen lasse.

Und ich hoffe, dass er den Mut hat, auch bei Freunden nein zu sagen, wenn dort der entsprechende Schmutz ungefiltert auf den Rechnern erscheint.

Ach und für alle, die sich jetzt mit der Medienabstinenz in ihrem Haushalt brüsten.

Viel wichtiger, als ein striktes Verbot ist das Gespräch mit den Kindern, die Medienerziehung. Und wenn man selbst nicht das Wissen dazu hat. Es gibt hinreichend viele Tutorials, Vorträge und Kurse zu dem Thema. Und damit meine ich nicht diese dummen Vorträge der Polizei oder irgendwelche Psychologen a la Spitzer, die das Netz grundsätzlich zum Hort des Bösen machen. Das ist genau so dumm wie ein komplett unüberwachter Zugang. Aber man darf nie vergessen. Nur weil man selbst zu hause einen Hort der Sicherheit eingerichtet zu haben glaubt, heißt das noch lange nicht, dass nicht irgendwo, irgendwer einen offenen Zugang besitzt. Aber wer mit seinen Kindern im Kontakt bleibt, wer darüber spricht, der hilft ihnen, selbst eine kluge Entscheidung zu treffen.

Im Moment kooperiere ich mit mehreren passenden Organisationen, um eine sinnvolle Einführung in den Umgang mit dem Internet für Familien mit Kindern anzubieten. Denn sperren alleine ist nur ein Teil der Lösung. Und komplette Abstinenz löst das Problem nicht, sondern verlagert es nur in den Freundeskreis, frei nach dem Motto, aus dem Auge, aus dem Sinn.

Wir dürfen solche Themen nicht ausblenden noch an Institutionen delegieren. Gerade heute ist es enorm wichtig geworden, auch moralische Werte zu vermitteln (und das sollten wir tun, denn wenn ich sehe, was über die Kirchen zutage gekommen ist, erwarte ich von dort keinerlei angemessene Hilfe) UND einen vernünftigen Umgang mit dem Medium Internet. Der kann zu Beginn im Filtern des Internets starten (vor 10 Jahren bin ich der Meinung benötigt KEIN Kind direkten Online Zugang. Maximal Surfen mit Papa oder Mama in sehr kleinen Dosen) und je älter das Kind wird, umso mehr sollte man Verantwortung, Ethik und einen kritischen Umgang mit dem Medium vermitteln.

Update: Weil der Wunsch nach weiterführenden Links geäußert wurde:

Gute Suchmaschine und Infos : fragfinn

Guter DNS Server Dienst, der auch Filterung nach jugendgefährdenden Inhalten anbietet: OpenDNS

Gute Anleitung, um OpenDNS in einem AVM Router einzurichten: Fritzbox 7270 mit AVM

Gutes Angebot zum Thema: Internet-ABC

 

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