Was unsere Gadgets mit Fukushima zu tun haben

Seit den entsetzlichen Bildern geht mir ein Fakt nicht mehr aus dem Kopf. Wie weit ist Japan wirklich von uns entfernt. Wie viel Anteil haben wir an den Ereignissen?
Direkt möglicherweise recht wenig. Technologie ist ggf. in Fukushima verbaut, die von deutschen Ingenieuren bzw. Firmen stammt.

Aber es gibt auch noch den mittelbaren Anteil. Den, der sich durch unsere Lebensweise definiert. Wir werden immer mehr technologisiert. Gadgets durchziehen unseren Alltag. Und auch die Geschwindigkeit, mit der ein Gadget das andere ablöst, beschleunigt sich immer mehr. Wir leben mobil, wollen viel reisen und auch im Zielland auf unseren westlichen Lebensstil, inklusive allen technologischen Komforts nicht verzichten.

Das hat wenig mit Nachhaltigkeit zu tun. Viele derjenigen, die sich für nachhaltig halten, die ökologisch vernünftig leben wollen, kaufen dennoch Biogemüse, das um die halbe Welt gekarrt wurde. Oder sie pendeln jeden Tag von ihrem Niedrigenergiehaus auf dem Land 50km und mehr in die Stadt.

Aber auch diejenigen, die in der Stadt leben, leben deshalb nicht vernünftiger. Wie viele Autos sind eigentlich viel zu groß für den Bedarf des Stadtbewohners. Wer kann mir erklären, wofür ich in einer Großsstadt ein SUV brauche? Selbst jetzt sind die Schlaglöcher nicht so tief, dass man sie nur mit einem Geländewagen überwinden könnte.

Es ist sehr einfach, den Energiehunger der Welt zu beklagen. Aber wer ist schon so ehrlich, bei sich selbst anzufangen. Denn jedes Produkt, jeder Konsum geht einher mit Energieverbrauch. Und je mehr Luxus der Westen fordert, um so geringer ist die Chance, alleine mit erneuerbaren Energien kurzfristig die Atomkraft abzulösen.

Wir alle rufen laut nach dem Ende der Atomkraft. Aber der Lebensstil vieler Menschen sagt etwas anderes. Und auch der politische Wille ist beschränkt.
Jetzt tut die Bundesregierung so, als stelle sie alles auf den Prüfstand. Dabei weiss sie genau, in ein paar Monaten sind jedem die Kosten fürs Benzin und die Altersabsicherung, der Erhalt des eigenen Luxuslebens wieder wichtiger als die Hilfe für Arbeitssuchende Hartz IV Empfänger oder die Generation unserer Kinder, die mit unseren auch atomenergierelevanten Versäumnissen leben muß.

Sicher, wir brauchen eine Energiepolitik ohne Atomstrom.
Aber wir brauchen auch einen Lebensstil, der energieeffizienter ist und nachhaltiger. Und dazu gehört es auch, den Sinn des nächsten neuen Gadgets zu hinterfragen. Denn sicherlich ist ein Tablet PC eine tolle Sache oder das nächste, noch bessere Smartphone. Aber brauche ich es, oder will ich es?

Ich weiß wo von ich rede, auch ich gestehe, ich bin ein Gadgetfreak, der immer das neueste Gadget gerne hätte. Aber im Moment ist mir irgendwie die Neugier vergangen. Wenn ich nach Japan blicke werden die neuesten Meldungen zu Device XY ziemlich irrelevant.

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