Softwareentwicklung reloaded: vom bösen Geek und dem gefährlichen Jedi

Ich bin schon ein paar Jährchen in der Softwareentwicklung tätig, und habe auch schon viele Bereiche kennengelernt. Ein paar Themen und Motive tauchen dabei immer wieder auf, egal mit welchen Methodiken man „offiziell“ vorgeht.

Da ist zum einen der „böse“ Geek. Natürlich nicht wirklich böse, aber im Verlauf eines Softwareprojekts oft ein Fachmann mit fatalen Auswirkungen. Er kennt sein Fachgebiet bis in die tiefsten Tiefen, er weiß genau, wie man 100% reinen Code produziert und lässt nichts anderes gelten. Das bewirkt zum einen, dass er selbst Code produziert, denn nur noch andere Geeks, und davon gibt es nicht all zu viele in seinem Fachgebiet, dafür hat der böse Geek ein Auge, das also nur solche Geeks seinen Code noch verstehen. Zum anderen demotiviert der „böse Geek“ sein Umfeld. Denn keiner kommt an seinen Code ran. Und das lässt er andere spüren.

Dagegen steht der „gefährliche Jedi“. Er hat ebenfalls ein tiefes Wissen, das aber eher durch die Jahre der Entwicklung an einem komplexen System gewachsen ist. Er kennt nur dieses System, und nun will man es ihm wegnehmen, es erneuern. Der gefährliche Jedi ist leicht zu erkennen an Worten wie: Mit dem bisherigen System wäre das ganz einfach. Oder auch: Das neue bringt doch gar nix, ist doch viel zu kompliziert.  Dem gefährlichen Jedi widerspricht sein Umfeld aber nicht, denn er ist anerkannter Grossmeister seines Faches. Er kennt jede Tiefe, kann den Code schon alleine durch seine Präsenz heilen (nutze die Macht). Doch wehe, es tritt ein junger Schüler auf den Plan, der mit neuen Werkzeugen und Herangehensweisen die Macht des Jedi hinterfragt. Dann kommt es zum Konflikt, dann zeigt der Jedi, dass nur er alleine die wahre Weisheit kennt.

Gefährlich ist auch „der Herr über die Waffen“. Meist ein Fachmann in den Werkzeugen, mit denen das Team bzw. das Haus entwickelt. Oder auch mit denen er gerne entwickelt. Hier wird es schwierig, das Herangehen oder noch schlimmer das Werkzeug zu wechseln. Ein mal Lichtschwert, immer Lichtschwert.

Ebenfalls ein Problem ist der immer wieder gegenwärtige „Imperator“. Er versteht weniger von der Tiefe der Programmierung aber er hält die Fäden in der Hand, sei es als Leiter eines Teams, als DER Fachmann für eine Aufgabe oder einen Teil eines Projekts. Der Imperator weiß, er soll delegieren, er soll Freiräume lassen, aber er ist der Herrscher. Deshalb fordert er permanente Berichte, stets den aktuellen Status und will über jeden Schritt seiner Untertanen informiert sein. Das liebste Werkzeug des Imperators ist das CC der EMail. Jeder muss ihn mit informieren, jeden informiert er mit. Mitarbeiter in Projekten mit Imperator ertrinken irgendwann in EMails, da früher oder später jede Mail mit CC an die ganze Gruppe geht.

Es gibt noch viele andere „bedrohliche“ oder „gefährliche“ Charaktere in Projekten. Demnächst werde ich hier weitere vorstellen, zum Beispiel den „dämonischen Clown“ und den „manisch depressiven Versager“.

Kennt ihr weitere interessante Charaktere in Projekten? Dann her damit!

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