Das Netz vergisst nicht. Oder doch?

Papier ist geduldig, aber wie geduldig ist das Web?

Die TAZ titelt: Das verschwundene Web. Und sie trifft da einen Punkt, der mich schon länger beschäftigt.
Alle die Klagen darüber, dass das Netz nichts vergisst, waren für mich schon lange nur die halbe Wahrheit. Seit 1991 betreibe ich verschiedenartige Homepages im Netz und von den Seiten existieren heute nicht einmal mehr Backups. Mein weitester Rückgriff geht gerade mal 2 Jahre zurück und beinhaltet die Texte, die ich auf unserer aktuellen Homepage eingebaut habe.

Nun vermisse ich den „alten Content“ nicht, haben ihn gar bewußt löschen lassen. Aber was ist mit dem neuen Trend zur „Cloud“? Wer garantiert mir, dass nicht morgen ein Datengau, oder auch einfach die Insolvenz des Dienstleisters mir von heute auf morgen den Zugang zu meinen Daten sperrt? Wie sichere ich mich hier ab? Muss ich tatsächlich stehts mit mehreren Diensten parallel fahren oder ggf. doch noch lokale Backups vorhalten, die eigentlich ja die Idee des Cloud Computings konterkarieren.

Ob die drei in 10 Jahren noch alle Daten beisammen haben?

 

Wir brauchen neben den hochgejubelten technologischen Konzepten der Cloud auch neue Verfahren, um auch im Falle von Insolvenzen oder dem Verschwinden eines Providers oder Dienstes meine Daten zumindest für einen bestimmten Zeitraum wiederherzustellen. Und hier rede ich weniger von technologischen Verfahren als von Rechtsansprüchen auf Weiterbetrieb eines Dienstes, ggf. auch von automatisierten Migrationsverfahren.

Meine papierenen Dokumente zu hause sind relativ sicher, die CDs, sofern sie Backups haben auch. Aber die Cloud und deren Datenpools können sich mir von heute auf morgen entziehen. Was dann? Wo liegt dann mein Backup? Natürlich kann ich wieder selbst für die Backups meiner Webdaten sorgen. Aber auch hier wird eigentlich die Idee des Datenoutsourcings konterkariert, wenn ich diese Dinge wieder selbst absichern muss. Und das so etwas passieren kann wissen wir alle nicht erst, nachdem Google hundertausende von EMails verloren hat.

Sicher kommen jetzt wieder Anmerkungen in Richtung: „Wer keinen Backup macht, ist selber schuld.“ oder auch  „Wer der Cloud vertraut, hats nicht anders verdient.“ Alles wohlfeile Argumente, die aber nur für die technophile, die erfahrene Community gilt. Wir dürfen nie vergessen: Der Durchschnittsuser will sich um so etwas wie ausfallende Dienstleister, Gefahren der Cloud nicht kümmern. Und er hat recht. Denn für ihn muss wie bei jeder Technologie gelten, sie muss das Leben erleichtern und darf nicht viel Zeit kosten.

 

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