Die „neue“ ARD und der Kuschelkurs mit den Verlegern

Zur Zeit echauffiert sich das Netz über ein Interview der neuen ARD Vorsitzenden Piel:

ARD-Vorsitzende Piel: „Die ARD steht für eine Allianz gegen Google bereit“ – Medien – Tagesspiegel.

Ganz ehrlich, ich halte die Aussagen zwar für sehr wirr, wittere dahinter aber ein großes Maß an Kalkül. Gerade hat die ARD mit der Tagesschau App bei den Verlegern für Aufruhr gesorgt. Da wird natürlich diese Äußerung auch deshalb kommen, weil man es sich nicht gänzlich mit den Verlegern verscherzen will. Aber wie kommt Frau Piel auf diese wirre Annahme, Google stelle eine Gefahr für Verleger und Sender dar? Im  Gegenteil, durch Google werden manch junge Digital Natives überhaupt noch an Zeitungsinhalte und Medien herangeführt. Und warum eigentlich Google? Im Moment finde ich die meisten interessanten Links über Facebook oder Twitter! Also besteht eine Allianz gegen das Internet? Im Zusammenhang damit von einem Geburtsfehler des Internet zu reden, weil dort eine Gratiskultur bestehe, halte ich für eine absolute Frechheit. (Zitat: „Wie schnell könnten Sie ihre Apps denn überhaupt kostenpflichtig machen?“
Es gibt ja schon heute kostenpflichtige Apps der ARD, beispielsweise die Loriot-App. Den Geburtsfehler des Internets – kostenlose Inhalte – zu beseitigen ist aber schwierig und langwierig.
„) Nicht das Internet hat einen Geburts- sondern die althergebrachten Denkweisen der Digital Visitors in den Chefetagen der Medienkonzerne haben einen ganz gewaltigen Denkfehler. Anstelle sich Gedanken um neue Geschäftsmodelle zu machen wird undifferenziert das Internet als das globale Böse dargestellt, dessen integrativer, freier Ansatz wohl unbedingt unter die Kommerzknute gebracht werden muss.

Mal sehen, wann die Tagesschau app Geld kosten wird? Und wie schnell dann keiner mehr diese Anwendung nutzen wird.

Interessant auch die wie ich finde Drohung: Zitat „Was tun Sie, um den Zeitungen zu helfen?
Wir bieten Kooperationen an. Mathias Döpfner, der Springer-Chef, denkt bei diesem Thema in die richtige Richtung. Er will eine Allianz der Qualitätsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen Google, Apple und Vodafone. Die ARD steht dafür bereit.

Also will man exakt mit jenen Medien operieren, die den Qualitätsjournalismus dem Profit opfern? Will also auch die ARD zum Unterschichtenfernsehen mutieren? Dann wäre für mich der letzte Grund passe, noch gelegentlich mal das Fernsehen einzuschalten.
Erste Bewegung in diese Richtung lässt sich durch die neue Programmplanung der ARD erkennen, wo kritischen Information verblödenden Unterhaltungsformaten geopfert werden soll.
Und danke an @mahrko für den Link zum Interview mit ZDF Chefredakteur Frey, der zu dem neuen Programmkonzept der ARD ein paar treffende Sätze parat hat.
Es gibt diverse Beispiele, warum gerade die Kostenloskultur funktioniert aber man kann das einfach ignorant abtun. Das Ansehen der alten Holz- und Flimmermedien wird das nicht verbessern, aber es wird die Gegenbewegung im Netz verstärken. Denn je mehr der Konflikt in die Öffentlichkeit getragen wird, um so schneller wird offenbar, dass der Kaiser in Wirklichkeit tatsächlich nackt ist!

Kommentar verfassen