Schnell, billig aber nicht gut

Erschütternde Nachrichten in den Medien über Frühchen, die wegen mangelnder Hygiene gestorben sind lassen mich wieder darüber nachdenken, ob wir nicht in manchen Bereichen mit dem industrialisierten, auf Rendite und Kostenersparnis fixierten Denken wieder aufhören sollten.

Nicht jeder Bereich kann bzw. darf rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden. Gerade in Bereichen, in denen die Institutionen auch eine gesellschaftliche Aufgabe erfüllen, sollte der Hauptfokus darin liegen, die Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen und mit so viel Personal wie optimal notwendig, nicht wie minimal notwendig.

Aber auch in anderen Bereichen der Wirtschaft täte es ganz gut, wieder realistischere Zielvorgaben und Kostenrechnungen aufzustellen. Denn auch hieraus resultieren Burn out, fehlerhafte Produkte oder unzufriedene Kunden.

Qualität hat ihren Preis und braucht ihre Zeit. Insofern interessant finde ich das wieder steigende Interesse an individualisierten Produkten, deren Produktion durchaus auch etwas Zeit kosten darf.

Wer ständig unter Zeit und Kostendruck arbeitet, macht zwangsläufig mehr Fehler, weil niemand permanente Spitzenleistung unter voller Konzentration leisten kann.

Wir sollten alle versuchen, wieder eine Kultur der Zeit einzuführen, Dinge richtig zu tun, und gut zu tun, statt schnell und billig. Und in der aktuellen Ausgabe der Zeit, als wolle man meinen Eindruck unterstützen findet sich ein Artikel über Burn Out beim Hochschulpersonal. Und der Bericht eines Experten zum Thema Soziale Beschleunigung, der die individuelle Verweigerung propagiert, um aus dem Teufelskreis des immer mehr zu entfliehen.

Das mag in bestimmten gefährdeten Situationen eine Lösung sein, führt aber meiner Ansicht nach bei vielen dazu, dass sie letztlich innerlich kündigen. Aber das ist ein für das Unternehmen nicht sichtbarer Schaden, der erst dann auffällt, wenn bei der nächsten Umstrukturierung plötzlich diverse Keyplayer kündigen. Und dann ist es zu spät. Die Gefahr besteht immer mehr, dass wir gerade unsere wichtigste Ressource, uns selbst im Dienste von Beruf und Rendite verbrennen. Aber spätestens wenn wir in Rente, oder im schlimmsten Fall in die Arbeitsunfähigkeit entlassen werden, sind nur noch wir es, die damit zurecht kommen müssen. Der Wirtschaft ist es egal. Wir selbst müssen die Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen. Und das heißt auch NEIN zu sagen und den Versuch zu unternehmen, das Bewußtsein in die Öffentlichkeit und ja, auch in die Chefetagen zu tragen, dass endlose Renditesteigerungen und immer höhere Leistungsforderungen letztlich irgendwann zum Zusammenbruch des Systems führen.

Der Motor läuft quasi immer schneller und besser…. Bis er explodiert.

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