Stress in der IT. Das Tabu, über das man besser nicht spricht

Techannel hat einen Artikel neu veröffentlicht, der schon 2009 richtig war und heute noch nichts an Brisanz verloren hat: „Stress im Job: Das Leiden der IT Mitarbeiter„.

Es gibt verschiedene Aspekte, wobei ich hier einen Aspekt kritisieren muss, der in dem Artikel empfohlen wird. Es sollen in den Meetings die Stresslevel der einzelnen Mitarbeiter thematisiert werden. Das setzt aber stehts einen vernünftigen, toleranten und am Menschen orientierten Umgang voraus. Und genau hier hapert es in der IT. Oft sind gerade die dort tätigen Mitarbeiter nicht gerade die Ausgeburten an sozialer Kompetenz. Sich über die Leistung oder die Probleme des anderen lustig machen gehört ebenso dazu, wie ein harter Konkurrenzkampf und die Furcht, nicht zu den Topperformern zu gehören.

Hier muss sich zunächst kulturell etwas wandeln. Der Druck muss raus und auch der durchschnittliche Mitarbeiter muss endlich in seiner Relevanz für die tägliche Arbeit akzeptiert werden. Denn oft halten nicht die Top Performer den Laden am Laufen sondern die „durchschnittlichen Mitarbeiter“, die ohne Murren das Tagesgeschäft erledigen und den stetig weiter wachsenden Druck so lange ertragen, bis auch sie nicht mehr können. Wer am Limit arbeitet, macht sich selbst kaputt. Wer glaubt, er könne über den ganzen Tag hinweg 100% Leistung erbringen, der irrt und macht sich mit diesem Anspruch eher selbst kaputt.

Und ganz wichtig, eine Kultur, die die eigene Leistung nur noch an Kennzahlen misst, kann nur zum Scheitern verurteilt sein, weil sich der „Wert“ eines Mitarbeiters nicht nur in Zahlen ausdrückt. Soziale Kompetenz kann ebenso relevant sein. Oft gibt es in Teams auch die Mitarbeiter, die zwar nicht zu den Keyplayern gehören, aber durch ihre Art mit den Kollegen zusammenzuarbeiten ein Team am Laufen und motiviert halten. Man darf den Menschen nicht vergessen, denn sonst kann man irgendwann das Projekt vergessen.

Wer sich  nur noch als „Ressource“ und Kostenfaktor wahrnimmt, der verliert sehr schnell die Motivation und wird krank. Denn Wertschätzung ist auch in der IT wichtig. Ja, eigentlich in jedem Beruf!

Und für jeden einzelnen gilt: Zunächst MUSS die eigene Gesundheit, das eigene physische wie psychische Wohlbefinden kommen, erst danach der ganze Rest. Wenn erst mal das eigene Leben, die eigene Familie darunter leidet, ist es zu spät!

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