McKinsey über die wichtigsten IT Trends der Zukunft. Eine kritische Bewertung

DAS CIO Magazin stellt McKinseys Studie unter dem Titel:
Die 10 IT-Trends von McKinsey
Wie IT das Leben von morgen bestimmt
vor.

Darunter einiges interessante aber auch viele Dinge, die schon heute gehen oder bei denen fraglich ist, ob der User diese akzeptiert:

1. Unternehmen schaffen gemeinsam mit ihren Kunden Wert (Cocreation):

Das mag funktionieren, aber nur, wenn die Unternehmenskulturen sich massiv ändern. Wer auf Dauer Cocreation nutzen will, muss nicht nur dem Kunden auch einen Gegenwert liefern, er muss auch offen sein für alternative Konzepte aus dem Kreis der Kunden. Das wird durch „althergebrachte Unternehmenskulturen“ schwer. Insofern müssen Unternehmen, die Cocreation nutzen wollen auch in ihren Arbeitsprozessen und ihrer Adaptionsgeschwindigkeit für neue Entwicklungen deutlich schneller werden.

2. Das Netzwerk entwickelt sich zum Unternehmen:

Hierunter lassen sich auch Begriffe wie Virtual Workplace und neue Arbeitszeit und Work Life Integration Modelle subsumieren.
Alles natürlich im Prinzip richtig, allerdings ebenfalls ein Prozess, der nur dann kommen wird, wenn sich die Kultur der Arbeit deutlich ändert, und wir vom effizienten, an der Arbeitszeit orientierten Arbeiten zu einem effektiven, am Ergebnis orientierten Arbeiten gelangen.

3. Skalierbare Collaboration:

Hierunter fallen nach Aussage des Artikels Wikis, Blogs und ähnliche Tools.
Und wieder steht dieser Entwicklung eine althergebrachte Unternehmensstruktur mit festen Jobbezeichnungen und Rollen im Weg. Wo es versteckte Talente gibt, lassen diese sich in einer skalierbaren Collaboration einfach verbinden. Dafür muss man sich aber vom alten Denken in festen Teams mit Teamleitern verabschieden und jeden Mitarbeiter ernsthaft als Mitunternehmer sehen.

4. Das Internet erobert die physische Welt („Internet of things“):

Dies passiert nur dann, wenn auch die datenschutzrechtlichen Aspekte geklärt sind. Schon solch einfache Themen wie Google Street View oder RFID Chips in Kleidung lassen Datenschützer Alarm schlagen und nur, wenn diese Techniken gesellschaftlich auch akzeptiert und von Gesetzen und Opt In Möglichkeiten unterfüttert sind, wird sich das Internet der Dinge wirklich etablieren.
Schon heute kann man z.B. Geldbörsen kaufen, die jegliche Abstrahlung von RFID Chips unterbinden…….

5. Die Datenmenge wächst und wächst und wächst…:

Hier fällt mir spontan ein … ACH? Schon länger propagiere ich die Wiederkehr des Information-Brokers, der
als originäre Aufgabe die Sammlung, Sichtung und das Sortieren von Information nach Relevanz und Thema zur Aufgabe hat.
Zusätzlich eröffnet sich hier ein neuer Markt für intelligente Werkzeuge, um automatisiert Informationen zu filtenr und aufzubereiten. Beispiele hierfür finden sich heute bereits, wie z.B. Feedly oder Tabbloid.

6. Technik für Nachhaltigkeit:

Ein grosses Thema, zumal wir in Zukunft steigende Energiekosten erleben werden, die auch im privaten Bereich zu energiesparenden Geräten oder gänzlichem Verzicht führen. Wer hier federführend operiert, kann sich sehr schnell einen entscheidenden Imagegewinn und auch Marktvorteil generieren. Insofern stimme ich diesem Punkt zu.

7. Alles-as-a-Service:

Daran wiederum zweifle ich: Es gibt hier meiner Ansicht nach eine natürlich Hemmschwelle, da wir Menschen immer auch Wert auf Status legen. Das Beispiel Car Sharing zieht nur insofern, da im Moment das Auto nicht mehr als das Statussymbol gesehen wird. Aber schon jetzt, am Ende der Finanzkrise ist wieder ein vemehrter Umsatz mit grossen Limousinen zu vermelden, insofern ist Car Sharing eher ein Trend einer kleinen Gruppe, und viele andere Dienste werden auch weiterhin besessen werden wollen. Nur Dienste, die mir keinen Status, kein Ansehen bringen, können in diesem Modell „As A Service“ angeboten werden.

8. Mehr Umsatz von dritter Seite:

Ja, Zustimmung. Ein Bereich sind, wie der Artikel erwähnt, Webseiten, mit denen sich Geld verdienen lässt, wenn sie dem Kunden einen Mehrwert liefern. Das kann auch ein wildern in fremden Themen sein, wenn ein Finanzdienstleister z.B. eine Plattform für Finanzierungsfragen anbietet, und dort Privatpersonen kostenlos, Unternehmen aber gegen eine Gebühr auftreten. Quasi jedes beratungsintensive Thema lässt sich auf diese Art monetarisieren, wenn eine gewisse Qualität und ein ehrlicher Umgang mit den Usern gewährleistet bleibt.

Zudem können so einige Unternehmen durchaus Zielgruppen erreichen, die sich früher nie für die Produkte der Firma interessiert hätten oder die man auf den herkömmlichen Kommunikationswegen nicht oder nur schwer erreicht. Social Media werden hier vor allem immer mehr an Bedeutung gewinnen, da ein immer grösserer Anteil der Nutzer Produktentscheidungen von ihren Followern oder Freunden abhängig machen, mit denen sie im Netz kommunizieren.

9. Innovationen in aufsteigenden Märkten testen:

Hier liegt der Effekt schon im Markt begründet. Aufsteigende Märkte sind innovativer, da sie schon per definitionem neues erzeugen. Hier lassen sich Konzepte antesten und neue Wege gehen, da die Teilnehmer solcher aufsteigender Märkte selbst oft hochinnovativ sind, oder der Mangel zur Innovation zwingt.

10. Veränderungen im öffentlichen Raum:

Ein gefährliches Thema, da hier die Grenze zwischen Dienstleistungen zur z.B. Verkehrssicherheit und Überwachung des Bürgers oft sehr schwammig ist. Kameras auf öffentlichen Plätzen können die Sicherheit erhöhen, gerade aber mit Blick auf die momentane Datenschutz- und Überwachungsdiskussion muss man hier sehr behutsam und unter frühestmöglicher Einbeziehung der Bürger vorgehen, um nicht am Widerstand der Bürger zu scheitern.

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